Stadtarchiv Werl
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Stadt Werl
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1673
Permalink der Verzeichnungseinheit

Deduktionsschrift des Rates der Stadt Werl (Autor: Hermann Brandis) betr. ihre Entwicklung und Privilegien zwecks Erlangung einer landesherrlichen Beihilfe wegen der erlittenen brandenburgischen Belagerung.

v.num : 1836

Enthält : Zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges in Hermann Brandis¿ "Historie der Stadt Werl".
Der Sälzeroberst, Bürgermeister und Geschichtsschreiber von Werl, Hermann Zelion genannt Brandis (* 5.2.1612, + 21.3.1673, s. Anm. 1) hat als Zeitzeuge des großen Krieges um 1673 ein umfangreiches Manuskript ohne Titel verfaßt, welches der Editor Johann Suibert Seibertz (1788-1871) in seinen "Quellen der Westfälischen Geschichte", Bd. I, Arnsberg 1857, Nr. III, S. 73-95 abdruckte und "Historie der Stadt Werl" betitelte und ganz richtig "Hermann Brandis; Erbsälzer und Bürgermeister daselbst. 1673" zuschrieb. Wie eine Überprüfung ergab, liegt dem Druck das Manuskript im Erbsälzerarchiv Werl (Dep. im Stadtarchiv Werl) zugrunde, wie es Seibertz (S. 45) auch angibt (s. Anm. 2).
Anläßlich einer Recherche wurde im August 1998 im hiesigen Stadtarchiv eine weitere Handschrift gefunden (s. Anm. 3). Rudolf Preising gab ihr 1972 bei der Neuverzeichnung des Stadtarchivs des Titel "Deduktionsschrift des Rates zu Werl betr. ihrer (sic!) Entwicklung und Privilegien zwecks Erlangung einer landesherrlichen Beihilfe wegen der erlittenen brandenburgischen Belagerung 1673". Preising hat die Handschrift wohl nicht näher untersucht und somit ist ihm die Autorenschaft des Hermann Brandis entgangen.
Aus der "Historie der Stadt Werl" des Hermann Brandis wird hier nun ein Auszug abgedruckt, soweit er den Dreißigjährigen Krieg betrifft. Die Druckvorlage aus dem Erbsälzerarchiv wurde von Seibertz inhaltlich unverändert übernommen, lediglich die Schreibung einiger Worte paßte er dem Stil des 19. Jahrhunderts an und veränderte oder ergänzte die Interpunktion des Urhebers. Die jetzt gefundene Handschrift der "Historie der Stadt Werl" ist, wie die Druckvorlage von 1857 von unbekannter Hand geschrieben und von Hermann Brandis selbst korrigiert. Die Druckvorlage von Seibertz hat nur wenige Korrekturen, während die nun gefundene Handschrift z. Teil stark korriegiert bzw. mit zahlreichen Einschüben und Marginalien versehen ist.
Die Abweichungen, Korrekturen und Zusätze der Handschrift des Stadtarchivs werden in unserem auszugsweisen Abdruck der Zeit des Dreißigjährigen Krieges in 46 ermittelten Passagen genau nachgewiesen.
Die Handschrift ist ohne Titel oder Deckblatt mit hellgrünen Seidenfäden gebunden und umfaßt 48 paginierte Blätter = 96 beschriebene Seiten. Da, wie durch den Druck von 1857 erkennbar, der Handschrift des Stadtarchivs ein umfangreicher "Schachtelsatz", nämlich der größte Teil des Schlußsatzes fehlt, der Text auf Bl. 48v jedoch bis zum Schluß der Seite läuft, scheint ein Bogen dieser Handschrift verloren zu sein. Möglicherweise trug er einen Titel und hinten (Bl. 49r) evtl. den jetzt fehlenden Rest des letzten Satzes! (s. Anm. 4).
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Anm. 1:
Die Lebensdaten des Hermann Brandis und einige weitere Details zur Vita sind jedoch bei Seibertz (S. 43-45) aufgrund einer Verwechselung mit einem gleichnamigen Namensträger falsch angegeben und leider durchgetragen bis zu Leopold Schütte: Überlieferung, Erforschung und Darstellung der Landesgeschichte Westfalens in der Neuzeit, in: Wilhelm Kohl (Hrsg.): Westfälische Geschichte, Bd. I, Düsseldorf 1983, S. 29, obwohl die Lebensdaten des Hermann Brandis seit 1965 unzweifelhaft veröffentlicht sind, vgl.: Friedrich v. Klocke, Das Patriziatsproblem und die Werler Erbsälzer, Münster 1965, S. 62, 65f und 224.

Anm. 2:
StA Werl, Dep. Erbsälzerarchiv Werl, Akten (Handschrift) Sb I 4 (Kasten 1), vor 1974 in Naturleinen neu gebunden, mit Rückenschildchen (rot, Goldprägung: Brandis - Geschichte der Stadt Werl), 63 paginierte Blätter, eingeschobene Blätter: 4a und 63a. Bl. 63a ist der Extrakt des Schreibens des Friedrich v. Stockhausen an den Siegler zu Werl. Auf der Rückseite (Bl. 63 av) hat Hermann Brandis in seiner charaktervollen Handschrift den Vermerk "Gnadengedanken..." angebracht, den Seibertz (S. 44 unten zitiert), jedoch das Datum in der Schreibung "29t(en) 7 br(is) 1672". Die Autorschaft des Hermann Brandis, der sich ja selbst als Verfasser namentlich nicht bezeichnet, ist durch eingehende Recherchen Dr. Friedrich v. Klockes schon vor 1944 hinlänglich erwiesen worden. Letzte Zweifel dürften durch ein eigenhändiges Schreiben Hermann Brandis¿ an seinen Sohn Michael Florenz Brandis (1640-1673) vom 7.7.1670 aus Köln zu zerstreuen sein (Erbsälzerarchiv, Akten Sc IX C 53, Kasten 61, unpaginiert, zum Schluß der Akte). Die Schrift dieses Briefes befindet sich in der Masse der geschichtlichen Mscr. des Hermann Brandis, der sich jedoch auch oftmals eines (Privat-) Schreibers bediente. Zahlreiche Inhaltsvermerke und sonstige Bemerkungen auf Urkunden und Aktenstücken im Erbsälzerarchiv als auch im Stadtarchiv Werl belegen den Grad des Einflusses des langjährigen Bürgermeisters (1657-1674, mit Unterbrechung 1663/64) als auch das gründliche Quellenstudium des Historikers unserer Stadt.

Anm. 3:
StA Werl, Akten B 45 Nr. 33 (Kasten 48a).

Anm. 4:
In der Anm. 3 genannten Handschrift fehlt zum Schluß der folgende, hier nach dem Druck von 1857 gebrachte Halbsatz "..., wodurch derselben umb etwaß wider auffgeholffen werden und sie Mittel erlangen möge, sich künfftig bei etwa dergleichen wieder vorfallenden Occasionen, welche jedoch Gott in Gnaden abwenden wolle, desto daß zu manuteniren und selbige Gnad, womit Ihr. Churfle. Durchl. auß Fürstvatterlicher Zuneigungh, viellbesagte Ihre trewgehorsambste Statt theilß schon versichert, theilß auch noch mehres zu erwahrten, auf die werthe Posteritet zu transferiren."
$ ... $ = Kollationierung mit der Druckvorlage Sb I 4 im Erbsälzerarchiv Werl, Dep. StA Werl.

# ... # = Kollationierung mit der Handschrift im StA Werl, Akten B 45 Nr. 33.


Anno 1612 succedirte am Ertzstifft Churfürst Ferdinandus, auch in Ober- und Nieder-Bayern Hertzog, #ein gütig und gerechtliebender Herr#(FEHLT in der Vorlage), hat aber bey seiner, wiewoll langer Regirung, nit viell friedtlicher Jahren erlebet; dan Anno 1618 erschiene der #erschecklich- und unglücklicher Comet#(GETILGT: greulicher unglücksstern) -Stern, #GETILGT: der erschrecklicher# welcher den gantzen römischen Reich teutscher Nation lauter Schwerdt, Fewer und Flammen, Pestilentz, Hunger und Kummer #GETILGT: drewender Comet# zugezogen hatt. Wie nun derselbe unter andern auch die Statt Werll in denen dreyßigh Jahren, so lange deßen operationes gewehret, mit getroffen, will sich in dieser Enge nit beschreiben lassen. Daß erste aber ware, daß Anno 1622 Hertzogh Christian von Braunschweig, #Bischoff#(VERBESSERT: aus Herzogh) zu Halberstatt, ein sonderlicher Feyendt der Geistlichen und denen zugehöriger Ortter, die Statt Werll durch einen Trumpet und ein zu mehrem Schrecken an den vier Ecken #angezündeteß#(VERÄNDERT aus: angesteckt gewesenes) Schreiben auffordern ließe. #Es wurden aber Mittele gebrauchet#(man brauchte doch mittele), denselben vor daßmahlen abzukehren, wiewoll es die Statt noch #GETILGT: trucket# biß auf heutige Stunde #hart# starck trucket. Darauff kame der kayserle. Entsatz unter dem Veltmarschalken Graffen von Anhalt, wodurch #die Statt gantz mit Volck angefüllet# dan daß Landt, sonderlich aber die Stadt Werlle, mit Volcke gantz angefüllet und den Winter uber, biß es #Dinstages zu Pfinxten#(FEHLT in der Vorlage) zum Feldtzuge gienge, die Einwohnere auf einmal #GETILGT: gantz und# dergestalt außgelehret wurden, daß es mancher biß hiezu noch, nit uberwunden. #überwunden, aber das ärgste folget. (Ab Absonderlich Absonderlich fehlt der ganze Abschnitt zu 1627)# aber truckte eß die Sältzere, daß Anno 1627 zu Beförderunge eines newen Saltzwercks aug ggste. landtsfürstliche Anschaffung der bei Zeiten Ertzbischoffen Sifridi, ungefehr ao. 1288 $(die Vorlage hat fälschlich "1388", wie oben fol. 9, dort jedoch richtig 1288)$, wie oben (S. 53) unter Wasser gesetzter uns ao. 1382 von Ertzbischoff Friderich ihnen Sältzeren ewig versicherter Saltzbrunnen im Stattsgraben, unter Beschuldigung deßen darauß nit erfolgenden Zehntes ergriffen und darauf im Meyloh ein groß neweß, in 16 Spannen bestehendeß Saltzwerck erbawet, auffgesetzt wurde, zwar die Sältzere unterließen nit, mit unterthänigsten Suppliciren ihr Eußerstes zu thun, aber es schiene, daß der Himmel für daßmahlen ein anders uber sie verhenget hatte, sogar auch, daß es zum Speirischen Processu kame, dabei Underthanen nit viell zu gewinnen pflegen, wan sie solche Wege mit ihrem Landtsfürsten und Herrn eingehen müßen, wie gewiß auch die Sältzere, indeme sie denen schwehren Kriegslasten und andern Statts-Unglücken, nit minder auch alß andere unterworffen sein musten, der Zeit ihr Unglück nit weinigh beclagten.
Dan ao. 1633 uff Charfreytage den 25. Martii (als sollte es ein prodromus alleß folgenden Unglücks sein) entstunde #alhier# wiederumb #in Werll#(FEHLT in der Vorlage) eine große Fewersbrunst, indeme einige #von#(Soldaten von dem) dhamalß alda logirenden Haubtman Clots #Soldaten#(GETILGT), in Johan Mellins Hause, negst am Marckte, daß Liecht verwahrloeseten und darüber daßelebe Hauß in Brandt gienge und waß #auch die Burgere zu retten sich bemüheten#(man auch zu retten sich bemühete#, dannoch #eine#(solche) Gluth darauß entstunde, daß in einer unglaublicher Geschwinde, beiderseits der Beckerstraßen, sambt dem Hospital, mit beygehöriger Kirchen, ad 82 mehrentheilß stattliche Häusere, biß an die Büdiker Pfordten, so viell daß Holtzwerck belangte, der Erden gleich wurden.
Diesem nach, wie ferner auch die Kriegsflammen #daß#(dieses) Fürstenthumb #Westvalen#(FEHLT in der Vorlage) ergriffen und der Landtgraff zu Heßen, mit schwedischer Hülffe #die Statt Werl#(diese Stadt) feyendtlich aufforderte und durch die Gewalt der Stücke endtlich auch am 27. Octobris mit Fewer bezwunge, indeme der Orth negst dem Saltzplatze umb das Himmelreich, ad 52 Häusere sambt mehrentheilß dem Saltzplatze in Brandt geriethe, mußte die Statt auß Mangel Succurseß und Forcht weiterer Einascherunge sowoll, alß auch unlengsten daruf daß Churfle. Schloß durch Accordt dem #Gegentheile#(Feynde) sich ergeben. Waruf dan Ellendt uber Ehlendt erfolgte; daß liebe Brodt gienge ab, also auch daß man daßelbe auß dem Bergischen Lande, #wie auch der Wedderaw#(FEHLT in der Vorlage) und weiter herlangen muste. Die Leuthe versturben auß Kummer und verwichen in den Krieg oder andere Lande, die Dorffere umbher wurden oede und wüste, daß nit Katz oder Hundt darinnen zu finden. Der Acker pliebe ungebawet und unbesamet, auch dergestalt (daß wolten die arme noch übrige Leuthe anders Lebens- und Contributionsmittele erzwingen) auß Abgang der Pferde, sich Man und Frawen in Kahrren spannen und daß Holtz, umb Gelt darauß zu machen, naher den Saltzwerkeren ziehen und also im bittern Schweiße utunque sich erhalten musten, #steets#(alles) unter Hoffnung, es #mogte#(über GETILGT: könte) doch endtlich wieder beßer werden. Aber die abschewliche Seuche der Pestilentz schluge hinzu, #von dem Uberrest noch viele jung und alte Leute auch die stärckiste Männer wegnahme und verschlunge#(welche (dazu noch=getilgt) vielle Leuthe, Jung und alte, auch die stärckeste Männer verschlunge).
Anno 1636 alß der bayerischer Generall Graff Götze der Statt Soest, Hamm, Lünen, Dortmundt und mehr Örtern da herumb sich wieder bemechtigte, gewahn er auch #auf St. Michaelis Tage die Statt Werll#(dieße Statt Werll auff S. Michäelis tagh), indeme die Heßen, den Burgern nit trawende, sondern viellmehr dieselbe disarmiret und die Wachten allein hatten, durch Petardirung der #Melxster Pfordten#(Pfordten), daß Schloß aber durch starckeß Canoniren #GETILGT: der stücken#, alleß weilen der heßischer Commendant Kröschel, durch seine Fraw und vieles Gelt kleinmutig gemachet, #under#(GETILGT: binner) Zeit von acht Tagen. Waß nun diese Belägerunge wiederumb zu thun gemachet, steht leichtsamb zu gedencken; aber es pliebe dabey nit.
Dan Anno 1637 entstunde in Dreeß des Stattsknechts Hause am gulden Pote ein Fewer, ohne daß man #wissen und# erkundigen konte, wie und woher? Darüber brandten im Grunde ab 22 Häusere. #worauff leider waß = getilgt, überschrieben: mein Gott seint diß nicht erschreckliche heimbsuchungen, getilgt: Gottes, getilgt: seint dieses. Auch mitten unter den beschwerlichsten Kriegespressuren, getilgt: abermahlen, getilgt: überschrieben: Wie deme. Wobey es noch nit geblieben, sondern es entstunden Anno 1641#. Zwar Creutz über Creutz; aber arg wurde noch ärger; indeme auch der leidiger Sathan, der Stiffter aller Unruhe, selbiger Gelegenheit sich bediente und wiederumb aldah zu Werll Anno 1641 #es folgt eine wesentlich andere Fassung des Abschnittes zu 1641: ... sondern es entstunden Anno 1641 (entstunden=getilgt) widerumb (alhier=getilgt) unvermutete newe irrfallen, (und wer sollte es=getilgt) und zwarn eben diejenige (verändert aus dieselbe), welche Anno 1482 und 1510 per Compromissum schon abgethan waren, die gemuhtere lieffen verbittert gegeneinander, es gabe (verändert aus es gelte) Clagten uber Clagten, und were balt zum eußeristen kommen, biß endtlich der Churfrl. Landtrost Herr Friederich von Fürstenbergh sambt dem H. Drn. Budde, auch Churfrl. Räth (hinhero=getilgt) sich nach Werll erheben, die sachen zu verhör zihen, und (kurtzlich abzubrechen) die Sältzere bey ihren privilegiis des halben rathß, wie auch freyheit der Saltzplatz von Schatzungsposten ernstlich manutenirten, jedoch es folgte, was auff solche prodromus zu folgen pfleget, dan Anno 1645...# unter den Aembtern und Gilden eben die friedstörige Conatus gegen die Sältzere in puncto des halben Stattregiments erwecket und daß auch der Saltzplatz eben so woll Schatz und Last tragen mögte, als andere Gütere, welcheß dabevor sonsten 1482 Ertzbischoff Herman und Ertzbischofh Philipß ao. 1510, wie oben (S. 68 und 70) zu sehen, höchst verpoenet und ewig abgethan hatte. Gleichwoll wurde daß Werck so weit getrieben, daß auch bey damahliger Rahttswahll an Platz der Seltzere, theilß andere von den Ämbteren, nit mit geringem Aufstande der comitirten Burgerey , zum Rahtt würcklich angesetzet und intrudiret wurden. Aber Churflr. Herr Landtroste, Herr Friederich von Fürstenbergh, nahme sich der Sachen ernstlich ahn und begabe sich in Person selbsten, mit Zuziehungh deß Churfln. Rahtts Doctor Budden, nacher Werl in rem praesentem, untersuchten die Sachen und ließen sich vorglte. Churfle. Recessen und Rechtsprüche in originalibus vorspringen, denen dann zufolgh die eingetrungene von den Ämbtern amouiret und die Sältzere sowoll in pto. deß halben Rahtts alß auch deß Saltzplatzes Exemption, bey deren Privilegien manuteniret und die Uhrhebere dieseß Uffstandeß theilß der Gebühr gestraffet theilß auch verbetten wurden. Aber waß folgete daruff?
Anno 1645 #Sontageß#(auff Dominica) Esto mihi, #also just acht Tage für dahmalß bevorstehender Rahttswahll,#(FEHLT in der Vorlage) alß die Leuthe Morgens umb 9 Uhren meistentheilß in der Kirchen wahren, entstunde #abermahlen alda zu Werll#(FEHLT in der Vorlage) in Johan Rißen des Stattkarrentreibers Hause, an der Kemperstraßen, ein geschwindeß Fewer, wodurch von #selbiger#(ÜBER: dießer) Straßen ab, uber den Rungenthall, wie mans nennet, durch die Kisaw langs die Stattsmawr, #GETILGT: und langes)# biß ans Schloß 41 theilß vornehme Häusere, in so geschwinder Flammen stunden, daß man, wie heuffig auch die Leuthe auß der Kirchen trungen und zur Gereidschafft griffen, wenig retten konte, sondern alleß für seinen Augen niederfallen sehen muste, geriehte auch also der Orth der Statt zur Kohlgluth und der Erden gleich.#(Vorlage noch: daß Gott erbarme)#
#(Der ganze folgende Abschnitt als Marginalie eigenhändig von Hermann Brandis)# Eben in diesem 645sten Jahre verordtnete Ertzbischoff und Churfürst Ferdinandt, sub dato den 6. Junij daß zu Beforderung desto mehrer Andacht, zu offtgltm. Werll, die P.P. Capucini einen Convent ihres Ordens daselbsten pflantzen mögten, wie dan auch der umbliggender Ohrter geschehen und ihnen mit der Zeit Kirch und Closter #dahin gesetzet wurde, darüber#(Vorlage: alda erbawet worüber) der churfle. Landtroste, Herr Dietherich Freyherr von Landtsbergh, alß principalis fundator, einen ewigen Nahmen sich mit gemachet.
Endtlich ließe doch der grundtgütiger Gott durch vieller tausendt fromer Seelen Seuffzere, Bitten und #Flehen#(Vorlage: weinen) sich väterlich bewegen, daß vermittelß der Münsterisch- und Osnabrückischer Tractaten anno 1648 zwischen allen kriegenden Theilen der Friedt geschloßen wurde; sed quantae molis erat!
Waß nun dieser dreyßigjähriger Krieg und darunter #(getilgt: verschiedene)# mit außgestandene grundtverderbliche Fewrs-Unglückere: endtlich auch die Erhebung deßen nun so weith geschloßenen Friedens, in Beybringung der schweren Satisfactionsgelder, für die gegentheilige kriegende Partheyen und sonsten es #(getilgt: diesem Orte)# der Statt Werll zu thun gemachet, wird die #dahige#(FEHLT in der Vorlage) Posteritet auß den Statt-prothocollis und registris, so viell es angezeichnet, künfftig mit Verwunderung zu sehen haben.



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