Stadtarchiv Werl
Archivgut eigener Herkunft, im eigenen Archiv
Stadt Werl
Inventar des Archivs der Stadt Werl

1917 - 1923
Permalink der Verzeichnungseinheit

Lebens- und Genußmittel im allgemeinen (Vorratserhebung, Verkehr, Verbrauchsregelung u.
Höchstpreise) (Gen.)


v.num : 4176

Enthält : 17.1.1918 die Verwaltung des Werler Arbeits-Gefangenen-Lagers bittet für die 30
Gefangenen, die Schwerstarbeit in der Industrie in Tag- und Nachtschicht leisten,
um weitere Zuteilung von Lebensmitteln. Der Werler Bürgermeister schrieb
deswegen an den Landrat, der sagte, die Gefangenen seien bereits als
Rüstungsarbeiter anerkannt und können keine weiteren Zulagen erhalten.
1917 ca. 7500 Einwohner.
Die Arbeiter der Maschinenfabrik Eger wollten 1916 eine Nahrungsmittelzulage
haben, wie die der Fa. Drees, aber da sie nur Schlosser und Dreher waren,
galten sie nicht als Schwerstarbeiter. Nur Drees und Co. bekamen
Schwerstarbeiterstatus!
Am 25. Juli 1916 schrieben die Bewohner der Schützenstraße an die Stadt Werl:
„Die Bekanntmachungen über den Verkauf von Lebensmitteln geschieht durch
Ausrufen in den Straßen. Das Ausrufen geschieht aber nicht in der
Schützenstraße und den anliegenden Straßen. Die Bewohner dieser Straßen
erfahren daher die Ausgabe von Lebensmitteln meistens zu spät und bekommen
dann keine Lebensmittel mehr mit…“ Drei Tage später beschloss der Magistrat,
dass in Zukunft kein Ausrufen mehr erfolgt, sondern durch Anschlag an die
Plakatsäulen und Benachrichtigung der größeren Firmen.




1916 - 1920
Permalink der Verzeichnungseinheit

Lebens- und Genußmittel im allgemeinen (Vorratserhebung, Verkehr, Verbrauchsregelung u.
Höchstpreise) (Spez.)


v.num : 4177

Enthält : Bd. I 1916, darin: Plakat Kartoffelscheine 10.6.1916
20. April 1916 bitte der Direktor des königl. Zentralgefängnisses für die 640
Gefangenen um Zuteilung von 300kg Stampfzucker.
„Fleisch- und Wurstverkauf! Heute Nachmittag um 3 Uhr wird in der städtischen
Verkaufsstelle am Markt minderwertiges Kalbfleisch zum Preise von 1 Mark für
das Pfund verkauft. Besitzer von Dauerware sind vom Verkauf ausgeschlossen.
An eine Familie wird nicht über 1 Pfund verabfolgt. Von 4 Uhr ab wird ebenda
Plockwurst zum Preise von 3 Mark das Pfund verkauft. Werl, den 3. Juli 1916“.
Im Juni 1916 sind für beurlaubte Militärpersonen für 2381 Verpflegungstage
Brotmarken ausgegeben.
Postkarte vom Cafe Göbel mit der Bitte um Zucker, 1916
Kriegsgefangene des Stammlagers Münster waren im Zweiglager
„Arbeitskommando Werl“, dort waren im Juni 1916 27 Gefangene, die in der
Landwirtschaft eingesetzt waren.
13.7.1916 bitte der Direktor des kgl. Zentralgefängnisses darum, dass die
Lebensmittelverkäufe durch „Ausklingeln oder Anschlag“ in der Stadt, die
Beamten in den Beamtenwohnungen nicht erreichen. In Zukunft soll telefonisch
durch einen Polizeibeamten eine Nachricht gegeben werden.

Bd. II 1916-1920

Am 19.4.1917 schreibt der BM an alle Kolonialwarengeschäft, da einige bereits
vor dem festgesetzten Verkaufstermin Ware verkaufen. Sollte das wiederholt
vorkommen, werden diejenigen Geschäfte ¿ Jahr lang nicht mehr mit Waren
beliefert.
Der aufsichtsführende Stabsoffizier beim Zentralgefängnis Major Fischer berichtet
am 24.5.1916, dass zur Militär-Abteilung des königl. Zentralgefängnisses in Werl
folgende Personen kommandiert sind und Lebensmittelmarken benötigen:
1. Feldwebel Wilhelm Schreckenberger. 2. Vizefeldwebel Leopold Heilbronn. 3.
Vizewachtmeister Paul Holland. 4. Vizefeldwebel Hermann Hoske. 5.
Vizefeldwebel Ludwig Schwören. 6. Sergeant Karl Valentini. 7. Unteroffizier
Wilhelm Tunke-Kaiser. 8. Unteroffizier Karl Kleinties. 9. Unteroffizier Hermann
Kobusch. 10. Unteroffizier Karl Michel. 11. Unteroffizier Wilhelm Ehlert. 12.
Unteroffizier Otto Manske. 13. Unteroffizier Wilhelm Puyskens. 14. Unteroffizier
Wilhelm Hartmann. 15. Unteroffizier Adam Oberüber. 16. Gefreiter Josef Struck.
17. Gefreiter Bernhard Köther. 18. Gefreiter August Vorschütz. 19. Gefreiter
Wilhelm Kuhlhüser. 20. Gefreiter Bernhard Frankenberg. 21. Gefreiter Heinrich
Klaas. 22. Gefreiter Walter Zellfelder. 23. Gefreiter Walter Peltzer. 24. Gefreiter
Otto Sperling. 25. Gefreiter Max Goebel. 26. Gefreiter Paul Reiche.
Ab 7.8.1916 wurden Kundenlisten in den Geschäften eingeführt, die den Bezug
von Butter, Fett, Fleisch und Fleischwaren regeln sollten. Vom 1.-3. August
lagen die Listen in den Geschäften aus, in die man sich eintragen musste. Man
durfte sich nur in einem Geschäft jeweils für Butter, Fleisch usw. eintragen. Das
9
Geschäft durfte man sich aussuchen. Jeder Kunde erhielt vom Geschäftsinhaber
eine Bescheinigung, unter welcher Nummer er eingetragen ist.
Die Kundenlisten mussten jeden Dienst der Verwaltung vorgelegt werden, wer
das nicht rechtzeitig tat, wurde bei der Verteilung für die folgende Woche nicht
berücksichtigt.
Werl, 6.7.1917 Versorgung der Badegäste und Wallfahrer mit Lebensmitteln.
Bürgermeister Müller schreibt an den Regierungspräsidenten: „Nach dem Erlaß
des Herrn Oberpräsidenten der Provinz Westfalen vom 13. April 1917 sind
Grundsätze betreffs Lebensmittelversorgung der Kur- und Badeorte aufgestellt
worden. Durch Verfügung des Herrn Landrats vom 30. April 1917 ist bekannt
gegeben, daß nach Mitteilung des Herrn Regierungs-Präsidenten die Stadt Werl
nicht als Badeort mitgerechnet wird. Wenn schon die Stadt Werl kein
ausgesprochener Badeort ist, muß doch anerkannt werden, daß durch den
Salinenbetrieb der Saline Werl, Höppe und Neuwerkjährlich eine große Anzahl
Badegäste und Badekinder während der Badezeit anwesend sind. So betrug die
Monatszahl der erwachsenen Badegäste: 1913 - 1500, 1916 - 1000, 1917 - ca.
1500. An Badekinder waren anwesend (monatlich) im Jahre 1913 - 1600, 1914 -
1200, 1915 - 2000, 1916 - 2000. Für diese Badegäste, für welche doch eine
besonders gute Beköstigung erforderlich ist, müssen auch besondere Zulagen
vorrätig sein, bezw. beschafft werden. Diese Zulagen fehlen jedoch. Des weiteren
kommt aber die Stadt Werl als Wallfahrtsort in Frage. Im Jahre 1916 wurde Werl
von ca. 100 000 Wallfahrern besucht. Auch für die Wallfahrer fehlen die
Lebensmittel gänzlich. Bei der augenblicklichen Viehzuteilung ist es nicht möglich
den hiesigen Versorgungsberechtigten die ihnen zustehende Fleischmenge auf
Reichsfleischkarte zu geben, wogegen in anderen Städten die Einwohner auf
Reichsfleischkarte 250 gr. Fleisch erhalten. Somit ist es ausgeschlossen, den
Wallfahrern auf die mitgebrachten Reichsfleischkarten die Fleischmenge zu
verabfolgen, da wie vor erwähnt kein Fleisch vorhanden ist. Wie es mit der
Fleischversorgung ist, ist es auch mit den übrigen Lebensmitteln. Die natürliche
Folge davon ist, daß Wallfahrer hungerig und in einem fast krankhaften
Zustande, infolge der mangelhaften Ernährung wieder zurückkehren müssen.
Unter diesen Umständen bitten wir höflichst der Stadt Werl besondere Zulagen
für Badegäste und Wallfahrer bewilligen zu wollen.“
RP anwortet am 14.7., dass bereits schon mehrfach Sonderüberweisungen
erfolgt seien, weitere nicht gewährt würden. Von einem Angebot der Lieferung
von Gefrierfleisch hat der Magistrat keinen Gebrauch gemacht, deshalb wird kein
Fleisch extra geliefert. „Was die Versorgung der Wallfahrer anlangt, so liegt
hierfür unter den augenblicklichen Verhältnissen kein Anlass zu besonderer
Belieferung der Stadt Werl vor. Es kann den Wallfahrern nur anheimgestellt
werden sich die nötigen Lebensmittel selbst mitzubringen.




1915 - 1923
Permalink der Verzeichnungseinheit

Mehl und Backwaren (Spez.)

v.num : 4178

Enthält : 12.8.1916 Kommandantur des Offz.-Lagers im Kloster hat 104 Kriegsgefangene
(90 Offz und 14 Mann.) und 35 Wachtmannschaften.
F. Wulf hatte auch Kriegsgefangene am arbeiten 6.11.1916.




1916
Permalink der Verzeichnungseinheit

Kartoffeln, Kartoffelerzeugnisse, Rüben (Spez.)

v.num : 4179




1921 - 1922
Permalink der Verzeichnungseinheit

Kartoffelversorgung der Stadt Werl im Jahre 1921 (Spez.)

v.num : 4180




1916 - 1921
Permalink der Verzeichnungseinheit

Fleisch, Fleischwaren, Wurstwaren, Därme (wie zu G V - 1a) (Spez.)

v.num : 4181

Enthält : 2 Bde.

Knast bracht April 1916 monatlich 680 kg Rindfleisch, 400 kg Talg, Speck und
Schmalz oder Kunstbutter.
Mai 1916 im Kgl. Zentralgefängnis befinden sich 320 Militärgefangene.
8
Bescheinigung Kriegsgefangenen-Arb.-Kdo Gebr. Immenkötter.
Verpflegung für die Kriegsgefangenen und der Wachmannschaften wöchentlich
35 Pfund Fleisch und 15 Pfund Fett, 9.5.1916
dto., Kommandantur des Offizier-Gefangenen.Lagers Werl im Kloster, 10 Pfund
Fleisch wöchentlich.
Vereinslazarett benötigt Schlachtvieh für 55 Verwundete, Mai 1916.

Beispielsweise 15.2.1918 schloss die Stadt eine Einbruchdiebstahl-Versicherung
bei der Westfälischen Provinzial Feuersozietät ab. versichert wurden die zur
Verteilung anstehenden Lebensmittel im Wer von 17000 Mark in der Bäckerstr.
32, Kaufmann Fickermann gehörte das Haus.
Fleischvorräte waren für 33000 Mark im Gymnasium (heute Rathaus).




1916 - 1920
Permalink der Verzeichnungseinheit

Butter, Fett, Margarine, Schmalz, Verkehr mit Zentrifugen und Buttermaschinen (Spez.)

v.num : 4182

Enthält : 6.12.1917 „Kommandantur des Offizier-Gefangenenlagers Werl“ im
Franziskushaus. Hauptmann und Lagerkommandant teilt der Stadt mit, dass für
89 Personen Butter empfangen wurde, es aber nur hätte für 25 Personen
bekommen dürfen. Die zuviel erteilte Butter wird auf die nächsten Wochen
aufgeteilt.
12.7.1917 der „Kriegsausschuss für pflanzliche und tierische Oele und Fette“ zu
Berlin: Erschließung neuer Fettquellen. Fettabscheider müssen eingebaut
werden. In Berlin wurde eine Fa. beauftragt Spülwasserfette in ganz Deutschland
einzusammeln.
15.5.1917: 118 Kuhhalter, 346 Kühe. Pro Tag 1384 Liter, + Büderich 180, +
Westönnen 160, + Stute-Schlamme 70, = 1794 Liter am Tag, 1094 werden
benötigt. Eiersammelstelle März 1917 = 2772 Eier
Dezember 1917 wird polnische Butter für Werksküchen angeboten. Lediglich die
Fa. Immenkötter bestellt Butter für 27 Personen.
Ranzige Margarine: Nicht geeignet für Brotaufstrich. Für Back- und Bratzwecke
lässt sich indessen der ranzige Geschmack durch Ausschmelzen des Fettes und
Erhitzen desselben mit etwas Zwiebel und roher Kartoffel (beide sind später zu
entfernen) auf ein erträgliches Maß mildern.




1917 - 1920
Permalink der Verzeichnungseinheit

Milch, Sahne, Milcherzeugnisse (Spez.)

v.num : 4183

Enthält : Bei der Probenentnahme am 29.9.1917 bei der Milchsammelstelle Büderich oder
Westönnen ergab eine Untersuchung, dass Milch mit Wasser gestreckt wurde,
wahrscheinlich nicht, um die Milch bekömmlicher zu machen. Es wird empfohlen,
die Milch vor dem Vermischen mit anderer Milch zu prüfen.




1918 - 1922
Permalink der Verzeichnungseinheit

Zucker und Süßstoff, Süßigkeiten (Spez.)

v.num : 4184

Enthält : Brief der Witwe Bartels bittet um Zucker, Juni 1918




1917 - 1920
Permalink der Verzeichnungseinheit

Öle und Fette (pflanzliche und tierische), Ölfrüchte (Bucheckern usw.), Obstkernsammlung,
Kastanien, Nüsse (Spez.)


v.num : 4185

Enthält : 17.8.1917 Bekanntmachung, dass beim Kaufmann Lohmann in der Steinerstraße
eine Ortssammelstelle für Obstkerne eingerichtet wurde. Abgegeben werden
konnten: Kirschen, Pflaumen, Aprikosen, Zitronenkerne, Kürbiskerne,
Orangenkerne. Pro kg gab es 10 - 35 Pfennig. Diente der Speiseölgewinnung.

Plakat Sammlung Obstkerne, aus 1000kg Obstkerne konnte man 62kg
Margarine gewinnen.




1916 - 1919
Permalink der Verzeichnungseinheit

Massenspeisungen, Kriegsküche, Volksküche etc. (Spez.)

v.num : 4186

Enthält : Massenspeisung u.a. 11.7-31.7.1917 Volksküche im kath. Gesellenhaus für die
Speisung von Schulkindern.
Kartoffelschälmaschinen sollten gekauft werden, da die Schalen auf einem Sieb
aufgefangen werden, diese können später als Viehfutter verwendet werden.
Durch das Sieb tropft Wasser, das Kartoffelstärke enthält. Diese
Kartoffelstärkehaltige Wasser wird mehrmals umgerührt und abgegossen, so das
aus einem Zentner Kartoffeln zusätzlich 1-2 Pfund guten Kartoffelmehl gewonnen
werden konnte.




1916 - 1919
Permalink der Verzeichnungseinheit

Schwerarbeiter-, Schwerst- und Rüstungsarbeiter (Spez.)

v.num : 4187

Enthält : Gebr. Immenkötter, die im Briefkopf als Maschinen-Pappen-Fabrik firmiert,
verlang im Februar 1917 Schwerstarbeiterzulagen für fünf namentlich
aufgeführte Arbeiter. Die Fa. stellt im Tag- und Nachbetrieb Strohstoff zur
Herstellung eines hochwertigen Kraftfutters für den Kriegsausschuss für
Ersatzfutterstoff in Berlin her. Die Verpflegung für die Arbeit reiche nicht. Erst im
März wird die Zulage gewährt. Von den 24 dort beschäftigten Kriegsgefangenen
bekommen 20 ebenfalls die Schwerarbeiterzulage (tägl. bis zu 1 Pfund
Kartoffeln), die anderen vier sind Hofarbeiter.
Arbeiter in der Rüstungsindustrie 9.7.1917: Drees Und Co., Granatenabteilung
71. Gaswerk 7. Wulf, Spiritus, Hefe, Petrol 179. Eger 30. Zusammen 287
Eisenbahnarbeiter waren auch Schwerarbeiter, Heizer Schwerstarbeiter. Auch
Polizisten im Außendienst waren Schwerarbeiter
Gerichtsvollzieher wollten auch anerkannt werden, aber wurde nicht genehmigt.
Briefkopf Adalbert Eger




1916 - 1920
Permalink der Verzeichnungseinheit

Kriegseinkaufskommission, Lebensmittel- und Wirtschaftskommission (Spez.)

v.num : 4188

Enthält : 11.6.1917 meldet Hüttemann vom Gymnasium an die Kriegseinkauf-
Kommission, dass aus den hier untergebrachten Fleischwaren, besonders aus
den Würsten „in einem fort das Fett herausträufelt“.




1916 - 1919
Permalink der Verzeichnungseinheit

Protokollbuch der Lebensmittel-Einkaufskommission

v.num : 4189

Enthält : Protokollbuch (17.11.1916-1919) der Kriegs-Einkaufskommission unter Vorsitz
des BM Müller.




1917 - 1921
Permalink der Verzeichnungseinheit

Beschlagnahme von Lebens- und Genußmitteln; Einziehung usw. (Spez.)

v.num : 4190

Enthält : Beschlagnahme eines LKW mit Schweinen, Kartoffeln usw., Fahrer waren Wilhelm Oesterling, geb. 11. Januar 1878 zu Essen sowie sein Begleiter Kaufmann Gustav Ullmann.
(s. auch G XIII 1f)

Werl, 12.11.1917 „An die Polizeiverwaltung. In der Nacht von 11. zum 12.
November d. Jrs. um 1 ¿ Uhr wurde die Marktstraße in hiesiger Stadt von einem
Automobil-Lastwagen befahren. Es wurde der Verdacht vermutetm daß es
Sachen mit sich führen könnte, welche verboten seien; es wurde angehalten und
nach dem Inhalt der Ladung untersucht, es fanden sich vor: 1. ein großes
Schwein, geschlachtet, im Gewichte von ca. 165 Pfund nebst gereinigtes
Eingeweide. 2. ein großer trockener Schinken im Gewichte von ca. 28 Pf. 3. zwei
kleine nicht trockener Schinken im Gewicht von zusammen ca. 18 Pfund. 4. ein
lebendes vierteljahr altes Schwein. 5. ein Sack Roggen, Gewicht von 148 Pfund.
6. ein Sack Weizenmehl im Gewicht von 100 Pfd. und 7. fünfunddreißig Sack
Kartoffeln, Gewicht 49 Ctr. 70 Pfd.
Über die Herkunft dieser vorgenannten Sachen, konnte der Führer des Autos,
Kraftfahrer Wilhelm Oesterling, geb. 11. Januar 1878 zu Essen sowie sein
Begleiter Kaufmann Gustav Ullmann, geb. 8. März 1885 zu Wattenscheid keine
Auskunft geben, auch waren sie nicht in der Lage eine Bescheinigung vorzulegen
wo nach sie berechtigt waren, ein Schwein von abends 9 Uhr bis morgens 5 Uhr
transportieren zu dürfen, denn eine Verf. des königl. Stellv. General-Kommandos
zu Münster sagt, daß Schweine u.s.w. ohne besondere Genehmigung zur
Nachtzeit nicht befördert werden dürfen. Die unter 1-7 aufgeführten
Gegenstände wurden vom Unterzeichner für beschlagnahmt erklärt und das Auto
auf der Tenne der Scheune am Markt aufgestellt. Die unter 1-4 einschließlich
benannten Sachen befinden sich auf der Scheune des Rathauses und unter 5-7
auf der Scheune am Markt. Oesterling gibt an, die Sachen für den Gartenbau-
Verein der Firma F. Krupp in Essen zu holen. Oesterling und Ullmann ist bedeutet
worden, sich heute morgen auf dem Polizei-Büro um 8 Uhr zwecks dieser
Angelegenheit zu melden. Krüger, Polizei-Sergeant“.
Später stelle sich heraus, dass noch ein Ballen Stoff auf dem LKW war. Die Fa.
Ullmann fragte am 21.11. an, ob sie den Stoff haben könnte und fügte die
Abschriften der Bezugsscheine bei. Diese datierten jedoch vom 20.11., also
nachträglich. Die Werler Polizei fragte bei der Reichsbekleidungsstelle in Berlin
nach, wie mit dem Stoff, dessen Bezugscheine nachträglich ausgestellt wurden,
zu verfahren sei. Die Enteignung sei rechtmäßig, man solle angeben, wer den
Stoff erworben hat. Der Stadtbaumeister Meyer war der Empfänger, dieses
musste jedoch widerrufen werden, da der Stoff nicht an Privatpersonen hätte
abgegeben werden dürfen. Am 5. September 1918, fast 10 Monate nach der
Beschlagnahmung, kam der Stoff in städtischen Besitz. Erst im Juni 1920 wurde
der Stoff benötigt und zur Leichenträgerkleidung verarbeitet. (G-XIII-1f)
Kurz vor Kriegsende 1918 hatte sich das Bedürfnis herausgestellt, die zur
Bekämpfung und der Hamsterei bestellten Hilfspolizisten durch
Hilfspolizeimannschaften zu unterstützen, weil es nicht möglich war, die
verbotswidrige Verschleppung beschlagnahmter Lebensmittel insbesondere der
Kartoffeln aus dem Kreis Soest zu verhindern. Weil militärische Kräfte für diesen
Zweck nicht mehr abkommandiert wurden, stellte Werl für den Bahnhof
Westönnen 4 Personen zu Hilfsbeamten der Ortspolizei ein und die Züge im
Werler Bahnhof kontrollierten jeweils zwei im Polizeidienst stehende Personen.




1919 - 1920
Permalink der Verzeichnungseinheit

Revision des städtischen Lebensmittellagers, Bestandsaufnahmen etc. (Spez.)

v.num : 4191

Enthält : Fickermann stellte sein Lager für städtische Waren ab Frühjahr 1916 zur
Verfügung. Er bezahlte die Waren und verkaufte sie mit einem geringen
Aufschlag an die Werler Geschäfte im Auftrag der Stadt weiter.



Anfang  Erweiterte Suche
Warenkorb  Drucken