Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1.3. Organisationen, Güter, Familien, Personen
1.3.5. Nachlässe
Nachlass Karl Kaissling
D 72 Kiewning, Nachlass Dr. Hans Kiewning
Permalink des Findbuchs


Signatur : D 72 Kiewning

Name : Nachlass Dr. Hans Kiewning

Beschreibung :

Einleitung :

Personengeschichte:

Dr. Hans Johann Karl Kiewning wurde am 20. August 1864 als Sohn des Kaufmanns Hermann Kiewning und seiner Frau Therese Rousseau in Königsberg geboren. Nach der Reifeprüfung am dortigen Altstädtischen Gymnasium studierte er an der Königlichen Albertus-Universität zu Königsberg i. Pr. und wurde dort am 20. Dezember 1889 mit seiner Dissertation "Herzog Albrechts von Preussen und Markgraf Johanns von Brandenburg Anteil am Fürstenbund gegen Karl V." (siehe D 72 Nr. 55) zum Dr. phil. promoviert.

Vom 1. Oktober 1891 bis zum 31. Dezember 1894 war er am Preußischen Historischen Institut am Vatikan in Rom beschäftigt, wo er als Hilfsarbeiter für die Publikation der Nuntiarberichte aus Deutschland (siehe D 72 Kiewning Nr. 44, 54/1 und 54/2) zuständig war. In der Zeit von 1895 bis 1897 arbeitete er in der Preußischen Staatsarchivverwaltung als Hilfsarbeiter bzw. Assistent in den Staatsarchiven Posen, Berlin und Königsberg. Am 1. Februar 1899 wurde Kiewning von Grafregent Ernst zur Lippe-Biesterfeld unter Verleihung des Titels "Archivrat" zum Fürstlichen Archivar ernannt und mit der Leitung des Fürstlichen Haus- und Landesarchivs in Detmold betraut (siehe D 72 Kiewning Nr. 1). Im Rahmen seiner Tätigkeit als lippischer Archivar vertrat er unter anderem neben dem Geheimen Justizrat und Staatsrechtler Prof. Dr. Wilhelm Kahl aus Berlin die Interessen des Hauses Lippe-Biesterfeld im Lippischen Erbfolgestreit (siehe D 72 Kiewning Nr. 70). Nicht zuletzt die Anerkennung des Erbfolgerechts des Hauses Lippe-Biesterfeld durch Schiedsspruch des Reichsgerichts vom 25. Oktober 1905 führte dann am 4. November 1905 zur Ernennung Kiewnings zum Geheimen Archivrat durch Fürst Leopold IV. zur Lippe (siehe D 72 Kiewning Nr. 71). Die Ernennung zum Archivdirektor erfolgte am 30. Mai 1917. Von 1919 bis 1924 arbeitete Kiewning nebenbei als Dozent an der Hochschule für Staats- und Wirtschaftswissenschaften (Fürst Leopold-Akademie für Verwaltungswissenschaften) in Detmold, bis er 1924 neben der Leitung des Lippischen Landesarchivs auch die Leitung der Lippischen Landesbibliothek in Detmold übertragen bekommen hatte. Als Leiter des Landesarchivs baute er dieses zu einer vorbildlichen Forschungsstätte aus, die für Wissenschaft und Verwaltung, Staat und Heimat gleichermaßen offenstand. Den damaligen Neubau des Landesarchivs trieb er aktiv voran. Für seine berufliche Arbeit wurde Kiewning mit zahlreichen Orden und Titeln ausgezeichnet (Siehe D 72 Kiewning Nr. 71). Als Mitbegründer der geschichtlichen Abteilung des Naturwissenschaftlichen Vereins für das Fürstentums Lippe (heute Naturwissenschaftlicher und Historischer Verein für das Land Lippe) und als Mitbegründer und Herausgeber der "Mitteilungen aus der lippischen Geschichte und Landeskunde" und den sich anschließenden "Sonderveröffentlichungen" redigierte er letztgenannte Veröffentlichungen über Jahre. Zudem beteiligte er sich als Mitglied der Historischen Kommission für Westfalen und der Historischen Kommission des Provinzialinstituts für westfälische Landes- und Volkskunde zudem auch an deren Veröffentlichungen in den sogenannten "Westfälischen Lebensbildern" (siehe D 72 Kiewning Nr. 11 und 31). Als bedeutendste der zahlreichen Veröffentlichungen Kiewnings sind wohl die Werke "Fürstin Pauline zur Lippe 1769-1820" (siehe D 72 Kiewning Nr. 13-23) und "Lippische Geschichte" (siehe D 72 Kiewning Nr. 61) zu nennen. Die erste Veröffentlichung stammt aus dem Jahr 1930, die zweite wurde 1942 posthum von Oberstudiendirektor Dr. Adolf Gregorius als Band 7 der "Sonderveröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen Vereins für das Land Lippe" herausgegeben.

Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit als Archivar, Bibliothekar, Historiker und Dozent engagierte sich Kiewning auch als Vorsitzender des Detmolder Bildungsvereins und als Mitglied des Kuratoriums der Hermannsdenkmalstiftung für die kulturellen Belange Lippes. Außerdem betätigte er sich über viele Jahre privat als Maler und Autor. So erstellte er Zeit seines Lebens zahlreiche Bleistift-, Buntstift-, Wachsmal- und Kohlezeichnungen, die sich in vier Skizzenbüchern erhalten haben (siehe D 72 Kiewning Nr. 72-75), und schrieb an diversen Romanen, Novellen, Gedichten und Erzählungen (siehe D 72 Kiewning Nr. 55 und 63). Dr. Hans Kiewning trat am 1. April 1933 im Alter von 69 Jahren in den Ruhestand. Er starb am 13. Juli 1939 während einer Sommerreise in Bad Reichenhall an einem Schlaganfall.

Aus seiner Ehe mit Annemarie Süpply gingen zwei Söhne hervor. Der erste Sohn Bernhard Kiewning wurde 1900 geboren und starb 1918. Der zweite Sohn Hans-Georg Kiewning wurde am 14. August 1903 in Detmold geboren und besuchte von seinem siebten bis zum neunzehnten Lebensjahr das Gymnasium Leopoldinum in Detmold, an dem er im September 1922 auch die Reifeprüfung ablegte. Anschließend nahm er eine Lehrstelle bei der Lippischen Landesbank, Staatliche Kreditanstalt in Detmold an. Nach der Ausbildung besuchte er vom Wintersemester 1924/25 bis zum Wintersemester 1927/28 die Handelshochschule in Mannheim. Nachdem er durch Vorlage der Diplomarbeit "Sicherung kurzfristiger Kredite" (siehe D 72 Kiewning Nr. 68) den Titel eines Diplom-Kaufmanns erworben hatte, studierte er zwei Semester an der Universität zu Frankfurt, um dort 1929 durch Vorlage der Dissertation "Wege zu einer Reform des Mobiliarkredits insbesondere die Einführung des Registerpfandrechtes" (siehe D 72 Kiewning Nr. 67) zum Dr. rer. pol. zu promovieren. Zwischenzeitlich arbeitete er bei dem Bücherrevisor und kaufmännischen Sachverständigen Ernst Dormann in Detmold, bis er sich 1931 bei der Firma Treuhänder- und Betriebsorganisation GmbH in Stuttgart zu bewerben (D 72 Kiewning Nr. 67). Hans-Georg Kiewning starb 1933.

Überlieferung:

Der vorliegende Nachlass Kiewning umfasst insgesamt 75 Verzeichnungseinheiten mit einer Laufzeit von circa 1881 bis 1942. Der größte Teils des Nachlasses (D 72 Kiewning Nr. 1 bis 60) gelangte vermutlich zu Lebzeiten oder direkt nach dem Tod Hans Kiewnings 1939 an das damalige Lippische Landesarchiv. Ein Aktenvermerk über die Abgabe hat sich in der Registratur des Archivs nicht erhalten. Die Akten Nr. 61 bis 66, 69, 77, 79 und 80 wurden vermutlich in den Jahren nach Kiewnings Tod von seiner Witwe Annemarie Kiewning, geb. Süpply, an das Archiv abgegeben. Konkrete Abgaben der Witwe lassen sich anhand der relevanten Dienststellenakten des Landesarchivs (siehe D 29 Nr. 275 und 1270) allerdings nur für die Akten Nr. 67 und 68 (Zugang 64/1957), 70 und 71 [ehemals Nr. 68 und 69] (Zugang 102/1957) und Nr. 72 bis 76 (Zugang 30/1965) nachweisen. Die Akte D 72 Kiewning Nr. 78 stammt aus dem Besitz des Lemgoer Rektors Wilhelm Süvern und wurde als Zugang 75/1972 in das Archiv aufgenommen.

Neben den schriftlichen Hinterlassenschaften ihres Ehemanns hinterließ Annemarie Kiewning dem Landesarchiv auch vier bis fünf Orden ihres Mannes (Zugang 25/1957), bei denen es sich vermutlich um das Ehrenkreuz II. Klasse des Fürstlich Lippischen Hausordens (Kommandeurkreuz), das Komturkreuz II. Klasse des Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausordens, das Ehrenkreuz IV. Klasse des Fürstlich Lippischen Hausordens, den Leopold-Orden II. Klasse mit Krone, das Fürstlich Lippische Kriegsverdienstkreuz bzw. das Ehrenkreuz II. Klasse mit Eichenlaub des Fürstlich Lippischen Hausordens handelt. Die Orden wurden unter unbekannten Signaturen im Bestand D 74 C (Orden und Ehrenzeichen) verzeichnet. Darüber hinaus schenkte sie dem Archiv ein Ölgemälde der Urgroßmutter ihres Mannes, Dorothea Pohlmann, vermählte Simmchen (Zugang 10/1965), das heute die Signatur D 75 Nr. 288 trägt, ein von Meier-Koch gemaltes Brustbild ihres verstorbenen Ehemannes (Zugang 45/1965) sowie zwei Fotos desselben und vier Bilder zur Familie zur Lippe (Zugang 77/1965). Die beiden Fotos wurden zusammen mit dem Brustbild unter der Signatur D 75 Nr. 305 verzeichnet.

Inhaltlich umfasst der Bestand D 72 Kiewning größtenteils Typoskripte und Materialsammlungen Kiewnings zu den von ihm veröffentlichten oder geplanten Büchern und Aufsätzen zur lippischen Geschichte. Daneben enthält er aber auch Veröffentlichungen, Manuskripte und Materialsammlungen zur Geschichte der ehemaligen deutschen Ostgebiete (u. a. "Urkunden zur Geschichte des ehemaligen Hauptamts Insterburg", "Besitznahme und Huldigung des Großherzogtums Posen im Jahre 1815" und "Aus der Leidensgeschichte der Stadt Lissa") sowie zur Geschichte der deutschen Staatsverfassung und Außenpolitik. Unter den privaten Unterlagen Kiewnings befindet sich Material zur dienstlichen Tätigkeit in den Archiven Posen, Berlin, Königsberg und Detmold, zur Auszeichnung mit Orden und Ehrenzeichen, zum Wirken in diversen Vereinen und sonstigen Organisationen sowie zur Betätigung als Maler und Autor von Romanen, Theaterstücken, Lustspielen, Gedichten und Erzählungen.

Neben den Unterlagen des Geheimen Archivrats Dr. Hans Kiewning enthält der Bestand D 72 Kiewning auch ein zwischen 1897 und 1898 geführtes Skizzenbuch mit Zeichnungen seiner Ehefrau Annemarie Kiewning, geb. Süpply (siehe D 72 Kiewning Nr. 76), sowie die Diplomarbeit und die Dissertation seines Sohnes, des Diplomkaufmanns Dr. Hans-Georg Kiewning (siehe D 72 Kiewning Nr. 67 und 68).

Die zuvor unter der Signatur D 72 Kiewning Nr. 24 verzeichneten und um 1930 erstellten Fotografien von Bildern einiger Mitglieder der Familie zur Lippe ( v. a. Fürstin Pauline zur Lippe, geborene Prinzessin von Anhalt-Bernburg), der Familie von Anhalt-Bernburg und weiterer adeliger Personen, von Bildern der Dichter Johann Wilhelm Ludwig Gleim und Friedrich Carl vom Strombeck sowie von bedeutenden lippischen Gebäuden wurden als Zugang 6/1976 in das Archiv übernommen, später dem Bestand D 75 (Bildersammlung) angegliedert und dort unter den Signaturen D 75 Nr. 1061 bis 1099 verzeichnet.

Die Akten D 72 Kiewning Nr. 44 bis 54 wurden laut einem Vermerk auf Seite 116 des analogen Sammelfindbuchs zu D 72-Beständen am 20. November 1954 über die Kurierstelle des Auswärtigen Amtes in Bonn an das Deutsche Historische Institut in der Corso Vittorio Emanuele 209 in Rom gesandt (Tagebuchnummer 1786/54), an dem Kiewning in den Jahren 1891 bis 1894 tätig war. Vermutlich verblieben die Akten D 72 Kiewning Nr. 45 bis 53 in Rom, da Kiewning sie im Rahmen seiner dortigen beruflichen Tätigkeit erstellt hatte.

Nutzung:

Die Akten des Bestands D 72 Kiewning sind nach § 6 und 7 des Gesetzes über die Sicherung und Nutzung öffentlichen Archivguts im Lande Nordrhein-Westfalen vom 16. März 2010 benutzbar.

Es ist nach der Bestellnummer zu zitieren: Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Ostwestfalen-Lippe, D 72 Kiewning Nr. …

Gedruckte Quellen:

Reichshandbuch der Deutschen Gesellschaft - das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild, Bd. 1 (A - K), Berlin [Deutscher Wirtschaftsverlag] 1930, S. 921

Heinrich Sievert: Kiewning-Bibliographie, in: Lippische Mitteilungen. Bd. 19 (1950), S. 186-189

Hermann L. Schaefer: Lippische Maler und bildende Künstler - Hans Kiewning, Archivar und Maler, geb. 1864, in: Lippische Landeszeitung, Nr. 70 vom 23. März 1957

Wolfgang Leesch: Die deutschen Archivare 1500-1945, Band 2 (Biographisches Lexikon), München, New York, London, Paris [Saur] 1992

Ungedruckte Quellen:

D 71 Nr. 179D 72 Kiewning Nr. 1

D 72 Kiewning Nr. 44

D 72 Kiewning Nr. 54/1

D 72 Kiewning Nr. 54/2D 72 Kiewning Nr. 55

D 72 Kiewning Nr. 61

D 72 Kiewning Nr. 67

D 72 Kiewning Nr. 70

D 72 Kiewning Nr. 71

Internetquellen:https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Kiewning (Stand: 14.06.2016)

Detmold, im Juni 2016

gez. Ralf Schumacher

Umfang : 33 Kartons = 80 Archivbände 1881-1936. - Findbuch: D 72 Kiewning.



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