Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1.1. Land Lippe (bis 1947)
1.1.2. Verwaltung, Justiz
1.1.2.2. Allgemeine und innere Verwaltung
1.1.2.2.3. Regierung / Landesregierung
Regierung/Landesregierung Lippe - Fürsorgeabteilung / Medizinalwesen
L 80.13 Regierung/Landesregierung Lippe - Mitwirkung der Abt. des Innern an Angelegenheiten anderer Abteilungen
Permalink des Findbuchs


Signatur : L 80.13

Name : Regierung/Landesregierung Lippe - Mitwirkung der Abt. des Innern an Angelegenheiten anderer Abteilungen

Beschreibung :
Vorbemerkung

Im Jahre 1924 erfolgte eine umfassende Neuordnung der lippischen Verwaltung. Aus der bisherigen Zentralbehörde wurden Abteilungen mit jeweils einer eigenen Registratur gebildet, darunter die Abt. des Innern (siehe Vorbemerkung zum Bestand L 80.04 / früher I a).

Außerdem wurde noch eine besondere Einrichtung geschafften, die sog. "Registratur I.IV oder I d (Mitwirkung der Abteilung des Innern bei Angelegenheiten anderer Abteilungen). Leider findet dieser Vorgang in den einschlägigen Akten (75.IV.1 Nr. 20 und 23, L 80 I a II.5 Nr. 1, II.5 Nr. 2, 4, 15) keinen Niederschlag, so dass sich keine Aussagen darüber machen lassen, wann genau und warum diese Maßnahme erfolgte und worin die "Mitwirkung" konkret bestand.

Schwerpunkt des hier zusammengefassten Aufgabenbereichs bilden Infrastrukturmaßnahmen: (1) Wirtschaftslenkung, Energiewirtschaft, (2) Verkehrswesen, (3) Landeskulturverwaltung, (4) Stadtplanung und Wohnungsbauförderung, (5) Arbeitsverwaltung und Arbeitsbeschaffung, (6) Kriegsfolgen.

(1) Um 1900 war die Versorgung mit elektrischem Strom in Lippe noch wenig entwickelt. Es gab teilweise kleine private Stromerzeuger, wie z.B. Mühlenpächter, etwas größere zur Versorgung eines Ortes wie etwa die Möbelfabrik Meyer in Pivitsheide oder die Bäckerei Gebr. Tracht in Hohenhausen. Größere Betriebe waren das 1910 gegründete Elektrizitätswerk Minden-Ravensberg (EMR)1 und die Paderborner Elektrizitäts- und Straßenbahn AG (PESAG)2. Letztere erwarb 1913 die Aktien der Lippischen Elektrizitäts AG3. 1914 schloss Lippe einen Vertrag mit der Elektrizitäts-Lieferungs-Gesellschaft in Berlin (ELG) über die Stromversorgung des Landes4, der Staat sollte die Privaten aufkaufen und an die ELG verpachten; die technische Durchführung stieß zunächst auf Widerstand Preußens. 1917 wurde eine Staatliche Überlandzentrale als Betriebsgesellschaft der ELG gegründet. 1919/20 erfolgte die Gründung des Elektriziätswerks Wesertal5 (Gesellschafter: Kreise Hameln-Pyrmont, Holzminden, Grafschaft Schaumburg und Land Lippe); Zweck war der Erwerb der noch von der ELG betriebenen Unternehmungen und damit die zentrale Versorgung Lippes mit Strom. 1926 wurde die Firma Wesertal Installations GmbH in Hameln errichtet. - Ab 1924 kam es zu Auseinandersetzungen zwischen PESAG und Wesertal, die 1926 zugunsten Wesertals ausgingen; danach erfolgte eine Abgrenzung der Interessengebiete6.

(2) Die Unterlagen dokumentieren den weiteren Ausbau des Eisenbahnnetzes (v.a. Grunderwerb) ab Ende des 19. Jahrhunderts, den Aufbau des in Lippe bemerkenswert dichten, von der PESAG betriebenen Straßenbahnnetzes und die Entstehung eines Busliniennetzes. Die technische Aufsicht über die Straßenbahnen führte bis März 1942 der Reichsbeauftragte für Bauaufsicht, danach der Bevollmächtigte für den Nahverkehr7. Der Ende der 30er Jahre einsetzende Reichsautobahnbau berührte Lippe nur am Rande. - Für den Bau der Telegrafenlinien waren die Landesbauämter bzw. Baukreise zuständig. In Lippe bestanden die Baukreise Detmold (Städte Detmold, Lage und Horn, Ämter Detmold, Lage, Horn und Lipperode-Cappel einschl. Stift Cappel), Lemgo (Städte Lemgo und Salzuflen, Ämter Brake, Hohenhausen, Oerlinghausen und Schötmar) und Blomberg (Städte Blomberg und Barntrup, Ämter Blomberg, Schieder, Schwalenberg, Sternberg-Barntrup und Varenholz)8. Im Jahre 1932 wurde das auch für Lippe zuständige Telegrafenbauamt (TBA) Paderborn aufgelöst. Nunmehr bestand für den gesamten Oberpostdirektionsbezirk Minden nur noch das TBA Bielefeld mit einer Außenstelle in Detmold9.



(3) Mit umfangreichen Kreditprogrammen auf den Gebieten des Landeskulturbaus und des Wasserbaus sollte ab 1924 und dann wieder ab Mitte der 30er Jahre eine Belebung der Wirtschaft und Erhöhung der Produktivität erreicht werden. Unterlagen über Einzelmaßnahmen sind in großem Umfang erhalten geblieben, allerdings ist in der Regel nur die finanzielle Seite dokumentiert. - Im Bereich des Wasserbaus kommt dem Weseruferbau besondere Bedeutung zu, daneben der Regulierung von Werre, Emmer und Exter; hinzuweisen ist auch auf die Akten über die Weserfähren in Erder10 und Veltheim11. Die lippische Landesregierung war Mitglied im 1921 gegründeten "Weserbund e.V." in Minden, später Bremen-Minden, 1934 umbenannt in "Verein zur Wahrung der Weserschiffahrtsinteressen e.V." in Bremen12.

(4) Die Bauabteilung der Lippischen Regierung entschied zentral für das ganze Land. Sie war in viele Baugenehmigungsverfahren als letztendlich entscheidende Instanz einbezogen, so bei Entscheidungen grundsätzlicher Art wie der Einhaltung von Grenzabständen. Vor allem entschied sie in Beschwerdeverfahren, d. h. wenn Bauwillige gegen Entscheidungen der örtlichen Baupolizeibehörden Beschwerde eingelegt hatten. Da bis zum I. Weltkrieg eine für das ganze Fürstentum verbindliche Baupolizeiordnung nicht erlassen worden war, hatten die städtischen Gemeinden nach Prüfung durch die Regierung ihre eigenen geschaffen. Lediglich die großen Gemeinden besaßen auch eigene Baupolizeibehörden, die auf Grundlage ihrer kommunalen Baupolizeiordnung entschieden, bei Beschwerden aber der Entscheidung der Bauabteilung der Regierung unterstanden. Die Bauabteilung der Regierung holte bei Bedarf Stellungnahmen anderer Institutionen ein, etwa beim Landesbranddirektor, wenn feuerpolizeiliche Aspekte berührt waren (der L. war maßgebender Feuerpolizeibeamter) oder von der Gewerbeaufsicht, und entschied letztlich auf Grundlage der lippischen Baupolizeiordnung vom 27. März 191513; darüber hinaus erteilte sie zentral für Lippe Ausnahmegenehmigungen. In den Akten spiegelt sich insbesondere die Entwicklung der Städte mit Anlegung neuer Straßen und Plätze, Änderung der Baufluchtlinien wider. - In den Bauakten sind zahlreiche bauhistorisch wichtige Fachzeitschriften für die Bauwirtschaft enthalten.

(5) Ende des 19. Jahrhunderts beginnt die Geschichte der Arbeitsvermittlung, überliefert sind umfangreiche Unterlagen, auch Literatur über die um die Jahrhundertwende lebhaft erörterte und als dringendes gesellschaftliches Problem empfundene "soziale Frage", Akten über Erwerbslosenfürsorge in den 20er Jahren, über Notstandsmaßnahmen, Arbeitsbeschaffungsprogramme, den Arbeitsdienst. Besonders hinzuweisen ist auf die Akten über die Verlagerung von Rüstungsbetrieben und Behörden Ende des II. Weltkriegs14.

(6) Im Jahre 1940 wurden nach Inkrafttreten der Kriegssachschädenverordnung15 die Feststellungsbehörden eingerichtet; nach Kriegsende übernahmen sie die Verwaltung aller Besatzungskostenangelegenheiten16, v.a. die Durchführung der umfangreichen Requisitionsmaßnahmen. Ein Teil der Akten ist bei der Bezirksregierung Detmold weitergeführt worden und im Findbuch D 1 Bd. 6 (Dezernat 54 alt/Verteidigungslasten) verzeichnet, vgl. dortige Vorbemerkung. Zu den Aufgaben gehörte auch die Wiedergutmachung gegenüber Juden und KZ-Häftlingen17. Abwicklung von Vermögen bzw. Schulden der NSDAP und von NS-Organisationen befindet sich beim Kapitel Wirtschaft.

Der Bestand war bisher durch ein maschinenschriftliches Aktenverzeichnis (Behördenrepertorium) (mit zahlreichen handschriftl. Ergänzungen) notdürftig erschlossen. An der Verzeichnung waren beteiligt: Ernzerhoff (Nr. 1-45), Dr. Riechert (46-200), Moors (201-495), Schwegmann (496-705), Schwinger (706-1276). Herr Riechert und Frau Schwegmann haben detaillierte Notizen zu Inhalt dieser Vorbemerkung beigesteuert.


Detmold , Juli 2003


gez. Schwinger


1 siehe Nr. 672
2 siehe Nr. 509 (Geschäftsberichte 1911-1950), 510 (Festschrift 25 Jahre), 515 (Tätigkeit und Entwicklung, 1913)
3 siehe Nr. 513
4 siehe Nr. 679
5 siehe Nr. 677
6 siehe Nr. 696 und 681
7 siehe Nr. 510 und 515
8 siehe Nr. 576; - lt. Nr. 577 gehörten Varenholz und Dörentrup zu Lemgo
9 siehe Nr. 577
10 siehe Nr. 634 ff.
11 siehe Nr. 637
12 siehe Nr. 648
13 Gesetzsammlung für das Fürstentum Lippe Bd.18, Seite 417
14 siehe Nr. 956-969
15 Reichsgesetzblatt I, S. 1547
16 Anlage A zur Finanztechnischen Anweisung Nr. 39 der Militärregierung vom 25.08.1945
17 siehe Nr. 1267 und 1268 (mit Namenliste)






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