Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1. Staatsarchiv Detmold
1.1. Land Lippe (bis 1947)
1.1.2. Verwaltung, Justiz
1.1.2.5. Wirtschafts-, Kataster- und Bauverwaltung
1.1.2.5.1. Wirtschaft und Finanzen
Rentkammer
Lippische Rentkammer - Hof- und Domanialbauverwaltung
L 92 R 1 Rentkammer - Hof- und Domanialbauverwaltung
Permalink des Findbuchs


Signatur : L 92 R 1

Name : Rentkammer - Hof- und Domanialbauverwaltung

Beschreibung :
Vorwort

Die Verwaltung und Nutzung der fürstlichen Domänen in Lippe stand während des ganzen 19. Jahrhunderts und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts immer wieder im Zentrum von politischen und rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen den Ständen bzw. dem Land und der Fürstenfamilie.

Bereits im Rahmen der revolutionären Ereignisse von 1848 wurden heftige Diskussionen um die Domanialfrage geführt, ohne jedoch Veränderungen herbeizuführen. Erst ein nach erneuten Verhandlungen am 24.06.1868 verabschiedeter Vertrag sah die Trennung von Staats- und Domanialhaushalt vor und bildete damit einen wesentlichen Einschnitt in der Verfassungsgeschichte Lippes, das mit diesem Vertrag - verspätet - dem Vorbild anderer deutscher Staaten folgte. Der Vertrag bestimmte im Einzelnen, dass die zum fürstlichen Domanium gehörenden Vermögensobjekte dem Fürstlichen Hause als ein unteilbares und in seinem wesentlichsten Bestande unveräußerliches Fideikommißgut verbleiben sollte, dessen Nutzung und Verwaltung dem je regierenden Fürsten gebührte. Aus den Einkünften des Domaniums sollten alle Kosten der fürstlichen Hofhaltung, alle Apanagen an die Mitglieder des fürstlichen Hauses, die Kosten der Domanialverwaltung usw. bezahlt werden. Auch sollte von dem bisher steuerfreien Domanium die Grundsteuer erhoben und eine Rente gezahlt werden.

Mit dieser Regelung waren jedoch die Diskussionen nicht beendet: immer wieder beanstandete der Landtag den geringen Betrag der vom Domanialgut in die Landeskasse zu zahlenden Renten, die infolgedessen mehrfach erhöht werden mußten.

In der Revolution von 1918/19 wurde die bereits 1848 erhobene Forderung nach der Übernahme der Domänenverwaltung in den Staatshaushalt wieder aufgegriffen und das Domanium zum Staatseigntum erklärt. Nach längeren Verhandlungen wurde schließlich als Vergleich im Domanialvertrag vom 31. Oktober 1919, der durch Gesetz vom 24. Dezember 1919 bestätigt wurde, bestimmt, dass das vormals regierende Fürstliche Haus als Fideikommiss das Residenzschloss in Detmold, das Jagdschloss Lopshorn, die Oberförsterei Berlebeck, die Fürstengruft in der Kirche der reformierten Stadtgemeinde Detmold sowie bestimmte Mobilien und Kapitalien behalten sollte. Allerdings wurde auch dieser Vertrag in der Folgezeit durch die fürstliche Familie wieder in Frage gestellt und 1928 ein Gerichtsprozess in Gang gesetzt, der erst 1938 durch die Verabschiedung eines neuen Vertrages beendet wurde.

Entsprechend dieser allgemeinen Entwicklung der Domanialfrage in Lippe unterstand die bauliche Betreuung der Domänen bis 1919 der fürstlichen Hofbauverwaltung, die von Hofbaurat Wilhelm von Meien (1828-1875) und anschließend von dem Geheimen Baurat Bernhard Meyer (geb. 1848) geleitet wurde. Ab 1919 oblag sie der lippischen Domänenbauverwaltung im Rahmen der Direktion der Domänen und Forsten bis zu deren Auflösung 1924. Danach ging die Bauverwaltung an die Regierung
- Domänenbauverwaltung - über (vgl. Bestand L 80.20).

Die Akten umfassen schwerpunkmäßig den Zeitraum von 1858 bis 1924, nur einzelne Akten gehen bis 1830 zurück. Sie beinhalten Kostenvoranschläge, Baurechnungen, Baupläne, Materialbestellungen und -lieferungen, Lohnfortzahlung, Versicherungen, Inventare und Taxationen, in Einzelfällen auch Pachtverträge und Verkäufe. Den schriftlichen Unterlagen sind dabei zahlreiche Karten, Skizzen und Konstruktionspläne beigefügt.

Die Akten betreffen die fürstlichen Schlösser und Burgen mit allem Zubehör, Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Meiereien, einzelne Wirtschaftsbetriebe (Mühlen, Ziegeleien u.a.) sowie Straßen, Kanäle, Flussufer etc. Besonders breit dokumentiert ist hierbei der fürstliche Besitz in Detmold.

Neben zahlreichen kunsthistorisch bzw. baugeschichtlich interessanten Unterlagen umfassen die Aktenbestände insbesondere zahlreiches Material, das die neuen technischen Einrichtungen wiedergibt, die in die Ausstattung der Wohn- und Wirtschaftsgebäude besonders seit der Jahrhundertwende eingingen (Gas- und Elektrizitätsleitungen, Heizung, Telefon etc.). Dieses Material gibt zugleich ein Bild von den beliefernden Firmen und ihren Angeboten (Prospekte u.ä.).

Das Findbuch ist nach einzelnen Domänen und nach übergreifenden Sachkomplexen gegliedert. Die Altsignaturen entsprechen: Fach, Kasten, Heft.


Zu zitieren ist: L 92 R 1 Nr.:


Detmold, im Oktober 1983
gez. Vanja


Im Zuge der Digitalisierung der Findmittel wurde das maschinenschriftliche Findbuch aus dem Jahr 1983 in V.E.R.A. abgeschrieben.
Detmold, im März 2008
gez. Wolfgang Seemund






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