Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1. Staatsarchiv Detmold
1.1. Land Lippe (bis 1947)
1.1.2. Verwaltung, Justiz
1.1.2.2. Allgemeine und innere Verwaltung
1.1.2.2.4. Städte und Ämter
Stadt und Amt Blomberg
L 31 Stadt und Amt Blomberg [mit Schieder] (Akten)
Permalink des Findbuchs


Signatur : L 31

Name : Stadt und Amt Blomberg [mit Schieder] (Akten)

Beschreibung :
Ortsakten

In der zweiten Hälfte des 15. Jh. wurde Detmold ständiger Sitz der lippischen Regierung, nachdem der regierende Graf bis dahin zeitweise auch in Brake bei Lemgo, Blomberg und an anderen Orten residiert hatte. Dort gab es eine "schriverigge", bei sich nach und nach ein umfangreiches, aber chaotisch geordnetes und unter ungünstigen räumlichen Bedingungen aufbewahrtes Archiv entwickelte, das im Laufe der Zeit immer mehr verwahrloste; es enthielt Unterlagen verschiedenster Behörden, die - auch infolge diverser Ordnungsversuche - vielfach durcheinander gerieten.

Erst dem 1762 eingestellten erfahrenen Archivar Johann Ludwig Knoch gelang es in jahrelanger Arbeit, Abhilfe zu schaffen und die unübersichtliche Archivalienmenge zu verschiedenen "Registraturen" (Beständen) zu ordnen, deren Bestandteile er "aus hundert Ecken" (Kiewning, S. 300) zusammensuchen musste.

Eine besondere Vorliebe muss Knoch für seine Ortsakten gehabt haben, also Registraturen über die Städte und Ämter des Landes, deren Schriftgut hauptsächlich bei der Regierung entstanden war (vgl. dazu den Abschnitt "Ämter und Städte" im Bestand L 77 A / Regierung, Ältere Registratur); er sah sie wohl als Fundament des ganzen Archivs an. Allerdings "stopfte" (Kiewning, S. 303) Knoch in seine Ortsakten "mit Vorliebe" auch Prozessakten, weil er meinte, dass man dort eher nach Familien und Gütern nachforschen würde als anderwärts.

Das Findbuch zum vorliegenden Bestand "Archivalische Registratur über die Acta der Stadt BLOMBERG" bzw. "Registratur über das Amt Blomberg" wurde von Knoch "registriret und und in Ordnung gebracht" bzw. "zusammengebracht und in folgende Ordnung gesetzet Anno 1773." Inserenda wurden (bis auf 2 Kartons) 1952 von Herbert Stöwer eingearbeitet, außerdem bildete er noch die Appendices I - VIII, die nunmehr vom letzten Bearbeiter an passender Stelle eingeordnet wurden.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Ortsakten-Findbüchern fehlen im vorliegenden Fall historische oder rechtsgeschichtliche "Remarquen", Landesbeschreibungen u. Ä. völlig.

Die Ämter Blomberg - ohne die Stadt - und Schieder waren ab 1737 mit der Grafschaft Schaumburg-Lippe verbunden, in der die Linie Lippe-Alverdissen regierte. 1789 fiel ein Teil des Amtes Schieder an das regierende Haus in Detmold zurück, der Rest kam erst 1839 mit dem Amt Blomberg wieder an die Hauptlinie, allerdings blieben Bückeburger Hoheitsansprüche und auch tatsächliche Mitwirkung in Verwaltung und Justiz bis 1879 erhalten, wie auch schaumburgischerseits stets vom Oberamt Blomberg gesprochen wurde (Näheres siehe die Vorbemerkungen von Martin D. Sagebiel zu den Findbüchern L 108 Blomberg und L 108 Schieder sowie Roland Lindes Einführung zum Findbuch L 101 C I / Lippische Salbücher). Lange Zeit wurden die beiden Ämter gemeinsam verwaltet. Ergänzend siehe den Bestand L 95 I / Paragialämter Blomberg und Schieder.

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Die Übertragung des Knochschen Findbuchs nach VERA erfolgte im Rahmen der Konvertierung analoger Findmittel. - Für die vorliegende Datei wurden auf Grundlage der Knochschen Repertorien modernen Verzeichnungsgrundsätzen entsprechende Klassifikationsbezeichnungen und Aktentitel gebildet (*), dabei neue fortlaufende Signaturen vergeben; erforderlichenfalls wurden kleinere Knochsche Verzeichnungseinheiten zusammengefasst, umfangreichere Konvolute aufgeteilt. Die ursprüngliche Gliederung bleibt grundsätzlich unverändert. Die Appendices wurden an passender Stelle eingeordnet (s.o.).

Auf die Prüfung jedes einzelnen Vorgangs (wie bei L 17 - L 25 und L 27) sowie auf sachliche Korrekturen, ob etwa ein Aktenbetreff besser zu einem anderen Gliederungspunkt passt oder ein Vorgang in einen anderen Aktenband, wurde in der Regel verzichtet; dies ist im Rahmen einer einigermaßen zügigen digitalen Erschließung der Knochschen Bestände nicht zu leisten. Bei der Laufzeit wurden aus demselben Grund außer dem Anfangs- und dem Endjahr nur größere Lücken angegeben.

Eine Erschließung des Akteninhalts wie vor über 200 Jahren ist unter heutigen Umständen nicht mehr möglich (siehe dazu auch Bender). Zusätzlich werden deshalb die Knochschen Repertorien als "Images" ins Intranet und ins Internet gestellt. Ihre Benutzung bleibt für eine detaillierte Recherche weiterhin unverzichtbar.

(*) Der von Knoch häufig verwendete Begriff "Privata" wurde mit "Kolonatssachen" wiedergegeben in Anlehnung an die im Landesarchiv/Staatsarchiv Detmold seit langem geläufige Bezeichnung des Bestands L 92 T 1 (Kolonate/Kolonatsakten - alte Bezeichnung: Privata Incolarum, Privatsachen). Bei Ortsnamen wurde möglichst die heutige Schreibweise benutzt, bei Personennamen die heute gebräuchliche Form (Meier statt Meyer, Schalk statt Schalck, Barkhausen statt Barckhausen u.ä.; s.a. die genealogische Sammlung D 77 Brenker).


Detmold, im Dezember 2012
gez. Arno Schwinger



Literatur

Wolfgang Bender, Archivar aus Leidenschaft - Johann Ludwig Knoch, in: Lippische Mitteilungen 75 (2006), S. 15-36.

Hans Kiewning, Das Lippische Landesarchiv in Detmold, in: Archivalische Zeitschrift Bd. 42/43 (1934), S. 282-321.