Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1. Staatsarchiv Detmold
1.1. Land Lippe (bis 1947)
1.1.2. Verwaltung, Justiz
1.1.2.4. Kirchen- und Schulverwaltung, Bildungseinrichtungen
1.1.2.4.1. Kirche
Stadt Lemgo (Akten), Kirchensachen
L 29 Stadt Lemgo (Akten), Kirchensachen
Permalink des Findbuchs


Signatur : L 29

Name : Stadt Lemgo (Akten), Kirchensachen

Beschreibung :
Vorbemerkung

In der zweiten Hälfte des 15. Jh. wurde Detmold ständiger Sitz der lippischen Regierung, nachdem der regierende Graf bis dahin zeitweise auch in Brake bei Lemgo, Blomberg und an anderen Orten residiert hatte. Dort gab es eine "schriverigge", bei sich nach und nach ein umfangreiches, aber chaotisch geordnetes und unter ungünstigen räumlichen Bedingungen aufbewahrtes Archiv entwickelte, das im Laufe der Zeit immer mehr verwahrloste; es enthielt Unterlagen verschiedenster Behörden, die - auch infolge diverser Ordnungsversuche - vielfach durcheinander gerieten.

Erst dem 1762 eingestellten erfahrenen Archivar Johann Ludwig Knoch gelang es in jahrelanger Arbeit, Abhilfe zu schaffen und die unübersichtliche Archivalienmenge zu verschiedenen "Registraturen" (Beständen) zu ordnen, deren Bestandteile er "aus hundert Ecken" (Kiewning, S. 300) zusammensuchen musste.

Eine besondere Vorliebe muss Knoch für seine Ortsakten gehabt haben, also Registraturen über die Städte und Ämter des Landes, deren Schriftgut hauptsächlich bei der Regierung entstanden war (vgl. dazu den Abschnitt "Ämter und Städte" im Bestand L 77 A / Regierung, Ältere Registratur); er sah sie wohl als Fundament des ganzen Archivs an. Allerdings "stopfte" (Kiewning, S. 303) Knoch in seine Ortsakten "mit Vorliebe" auch Prozessakten, weil er meinte, dass man dort eher nach Familien und Gütern nachforschen würde als anderwärts.

Die Findbücher zu den Ortsakten versah Knoch jeweils mit historischen oder rechtsgeschichtlichen Abhandlungen [Remarquen], eventuell auch mit Landesbeschreibungen sowie Nachrichten über "merckwürdige Orthe und Gegenstände" oder mit genealogischen Informationen über bedeutende Familien und was ihm sonst noch mitteilenswert erschien.

Das 1791 vollendete Findbuch zum vorliegenden Bestand "Registratur und Repertorium über die Ecclesiastica Lemgoviensia" stellte Knoch nicht in die Reihe der Konsistorialia (L 65 - L 73) - dort finden sich nur Archivalien über die reformierte Kirchengemeinde St. Johann (L 68) - sondern vervollständigte damit die Ortsakten der Regierung über die Stadt. Für Knoch gehörten diese Akten "unter die crytischen Materien unseres Lipp. Juris Publici .. von welchem Rubro Archivali niemahlen etwas im Archiv bekandt geweßen, und also ware diese Materie dahier volständig zusammen zutragen nothwendig." (Pro Memoria, siehe unten)

Die Stadt Lemgo hatte sich dem 1605 vollzogenen Übergang zum reformierten Bekenntnis erfolgreich widersetzen können und war lutherisch geblieben. Sie war nicht dem Detmolder Konsistorium unterworfen, sondern besaß ein eigenes, reformiertes. In seinem Pro Memoria zum gegenwärtigen Findbuch führt Knoch aus: "Ohneracht die Stadt Lemgo das Gräffl. Lippische Consistorium generale niemahlen anerkennen wollen, so ist doch erweißlich, daß alle jura Episcopalia von Zeiten der Reformation mit der Cantzley und Regierung bis in das Jahr 1680 gleichsam verbunden gewesen … und also hat man den Lemgoer[n] die Freude gar gerne, daß sie lieber allein die Ecclesiastica bei der Cantzley, als bey dem Consistorio gesuchet, gönnen können.

* * *
Die Übertragung des Knochschen Findbuchs nach VERA erfolgte im Rahmen der Konvertierung analoger Findmittel. - Für die vorliegende Datei wurden auf Grundlage der Knochschen Repertorien modernen Verzeichnungsgrundsätzen entsprechende Klassifikationsbezeichnungen und Aktentitel gebildet, dabei neue fortlaufende Signaturen vergeben; erforderlichenfalls wurden kleinere Knochsche Verzeichnungseinheiten zusammengefasst, umfangreichere Konvolute aufgeteilt. Die ursprüngliche Gliederung wurde nicht verändert.

Auf die Prüfung jedes einzelnen Vorgangs (wie bei L 17 - L 25 und L 27) sowie auf sachliche Korrekturen, ob etwa ein Aktenbetreff besser zu einem anderen Gliederungspunkt passt oder ein Vorgang in einen anderen Aktenband, wurde verzichtet; dies ist im Rahmen einer einigermaßen zügigen digitalen Erschließung der Knochschen Bestände nicht zu leisten. Bei der Laufzeit wurden aus demselben Grund außer dem Anfangs- und dem Endjahr nur größere Lücken angegeben.

Eine Erschließung des Akteninhalts wie vor über 200 Jahren ist unter heutigen Umständen nicht mehr möglich (siehe dazu auch Bender). Zusätzlich werden deshalb die Knochschen Repertorien als "Images" ins Intranet und ins Internet gestellt. Ihre Benutzung bleibt für eine detaillierte Recherche weiterhin unverzichtbar.



Detmold, im September 2012
gez. Arno Schwinger



Literatur

Wolfgang Bender, Archivar aus Leidenschaft - Johann Ludwig Knoch, in: Lippische Mitteilungen 75 (2006), S. 15-36.

Hans Kiewning, Das Lippische Landesarchiv in Detmold, in: Archivalische Zeitschrift Bd. 42/43 (1934), S. 282-321.

Heinz Schilling, Konfessionskonflikt und Staatsbildung. Eine Fallstudie … am Beispiel der Grafschaft Lippe. Gütersloh: Mohn 1981.



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