Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1. Staatsarchiv Detmold
1.1. Land Lippe (bis 1947)
1.1.2. Verwaltung, Justiz
1.1.2.5. Wirtschafts-, Kataster- und Bauverwaltung
1.1.2.5.2. Forst
Forstamt Falkenhagen
L 97 A Falkenhagen Forstamt Falkenhagen
Permalink des Findbuchs


Signatur : L 97 A Falkenhagen

Name : Forstamt Falkenhagen

Beschreibung :
Einleitung

Geschichte der Oberförsterei Falkenhagen
Das Gebiet der Oberförsterei Falkenhagen gehörte ehemals zum Klosterforst des Zisterzienserinnenklosters Falkenhagen, das 1246 gegründet worden war. 1596 wurde das Kloster aufgehoben und der Besitz zwischen dem Bischof von Paderborn und dem Grafen zur Lippe aufgeteilt. Im Jahr 1603 übernahmen Jesuiten den Paderborner Teil. Nachdem der Jesuitenorden 1773 aufgehoben worden war, fiel die gesamte Klosteranlage Falkenhagen als Fiskalvermögen an das Fürstentum Lippe und wurde in eine herrschaftliche Domäne umgewandelt. Nach dem Ersten Weltkrieg gelangte die Domäne in das Eigentum des Freistaates Lippe und wurde 1929 schließlich aufgelöst. Die mit der Auflösung der Domäne verbundenen Ablösungen sind im Bestand L 97 A Falkenhagen ausführlich dokumentiert.
Die Überlieferung des Bestandes setzt mit der Einrichtung der selbständigen „Fürstlichen Forstdirektion (Landesverordnungen, Bd. 11, S. 317 f.) und der Einteilung in 13 Oberförstereien durch Fürstliche Verordnung vom 5. Juni 1855 ein. Die Oberförsterei Falkenhagen wurde von einem Oberförster geleitet. Zu dem Bezirk Falkenhagen gehörten zum damaligen Zeitpunkt die Schutzbezirke Hummersen, Wörderfeld und Sabbenhausen.

Der erste Oberförster der Oberförsterei Falkenhagen war ab 1856 Rudolf Wagener, der bereits 1859 von Karl Ebeling abgelöst wurde. Nach dessen Tod im Jahr 1873 übernahmen verschiedene Oberförster die interimistische Leitung der Oberförsterei Falkenhagen (in der Reihenfolge Jacobi von Wengelin, Bernhard Steinmetz, Heinrich Hornmüller und Ernst Bühring). Für längere Zeit wirkte schließlich ab 1880 Wilhelm Frevert, auf den 1893 Heinrich Räker folgte. 1897 wurde die bis dahin selbständige Forstdirektion wieder mit der Fürstlichen Rentkammer vereinigt und führte die Bezeichnung „Fürstliche Rentkammer, Forstabteilung. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Oberbehörde erneut umbenannt und hieß nun „Direktion der Domänen und Forsten.

Von 1902 bis zu seiner Pensionierung 1925 leitete Joseph von Lauchert die Oberförsterei Falkenhagen. In seiner Amtszeit wurde mit Wirkung vom 1. November 1907 die Oberförsterei Schwalenberg aufgelöst und auf die Oberförstereien Falkenhagen und Schieder aufgeteilt. Zu Falkenhagen kamen die Schutzbezirke Schwalenberg, Rischenau und Isenberg. Da die Registratur der Oberförsterei Schwalenberg zu diesem Zeitpunkt nicht abgeschlossen, sondern fortgeführt wurde, finden sich zahlreiche Akten mit der Bezeichnung „Oberförsterei Schwalenberg im Bestand der Oberförsterei Falkenhagen.
Von 1925 bis 1949 führte Erich Dalbkermeier die Geschäfte der Oberförsterei bzw. des Forstamts Falkenhagen. Während seiner Amtszeit erfuhr die Forstadministration insofern eine Umgestaltung als 1934 die Bezeichnungen der Ämter und der Dienststellen geändert wurden. Aus „Oberförsterei wurde „Forstamt, aus „Oberförster „Forstmeister, die „Försterei hieß nun „Revierförsterei und die „Förster wurden zu „Revierförstern. Aus den „Hilfsförstern wurden „Förster und die „Forstgehilfen hießen nun „Hilfsförster. Außerdem wurden die „Forstbeflissenen und „Forstlehrlinge in „Forstanwärter (für Verwaltungsdienst / für Betriebsdienst) umbenannt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Dalbkermeier zur Wehrmacht eingezogen und von 1940 bis 1942 an der Westfront eingesetzt. Nach dem Krieg konnte er seinen Dienst bis zu seiner Dienstunfähigkeit aufgrund eines Schlaganfalls 1949 fortsetzen. 1947 verlor das Land Lippe seine Selbständigkeit, woraufhin die Lippische Forstabteilung dem neu gegründeten Landesverband Lippe zugeteilt wurde. Der Registraturschnitt von der Verwaltung der Lippischen Forstabteilung zur Verwaltung des LVL erfolgte 1949. Der Schnitt erfolgte jedoch nicht durchgängig, sondern es wurden einige Akten über 1949 hinaus fortgeführt. Diese befinden sich nun im Bestand D 111 A Falkenhagen.

Zum Inhalt
In erster Linie dokumentiert der Bestand die Tätigkeit und die Entwicklung einer mittleren staatlichen Forstbehörde von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1949. Die Schwerpunkte liegen inhaltlich in traditionellen Aufgaben einer Forstverwaltung, wie der Bewirtschaftung des Waldes, der Aufsicht über die Jagd und die diversen Nebennutzungen des Forstes (Vergabe von Weiderechten, Abbau von Gestein etc.). Innerhalb dieses Bereiches nimmt die Veräußerung von Holz, sei es durch gewerblichen Verkauf oder durch regelmäßige Abgaben an andere staatliche oder kommunale Stellen großen Raum ein. In diesen Akten spiegelt sich die seit den 1920er Jahren vorangetriebene Umstellung der Forstbehörden von der Verwaltung zu einem wirtschaftlichen Betrieb.
Des Weiteren wird die Organisation der Verwaltung dokumentiert, wozu zu zählen ist: die Korrespondenz mit der Forstabteilung der lippischen Regierung, die Aufsicht über die Forstbediensteten, der Bau und die Instandhaltung von Forstgebäuden sowie die Aufsicht über die einzelnen Revierförstereien.
Der Bestand bietet daneben auch zahlreiche Informationen, die über die Dokumentation der eigentlichen Forstverwaltung hinausgehen. Aus der NS-Zeit finden sich aussagekräftige Quellen zum Einsatz von Forstbediensteten für die Kriegswirtschaft, Zwangsarbeiterlisten sowie die Verbindung der Forstbehörden mit verschiedenen NS-Organisationen. Daneben wird auch der zeitgenössische Tourismus anhand des Baus des Köterberghauses dokumentiert.

Zur Verzeichnung
Der Bestand L 97 A Falkenhagen besteht aus Akten, die sukzessive vom letzten Registraturbildner, dem Landesverband Lippe, an das Staatsarchiv abgegeben wurden. Die Verzeichnung erfolgte in zwei Etappen. Das erste Findbuch, das drei Zugänge aus den Jahren 1953 und 1964 berücksichtigt, wurde 2004 von einer Schreibkraft in V.E.R.A. abgeschrieben (Nr. 1-252). Neu verzeichnet wurde im Jahr 2007 der Zugang 36/1971 (Nr. 253-437). Beide Verzeichnungen wurden zusammengestellt und die Verzeichnungseinheiten in ein neu erstelltes Klassifikationsssystem eingeordnet.
Im letzten Zugang befanden sich auch Akten, die vom Forstamt Falkenhagen geschlossen wurden und somit in andere Bestände gelangten. Akten, die nach 1949 geschlossen wurden, sind bis auf wenige Ausnahmen in den Bestand D 111 A Falkenhagen gelangt. Akten der Oberförsterei Schwalenberg, die vor dem 1. November 1907 geschlossen wurden, wurden dem Bestand L 97 A Schwalenberg zugeordnet.

Verweis auf weitere Bestände
L 97 A Schwalenberg: Akten zur Oberförsterei Schwalenberg, bis 1907 geschlossen
D 111 A Falkenhagen: Akten des Forstamtes Falkenhagen, über 1949 hinaus fortgeführt


Es ist zu zitieren: L 97 A Falkenhagen Nr. ...


Detmold, im Oktober 2007

Astrid Küntzel



Literatur :
LAV NRW STADT, D 29, Nr. 73 (Kurzer Abriss der Verwaltungsgeschichte der lippischen Forstbehörden).LAV NRW STADT, D 72 Brakemeier (Nachlass Wilhelm Brakemeier), Nr. 26.LAV NRW STADT; L 97 A Falkenhagen, Nr. 435.Einleitung zum Findbuch L 80.19 - Regierung/Landesregierung ForstabteilungSchäfer, Ingrid: „Ein Gespenst geht um Politik mit der Holznot in Lippe 1750-1850. Eine Regionalstudie zur Wald- und Technikgeschichte (Sonderveröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe, Nr. 38), Detmold 1992.Schmidt, Hans: Lippische Sieldungs- und Waldgeschichte (Sonderveröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen Vereins für das Land Lippe, Nr.6), Detmold 1940.