Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1. Staatsarchiv Detmold
1.1. Land Lippe (bis 1947)
1.1.2. Verwaltung, Justiz
1.1.2.2. Allgemeine und innere Verwaltung
1.1.2.2.5. Ämter
Amt Brake
L 108 Brake Amt Brake
Permalink des Findbuchs


Signatur : L 108 Brake

Name : Amt Brake

Beschreibung :
Amt Brake
Die Ämter waren seit dem Ausgang des Mittelalters die Grundlage der landesherrlichen Verwaltung und des sich entwickelnden modernen Staates. Ihre Herausbildung war in Lippe mit einer Verordnung Graf Simons V. von 1535 abgeschlossen (abgedruckt in: Lipp. Mitteilungen 26/1957, S. 57-61). Wichtigste Aufgaben waren zunächst Führung der verschiedenen Rechnungen und Justizsachen sowie Vertretung des Landesherrn in allen hoheitlichen Aufgaben (siehe Vorbemerkung zu L 108 Detmold); Vertreter des Landesherrn war der Amtmann. Mittelalterliche Keimzelle und Mittelpunkt eines Amtes war jeweils eine landesherrliche Burg. Das Amt Brake bildete sich um die möglicherweise die älteste Territorialburg der Lipper im hiesigen Raum (Zusammenfassung des Forschungsstands knapp bei Sauer). Im Zentrum der Grafschaft gelegen, war Burg oder (seit der Renaissance) Schloss Brake lange Zeit Hauptresidenz des Landesherrn, bevor es von Blomberg und in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts von Detmold abgelöst wurde. 1562-1570 war das gesamte Amt an die Familie von Donop verpfändet (Sauerländer). 1587-1613 kehrte die Regierung noch einmal nach Brake zurück. Das Schloss diente nach Aussterben der Linie Lippe-Brake (s.u.) bis 1805 als Wohnsitz für Witwen und Geschwister der regierenden Grafen.

Landesteilungen unter den Söhnen eines verstorbenen Landesherrn gab es in Lippe seit dem pactum unionis 1368 nicht mehr. Jedoch wurden im Testament Simons Vl. (+1613) die nicht zur Herrschaft gelangten jüngeren Söhne mit sogen. Paragialämtern abgefunden (Ausstattung mit Domanialbesitz statt mit Geldeinkünften). Diese sogen. Erbherren waren reichsunmittelbar und übten in ihrem Gebiet eine Art Mithoheitsrechte aus, die sie dann auszuweiten trachteten. Besonders tat sich dabei die Linie Lippe-Brake hervor, deren erster und bedeutendster Vertreter ab 1614 Graf Otto war (er erhielt außerdem noch die Ämter Barntrup und Blomberg und später Schieder). 1709 starb die Linie Lippe-Brake aus und das Amt fiel (nach kurzzeitigem schaumburg-lippischen Besitz) an das regierende Haus zurück. Die Episode hat in dem vorliegenden Aktenbestand kaum Spuren hinterlassen, nur einige wenige Akten betreffen auch das Amt Barntrup mit.

Grundlagen einer kommunalen Selbstverwaltung schuf die Gemeindeverfassung von 1841 (Landesverordnungen Band 8, S. 541-562); durch sie wurden "Dorfsgemeinden" gebildet, alle Bewohner eines Amtes (auch der Rittergüter und Meiereien) bildeten eine Amtsgemeinde. Nachdem durch das Ausführungsgesetz zum deutschen Gerichtsverfassungsgesetz 1879 auch in Lippe die strikte Trennung von Verwaltung und Justiz eingeführt worden war, wurden anstelle der bisherigen Ämter ab 01.10.1879 neue größere Verwaltungsbezirke gebildet (Landesverordnungen Band 17, S. 717-719); das Amt Brake wurde Teil des gleichnamigen Verwaltungsamts (Bestand L 109 Brake). Die Amtsgemeinden blieben bestehen.

Registraturgeschichte/Verzeichnung
Offenbar wurde(n) noch nach der Auflösung der alten Ämter und ihrer Eingliederung in die Verwaltungsämter eine eigene Registratur für das Amt Brake weitergeführt, ja sogar neue Akten angelegt. In einer Anmerkung zu Altsignatur Fach 59 wird ein Repertorium von 1892 erwähnt. Die meisten Akten des bis zur Verzeichnung verwendeten Behördenrepertoriums waren mehrfach abgehakt (grün = vorhanden, rot / manche auch rot und grün, mit Blei). Viele Aktentitel sind auch mit einem "r" = reponiert versehen, diese sind jedoch nicht immer vorhanden. Die Bedeutung der roten und der - zuerst angebrachten - Bleistifthaken bleibt unklar. Auf vielen Aktendeckeln befinden sich mehrfache Umsignierungen (Fach / Nr. / verschiedene lfd. Nummern per Hand/Stempel).

Die grün abgehakten Akten wurden 1948 im Lippische Landesarchiv "geordnet und reponiert" (s. altes Repertorium); es handelt sich offenbar um die im Oktober und November 1942 vom Landrat in Brake bzw. von der Papiermühle in Hillentrup abgegebenen Archivalien und um Zug. 16/1946 (s. Zugangsbuch D 29 Nr. 1269). Eine kleinere Nachlieferung erfolgte mit Zug. 49 a / 1955. Der Verbleib vieler Akten ist unbekannt. Der Bestand war in 70 Fach eingeteilt, davon waren 16 ohne überlieferte Akten; häufig waren nur wenige Titel grün abgehakt. Der verbliebene Rest wurde zu größeren Gliederungspunkten zusammengefasst, wobei die alte Reihenfolge möglichst gewahrt blieb.

23 Akten mit längerer Laufzeit wurden dem Bestand L 109 Brake (Verwaltungsamt Brake) zugeordnet (L 109 Brake Nr. 1070 - 1092); einige wenige Bände mit geringer Laufzeitüberschreitung wurden aus inhaltlichen Gründen beim Bestand L 108 belassen.

Viele zu Zeiten des Amtes Brake angelegte Akten wurden nach 1879 fortgeführt und befinden sich im Bestand L 109 Brake.


Detmold, März 2006


gez. Schwinger




Literatur :
Sauer, Heinz: Burg und Schloss Brake. 1000 Jahre Baugeschichte.[mit vielen historischen Aspekten]. Diss. Hannover 2002 ( = Lippische Studien Bd. 17) Sauerländer, Fr.: Aus der Geschichte des Dorfes und Amtes Brake, in: Lippischer Kalender 1951, S. 97-101 Süvern, Wilhelm: Geschichte des Schlosses und der Gemeinde Brake in Lippe. Lemgo 1960

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