Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1.1. Land Lippe (bis 1947)
1.1.2. Verwaltung, Justiz
1.1.2.2. Allgemeine und innere Verwaltung
1.1.2.2.3. Regierung / Landesregierung
Regierung/Landesregierung Lippe - Polizeiangelegenheiten
L 80.15 Regierung/Landesregierung Lippe - Der Landespolizeidirektor / Der Führer der Landespolizei
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Signatur : L 80.15

Name : Regierung/Landesregierung Lippe - Der Landespolizeidirektor / Der Führer der Landespolizei

Beschreibung :
Organisation des Polizeiwesens

Die Neuorganisation des Polizeiwesens nach dem ersten Weltkrieg war notwendig, weil die Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages und die Note der alliierten Mächte vom 22. Juni 1920 sowie das Protokoll von Spa vom 9. Juli 1920 eine Reduzierung der Stärke der Reichswehr und eine Entwaffnung der Bevölkerung forderten. Die bisher bestehenden Sicherheitspolizeien musste aufgelöst werden. Gestattet war aber gleichzeitig eine Verstärkung der Ordnungspolizeien. Zuständig waren nun die örtlichen Polizeien. Mitglieder der aufgelösten Sicherheitspolizeien wurden zum Teil in den Personalbestand der Ortspolizeiverwaltungen übernommen.

Am 15. November 1923 wurde das Polizeivollzugsgesetz erlassen, in dem die Aufgaben des Polizeivollzugsdienstes geregelt wurden (Lippische Gesetz-Sammlung Nr. 55/ 1923 Nr. 180). Ziel war eine einheitliche Regelung des Polizeivollzugsdienstes. Es setzte vor allem eine einheitliche Vor- und Ausbildung für die Polizeibeamten fest, die bis dahin recht disparat war. Damit einher ging eine Verstaatlichung der Polizei. Hintergrund des Gesetzes waren Unruhen und Streiks. Durch die Neuorganisation sollte bei größeren Unruhen nicht mehr die Reichwehr in Anspruch genommen werden müssen.

Wie in Preußen wurden auch im Land Lippe die polizeilichen Aufgaben durch die Landespolizeibehörden und die Ortspolizeibehörden ausgeübt. Landespolizeibehörde war die Lippische Regierung, Abteilung des Innern in Detmold, deren Leiter zugleich Landespolizeidirektor war. Ihm unterstand der gesamte Polizeivollzugsdienst: staatliche und kommunale Vollzugspolizei, Gendarmerie und die Landeskriminalpolizei. Ortspolizeibehörden waren die Verwaltungsämter und die Magistrate in den Städten, die in ihren Befugnissen den preußischen Landratsämtern entsprachen.


Der Landespolizeidirektor

Der Landespolizeidirektor hatte die Aufgabe, die ihm übertragenen Angelegenheiten mit Sitz und Stimme in der Regierung zu bearbeiten. Dazu gehörten: Polizeiangelegenheiten und Angelegenheiten der allgemeinen Sicherheit. Bei übrigen Angelegenheiten, wie Wohlfahrtspolizei etc. war er beratend hinzuzuziehen. Ihm oblag die fachtechnische Beratung bei der Organisation und Regelung des Dienstbetriebes sämtlicher Polizeibehörden des Landes Lippe, er war zuständig für die Einrichtung und Beaufsichtigung der Einwohnerwehren sowie oberster Leiter der Gendarmerie. Gleichzeitig war er Dezernent für das Gefängniswesen, mit Ausnahme der Landesstrafanstalten, so die Dienstanweisung für den Landespolizeidirektor vom 31. Mai 1919.

Im Zuge der Verwaltungsvereinfachung wurde mit dem 1. April 1926 die Polizeiabteilung mit der Abteilung des Innern vereinigt und die Leitung an Regierungsrat Heise übertragen. [vgl. L 80.15 Nr. 38]. Die Dienststelle „Der Landespolizeidirektor führte durch Gesetz über die Verstaatlichung des Lippischen Polizeiwesens vom 21 Dez. 1933 ab 1934 die Bezeichnung „Der Führer der Landespolizei.

Die Leitung des Polizeiwesens lag in den Jahren 1919/20-1931, wie auch noch 1933, in der Hand des Landespolizeidirektors, der bis 1931 zugleich Leiter der damals bestehenden Landesstrafanstalt war. Landespolizeidirektor Max Heise wurde im Laufe der Jahre zum Oberregierungsrat und zum Leiter der Abteilung des Innern (Abt. I) und später zum Präsidialrat ernannt. Darunter musste seine Arbeit auf dem Gebiet des Polizeiwesens zwangsläufig leiden, obwohl Polizei-Amtmann Dr. Fürer, der allerdings Leiter der Kriminalpolizei war, mit einem Teil der polizeilichen Aufgaben und mit Belangen der Strafanstalt betraut wurde.

Nach der Regierungsübernahme durch die Nationalsozialisten wurde auch in Lippe eine Hilfspolizei, bestehend aus Mitgliedern der SA, der SS und des Stahlhelms aufgestellt. Im Unterschied zu anderen Ländern, in denen die Hilfspolizei den ordentlichen Polizeibehörden unterstellt worden war, bildete in Lippe die Hilfspolizei eine selbstständige Organisation. Die Aufgaben der Hilfspolizei erstreckten sich hauptsächlich auf die Durchführung politischer Polizeimaßnahmen. (vgl. L 80.15 Nr. 3, Bericht des Landespolizeidirektors). Eine Verstaatlichung der gesamten uniformierten Polizei des Landes Lippe erfolgte durch das Gesetz zur Verstaatlichung des lippischen Polizeiwesens vom 21. Dez. 1933.

Die staatlichen Kriminalpolizeistellen Detmold und Bückeburg wurden 1937 der Kriminalpolizeileitstelle Hannover unterstellt. Die Unterhaltung der rein örtlichen, der Stadtverwaltung angegliederten kriminalpolizeilichen Dienststellen blieb in Lippe-Detmold und Schaumburg-Lippe den Landesregierungen überlassen. Sowohl in Detmold als auch in Bückeburg wurde am bisherigen Zustand nichts geändert; es wurde eine zur Staatspolizeistelle Bielefeld zugehörige staatspolizeiliche Außenstelle belassen. Die Beamten der Kriminalpolizei Detmold durften nur noch kriminalpolizeiliche Aufgaben im Bereich des Ortspolizeibezirks Detmold übernehmen. Für reichskriminalpolizeiliche Aufgaben war die Kriminalpolizeileitstelle in Hannover zuständig. Ein eigener Landespolizeidirektor war dadurch nicht mehr notwendig.


Landespolizeidirektoren

Die Stelle des Landespolizeidirektors wurde 1919 neu geschaffen. Amtsinhaber waren:

1919 - 1930 Max Heise
1924 - 1931 Dr. Egon Fürer (Vertreter Heises, bis zum Amtsantritt des Nachfolgers)
1931 - 1933 Karl Pforr
1933 - 1935 Otto Hellwig
1935 - 1938 Paul Faßbach

Zu den Amtsinhabern waren die folgenden biografischen Daten zu ermitteln:


Max Heise (2.9.1876 Berlin - 6.6.1949)

Heise war preußischer Polizeioffizier und trat 1919 in den Dienst des Landes Lippe. Nach Gymnasialausbildung, Verwaltungsausbildung und Militärdienstzeit (1907 Polizeileutnant, 1914-1918 zur Armee einberufen, Tätigkeit bei der Geheimen Feldpolizei, 1919 Polizeihauptmann) war er in der Verwaltung der Königlichen Eisenbahndirektion in Berlin tätig (Ausbildung im allgemeinen Verwaltungsdienst, Examen 1899) Er übernahm zunächst die Stelle des Landespolizeidirektors und im Nebenamt die des Leiters der Strafanstalt. Ab 1926 war er außerdem Leiter der Abteilung des Innern und des Personaldezernates der Regierung sowie des Personalreferats im Landespräsidium.
In einem Disziplinarverfahren (pflichtwidrige Amtsführung in seiner Eigenschaft als Leiter der Strafanstalt und sein Verhalten als Zeuge in einem Strafanstaltsprozess) gegen Heise entschied das Oberlandesgericht Celle 1932 für eine Strafversetzung Heises verbunden mit einer Gehaltsminderung für die Dauer von zehn Jahren. Heise wurde Ende 1932 mit verminderten Bezügen beurlaubt. Die nationalsozialistische Landesregierung verschärfte das Urteil aufgrund der inzwischen erlassenen Beamtendienststrafordnung (Kürzung des Diensteinkommens auf die Dauer von fünf Jahren um ein Fünftel) und versetzte ihn in den einstweiligen Ruhestand. Im August 1933 wurde Heise, welcher den Sozialdemokraten nahe stand, aus dem Staatsdienst entlassen (Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums). Nach seiner Entlassung wurde eine sechswöchige Schutzhaft und seine Überführung in das Konzentrationslager Sachsenhausen beschlossen. Die Einweisung unterblieb nur, weil Heise an einem im Heeresdienst erworbenen Herzleiden litt. Er wurde bis Kriegsende unter Gestapo-Bewachung gestellt. Heise lebte bis zu seinem Tode in Hardegsen (Kreis Northeim). [aus L 80 I Pers. Nr. 639]


Dr. Egon Fürer (21.02.1883 in Hultschin (Kreis Ratibor) - 21.02.1970 Detmold)

Besuch der Gymnasien in Waldenburg, Eschwege und Wiesbaden. Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten in Heidelberg, Leipzig, München und Marburg.1905 Ablegung der juristischen Staatsprüfung, Referendariat im Bezirk des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main beim Amtsgericht Wehen (Wiesbaden), Militärdienst 1905-1906 (Leutnant der Reserve), dann wieder im Oberlandesgerichtsbezirk Frankfurt und zwischenzeitlich auch bei der Staatsanwaltschaft in Kiel. 1908 Promotion zum Dr. jur. an der juristischen Fakultät der Universität Erlangen (Thema: „Das Aufsichtsrecht der Aktiengesellschaft). Nach den juristischen Prüfungen war Fürer als Gerichtsassessor seit Februar 1912 unentgeltlich beim Amtsgericht Wiesbaden beschäftigt. Er bewarb sich beim Polizeipräsidenten in Berlin als Anwärter für den Exekutiv-Polizeidienst und wurde 1912 als Polizeianwärter eingestellt und 1913 als Polizeileutnant in den Polizeidienst übernommen. Daneben nahm Fürer immer wieder an militärischen Pflichtübungen teil. Er wurde 1914 infolge der Mobilmachung zum Kriegsdienst eingezogen und erst 1918 wieder entlassen. Er wurde dann in Berlin 1919 als Kriminalkomissar eingesetzt. Im Mai 1921 trat er seinen Dienst bei der Landespolizei Detmold an und wurde nach halbjähriger Probezeit als Landespolizeikommissar übernommen. Die Kontakte nach Lippe wurden über Max Heise geknüpft, der Fürer noch aus seiner Berliner Zeit kannte. Fürer wurde 1923 zum Landespolizeioberinspektor und 1926 zum Polizeiamtmann ernannt.
Zu seinen Aufgaben gehörten polizeiliche Ermittlungsverfahren bei schweren Kriminalfällen, der Fahndungs- und Erkennungsdienst sowie eine umfangreiche Lehrtätigkeit auf dem Gebiet des Polizei- und Strafrechts an der Landespolizeischule.
Fürer hatte seit 1924 - bis zum Ausscheiden von Landespolizeidirektor Max Heise (Anfang Februar 1930) - sämtliche Angelegenheiten des Landespolizeidirektors bearbeitet und seit Einrichtung der Landespolizeischule im Jahre 1923 bis 1930 die Landespolizeischule selbstständig geleitet. Bis zur Übernahme der Geschäfte durch Landespolizeidirektor Pforr (Ende April 1931) erledigte er vertretungsweise in eigener Verantwortung die landespolizeilichen Angelegenheiten. Fürer heiratete am 24. September 1921 Anna Meyer.

Bei der Neuordnung der Polizei im Jahre 1933 schied Fürer aus dem Polizeidienst aus (Rückversetzung um zwei Besoldungsgruppen). Er wurde am 1. Januar 1934 in den Ruhestand versetzt. Fürer erhob dagegen Einspruch - u.a. weil durch die Versetzung in den Ruhestand und die damit verbundenen finanziellen Einbußen ein Weiterstudium seines Stiefsohnes Heinz Arendt (geb. 22. Aug. 1912) in Berlin gefährdet war. Fürer wies außerdem auf seine Vordienstzeiten in der preußischen Verwaltung und auf seine Kriegsteilnahme hin. Landespolizeidirektor Hellwig befürwortete sein Gesuch und auf Vorschlag der Lippischen Landesregierung wurde Fürer durch den Reichstatthalter in Lippe und Schaumburg-Lippe ab Januar 1934 wieder in das Beamtenverhältnis übernommen.
Fürer gehörte keiner Partei an, war aber ab Mai 1937 Parteianwärter bzw. Mitglied der NSDAP und seit Mai 1934 förderndes Mitglied des Nationalsozialistischen Fliegerkorps, seit 1938 Mitglied des Kyffhäuserbundes, seit 1933 Zellenwalter des NSV, seit 1935 Mitglied des Reichsluftschutzbundes und seit 1927 Mitglied im Reichsbund für Leibesübungen.
Er wechselte als Regierungsamtmann in die allgemeine Verwaltung der lippischen Landesregierung. 1939 wurde er aufgefordert, sich in die Geschäfte der Pass- und Ausländerabteilung einzuarbeiten, er übernahm ebenfalls die Einbürgerungs- und Staatsangehörigkeitsangelegenheiten sowie des Straßenaufsichts- und Transportwesens. Im Oktober 1945 übergab Fürer - aus Altersgründen - die Aufgaben des Straßenaufsichts- und Transportwesens an einen jüngeren Angestellten. Fürer hatte mit Major Dyas zusammengearbeitet. Die Militärregierung hatte Fürer weiter beschäftigt, obwohl man ihn für politisch erheblich vorbelastet hielt. Aufgrund von Personalknappheit wurde Fürer auch über seinen Ruhestand hinaus beschäftigt.

Im April 1948 wurde er in den Ruhestand versetzt, war aber als Ruhestandsbeamter 1948-1949 im Angestelltenverhältnis weiter beschäftigt. 1950 wurde er als Regierungsoberinspektor (Widerrufsbeamter) vorrübergehend wieder eingestellt. Ein Antrag auf Wiedergutmachung war negativ beschieden worden. Fürer war aber ob seiner Kenntnisse auf dem Gebiet des Polizeirechts als Arbeitskraft unentbehrlich und wurde bei der Angleichung des Lippischen Rechts an das Nordrhein-Westfälische Recht eingesetzt. Er schied dann im September 1950 endgültig aus dem Dienst aus. Fürer starb am 21. Feb. 1970 in Detmold. [aus D 99 Nr. 1389]


Karl Pforr (28.9.1894 Frankfurt am Main - ?)

Besuch des Gymnasiums in Frankfurt, dann des pädagogischen Seminars Eschwege mit dem Berufsziel Seminaroberlehrer, Kriegsfreiwilliger im I. Weltkrieg. Pforr war nach Kriegsverwundungen nur noch bedingt im Militärbereich einsetzbar und trat 1917 als Polizeikommissaranwärter in die Königliche Polizeidirektion zu Koblenz ein, wo er 1918 mit Prüfung abschloss. Er nahm im Dezember 1918 seinen Abschied vom Heer und absolvierte einen sechsmonatigen Polizeiprobedienst beim Polizeipräsidium Essen (Ruhr). Er wurde dort - nach Ablegung der Prüfung in Hannover - 1919 als staatlicher Polizeikommissar fest angestellt. Von dort wurde er Ende 1919 als polizeilicher Instrukteur und Beobachter zur Polizeifliegerstaffel Paderborn überwiesen. Nach Auflösung der Staffel kam er als Polizei-Oberleutnant zum Stab der Polizei-Abteilung in Hagen (Westfalen) und dann nach Witten. Aufgrund der Unruhen bei der Ruhrbesetzung beantragte er eine Versetzung als Ausbilder an die Polizeischule Hannoversch Münden im Juli 1923. Ab 1924 Polizeidienst in Bocholt (Polizeipräsidium Recklinghausen), 1925 Beförderung zum Polizeihauptmann, ab 1931 Lehrer an der Polizeischule Hildesheim für Staats-, Straf- und Beamtenrecht.
Pforr bewarb sich von Hildesheim aus nach Lippe und übernahm 1931 zunächst kommissarisch die Stelle des Landespolizeidirektors. Im Oktober 1931 erfolgte die Festanstellung. Pforr kümmerte sich vor allem um die formationsmäßige Zusammenfassung und Ausbildung der Polizei-Exekutivbeamten. Er entwarf auch eine einheitliche Dienstanweisung für den gesamten Sicherheitsdienst in Lippe. Im April 1933 veranlasste die Lippische Landesregierung beim Preußischen Innenministerium die Rücknahme von Pforr - möglichst als Polizeimajor - in den preußischen Polizeidienst: „Es liegt sachlich gegen den Landespolizeidirektor Pforr nicht das geringste vor, aber die politische Entwicklung der letzten Wochen läßt es uns angenehm erscheinen, Herrn Landespolizeidirektor Pforr mit einem anderen preußischen Polizei-Offizier auszutauschen. Pforr stand der NSDAP nicht nahe genug. Es fand - auf Antrag von Staatsminister Riecke ein Austausch von Polizeioffizieren statt. Pforr wurde am 1. Oktober 1933 wieder in die preußische Schutzpolizei überwiesen; an seiner Stelle trat Polizeioberleutnant Hellwig aus Bielefeld. [L 80 I Pers. Nr. 1322].


Otto Hellwig (24.2.1898 Nordhausen - ?)

Hellwig besuchte das Realgymnasium seiner Heimatstadt, begann eine kaufmännische Lehre und meldete sich 1915 als Kriegsfreiwilliger zum Heeresdienst. Er wurde im November 1918 entlassen und war danach u.a. bei einem Freikorps im Baltikum. 1920 wurde er Polizeiwachtmeister bei der Sicherheitspolizei Nassau in Hanau und wurde nach einigen Zwischenstationen 1928 zur Polizeiverwaltung nach Bielefeld versetzt. Nach verschiedenen Dienstprüfungen wurde er 1930 zum Polizeioberleutnant befördert und ab 1933 als Adjutant und Bearbeiter der Organisations- und Personalangelegenheiten der Bielefelder Schutzpolizei eingesetzt. Hellwig wurde aus dem preußischen Staatsdienst beurlaubt, um in den lippischen Staatsdienst übertreten zu können. Am 11. Dezember 1933 wurde Hellwig durch den Reichsstatthalter in Lippe und Schaumburg Lippe zum Führer der lippischen Polizei ernannt. Seine Hauptaufgabe bestand in der Neuordnung des lippischen Polizeiangelegenheiten und insbesondere in der Zusammenarbeit mit den Dienststellen der NSDAP. Im Auftrag von Staatsminister Riecke führte er die Organisation des Luftschutzes und des Luftfahrwesens (Ausbau des Flugplatzes) in Lippe durch. Hellwig schied Im November 1934 aus dem lippischen Staatsdienst aus, um in den Reichsluftaufsichtsdienst zu wechseln. Hellwig wurde 1935 als Regierungsrat und Hauptmann der L.P.a.D. in den höheren Verwaltungsdienst der Geheimen Staatspolizei übernommen (Leiter der Leitstelle für Schlesien in Breslau).[aus L 80 I Pers. Nr. 654].


Paul Faßbach (geb. 2.02. 1897 in Solingen-Wald - ?)

Nach dem Besuch der Volksschule in Recklinghausen war er als Lehrling auf der Zeche „Ewald in Recklinghausen tätig. Sein Vater war Beamter in Recklinghausen. Ab April 1912 besuchte er als Unteroffizier-Vorschüler die Unteroffizier-Schule in Sigmaringen. Nach einem Fußleiden wurde er zu Beginn des Jahres 1914 entlassen und ab Dezember 1914 beim Ulanen-Regiment Nr. 5 untergebracht, wo er bis Mai 1920 mit kurzen Unterbrechungen - Garde-Kavallerie-Schützen Division mit Kämpfen in Berlin, München und im Ruhrgebiet - Dienst tat. Von 1920 bis 1927 war er in Berlin als selbstständiger Kaufmann und Kraftfahrer tätig. Er kehrte Ende 1927 in seine Heimatstadt Recklinghausen zurück. Im Januar 1928 wurde er Mitglied der NSDAP und Gründer der SA in Recklinghausen. Im November 1929 wurde er als einziger Nationalsozialist in Recklinghausen zum Stadtverordneten gewählt. Neben seiner Tätigkeit als SA-Führer war er zeitweise Ortsgruppenleiter und von 1929-1933 außerdem als kommunalpolitischer Fachberater tätig. In dieser Zeit besuchte er als Gasthörer über drei Semester die Verwaltungsakademie in Bochum. Seit dem 30.09.1921 war er mit Helena Hennig (geb. 31.12.1894 in Herzogenrath) verheiratet.
Im August 1933 wurde er Führer der SA-Brigade 70 in Gelsenkirchen und am 9.01.1935 wurde er nach Detmold versetzt und dort mit der Führung der SA-Brigade 65 beauftragt. Am 26.01.1935 wurde er kommissarischer Führer der Lippischen Landespolizei. Faßbach wurde im Angestelltenverhältnis geführt, weil die Einrichtung einer Planstelle eines Polizeidirektors für das Land Lippe und Schaumburg Lippe - trotz mehrerer Versuche der lippischen Landesverwaltung in Berlin - nicht in Betracht kam. Faßbach erfüllte außerdem nicht die Voraussetzungen für eine Übernahme ins Beamtenverhältnis. Er wurde beim Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei im Reichsministerium des Innern ab April 1937 zur Verwendung als staatlicher Polizeiverwalter in einer anderen Polizeiverwalterstelle vorgemerkt.

Nach Berliner Auffassung sollte Faßbach von seinen Aufgaben entbunden werden. SA-Brigadeführer Faßbach war in Berlin bzw. bei Heinrich Himmler in Ungnade gefallen, weil er eine enge Zusammenarbeit zwischen Polizei und SS verweigert hatte (Sabotage). Reichsstatthalter und Gauleiter Dr. Alfred Meyer hielt an Faßbach fest und wollte ihm das neue Amt übertragen. Auch Faßbach widersprach in einer Stellungnahme gegen die ihn vorgebrachten Vorwürfe. Heinrich Himmler hielt - ohne auf die gemachten Vorwürfe weiter einzugehen - Faßbach für persönlich ungeeignet. Himmler entschuldigte sich dann in einem persönlichen Schreiben an Faßbach für die gemachten Vorwürfe und bot ihm nach seinem Ausscheiden aus dem Lippischen Staatsdienst eine Polizeidirektoren bzw. -präsidentenstelle irgendwo im Reich an. Er schied zum 1. April 1938 aus dem Lippischen Landesdienst aus.

Für die Übernahme der Amtsgeschäfte Faßbachs war auf Weisung des Reichsführers SS und des Chefs der Deutschen Polizei im Reichsministerium des Innern Hauptmann der Gendarmerie Görhardt vorgesehen, der von Potsdam ab 3. Januar 1938 nach Lippe und Schaumburg-Lippe abgeordnet wurde, um in den Ländern die Leitung der gesamten Gendarmerie und Schutzpolizei der Gemeinden zu übernehmen. Görhardt war gleichzeitig Verbindungsoffizier zum Inspekteur der Ordnungspolizei in Münster. Er wurde unmittelbar dem Reichsstatthalter in Lippe und Schaumburg-Lippe unterstellt. Von Berlin aus hielt man, ob der geringen Stärke der Ordnungspolizei in beiden Ländern, eine Hauptmann als höchste Befehlsstelle ausreichend. Nach der Verreichlichung der Ordnungspolizei war es auch nicht möglich, dass ein im Landesdienst stehender Beamter Reichsbeamten vorgesetzt war. Die Stelle eines „Landespolizeiführers gab es in dieser Form nur in Lippe. [aus L 80 I Pers. Nr. 431].


Landespolizeischule Detmold

Die Landespolizeischule Detmold hielt 1922 die ersten Kurse ab. Die Detmolder Landespolizeischule war lediglich für die Ausbildung und Weiterbildung der bereits im Dienst befindlichen Polizeivollzugsbeamten zuständig. In den Kursen wurde Vorträge zum Polizeirecht. Beamtenrecht etc. gehalten. Sie schlossen in der Regel mit einer schriftlichen und mündlichen Prüfung ab. Prüfungsinhalte waren z.B.: Presserecht, Beschlagnahme von Druckschriften durch die Polizei, Passwesen, Ausweisung von Ausländern, praktische Beispiele aus dem Gewerberecht und Reichsstrafgesetzbuch und die Stellung von Strafanträgen, Verhalten des Polizeibeamten gegenüber Publikum, Zuständigkeiten im Bereich der Justiz sowie Literatur und Literaturgeschichte (Formen der Poesie, Aufbau eines Dramas, Inhalte von Novellen und Schauspielen).

Politische Polizei

Die Akten zur politischen Polizei geben einen minutiösen Einblick über die Aktivitäten politischer Gruppen und Parteien in Lippe. Hier sind vor allem die Anfänge der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei (NSDAP) dokumentiert und die Aktivitäten des linken politischen Spektrums der Sozialdemokraten und Kommunisten.

Morgenmeldungen

Im Mai 1931 wurden vom Landespolizeidirektor die sogenannten Morgenmeldungen eingeführt. Um über Ereignisse und Vorfälle, die von allgemeinem Interesse waren oder voraussichtlich in der Presse erörtert wurden, sollte der Landespolizeidirektor täglich bis 8 Uhr vormittags durch die Ortspolizeibehörden und die ihnen unterstellten Polizeivollzugsbeamten fernmündlich unterrichtet werden. Zu den Vorfällen gehörten u.a. Streiks, Versammlungen, Unfälle, Feuer, Explosionen, Überschwemmungen, Schlägereien, Verbrechen und Waffengebrauch. Mit den Meldungen sollte auch angegeben werden, was veranlasst worden war.

Registraturgeschichte

Im Zuge der Verwaltungsvereinfachung wurden innerhalb der Lippischen Regierung 1924 Abteilungsregistraturen gebildet (heutiger Bestand L 80). Der Geschäftsbereich „Der Landespolizeidirektor wurde dabei ausgegliedert. Die Akten wurden mit „P Nr. bezeichnet. Diese ursprüngliche Nummerierung wurde bei der Verzeichnung als Altsignatur angegeben. Der Bestand, der inhaltlich eng mit L 80.14 (Lippische Regierung - Polizeiangelegenheiten) verbunden ist, wurde 1957 als Zugang 69/1957 an das Landesarchiv bzw. Staatsarchiv abgegeben.


Hinweise zur Verzeichnung des Bestandes

Die Verzeichnung wurde im Mai/Juni 2001 durchgeführt. Grundlage für die Bildung der Aktentitel war das bisher benutzte Repertorium. Die Verzeichnung erfolgte nach den gegenwärtig üblichen Regeln der Sachtitelaufnahme. Die qualifizierenden Vermerke „enthält u.a.. weisen auf besondere Inhalte hin; mit „enthält auch wurden vom Sachtitel abweichende Inhalte erschlossen. Im alten Repertorium als fehlend gekennzeichnete Aktenbände wurden nicht verzeichnet. Aktenbände, die inhaltlich eigenständige Vorgänge enthielten und durch Aktendeckel deutlich abgegrenzt waren, erhielten einen eigenen Sachtitel und ein eigene Signatur. Daraus resultiert die Differenz von jetzt 74 Nummern zu den ursprünglich 62 Nummern. Die ursprüngliche Verbindung der Bände ergibt sich aus der identischen Altsignatur. Der Bestand wurde erstmals klassifiziert.

Der Bestand umfasst 74 Nummern mit einer Laufzeit von 1831-1940. Der Schwerpunkt der Überlieferung liegt in den 1920er und 1930er Jahren. Die letzte vergebene Nummer ist 74.

Der Bestand ist zu zitieren NW STADT L 80.15 Nr. .....


Detmold, im Oktober 2001

gez. Gisela Fleckenstein



Literatur :
Ellwein, Thomas, Der Staat als Zufall und als Notwendigkeit. Die jüngere Verwaltungsentwicklung in Deutschland am Beispiel Ostwestfalen-Lippe. Bd. 2. Die öffentliche Verwaltung im gesellschaftlichen und politischen Wandel 1919-1990, Opladen 1997Klein, Thomas (Hrsg.), Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815-1945, Reihe B, Bd. 16 Mitteldeutschland (Kleinere Länder), Marburg/Lahn 1981 Staatshandbuch für das Land Lippe, bearb. im Lippischen Landespräsidium Detmold, Detmold 1929Wilhelm, Friedrich, Die Polizei im NS-Staat. Die Geschichte ihrer Organisation im Überblick, Paderborn 1997Ellwein, Thomas, Der Staat als Zufall und als Notwendigkeit. Die jüngere Verwaltungsentwicklung in Deutschland am Beispiel Ostwestfalen-Lippe. Bd. 2. Die öffentliche Verwaltung im gesellschaftlichen und politischen Wandel 1919-1990, Opladen 1997Klein, Thomas (Hrsg.), Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815-1945, Reihe B, Bd. 16 Mitteldeutschland (Kleinere Länder), Marburg/Lahn 1981 Staatshandbuch für das Land Lippe, bearb. im Lippischen Landespräsidium Detmold, Detmold 1929Wilhelm, Friedrich, Die Polizei im NS-Staat. Die Geschichte ihrer Organisation im Überblick, Paderborn 1997

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