Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1. Staatsarchiv Detmold
1.2. Regierungsbezirk Minden (1816-1947), Regierungsbezirk Detmold (seit 1947)
1.2.2. Justiz
1.2.2.2. Land- und Stadtgerichte (Kreisgerichte)
Patrimonialkreisgericht Fürstenberg
M 9 Fürstenberg Patrimonialkreisgericht Fürstenberg
Permalink des Findbuchs


Signatur : M 9 Fürstenberg

Name : Patrimonialkreisgericht Fürstenberg

Beschreibung :
Bei der Neuordnung der Gerichtsorganisation in der preußischen Provinz Westfalen 1814/1815 wurde auch das Patrimonialkreisgericht der Grafen von Westphalen und der Freiherrn von Brenken in Fürstenberg wieder errichtet. Durch Bekanntmachung vom 24. März 1818 wurde das Kreisgericht Fürstenberg mit einem Kreisrichter zum 1. Mai 1818 errichtet. Jedoch war die Zivilgerichtsbarkeit eingeschränkt, so daß für Teilbereiche (Realjurisdiktion) die Gerichte in Büren und Paderborn zuständig blieben (vgl. M l I L Nr. 101). Angeschlossen war die königliche Forstgerichtsdeputation in Atteln, die für die Wälder um Neuenheerse, Böddeken und Hardehausen zuständig war. Für den Kernbereich im Amt Wünnenberg war das Gericht in Zivilsachen den staatlichen Land- und Stadtgerichten gleichgestellt, während in der Strafgerichtsbarkeit die Befugnisse stark eingeschränkt waren. Die Strafgewalt beschränkte sich auf 2 Wochen Gefängnis, Strafarbeit oder 5 Taler Geldstrafe sowie auf Holzdiebstähle. So diente das Kreisgericht Fürstenberg auch vornehmlich dem Forstschutz, während die sonstige Strafgerichtsbarkeit dem Land- und Stadtgericht Büren und teilweise seit 1841 dem Land- und Stadtgericht Paderborn zustand. Auch andere Kompetenzbereiche (Subhastationen, Taxationen) wurden dem Privatgericht im Laufe seines Bestehens genommen.

1837 gehörten zum Gerichtsbezirk 14 Dorfschaften rund um Fürstenberg. Gerichtstage wurden in Atteln, Brenken und Wewer abgehalten. Besetzt war das Gericht zu diesem Zeitpunkt mit einem Kreisrichter, zwei Subalternen und zwei Unterbeamten.

Durch Verordnung vom 2. Januar 1849 wurden in Preußen alle Privatgerichte aufgehoben. Die Zuständigkeit des aufgehobenen Patrimonialgerichts Fürstenberg wurde im Rahmen der Gerichtsneuorganisation dem Kreisgericht in Paderborn bzw. der Kreisgerichtsdeputation in Büren und den Kreisgerichtskommissionen in Fürstenberg und Lichtenau zugewiesen. Die Kreisgerichtskommission in Fürstenberg unterstand dem Kreisgericht Paderborn und war mit einem Richter besetzt. Der Zuständigkeitsbereich beschränkte sich nun auf das Amt Wünnenberg (ohne Westheim und Oesdorf).

Auf Grund der Neuregelung der Gerichtsverfassung in Deutschland 1877 wurde die Kreisgerichtskommission Fürstenberg am 1. Oktober 1879 in ein selbständiges Amtsgericht umgewandelt, das bis 1932 bestanden hat.

Die Überlieferung des Patrimonialgerichts und der Kreisgerichtskommission, die in das Archiv gelangte, ist unvollständig. Erst nach Abschluß der im Staatsarchiv befindlichen Gerichtsakten im Jahre 1971 gelangten mit der Auflösung des Amtsgerichts Büren zu Ende des Jahres 1976 noch einige Fürstenberger Akten in das Archiv. Alle überlieferten Akten der Kreisgerichtskommission Fürstenberg sind in den Bestand M 9 Land- und Stadtgericht bzw. Kreisgericht Paderborn übertragen worden.

Es ist zu zitieren: M 9 Fürstenberg Nr. ...

Detmold, April 2007

Lüking (unter Verwendung von Teilen des Vorworts von Dr. Sagebiel aus dem Jahr 1976)



Literatur :
H. Rempe, Paderborner Gerichtswesen und Juristen im 19. Jahrhundert, 1971

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