Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1. Staatsarchiv Detmold
1.1. Land Lippe (bis 1947)
1.1.4. Außerlippische Bestände
Gesandtschaft der 16. Kurie des Deutschen Bundestages zu Frankfurt
L 78 Gesandtschaft der 16. Kurie des Deutschen Bundestages zu Frankfurt
Permalink des Findbuchs


Signatur : L 78

Name : Gesandtschaft der 16. Kurie des Deutschen Bundestages zu Frankfurt

Beschreibung :
Historie
Ein wichtiges Ergebnis des Wiener Kongresses war die Gründung eines mitteleuropäischen Staatenbundes: Der Deutsche Bund, der von 1815 bis zum Jahre 1866 existierte. Seine Mitgliederzahl war leicht schwankend (41-34). Im Jahre 1831 gehörten ihm 38 Mitglieder an, darunter die Könige von Großbritannien (für Hannover), Dänemark (für Holstein) und der Niederlande (für Luxemburg). Österreich und Preußen waren nur mit einem Teil ihres Staatsgebietes Mitglied des Staatenbundes. Der neu geschaffene Bundestag residierte als ständiger Gesandtenkongress unter österreichischem Vorsitz in Frankfurt a.M. und nahm im November 1816 seine Tätigkeit auf.
Beim Bundestag ist zwischen dem engeren Rat der Bundesversammlung, für den sich bald die Bezeichnung Bundestag einbürgerte, und dem Plenum zu unterscheiden. Im Bundestag fanden die Beratungen statt und wurden die Entscheidungen vorbereitet; im Plenum wurde abgestimmt. Dort hatte jedes, auch noch so kleines Mitglied mindestens eine Stimme; die Königreiche vier (insg. 69).
Im Bundestag (engerer Rat) gab es nur 17 Stimmen. Je eine so genannte Virilstimme für die elf größten Staaten und sechs so genannte Kuriatstimmen für die übrigen kleineren Mitglieder.
Die 16. Kurie des Deutschen Bundes umfasste anfangs die Fürstentümer Hohenzollern-Hechingen, Hohenzollern-Sigmaringen, Lichtenstein, Reuß ältere und jüngere Linie, Lippe, Schaumburg-Lippe, Waldeck sowie die Landgrafschaft Hessen-Homburg.
Bevollmächtigte Vertreter und weisungsgebundene Gesandte der 16. Kurie - und damit auch für das Fürstentum Lippe - in Frankfurt waren:
1816-1839, Freiherr Friedrich Jacob v. Leonhardi
1839-1861, Freiherr Adolph v. Holzhausen
1861-1866, Freiherr Dr. Justin v. Linde (nur noch für Lippe, Reuß ältere Linie u. Hessen-Homburg).
Aufgrund der Bundesakte (Verfassung) des Jahres 1815 hatte der Bundestag v.a. folgende Aufgaben:
· Verabschiedung einer Militärverfassung
· Einrichtung eines schiedsgerichtlichen Verfahrens für die Beilegung von Streitigkeiten zwischen Bundesgliedern
· Aufstellung von allg. Richtlinien für die Einrichtung landständischer Verfassungen in den Bundesstaaten (Art. 13 der Bundesakte)
· Erleichterung von Handel und Verkehr zwischen den Mitgliedsstaaten.
Nur die erste Hauptaufgabe wurde gelöst („Bundesgesetz über die Kriegsverfassung des Deutschen Bundes, 1821). Die übrigen Aufgaben wurden nicht richtig angegangen bzw. nicht erledigt!

Zum Bestand
Nach Auflösung des Deutschen Bundes im Jahre 1866 wurde - wie einst bei der Auflösung des Reichskammergerichtes - die Altregistratur/das Archiv der einzelnen Gesandtschaften (Kurien) auf die Mitgliedsstaaten aufgeteilt. Im Laufe des Jahres 1867 kamen in mehreren kleineren Ablieferungen die Akten soweit sie Lippe, z.T. aber auch Schaumburg-Lippe und Waldeck gemeinsam mit Lippe betrafen (v.a. Militaria) nach Detmold und wurden dem hiesigen Archiv zugeführt.
Insgesamt handelt es sich um 35 VZE mit einer Laufzeit von (1593-1812), 1816 bis 1866.
Der vorliegende Bestand spiegelt die lippischen Verfolge - den Deutschen Bund - betreffend v.a. durch die Instruktionen für die Gesandten und deren Berichte (im Konzept) wider. Vor allem werden militärische Fragen sowie die Auseinandersetzung mit den Ständen (Verfassungsfrage) und Schaumburg-Lippe (Amt Blomberg) berührt, aber auch Einzelschicksale von Lippern im Ausland und in Übersee sind ausführlich dokumentiert.
Weiterhin zu konsultieren sind in erster Linie die Bestände L 77 A-C und L 75.

Es ist nach Bestellnummer zu zitieren: L 78 Nr.

Detmold, im Januar 2007


W. Bender


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