Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1. Staatsarchiv Detmold
1.2. Regierungsbezirk Minden (1816-1947), Regierungsbezirk Detmold (seit 1947)
1.2.1. Verwaltung
1.2.1.9. Agrarordnung, Forstverwaltung
1.2.1.9.2. Forstverwaltung
Forstamt Hardehausen
D 6 B Hardehausen Forstamt Hardehausen
Permalink des Findbuchs


Signatur : D 6 B Hardehausen

Name : Forstamt Hardehausen

Beschreibung :

Verwaltungs- und Behördengeschichte:

Bis zur Säkularisation waren die Hardehausener Forsten auf drei Besitzer aufgeteilt: ein Teil war Eigentum des Zisterzienserklosters Hardehausen, ein anderer gehörte dem Paderborner Fürstbischof und ein dritter Teil dem Paderborner Domkapitel. Die Verwaltung der Forsten gestaltete sich für die einzelnen Gebiete sehr unterschiedlich: Während die Mitglieder des Konvents den Besitz ihres Klosters selbst verwalteten, hatte das Paderborner Domkapitel einen eigenen Inspektionsforstmeister engagiert. Die Verwaltung der ehemaligen Paderborner Staatsforsten oblag Förstern, die in Kleinenberg ansässig waren.

Durch die Säkularisation 1802/1803 gingen die Besitzungen des Klosters und des Fürstbischofs an Preußen über, das Eigentum des Paderborner Domkapitels wurde erst im Jahr 1809 säkularisiert. Die preußische Verwaltung brachte eigenes Forstpersonal in die neu zu verwaltenden Gebiete; in Hardehausen richtete sie in den Jahren 1804 bis 1807 eine Forstkommission ein.

1808 fiel das Paderborner Land an das Königreich Westfalen, das 1811 von Frankreich annektiert wurde. Die Forstverwaltung wurde nach französischem Muster umgestaltet. Sie war streng hierarchisch organisiert und bestand - von der obersten zur untersten Ebene - aus dem Departement-Oberforstmeister (”Conservateur des Forêts“), den Forstinspektoren (”Inspecteurs des Forêts“) und schließlich den Revierförstern (”Gardes généraux“). Hardehausen war im Fuldadepartement gelegen; zuständig war die Inspektion der Forsten und Gewässer in Büren. Während der Zeit der französischen Forstverwaltung wurde in Hardehausen erstmals eine Oberförsterei gegründet.

Als ab 1813 die Koalitionstruppen gegen Napoleon nach Westen vorrückten, fielen die Paderborner Lande wieder an Preußen. Dies bedeutete auch für Hardehausen das Ende der französischen Forstverwaltung. 1813 wurde als Übergangsverwaltung das Zivilgouvernement für die Länder zwischen Weser und Rhein eingerichtet. Die forstliche Verwaltungsgliederung der französischen Zeit blieb zunächst bestehen.

Nach Einrichtung der Regierung Minden innerhalb der Provinz Westfalen im Jahr 1816 wurde ab 1817 das Forstwesen neu organisiert. Die Betreuung der landeseigenen Wälder wurde der Preußischen Staatsforstverwaltung mit ihren Unterbehörden übertragen, während man die Aufsicht über die Gemeindewaldungen zu einer Aufgabe der kommunalen Selbstverwaltung machte.

Im Jahr 1817 wurde zunächst das Revierförstersystem (auch: Kontrolloberförstersystem) eingeführt, das jedoch nur zwei Jahre lang existierte. Die administrativen Einheiten waren die Revierförsterbezirke. Als dann im Jahr 1819 neue Oberförstereien eingerichtet wurden, setzte sich die Oberförsterei Hardehausen aus den Revierförsterbezirken Willebadessen und Hardehausen zusammen. Für die spätere Verwaltungsgeschichte von Hardehausen ist außerdem die Oberförsterei Dalheim von Bedeutung. Sie wurde 1819 aus den Revierförsterbezirken Dalheim und Husen zusammengesetzt, die wiederum aus der ehemaligen Oberförsterei Lichtenau gebildet worden waren.

Hardehausen wurde 1817 außerdem auch Sitz einer Forstinspektion, die bis 1830 Bestand hatte. Die Forstinspektionen waren als Zwischeninstanzen zwischen der Regierung und den Oberförstereien zuständig für mehrere Oberförstereien, die wiederum aus einzelnen Unterförstereien bestanden. Hardehausen war in diesem Zeitraum demnach gleichzeitig Unter- und Oberförsterei sowie Sitz einer Forstinspektion. Zur Forstinspektion Hardehausen gehörte neben der Oberförsterei Hardehausen selbst auch die Oberförsterei Dalheim. Als die Forstinspektion Hardehausen 1830 aufgelöst wurde, fiel die Oberaufsicht über deren Gebiete in die Zuständigkeit der Forstinspektion Paderborn.

1832 erfolgte eine völlige Neugliederung der Oberförstereien. Dabei wurden die bisherigen Oberförstereien Dalheim und Hardehausen zur neuen Oberförsterei Hardehausen vereinigt. Gleichzeitig wurden vom Gebiet der beiden alten Oberförstereien einige Forste an andere - ebenfalls neu entstandene - Oberförstereien abgetreten: Willebadessen wurde der Oberförsterei Neuenheerse und Henlarn, Atteln und Etteln der Oberförsterei Böddeken zugeordnet. Darüber hinaus wurden in der Zeit zwischen 1832 und 1834 Revierteile einiger Unterförstereien veräußert.

Im Jahr 1869 wurde die Forstinspektion Paderborn aufgehoben. Faktisch wurde dadurch die Mittelinstanz in der Forstverwaltung abgeschafft. Die nächst höhere Verwaltungsebene über der Oberförsterei Hardehausen war seit diesem Zeitpunkt die Bezirksregierung Minden mit ihrer Forstabteilung.

Der administrative Zuschnitt der Forstbehörden auf der unteren Ebene änderte sich 1899: Die seit 1832 zur Oberförsterei Hardehausen gehörige Oberförsterei Dalheim wurde nun erneut selbständig; folglich verringerte sich das Areal der Oberförsterei Hardehausen. Am 1. Juli 1899 wurde die Oberförsterei Dalheim ein selbstständiger Verwaltungsbezirk (nach einem Erlass vom 8. März 1899); sie setzte sich aus Teilen der bisherigen Oberförstereien Hardehausen und Böddeken zusammen. Nach einem 1914 angelegten Grenzlängenverzeichnis des Forstamtes (D 6 B Hardehausen Nr. 144) bestand der Forstdistrikt zur damaligen Zeit aus den Schutzbezirken Rimbeck, Bonenburg, Hardehausen, Mittelwald und Blankenrode, dem Forstort Gradt sowie der Enklave Krusefeld (Johannesbrunnen). 1934 wurden die Oberförstereien in Forstämter umbenannt; Akten, die danach angelegt wurden, tragen folglich die Provenienzangabe (Staatliches) Forstamt Hardehausen. Im Jahr 1947 umfasste das Staatl. Forstamt Hardehausen eine Forstmeisterstelle, eine Forstassistentenstelle, Revierförsterstellen in Rimbeck, Bonenburg, Hardehausen, Kleinenberg, Mittelwald, Blankenrode und i. G, zwei Angestelltenstellen und eine Bürolehrlingsstelle (siehe D 6 B Minden Nr. 305). Das Forstamt wurde im Jahr 1971 aufgelöst. Es ging im Forstamt Neuenheerse auf. Neben den bisher erwähnten Forstbehörden, sind außerdem zwei weitere Bereiche von Belang: das Finanz- und das Justizwesen.

Die Forstkassen wickelten die Finanzgeschäfte der unteren Forstverwaltung ab. Für die Oberförsterei Hardehausen war zunächst die Forstkasse Lichtenau zuständig. 1852 wurde eine so genannte Unterrezeptur in Scherfede eingerichtet. Seit 1926 bestand in Scherfede eine eigene Forstkasse, die nun die Finanzen der Oberförsterei Hardehausen regelte.

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts übten die landesherrlichen Forstverwaltungen eine von der allgemeinen Justiz unabhängige Forstgerichtsbarkeit aus. Die Überführung der Forstgerichtsbarkeit in die allgemeine Justiz erfolgte im Herzogtum Westfalen im Jahr 1811, als die Forstgerichte aufgehoben und die Lokaljustizbehörden angewiesen wurden, regelmäßig Forstgerichte abzuhalten. Forstvergehen, die auf dem Gebiet der Oberförsterei Hardehausen begangen wurden, ahndete das Amtsgericht (auch: ”Forstgerichtsdeputation“) Fürstenberg, das Kreisgericht (auch: ”Land- und Stadtgericht“) Büren oder das Oberlandesgericht Paderborn.

Bestand:

Die in diesem Findbuch verzeichneten Akten D 6 B Hardehausen Nr. 1 bis 286 stammen aus dem Zugang 49/1969 der Oberförsterei bzw. des Forstamtes Hardehausen wurden im Jahr 2004 von C. Mayr verzeichnet. Die Übernahme der Akten stand in Zusammenhang mit der Überführung des Forstamtes Hardehausen in das Forstamt Neuenheerse. Die Akten D 6 B Hardehausen Nr. 287 bis 325 entstammen u. a. den Zugängen 50/1969, 11/1989 und 67/2007. Sie wurden von B. Groß verzeichnet.

Der Bestand enthält insgesamt 323 Bände. Aus dem ursprünglichen Zugang 49/1969 wurden 28 Bände aussortiert, die ausschließlich die Oberförsterei Dalheim nach der verwaltungstechnischen Trennung von der Oberförsterei Hardehausen im Jahr 1899 betreffen. Sie wurden dem Bestand der Oberförsterei Dalheim zugeordnet.

Aufgenommen wurden auch einige Akten, die nicht aus der Provenienz ”Oberförsterei Hardehausen“ oder ”Forstamt Hardehausen“ stammen. Diese Akten wurden von Behörden der Forstverwaltung angelegt, die entweder zu einem späteren Zeitpunkt in die Oberförsterei Hardehausen übergegangen sind oder aber als höhere Instanzen für diese zuständig waren. Einzelne Akten enthalten Vorgänge aus mehreren Geschäftsbereichen. Aus diesem Grund ist gegebenenfalls eine Suche unter verschiedenen Klassifikationspunkten angezeigt.

Die Akten dieses Bestandes haben eine Gesamtlaufzeit von 1662 bis 1972. Die Mehrheit der Akten stammt aus dem 19. Jahrhundert. Aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind nur sehr vereinzelt Akten überliefert. Der Bestand deckt ein breites Spektrum der Tätigkeitsfelder eines Forstamtes ab. Schwerpunkte liegen auf der Holznutzung, den Grundstücksverkäufen sowie der Ablösung von Holz- und Weideberechtigungen.

Für die Klassifikation wurden 10 Sachgruppen mit den entsprechenden Untergruppen gebildet. Auf der untersten Ebene der jeweiligen Sachsystematiken wurden die Titel chronologisch geordnet.

Ein bei der Verzeichnung zwischen den Akten entdecktes Foto des Forstamtes Hardehausen wurde dem Bestand D 7 (Bildersammlung) unter der Signatur D 75 Nr. 12592 angegliedert.

Die Akten sind nach Bestellnummer zu zitieren:

D 6 B Hardehausen Nr. ...

Detmold, 2004 und 4. April 2013

gez. C. Mayr und R. Schumacher