Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1. Staatsarchiv Detmold
1.3. Organisationen, Güter, Familien, Personen
1.3.5. Nachlässe
Nachlass Familie Petri
D 72 Petri, Familie Nachlass Familie Petri
Permalink des Findbuchs


Signatur : D 72 Petri, Familie

Name : Nachlass Familie Petri

Beschreibung :

Die Familie Petri ist seit mehr als 600 Jahren in Lippe nachweisbar und soll ursprünglich aus Horn stammen. Zu den frühesten Namensnennungen gehört vermutlich die eines Hermann Petri 1359 in Lemgo. Über mehrere Generationen hinweg bekleideten Mitglieder der Familie Petri bedeutende Ämter und Positionen in der lippischen Landes- und Kommunalverwaltung. Dies gilt insbesondere für den lippischen Regierungspräsidenten Friedrich Simon Leopold Petri (1774-1850), dessen Sohn, den Geheimen Oberregierungsrat Moritz Leopold Petri (1802-1873), und dessen Enkel, Oberregierungsrates Dr. jur. Konrad Petri (1885-1963), deren schriftlicher Nachlass teils in der Lippischen Landesbibliothek und teils in der Abteilung Ostwestfalen-Lippe des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen vorliegt.

Das vorliegende Findbuch beinhaltet die als Originale bzw. Kopien in das Landesarchiv NRW gelangten und dort als Nachlass "D 72 Petri, Familie" verzeichneten Unterlagen der Familie.

Die in der Lippischen Landesbibliothek vorhandene

Korrespondenz des Friedrich Simon Leopold Petri liegt dort unter den Signaturen Autogr 213, Autogr 214, Autogr 215 und Autogr 216 vor; der Entwurf eines Briefes des Moritz Leopold Petri an die Detmolder Zuchthauskommission sowie vier Arbeiten Moritz Leopold Petris zu sprachlich-volkskundlichen Themen (Rätsel und Charaden, Sprüche und Lieder der Kinder und Kinderwärterinnen, Lippische Namen, Ravensberger Idiotikon) tragen die Signaturen Autogr 22 und Mscr.109g. Die genannten Unterlagen wurden 1956 von Oberregierungsrat Dr. Konrad Petri an die Bibliothek abgegeben.

Friedrich Simon Leopold Petri

Friedrich Simon Leopold Petri wurde am 2. Oktober 1774 in Lemgo als Sohn des Advokaten und Stadtsekretärs Franz Karl Theodor Petri geboren. Nach Abschluss eines Studiums der Rechte an der Universität Göttingen arbeitete er von 1797 bis 1805 als Syndikus in Lage. 1805 wurde er von der Fürstin Pauline zur Lippe zum Stadtrichter von Lemgo ernannt und 1810 zum Kanzleirat und Regierungsassessor. Eine Ernennung zum Regierungsrat erfolgte im Jahr 1814. Petri war ein enger Vertrauter der Fürstin und wickelte nach ihrem Tod 1820 auch deren Erbschaft ab. Noch im selben Jahr wurde er zum Präsidenten des lippischen Konsistoriums bestimmt. Nach Entlassung des Regierungspräsidenten Wilhelm Arnold Eschenburg im Zuge der Märzrevolution 1848 übernahm Petri - inzwischen zum Geheimen Oberregierungsrat aufgestiegen - das Amt des lippischen Regierungspräsidenten. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen zur Liberalisierung der lippischen Verfassung von 1836 beendete er seine berufliche Laufbahn. Friedrich Simon Leopold Petri starb am 10. März 1850. Noch zu Lebzeiten wurde er zum Ehrenbürger der Hansestadt Lemgo ernannt.

Moritz Leopold Petri

Der Schriftsteller, Justizkanzleirat und Stadtverordnetenvorsitzende Moritz Leopold Petri aus Detmold wurde am 2. Juni 1802 in Lage als Sohn des vorgenannten Friedrich Simon Leopold Petri geboren. Er studierte von 1820 bis 1824 Rechtswissenschaften an den Universitäten Göttingen, Jena und Leipzig und trat bereits im ersten Jahr seines Studiums in die Alte Göttinger Burschenschaft ein. 1824 wurde er zum Gerichtsreferendar (Hofgerichtsauditor) des Fürstlichen Hofgerichts in Detmold ernannt, wo er ab 1828 auch als Assessor tätig war. Zwischenzeitlich arbeitete er von 1825 bis 1831 - wie schon vor ihm sein Vater - als Syndikus in Lage. Nach einer Beförderung zum Justizkanzleirat im September 1833 wirkte er ab 1838 als Deputierter des Dritten Standes im lippischen Landtag und ab 1844 als Landtagsabgeordneter für das Amt Varenholz. 1845 wurde er zum Geheimen Justizkanzleirat ernannt. Zur Zeit der Märzrevolution 1848 spielte Petri eine führende Rolle in Lippe. Am 9. März 1848 wurde er als außerordentliches Mitglied in die Landesregierung berufen und entwarf eine Proklamation des Fürsten Leopold II. zur Lippe an die lippische Bevölkerung. Er war zudem Bevollmächtigter Lippes und Waldecks bei der Deutschen Nationalversammlung in Frankfurt am Main, Landtagsabgeordneter und Abgeordneter für den Reichstag in Erfurt. Sein politisches Geschick, seine besondere Auffassungsgabe und seine Tatkraft brachten ihm zudem am 25. März 1848 eine Ernennung zum ständigen Regierungskommissar und im Dezember 1848 eine Berufung zum Bundestagsgesandten in Frankfurt am Main ein. Im März 1850 wurde er erneut als außerordentliches Mitglied in die lippische Regierung berufen und übernahm dort das Referat für Wegebau- und Kommunalsachen, das später auch für Telegrafie und Eisenbahnwesen zuständig war. 1868 wurde ihm in Anerkennung seiner Verdienste der Titel eines Geheimen Oberregierungsrats verliehen. Moritz Leopold Petri war zeitlebens ein guter Freund des Detmolder Dichters Christian Dietrich Grabbe und seit 1835 zusammen mit Rudolph Brandes und Heinrich Schierenberg Herausgeber des "Lippischen Magazins für vaterländische Cultur und Gemeinwohl", das er später als "Vaterländische Blätter" allein herausgab. Neben seiner politischen Tätigkeit bekleidete er das Amt des Direktor der lippischen Hagelversicherungsgesellschaft und gründete unter anderem den lippischen landwirtschaftlichen Hauptverein (1849) und den Gewerbeverein in Detmold. Petri starb am 28. Juli 1873 in Detmold.

Dr. jur. Konrad Petri

Der Oberregierungsrat Dr. jur. Konrad Petri wurde 1885 als Sohn des Detmolder Bürgermeisters Theodor Petri geboren. Er studierte Jura in Bonn, München und Göttingen und legte 1917 sein Assessorexamen ab. Nach dem ersten Weltkrieg wirkte er als Chef des hiesigen Siedlungs- und Wirtschaftsamtes und war 1927 maßgeblich am Entwurf der neu eingeführten Gemeindeverfassung für das Land Lippe beteiligt. 1928 wurde er zum Regierungsrat und zum Leiter der lippischen Domänenabteilung ernannt. 1930 trat er in die Spitze des Landespräsidiums ein und übernahm 1933 das Oberversicherungsamt und das Oberverwaltungsgericht Detmold. 1942 erfolgte dann die Übernahme der Geschäfte des Detmolder Landrates. Als solcher wurde Petri nach Ende des Zweiten Weltkriegs von der englischen Militärregierung in ein Internierungslager eingewiesen. Nach seiner Entlassung betätigte er sich zunächst als Rechtsanwalt, bis er kurz darauf zum Leiter der Abteilung Forsten und Domänen der lippischen Regierung berufen wurde. Von 1948 bis März 1954 leitete er schließlich die Verwaltung des Landesverbandes Lippe. Dr. jur. Konrad Petri verstarb 1963.

Der vorliegende Aktenbestand D 72 Petri, Familie umfasst insgesamt 50 Verzeichnungseinheiten mit einer Gesamtlaufzeit von circa 1776 bis 1938. Einzelne Verzeichnungseinheiten enthalten auch Aktenauszüge und Abschriften aus der Zeit zwischen 1491 und 1731.

Es handelt sich überwiegend um Handakten, Tagebücher und Korrespondenzen aus der amtlichen und privaten Tätigkeit des Friedrich Simon Leopold Petri und des Moritz Leopold Petri (u. a. Nachlassregelung der Fürstin Pauline und der Äbtissin Gräfin Auguste zur Lippe (1826/27), Frankfurter Nationalversammlung, Märzrevolution 1848, lippische Politik im Militär-, Post- und Gesundheitswesen, Justizreform, Steuern und Zölle, Kirchensachen, Gewerbeverein in Detmold, Lippische Hagelversicherungsgesellschaft, Lippisches Magazin für vaterländische Cultur und Gemeinwohl und Fürstlich Lippisches Intelligenzblatt, lippischer landwirtschaftlicher Hauptverein etc.), Materialsammlungen und Ausarbeitungen zur lippischen Geschichte sowie Unterlagen zur Familiengeschichte Petri.

Besonders hervorzuheben sind die amtlichen und privaten Aufzeichnungen Moritz Leopold Petris zur Deutschen Revolution in Lippe (D 72 Petri, Familie Nr. 37-44, 46), die sowohl landes- als auch familiengeschichtlich relevante Korrespondenz zwischen Friedrich Simon Leopold Petri und seinem Sohn Moritz Leopold Petri (D 72 Petri, Familie Nr. 48-49) sowie drei Materialsammlungen zu lippischen Kolonaten und Familien (D 72 Petri, Familie Nr. 32-34).

Die Korrespondenz zwischen Friedrich Simon Leopold Petri und Moritz Leopold Petri wurde circa 1956 von Dr. jur. Konrad Petri in Kopie an das damalige Staatsarchiv Detmold abgegeben. Über den Erwerb des übrigen Familiennachlasses liegen keine Unterlagen vor.

Die genannten Unterlagen sind nach § 6 und 7 des Gesetzes über die Sicherung und Nutzung öffentlichen Archivguts im Lande Nordrhein-Westfalen vom 16. März 2010 benutzbar.

Es ist nach der Bestellnummer zu zitieren: LAV NRW OWL D 72 Petri, Familie Nr. …

Detmold, den 2. April 2014

gez. Ralf Schumacher

Literatur:

[Petri, Konrad]: Moritz Leopold Petri (1802-1873). Ein Wegweiser zu Deutschlands Einigung, in: Staercke, Max (Hg.): Menschen vom lippischen Boden. Lebensbilder, Detmold 1936, S. 196-199.

Süvern, Wilhelm: Moritz Leopold Petri - Eine Würdigung zu seinem 100. Todestag, in: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde, Nr. 43 (1974), S. 167-220.

Ungedruckte Quellen:LAV NRW OWL D 72 Staercke (Nachlass Max Staercke) Nr. 386: Petri, Friedrich Simon Leopold (o. D.)

LAV NRW OWL D 72 Staercke (Nachlass Max Staercke) Nr. 389: Petri, Konrad, Dr. jur. (o. D.)

LAV NRW OWL D 72 Staercke (Nachlass Max Staercke) Nr. 390: Petri, Moritz Leopold (o. D.)


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