Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
L 108 Detmold Amt Detmold
Permalink des Findbuchs


Signatur : L 108 Detmold

Name : Amt Detmold

Beschreibung :
Vorbemerkung

1. Zur Verwaltungsgeschichte

"Die Grundlage der mittelalterlichen Lokalverwaltung ist das landesherrliche Amt, dessen Bezirk auf alte Grafschafts- oder Kirchspieleinteilungen, Vogteigerichts- oder Villikationsbezirke zurückzuführen ist. Die Mittelpunkte der Amtsbezirke waren landesherrliche Burgen, in denen zum Teil lippische Ministeriale oder freie Adlige als Burgmannen angesetzt worden waren. Sie übernahmen die Verpflichtung, die Burg nach Burgmannenrecht zu verteidigen, und erhielten dafür ein Amt oder Teile eines Amtes in Pfandschaft. In der Residenz des Landesherrn fungierte als sein Stellvertreter der Amtmann oder Drost, der im Gegensatz zu den belehnten Dienstmann kündbar angestellt war. So wurde der Amtmann oberster Verwalter eines bestimmten Verwaltungsbezirks.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts vollzog sich in Lippe ein grundlegender Wandel in der Lokalverwaltung. Der Amtmann wurde allmählich generell zum landesherrlichen Verwaltungsbeamten in der unteren Instanz, zum "berechneten Amtmann" im Gegensatz zum "ungerechneten Amtmann" des Mittelalters, der eine Amtsverwaltung in Pfandschaft, in Pacht oder zu Lehn erhielt und größere Selbständigkeit im Amt besaß. Für die neue Amtsverwaltung erließ Simon V. am 29. September 1535 eine allgemeine Verordnung an alle Ämter, in der er eine ordnungsgemäße Buchhaltung vorschrieb. (siehe Bestand Rentrechnungen).

Im Raum des jetzigen [d.h. bis Ende 1972 bestehenden] Kreises Detmold bestanden zu dieser Zeit die Ämter Detmold, Horn, Blomberg, Schieder und Schwalenberg. Das Amt Detmold umfasste als größtes die 6 Vogteien: Detmold, Falkenberg, Heiden, Lage, Schötmar und Oerlinghausen.

Das Amt Schötmar erlangte unter dem Amtmann Johann Friedrich Deterding, der 1730 zum Amtsrat ernannt wurde, volle Selbständigkeit vom Amt Detmold. Schon mit Beginn seiner Amtmannstätigkeit im Jahre 1705 setzte eine weitgehende Verselbständigung der Vogtei Schötmar ein (Eheprotokolle, Gogerichtsbezirke des Amts Schötmar ab 1705).

Als im Jahre 1746 der Amtsrat Ramus, der bisher das Amt Horn selbständig verwaltet hatte, nach Oerlinghausen versetzt wurde, war dies der Anlass, aus dieser Vogtei ein vom Amt Detmold unabhängiges Amt zu bilden.

Die Funktionen der Lokalverwaltung waren sowohl Verwaltungs- als auch Justizangelegenheiten: Bereits am Ende des 16. Jahrhunderts sind als Dienstobliegenheiten der Amtmänner die Amts- und Justizsachen in den Bestallungsbriefen genannt. Außerdem hatte der Amtmann die Aufsicht über die Haus- und Hofhaltung des Vorwerks und der Mühlen zu führen sowie für die Wahrung der landesherrlichen Gerechtsame zu sorgen. Für Justizaufgaben war ihm der landesherrliche Drost beigegeben. Über Zivilstreitigkeiten musste ein Protokoll geführt werden (siehe Bestand Amtsprotokolle [L 108 A]). Die gleiche Verpflichtung bestand nach der Polizeiordnung von 1620 für Eheverträge, nach der Vormundschaftsvertretung von 1777 für Vormundschaften, also Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (siehe Bestand Vormundschafts- und Eheprotokolle [L 108 A]).

Der Rentschreiber hatte im Allgemeinen über die finanziellen Aufgaben im Amtsbereich Buch zu führen, wie z.B. über Erbteilungen, Weinkäufe, Freilassungen, Brüchten und sonstige Geldrenten. Die Oberaufsicht über alle Ämter führte um 1600 ein Oberamtmann.

1806 wurde das Amt Detmold geteilt in Amt Detmold / Vogtei Detmold und Falkenberg und Amt Detmold / Vogtei Lage und Heiden.

Im Jahre 1816 erhielten die Ämter die Gerichtsbarkeit der ersten Instanz, so dass die Gerichte als erstinstanzliche Gerichte nur noch bei den von der Amtsjurisdiktion befreiten Personen tätig waren.

1823 wurde das Amt Lage aus den bisherigen Vogteien Lage und Heiden des Amts Detmold gebildet (L.V. Band 7, Seite 143) und der Beamtensitz von Detmold nach Lage verlegt. Seit dieser Zeit bestanden im Raum des jetzigen [s.o.] Kreises Detmold die Ämter Detmold, Lage, Horn, Blomberg und Schwalenberg.
Am 2. März 1841 wurde eine Verordnung über die lippische Gemeindeverfassung erlassen (L.V. Band 8, Seite 541). Als Vertretungskörperschaft der Amtsgemeinde - d.h. sämtlicher Bewohner des Amts - wurde in dem Amtsgemeinderat ein Organ der Selbstverwaltung geschaffen. Das Amt als Amtsgemeindevorstand hatte die laufenden Geschäfte zu führen.

In der Zuständigkeit für Strafsachen wurde 1843 den Ämtern und Stadtgerichten die Voruntersuchung übertragen und das Recht, in kleineren Freiheitsstrafen bis zu 1 Jahr die Entscheidungen selbst zu treffen. In allen anderen Fällen war das aus Mitgliedern der Obergerichte gebildete Kriminalgericht zuständig.

Durch Gesetz vom 23. Juli 1879 (L.V. Band 17, Seite 717) ist die Trennung der Verwaltungsaufgaben von der Justiz in der unteren Verwaltungssphäre in Lippe erfolgt. An die Stelle der alten Ämter traten nun die Verwaltungsämter für Verwaltungsaufgaben und die Amtsgerichte für Justizaufgaben,

(gez. Stöwer)



2. Zur zeitlichen und sachlichen Bestimmung:

Das Repertorium umfasst alle für die gesamte Dauer des Amtes Detmold bis zum Jahre 1879 angefallenen Akten, soweit sie - leider ist das hier weitgehend der Fall - nicht bereits in gänzlicher Verkennung ihrer geschichtlichen Bedeutung und unter Außerachtlassung der Kassations- und Ablieferungsbestimmungen bereits vernichtet worden sind.

Der ursprüngliche (1946) übernommene Aktenteil dieses Amts ist hier zunächst mit dem benutzungsfähigen Repertorium des ehemaligen Fürstlichen Verwaltungsamts Detmold, ohne Unterschiede der Provenienz, nach allerdings völliger Neuordnung der Akten in der alten derzeit gebrauchten Form weiterbenutzt worden.

Die ursprüngliche Einrichtung dieser Registratur des Fürstlichen Verwaltungsamts Detmold ist in der Zeit von September 1908 bis 10.02.1910 entstanden und von dem Registrator, späteren Amtmann und Rentmeister Paul Stodtmeister, Detmold, ausgeführt. In seinem Vorwort hat Stodtmeister zur Geschichte der Registraturverhältnisse folgendes ausgeführt:

"Bis zur Neuordnung dieser Registratur bestanden für die Ämter Horn, Detmold und Lage verschiedene Registraturen nach verschiedenen Systemen; daneben bestand eine besondere Registratur für allgemeine Akten wiederum nach einem anderen System, so dass die Registratur des Verwaltungsamtes im ganzen vier verschiedene Systeme hatte. Ein Zustand, der zu Unzuträglichkeiten führen musste, umso mehr, da in den einzelnen Registraturen gleichlautende Aktenstücke in verschiedene Abteilungen registriert waren (z.B. Akten über Eisenbahnen bei einem Amte unter Landwirtschaft (!), bei einem anderen Amte unter Gewerbesachen (!) und dergleichen).

Die älteren Akten sind ausgesondert und in besondere Repositorien gelegt (reponierte Registratur). Die Ordnung der älteren Akten ist im Wesentlichen wie in der laufenden Registratur geschehen - nach demselben System. Die Reihenfolge der Abteilungen in der reponierten Registratur ist ebenso wie in der laufenden Registratur. Auch ist ein Verzeichnis der in der roponierten Registratur befindlichen Akten neu angelegt.

Wie in der reponierten Registratur sind auch die Akten in der laufenden Registratur nach einem System geordnet, dabei sind die Akten für die einzelnen Ämter nach Möglichkeit auseinander gehalten. Immer ist eine Teilung nach Ämtern nicht möglich, oft nicht zweckmäßig. Die Reihenfolge der Ämter ist - Horn (A) - Detmold (B) - Lage (C) - Farbe der Aktendeckel von Horn ist rot, von Detmold braun, von Lage gelb. Die Aktenstücke von Horn haben neben der (laufenden) Nr. den Buchstaben A, von Detmold den Buchstaben B, von Lage den Buchstaben C - entsprechend der Einteilung im Aktenverzeichnis. Die für die einzelnen Ämter angelegten Akten sind hauptsächlich nur Spezialakten. Die Farbe der Aktendeckel der übrigen (für die drei Ämter zusammen angelegten) Spezialakten ist weiß, die Farbe der Aktendeckel der Generalakten ist grün. Generalakten und Spezialakten sind mit wenigen Ausnahmen voneinander geschieden. Sämtliche Aktenstücke sind mit Aktenschwänzen versehen. Die Reihenfolge der Abteilungen ist im wesentlichen den Repositorien angepasst."

Als Einleitung zu diesem Ordnungssystem hat Stodtmeister die wahrlich vorausbedeutenden Worte gebraucht: "Es ist nichts so gut, dass man nicht ein schlechtes Motiv dafür finden, und nichts so schlecht, dass man nicht einen guten Entscheidungsgrund dafür suchen könnte".

Nach dem weiteren Anfall von Akten des alten Amts (-1879), des fürstlichen Verwaltungsamts (1879 1927), und des Landratsamts bzw. der Kreisverwaltung Detmold (1927-1949) [Zug. 102/1951] erwies sich die ehemals aus Zeitersparungsgründen in der alten Ordnung belassenen Registratur als nicht mehr haltbar. Sie ist daher gänzlich aufgelöst und nach dem Provenienzverhältnis der Behördenfolge entsprechend eingerichtet. Ich beziehe mich für die Notwendigkeit der Umgestaltung auf den "Begleitbericht zur Einordnung der Aktenabgabe der Kreisverwaltung Detmold" von Herrn Staatsarchivinspektor Stöwer (in: Dienstakten der Archivberatungsstelle des Landesarchivs Detmold vom Jahre 1951).


3. Bemerkungen zum Ordnungssystem und zur Verzeichnung

Das archivarische Ordnungssystem des alten Amts war auf den weitgehend im Laufe der Zeit veränderten Akten nur noch bruchstücksweise erkennbar, so dass die alte Ordnung nicht wieder hergesellt werden konnte. Die hier also verzeichneten, der Vernichtung mehr oder weniger zufällig seinerzeit entgangenen Akten diesen alten Amts sind dem im genannten "Begleitbericht" entworfenen Gliederungsplan entsprechend geordnet und verzeichnet worden.

Bei Benutzung dieses Repertoriums ist das Repertorium über die Akten des Fürstlichen Verwaltungsamts Detmold [L 109 Detmold] stets mitzubenutzen, da alle über den Schnittpunkt (1879) fortgeführten und dem nachfolgenden Fürstlichen Verwaltungsamt Detmold einverleibten Akten des alten Amts dort verzeichnet sind. Die sonst in solchen Fällen angewandte Übung der Anbringung von Hinweisvermerken ist hier fortgelassen, weil es sonst der Fülle wegen zu Unübersichtlichkeiten geführt haben würde.

Der Kreisverwaltung Detmold ist zur Kenntnis über die abgegebenen Akten ihrer Vorgänger, soweit sie erhalten worden sind, ein Durchschlag dieses Repertoriums zugefertigt und übergeben worden.

Detmold, den 15. Dezember 1954
gez. Sundergeld


Das maschinenschriftliche Findbuch wurde im Rahmen eines Digitalsierungsprogramms im Februar/März 2008 von Marco Hönerlage aus Detmold in VERA übertragen. Abgeschrieben wurden nur die als vorhanden gekennzeichneten Aktentitel.

Detmold, im Januar 2009.
gez. Schwinger




Bemerkung : Die Zuordnung weitergeführter Akten zu den Nachfolgebeständen L 109 Detmold und D 23 Detmold (Verwaltungsamt bzw. Amtsgericht ab 1879) ist nicht immer erfolgt, so dass die Laufzeit sich in Einzelfällen bis 1900 erstreckt.

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