Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1. Staatsarchiv Detmold
1.1. Land Lippe (bis 1947)
1.1.2. Verwaltung, Justiz
1.1.2.6. Militaria
Siebenjähriger Krieg in Lippe
L 61 Siebenjähriger Krieg
Permalink des Findbuchs


Signatur : L 61

Name : Siebenjähriger Krieg

Beschreibung :
Einleitung

Lippe im Siebenjährigen Krieg

Die Grafschaft Lippe lag während des Siebenjährigen Krieges (1757-1763) auf der „Leeseite der militärischen Ereignisse. Dies mag auch mit der strikten Neutralität des kleinen Landes in der Auseinandersetzung zw. Großbritannien, Preußen und deren wenigen norddeutschen Verbündeten mit Frankreich, Russland, Österreich und dem Reich zusammenhängen. Außer einem größeren Scharmützel zwischen französischen einerseits und alliierten Truppen (preuß., hess., hann. und braunschweigische) andererseits vor Horn im August des Jahres 1761 (vgl. dazu auch VZE Nr. 1)gab es keine nennenswerten, direkten militärischen Zusammenstöße auf lippischem Boden.
Gleichwohl litt auch Lippe als Durchgangsgebiet für die militärischen Operationen und Kämpfe zwischen Main, Rhein und Weser sehr unter den mannigfaltigen Kriegslasten. Das kleine neutrale Land mit seinen rund 50.000 Einwohnern wurde von sämtlichen Kriegsparteien mit Durchmärschen, Einquartierungen in Stadt und Land, Fouragelieferungen (Pferdefutter), zahllosen Spanndiensten, Stellung von Lebensmitteln und Arbeitskräften wie im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) stark belastet. Dennoch kam es nicht im großen Stil zu Plünderungen und sonstigen Gewaltverbrechen gegen die Bevölkerung wie noch ein Jahrhundert zuvor. Werbungen fremder Landeskinder - auch gewaltsame - waren in der 2. Hälfte des Krieges v.a. auf preußischer Seite in Lippe aber durchaus noch üblich. Die im Bestand vorhandenen, unvollständigen General-Schadenstabellen sprechen von der unvorstellbar hohen Summe von über einer Millionen Reichstaler an unmittelbar entstandenen Kosten und Schäden für das Land und seine geschundene Bevölkerung. Nur ein verschwindend geringer Teil dieser gewaltigen Summe wurde ersetzt (s.u.) (Zum Vergleich: 1 Scheffel (ca. 50 Liter) Getreide kosteten zu jener Zeit um einen Rt.. Von den mittelbaren Schäden, wie Viehseuchen, eingeschleppten Krankheiten wie Blattern oder die Ruhr, Zerstörung der Felder und Wälder, Verlusten an Menschenleben und zerstörten Lebensplanungen berichten die Aufstellungen naturgemäß nichts.

Zum Bestand
Mit der Ordnung und Verzeichnung des nunmehr 338 Verzeichnungseinheiten in 160 Kartons umfassenden Bestandes, der vornehmlich die Belastungen Lippes im Siebenjährigen Krieg zum Gegenstand hat, hatte sich der bereits 89-jährige Archivar J.L. Knoch im Jahre 1801 bei weitem nicht so viel Mühe gegeben, wie bei vielen der von ihm zuvor gleichfalls nach dem Pertinenzprinzip gebildeten und verzeichneten Fonds. Das lag zum einem wohl schon an seinem vorgerückten Alter, zum anderen aber auch an der Bedeutung des Bestandes für das fürstlich-lippische Haus. So führte Knoch in seiner knappen Einleitung u.a. aus:
Gegenwärtige Siebenjährige Kriegsacta haben wohl ein Mehreres nicht als eine generale in Ordnung gebrachte Verzeichniß und also eine gemeine Stelle in des Archivs Repositur verdient…, da Franzosen und Alliierte - bis auf die Engländer und letztere auch nur zu einem kleinen Teil - die Kosten und Schäden nicht ersetzt hätten, so die Begründung Knochs. Man könne daher bis auf die summarischen Aufstellungen und Schadenstabellen am Ende des Bestandes getrost auf alle vorherige Aufzeichnungen und Rechnungen gar wohl entrathen und im Mangel des Raums casiren….
Zu dieser von dem alten Archivrat angeregten Kassation ist es zum Glück aber weder zu seinen Lebzeiten noch später gekommen. Ansonsten wären militär-, sozial- und wirtschaftshistorisch bedeutende Quellen zur Geschichte Lippes und seiner Städte und Dörfer z.Z. des Siebenjährigen Krieges unwiederbringlich verloren gegangen.
Auch für die familienkundliche und höfegeschichtliche Forschung sind die Unterlagen von eminenter Bedeutung. Sie nennen beispielsweise nicht nur die Namen der (Zwangs)Rekrutierten, sondern geben auch deren Größe und Gesundheitszustand an. Sie erwähnen nicht nur die Größe und Namen der Bauernhöfe, sondern vermitteln auch profunde Einblicke in deren Ertragsfähigkeit.
Die von Knoch vorgegebene pertinenzmäßige Ordnung wurde weitgehend beibehalten. Auf eine aufwändige Neuformierung des Bestandes wurde aus arbeitsökonomischen Gründen verzichtet. Manche Akten hätten in der Klassifikation, dem Pertinenzprinzip geschuldet, durchaus auch unter anderen Gliederungspunkten mit anderen Pertinenzien geführt werden können, wurden aber im „Knochschen Verbund belassen. Dort wo von Knoch oder eventuell auch von späterer Hand ganz offensichtlich inhaltlich und zeitlich völlig falsche Einordnungen der einzelnen Verfolge vorgenommen worden sind oder eine richtige Zuordnung versäumt wurde, wurden die Faszikel entnommen und dem richtigen Bestand - zumeist L 40 (Ältere Militärakten) - zugeführt.


Es ist nach Bestellnummer zu zitieren: L 61 Nr.


Detmold, im Oktober 2005

W. Bender