Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1.1. Land Lippe (bis 1947)
1.1.4. Außerlippische Bestände
Lippische Reichskammergerichtsakten
L 82 Reichskammergericht
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(1) E 2156(2) Kläger: Johann Henrich von Exterde, Meier zu Iggenhausen, und Konsorten, nämlich Johann Jürgen Windmeyer; Kaspar Haßelmann, Lage ("bei der Lage) (3) Beklagter: Casimir von Heiderstädt, Oberstallmeister, die Vollmacht 1728 ist mit Linden bei Hannover datiert, und Konsorten; als Intervenient für seine Kanzlei der Graf (Friedrich Adolf) zur Lippe (4) Prokuratoren (Kl.): Dr. Johann Meyer 1718 ( Subst.: Dr. Hert ( Dr. Johann Wilhelm Ludolff 1724 ( Subst.: Dr. Johann Ludwig Pfeiffer Prokuratoren (Bekl.): Dr. Cornelius Lindheimer 1718 ( Subst.: Lic. J. C. Wigandt ( Dr. Goy 1728 ( Subst.: Dr. Johann Ludwig Pfeiffer ( für den Grafen zur Lippe: Dr. Johann Friedrich Hofmann [1702] 1718, [1719] 1719 ( Subst.: Dr. Georg Melchior Hofmann [1719] 1719 (5) Prozeßart: Appellationis cum mandato attentatorum intra decendium factorum cum omni causa revocatorio sine clausula Streitgegenstand: Hintergrund des Verfahrens ist ein Streit um die Frage, ob der Stadenhausener Zehnt, den der Appellat zu Lehen trug, auch den Blutzehnten (Zehnt auf Vieh) umfaßte. Seiner Ansicht nach in Ausübung seines Zehntrechtes hatte der Appellat, nach Angaben des Appellanten nächstens und unter Gewaltandrohung gegen den Schäferjungen, aus der auf Windmeyers Hude stehenden, 220 Kopf starken Herde von Exterdes 21 Schafe wegnehmen lassen. Da der Appellat ein Anrecht auf den Blutzehnten nicht belegt habe, werten die Appellanten dies Vorgehen als Raub. Sie hatten die Schafe wieder an sich gebracht, um sie nach eigenen Angaben bis zu einer Entscheidung an einen neutralen Ort zu bringen. Gegen diese Wegnahme seiner Zehntschafe hatte der Appellat geklagt. Nach Angaben der Appellanten ohne eine angemessene Untersuchung des Gesamtzusammenhanges hatte die Vorinstanz der Klage entsprochen, die Appellanten zur Herausgabe der Schafe verpflichtet und ihnen diese, als sie sie nicht freiwillig zurückgaben, wegnehmen lassen (gegen diesen Vorgang richtet sich das Attentatsmandat) und sie in 20 Gfl. Strafe und weitere 30 Gfl. Strafe wegen Beleidigung genommen. Von Exterde, der die Appellation offenbar hauptsächlich betreibt, wendet ein, selbst wenn der Appellat ein Zehntrecht habe, hätte er es nicht an seinen Schafen, die er, um diesem Düngung zu verschaffen, auf Windmeyers Acker stehen gehabt habe, ausüben dürfen. Für die Wegnahme seiner Schafe sei Raub eine sachliche Beschreibung, keine Beleidigung. Er beschwert sich dagegen über Beleidigungen des Appellaten ihm gegenüber (Hund, Schelm). Der Appellat wie der für seine Kanzlei intervenierende Graf gehen von einem bestehenden Zehntrecht aus, das ausgeübt wurde (Hinweis des Appellaten, daß laut lipp. Zehntordnung das auf dem zehntpflichtigen Land stehende Vieh ohne Rücksicht auf die Besitzverhältnisse gezehntet werde), und erklären, da die Vorgänge an sich unstrittig seien, sei das summarische mündliche Verfahren angemessen und hinreichend für eine Entscheidung gewesen. Im folgenden vor allem Streit um die Befolgung des Attentatsmandates, das Appellat wie Graf für unzulässig halten, da die Wegnahme der Schafe vor Bekanntwerden der RKG-Appellation erfolgt, mithin kein Attentat sei. (6) Instanzen: 1. Lipp. Regierung zu Detmold 1717 ( 2. RKG 1718 - 1728 (1523 - 1728) (7) Beweismittel: Acta priora (Bd. 2). Rationes decidendi (Bd. 2 Bl. 422 - 427). Extrakt aus dem Salbuch der Detmolder Amtsstube von 1610 über die Abgaben des Windmeyers Hofes (Q 16, 29). Aufstellung über die jährlichen Einnahmen aus dem Stadenhauser Zehnt (Q 42). Lehensbrief des Herzogs Heinrich d.J. von Braunschweig-Wolfenbüttel zugunsten von Aleff dem Schwarten mit dem Zehnt zu Döringsfeld, Stadenhausen und Schmedissen sowie einem Hof zu Stadenhausen, 1523 (in Q 60). (8) Beschreibung: 2 Bde., 9 cm; Bd. 1: 6 cm, 288 Bl., lose; Q 1 - 37, 39 - 67, Q 16 doppelt, es fehlt Q 39, 7 Beil., davon 3 exhib. 28. November 1718 und 31. März 1721; Bd. 2: 3 cm, Bl. 289 - 426, geb.; = Q 38*.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 209
Altsignatur : L 82 Nr. 233


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