Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1.1. Land Lippe (bis 1947)
1.1.4. Außerlippische Bestände
Lippische Reichskammergerichtsakten
L 82 Reichskammergericht
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(1) H 629(2) Kläger: Christoph von Halle, (Bekl. 1. Inst. zusammen mit seinem verstorbenen Bruder Dietrich von Halle) (3) Beklagter: Graf Simon zur Lippe, die Ladung ist außerdem gerichtet an die lipp. niedergesetzten Richter und Beisitzer und den lipp. Amtskläger (4) Prokuratoren (Kl.): Dr. Sigismund Haffner [1613] 1616 Prokuratoren (Bekl.): Dr. Johann Gödelmann [1611] 1616 ( für Richter und Beisitzer: Dr. Johann Gödelmann 1616 (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Zum Hintergrund des Verfahrens vgl. L 82 Nr. 265 (H 628). Die Klageschrift bezieht sich gleichermaßen auf die 1. wie die 2. Appellation (vgl. L 82 Nr. 267 (H 630) gegen Urteile von Januar und Juni 1615. Der Appellant verweist auf nicht eingehaltene Zahlungsversprechen des Grafen, nicht eingehaltene Gesprächstermine und Entscheidungen und beschreibt den Vorgang auf Schloß Brake als durch das gewaltsame Vorgehen eines Soldaten der Schildwache ausgelöst. In diesem Sinne sei es auch von den Brüdern de Wrede, Hauptmann und Hofmeister, interpretiert worden, zudem sei darin nur sein inzwischen verstorbener Bruder verwickelt gewesen. Erst als sie auf ihrer - nicht zuletzt durch die drohende Immission eigener Gläubiger in ihren Besitz begründeten - Zahlungsforderung bestanden hätten, sei der Vorgang erneut aufgegriffen worden, es sei zu Beleidigungen gekommen und sie hätten sich schließlich vor Angriffen von Soldaten durch die mittels Gewehr gedeckte Flucht zu retten versucht. Er bestreitet die Berechtigung ihrer Inhaftierung und bemängelt die Haftbedingungen. Er sieht das gegen sie eingeleitete angebliche Peinliche Halsgerichtsverfahren (= Strafgerichtsverfahren, bei dem Leibesstrafen drohten) als Versuch des Grafen, sich seiner Zahlungspflicht zu entledigen. Er bemängelt die Zusammensetzung des Gerichtes mit in Diensten des Grafen stehenden und mit weiteren Beteiligten (de Wrede) verwandtschaftlich oder freundschaftlich verbundenen Männern, wobei Kanzler und Räte nur vom jungen Grafen von ihren Eiden entbunden worden seien, nicht aber vom alten Grafen, und bestreitet daher die Unparteilichkeit des Gerichtes. Obwohl er zur Klärung dieser Einwände die Entscheidung unparteiischer Rechtsgelehrter gefordert habe, habe das Gericht selbst sie abgewiesen und trotz dagegen eingelegter Appellation weiter in unförmlicher und nichtiger Weise verhandelt. Sein Bruder und er seien trotz zahlreicher Intercessionen erst aus der Haft entlassen worden, nachdem sie eidliche Kaution geleistet und dabei ihren gesamten Besitz, namentlich ihre Ansprüche gegen den Grafen als Sicherheit gesetzt und Urfehde geschworen hätten. Er legt eine begrenzte Gültigkeit dieser erzwungenen Eide nahe. Zur Urteilsverkündung sei er nicht erschienen, sondern habe durch einen Bevollmächtigten nochmals seine Einwände gegen Gericht und Verfahren vortragen lassen. Ohne darauf einzugehen, habe das Gericht eine Strafe von 1500 Gfl. gegen ihn und 3000 Gfl. gegen seinen - verstorbenen - Bruder verhängt. (6) Instanzen: 1. Lipp. niedergesetzte Richter und Beisitzer (an anderer Stelle: Peinliche Richter der Grafschaft Lippe) (2. RKG 1616 (1616 - 1617) (8) Beschreibung: 39 Bl., lose; Q 1 - 5, es fehlt Q 5 (Acta priora), 9 Beil., davon 1 = Q 3, 8 prod. zwischen 18. September 1616 und 10. Dezember 1617.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 266
Altsignatur : L 82 Nr. 295


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