Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1.1. Land Lippe (bis 1947)
1.1.4. Außerlippische Bestände
Lippische Reichskammergerichtsakten
L 82 Reichskammergericht
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(1) H 966(2) Kläger: Ludwig von Hammerstein, braunschweig-lüneburgischer Kammerherr, (Bekl. 1. Inst. zusammen mit seinem Bruder Philipp Maximilian) (3) Beklagter: Wilhelm von Hammerstein, ältester Bruder des Appellanten; nach dessen Tod Friedrich von Hammerstein, der nächstälteste Bruder, (Kl.) (4) Prokuratoren (Kl.): Dr. Johann Ludwig Pfeiffer 1729 ( Subst.: Dr. Johann Hermann Scheurer Prokuratoren (Bekl.): Lic. Ziegler [ ? ] 1729 ( für Friedrich von Hammerstein: Dr. Goy (1730) (5) Prozeßart: Appellationis secundae in puncto des Guts Hornoldendorf Streitgegenstand: Streit um das Gut Hornoldendorf. Der Appellant erklärt, sofort nach dem Tode des Vaters, Obrist Christoph Ludolf von Hammerstein, habe der im Sterbehaus anwesende Bruder Philipp Maximilian u.a. die Possession des Gutes Hornoldendorf zugunsten desjenigen Bruders, dem es in der väterlichen Verfügung zugesprochen sei, ergreifen lassen. Zwar sei die Besitzergreifung des ältesten Bruders Wilhelm möglicherweise kurz vorher erfolgt, doch, da nachgängig die lipp. Kanzlei die Gesuche beider Seiten auf Manutenenz im Besitz bis zur Eröffnung der väterlichen Verfügung ausgesetzt habe und beide Seiten diese Entscheidungen hätten rechtskräftig werden lassen, seien auch der Bezug auf diese Verfügung und die Irrelevanz des Termins der Besitzergreifung anerkannt worden. Die Eröffnung der väterlichen Verfügung vor der Osnabrücker Kanzlei habe ergeben, daß das Gut ihm (= Ludwig) zugesprochen worden sei, während seinem Bruder Wilhelm über seinen bereits zu Lebzeiten des Vaters verbrauchten Erbteil hinaus das Gut Drantum oder wahlweise jährlich 1000 Rtlr. zugekommen seien. Wilhelm habe dies angenommen und damit auch die gesamte Verfügung anerkannt. Gegen seinen (= Ludwigs) Antrag auf Bestätigung der Verfügung durch die lipp. Kanzlei habe Wilhelm Einwände erhoben, als sei das Gut laut großväterlichem Testament als Stammgut indisponibel gewesen und müsse an den ältesten Sohn fallen, in einem Osnabrücker Rechtsstreit gegen seinen Vater sei ihm (= Wilhelm) das Gut bereits zugesprochen worden und also sei die in Osnabrück eröffnete Verfügung nicht authentisch (Gegenargument: Anerkennung durch Annahme der darin zu Wilhelms Gunsten gemachten Verfügung). Ohne Berücksichtigung seiner, durch Verzögerung der Osnabrücker Kanzlei erst spät eingegangenen Gegenbeweise gegen diese Behauptungen habe die lipp. Kanzlei den Besitz des Gutes seinem Bruder als dem ältesten und als demjenigen, der zuerst die Possession ergriffen habe, zugesprochen. Sie habe mithin auf einseitige Angaben, ohne ihn (= Ludwig) zu hören, entschieden und diesem Urteil trotz eingelegter RKG-Appellation einen Räumungsbescheid folgen lassen. Einzeln aufgeführte Einwände gegen Verfahrensfehler der Vorinstanz. Der appellatische Prokurator bestreitet lediglich in einem mündlichen Antrag die Zuständigkeit des RKG, da die Klageschrift sich auf petitorische Fragen beziehe, das vorinstanzliche Urteil aber ein inappellables possessorisches gewesen sei. Am 31. Oktober 1729 verwarf das RKG das Urteil der Vorinstanz und bestätigte den Appellanten bis zu einem möglichen petitorischen Austrag in der Possession des Gutes Hornoldendorf. Im folgenden Streit um (die Zulässigkeit des) petitorischen Austrages (vor dem RKG), wobei auch die Frage eines Zusammenhanges mit einem RKG-Appellationsverfahren Philipp Maximilian von Hammerstein und Konsorten ./. Wilhelm, Friedrich und Hans Werner von Hammerstein strittig war (wahrscheinlich das Osnabrücker RKG-Verfahren Nr. 394 (H 959)). (6) Instanzen: 1. Lipp. Regierung zu Detmold 1728 ( 2. RKG 1729 - 1731 (1725 - 1730) (7) Beweismittel: Acta priora (Q 27). Notarielles Instrument der Besitzergreifung von Hornoldendorf, 1728 (Q 8). Letztwillige Verfügung von Christoph Ludolf von Hammerstein, 1725 (Q 12). Aufstellung von Christoph Ludolf von Hammerstein, "was ich mich erinnere, für meinen Sohn Wilhelm bezahlet zu haben, welches ihm soll angerechnet werden", 1726 (Q 13). "Specification meiner Schulden" von Wilhelm von Hammerstein (Q 21). Botenlohnquittung (Q 24). (8) Beschreibung: 2 Bde., 8,5 cm; Bd. 1: 4,5 cm, Bl. 1 - 63, 225 - 271, lose; Q 1 - 26, 28 - 32, es fehlt Q 31* (Vollmacht Goy), 2 Beil.; Bd. 2: 4 cm, 224 Bl., geb.; Q 27.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 271
Altsignatur : L 82 Nr. 300


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