Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1.1. Land Lippe (bis 1947)
1.1.4. Außerlippische Bestände
Lippische Reichskammergerichtsakten
L 82 Reichskammergericht
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(1) H 976(2) Kläger: Ludwig von Hammerstein zu Hornoldendorf, Hofrichter, (3) Beklagter: Pastor Matthias Jenin (ab 1764 F. T. C. Wessel) und die Kirchenvorsteher (Horst Henrich Stromeyer; Simon Adolf Hagemeister) der Gemeinde Heiligenkirchen (4) Prokuratoren (Kl.): Lic. Simon Heinrich Gondela 1761 ( Subst.: Lic. Gotthard Johann Hert ( Dr. Johann Philipp Gottfried von Gülich 1762 ( Subst.: Lic. Gabriel Nidderer ( Dr. Kaspar Friedrich Hofmann (jun.) 1769 ( Subst.: Dr. Franz Karl von Sachs Prokuratoren (Bekl.): Lic. Caesar Scheurer 1761, 1764 ( Subst.: Lic. Gotthard Johann Hert 1761 ( Subst.: Dr. Konrad Gordian Seuter 1764 (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Ausgangspunkt der Auseinandersetzung sind Legate des schwedischen Generalmajors Friedrich Christoph von Hammerstein, der der Gemeinde Heiligenkirchen 1675 400 Rtlr. geschenkt hatte, deren Zinsen jährlich auf Haus Hornoldendorf unter die Armen verteilt werden sollten, und weiterer 1600 Rtlr., die er, um in dem an die Kirche angebauten Gewölbe beerdigt zu werden, je zur Hälfte dem Pastor und den Armen der Gemeinde vermacht hatte. Auslöser der Auseinandersetzung war ein Streit, ob eine Reparatur des Totengewölbes von der Gemeinde oder durch von Hammerstein, der sie in Auftrag gegeben hatte, bezahlt werden sollte. Zur Untersuchung war eine gräfliche Kommission eingesetzt worden. Der Appellant bemängelt, dem Gesuch des Konsistoriums um Ausweitung der Aufgaben der Kommission um die Frage, ob von Hammerstein berechtigt sei, die jährlich 50 Rtlr. aus dem Legat von 1675 allein, ohne Zuziehung des Pastors zu verteilen, und ob er die legierten Kapitalien ohne hinreichende Sicherung der Gemeinde eingelöst habe, sei bewilligt worden. Sein Gesuch aber, die seit 5 Jahren nicht abgenommenen Kirchenrechnungen im Rahmen der Kommission im Hinblick auf seinen Verdacht zu untersuchen, daß Zinsen der legierten Kapitalien nicht zweckgebunden verwandt, sondern dem Kapital zugeschlagen und dieses teils an unsichere Gläubiger ausgegeben, teils an Jenin selbst verliehen worden sei, zugleich aber die Kirche verfallen sei, verbunden mit der Forderung, die Rechnungen künftig kirchenordnungsgemäß jährlich in seiner Gegenwart abzunehmen, sei zunächst stillschweigend übergangen und auf eine erneute Beschwerde hin entschieden worden, für den Nachkommen eines Legatars bestehe kein Anspruch, der Rechnungslegung über die Verwendung der legierten Gelder beizuwohnen. Der Appellant sieht damit die Kommission allein auf die von der Gegenseite eingebrachten Punkte beschränkt, seine Interessen aber nicht berücksichtigt. Die Appellaten bestreiten die Zulässigkeit der RKG-Appellation in einer kirchliche Belange betreffenden Auseinandersetzung. Sie sehen ihre Beschwerden durch die Ergebnisse von Kirchenvisitationen bereits belegt. Laut Visitation und Kirchenrechnung sei von Hammerstein der Gemeinde noch über 250 Rtlr. schuldig. Der Appellant habe allein, um das vom Konsistorium eingeleitete Verfahren zur Beitreibung der Summe abzuwenden, seine Beschwerden eingeführt und um Bestellung einer Untersuchungskommission nachgesucht. Laut Kirchenordnung sei die Abnahme der Kirchenrechnungen Sache des Superintendenten und der Beamten des Amtes. Sie ihnen zu entziehen und einer Kommission zu übertragen, sei nur bei einem berechtigten Verdacht gegen sie zulässig. Am 6. März 1771 verwarf das RKG die Einwände gegen seine Zuständigkeit und bestätigte das Urteil der Vorinstanz und auferlegte dem Appellanten die gegnerischen Gerichtskosten. Im folgenden Streit um deren Beitreibung. (6) Instanzen: 1. Lipp. Kanzlei (Regierungs-Kanzlei) zu Detmold 1759 - 1760 ( 2. RKG 1761 - 1775 (1675 - 1772) (7) Beweismittel: Acta priora (Q 21). Legat von Friedrich Christoph von Hammerstein, Erbherr zu Apelern, schwedischer Generalmajor der Kavallerie, über 400 Rtlr. zugunsten halb der Armen und halb der Kirche der Gemeinde Heiligenkirchen, 1675 (in Q 8 Bl. 42 - 43). Auszug aus dem Testament von Friedrich Christoph von Hammerstein zu Oelentrup, 1680 (in Q 8 Bl. 43 - 45). Zeugenverhör (in Q 8 Bl. 59 - 74). Botenlohnquittung (Q 13). Extrakt aus der (Heiligenkirchener) Kirchenrechnung von 1754 (Q 16). Aufstellung der armen Kinder, deren Schulbesuch aus den auf Haus Hornoldendorf stehenden Armengeldern finanziert wird, für die Rechnungsjahre 1759/60 - 1762/63 (Q 33). Aufstellung der armen Kinder, die in Berlebeck in die Schule gegangen sind (Q 34). Aufstellung des Schulmeisters in Fromhausen über die armen Kinder, die bei ihm in die Schule gegangen sind und für die das sonst von Hofrichter von Hammerstein bezahlte Schulgeld noch aussteht (Q 35). Extrakt aus dem Herberhauser Vergleich zwischen den Grafen Hermann Adolf und Casimir zur Lippe und Graf Philipp von Schaumburg-Lippe, 1661 (Q 48). Gedruckter "Kurzer Begriff einiger Hauptumstände in Sachen des ... Freyherrn Ludwig v. Hammerstein ... wider den Prediger Jenin und die Kirchenvorsteher zu Heiligenkirchen, appellationis, und in der damit verknüpften Sache des Freyherrn von Hammerstein wider das gräflich-Lippische Consistorium und die Regierungscanzley zu Detmold, appellationis", o.O. 1769 (Q 57). Extrakt aus der lipp. Kirchenordnung von 1684 (Q 63). Specificatio expensarum (Q 73). Aufstellung über Advokatengebühren (Q 76). (8) Beschreibung: 3 Bde., 11 cm; Bd. 1: 30 Bl., geb.; Protokoll; Bd. 2: 6,5 cm, 391 Bl., überwiegend geb.; Q 1 - 20, 22 - 77; Bd. 3: 3,5 cm, 214 Bl., geb.; Q 21.Lit.: Butterweck, Geschichte, S. 414 u. S. 416.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 274
Altsignatur : L 82 Nr. 303


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