Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1.1. Land Lippe (bis 1947)
1.1.4. Außerlippische Bestände
Lippische Reichskammergerichtsakten
L 82 Reichskammergericht
Alle Verzeichnungseinheiten der Klassifikation anzeigen


Permalink der Verzeichnungseinheit

(1) H 2940(2) Kläger: Christoph Helmich zu Wissentrup, (Bekl.) (3) Beklagter: Sämtliche Eingesessene zu Wissentrup, (Kl.) (4) Prokuratoren (Kl.): Dr. Johann Philipp von Pulian 1703 ( Subst.: Dr. Georg Andreas Geibel ( Dr. Georg Andreas Geibel 1713 ( Subst.: Dr. Johann Heinrich Dietz Prokuratoren (Bekl.): Dr. Cornelius Lindheimer 1703 ( Subst.: Lic. E. S. Schorer ( Lic. Caesar Scheurer 1746 ( Subst.: Lic. Franz Christoph Bolles ( Lic. Simon Heinrich Gondela 1746 ( Subst.: Lic. A. Weiskirch (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Streit um die Winterschafhude (zwischen Martini und Mariae Verkündigung) auf den Gemeindeländereien und Feldern der Gemeinde Wissentrup durch den Appellanten als Inhaber des Helmich Hofes. Der Appellant erklärt, ihm sei wiederholt die unentgeltliche Herausgabe von Schafen, die die Appellaten ihm abgepfändet hatten, zugesprochen worden. Wegen einer früheren Klage der Appellaten gegen die Hude seien diese 1654 wegen unberechtigter Einleitung eines Verfahrens in Strafe genommen worden und mehrere Zeugen hätten zu seinen Gunsten ausgesagt. Er bemängelt, daß ungeachtet dieser Belege eines seinerseits bestehenden Rechtes die Vorinstanz ihm vorbehaltlich einer anderen Entscheidung in petitorio die Winterhude auf den Feldern der Appellaten untersagt hatte. Er verweist darauf, daß bei Gleichstand in den Beweisen (einige Zeugen hatten zu seinen, andere zu Gunsten der Appellaten ausgesagt) die Vermutung eines bestehenden Besitzrechtes gelten müsse. Das gelte umso mehr, als er seines Huderechtes wegen jährlich 1 Lamm an den Hof liefern und seinen Schäfer jährlich 1 Tag zum Scheren herrschaftlicher Schafe geben müsse. Diese Lasten könnten sich nicht auf die Schäferei auf seinem eigenen Land beziehen. Er bemängelt, daß die Vorinstanz die Vernehmung eines ihm erst später bekannt gewordenen Zeugen abgelehnt habe. Die Appellaten dagegen erklären, die Acta priora würden ergeben, daß nicht nur ihre Zeugen, sondern auch diejenigen des Appellanten die Freiheit ihres Landes von Huderechten belegt hätten. Sie werfen dem Appellanten vor, während des laufenden vorinstanzlichen Verfahrens heimlich Zeugen vor das Gericht Lage geladen zu haben und deren auf seine einseitigen Fragen gegebenen Antworten dem Verfahren zugrundelegen zu wollen. Das Lagenser Protokoll von 1654 habe der Appellant wohlweislich erst nach dem Urteil vorgelegt, so daß dessen Relevanz nicht überprüft worden sei. Sie bestreiten einen Bezug des dortigen Eintrages zum anhängigen Verfahren. Die Abgabe eines Lammes sei kein Argument, denn ein solches müsse jeder, der Schafe halte, auch wenn es auf dem eigenen Land sei, geben. Nach letzten Handlungen 1714 1746 von den Appellaten beantragte Citatio ad reassumendum. (6) Instanzen: 1. Lipp. Kanzlei zu Detmold 1701 - 1703 ( 2. RKG 1703 - 1746 (1654 - 1714) (7) Beweismittel: Acta priora (Q 10). Rationes decidendi (Bd. 1 Bl. 284 - 289). Extrakt aus der Lagensischen Wruge, 1654 (Q 7). Notarielles Zeugenverhör, 1703 (Q 19). Botenlohnquittung (Bd. 1 Bl. 299). (8) Beschreibung: 2 Bde., 6,5 cm; Bd. 1: 4 cm, Bl. 1 - 31, 168 - 314, lose; Q 1 - 9, 11 - 28, 19 Beil., davon 13 prod. zwischen 20. Juni 1746 und 10. Februar 1747; Bd. 2: 2,5 cm, Bl. 32 - 167, geb.; Q 10.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 289
Altsignatur : L 82 Nr. 317


Anfang  Erweiterte Suche
Warenkorb  Drucken