Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1. Staatsarchiv Detmold
1.1. Land Lippe (bis 1947)
1.1.2. Verwaltung, Justiz
1.1.2.2. Allgemeine und innere Verwaltung
1.1.2.2.3. Regierung / Landesregierung
Regierung/Landesregierung Lippe - Ablösungskommission
L 80.08 Regierung-Landesregierung Ablösungskommission
Permalink des Findbuchs


Signatur : L 80.08

Name : Regierung/Landesregierung - Ablösungskommission

Beschreibung :
Ablösungskommission

Die Ablösungsgesetze, v.a. die Verordnung vom 4. September 1838 über die Ablösung der Dienste, Zehnten, Korn- und Viehabgaben, wurden in Lippe im Rahmen der Befreiung des bäuerlichen Grundeigentums von persönlichen und dinglichen Lasten geschaffen. Sie regelten das Verfahren, die Möglichkeiten der Ablösung und die Berechnung der Entschädigung. Hinzu kamen 1845 die Verordnung über die Ablösung von Holzabgaben, 1850 das Gesetz über die Ablösung von Hudeberechtigungen und schließlich 1859 das Gesetz über die Gemeinheitsteilungen. Nach dem 1. Weltkrieg brachten die Gesetze über die allgemeine Ablösung noch einmal einen erhöhten Bearbeitungsbedarf. Einige Verfahren wurden jedoch erst in den 1960er Jahren abgeschlossen.

Um ein einheitliches Ablösungsverfahren zu gewährleisten, wurde von der Regierung eine Ablösungskommission geschaffen, die sich meist aus zwei Juristen und einem Schriftführer zusammensetzte. In den ersten dreißig Jahren, also von 1838-1868 gehörte außerdem noch ein Ökonom zur Kommission. Die Ablösungskommissare, meist die Amtsrichter bei den Gerichten, waren der Ablösungskommission unmittelbar unterstellt.

Die erste Sitzung der Kommission, die sich aus dem Regierungsrat Piderit, dem Hofgerichtssekretär Dreves, dem Gutsbesitzer Cüster und dem Advocaten Schönfeld zusammensetzte, fand am 29. Dezember 1838 statt. Grundlage der Berechnungen sollten für die Ablösungen die Durchschnittspreise der letzten 24 Jahre sein, also die Zeit von 1815-1838. Dabei durften jedoch die beiden billigsten und die beiden teuersten Jahre bei der Bestimmung der Kornpreise keine Berücksichtigung finden. Die ermittelten Preise sollten öffentlich bekannt gemacht werden, damit die Antragsteller die anfallenden Kosten berechnen konnten.

Die Akten der Ablösungskommission gehörten zum Aktenbestand der Rentkammer. Eine knappe Übersicht von 1964 führte den Aktenbestand auf und kennzeichnete die ins Staatsarchiv übernommenen Akten (Findbuch L 80 I b D). Über die Zugänge 56/1994 und 96/2003 aus der Bezirksregierung Detmold konnten fast alle fehlenden Akten ermittelt und einsortiert werden, so dass der Bestand nun nahezu komplett vorliegt.

Die Auflösungsverfahren sind gut dokumentiert und nach verschiedenen Kriterien schnell auswertbar. Die Tagebücher und Jahresberichte der Ablösungskommission geben Überblick über das jährliche Geschäftsvolumen, die Ablösungsverträge sind außerdem jahrweise chronologisch verzeichnet.

Die ca. 600 Einzelakten zu den Ablösungsverfahren sind nach den lippischen Städten und Ämtern abgelegt. Hierzu existiert ein ausführliches zweibändiges Inventar, das die Antragssteller, die Begünstigten (meist die Rentkammer, Städte, Pfarreien, aber auch Gutsbesitzer), die abzulösenden Lasten und das Jahr der Ablösung aufführen. Bei der Verzeichnung der Einzelakten ist jeweils auf die betreffende Seiten in den Inventaren verwiesen worden, um eine bequeme Benutzung des Bestandes zu gewährleisten.

[Detmold, 2008]
[gez. Jutta Prieur-Pohl]


Die Verzeichnung des Bestandes erfolgte in den Jahren 2005 - 2007 hauptsächlich durch Ltd. Archivdirektorin Prof. Dr. Prieur-Pohl. Nachträge aus Zugängen der Bezirksregierung Detmold wurden von Barbara Groß bzw. vom Unterzeichner eingearbeitet (Nr. 841 - 868 bzw. 869-884).


Detmold, im Januar 2010

gez. Arno Schwinger



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