Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1. Staatsarchiv Detmold
1.1. Land Lippe (bis 1947)
1.1.2. Verwaltung, Justiz
1.1.2.5. Wirtschafts-, Kataster- und Bauverwaltung
1.1.2.5.2. Forst
Forstamt Hiddesen/Oberförsterei Lopshorn
L 97 A Hiddesen Forstamt Hiddesen - Oberförsterei Lopshorn
Permalink des Findbuchs


Signatur : L 97 A Hiddesen

Name : Forstamt Hiddesen / Oberförsterei Lopshorn

Beschreibung :
Vorwort

A. Verwaltungs- und Behördengeschichte der lippischen Forstverwaltung

Der größte Teil der Waldungen des späteren Forstamts Hiddesen gehört zum Teutoburger Wald und ist seit dem 13./14. Jahrhundert im Besitz der Edelherren zur Lippe; die übrigen Forsten des nachmaligen Fürstentums Lippe sind erst später durch Kauf oder Tausch in ihren Besitz übergegangen. Seit etwa 1560 ist eine besondere Forstkanzlei, seit 1713 ein für Straf- wie für Verwaltungssachen zuständiges eigenes Forstgericht nachweisbar. 1748 wurde die Forstkanzlei in ein "Forstdirektorium" umgewandelt, das ein Teil der fürstlichen Rentkammer wurde. Dieser in mancher Hinsicht unbefriedigende Zustand wurde 1855 durch die Errichtung einer "Forstdirektion" als selbständige Oberbehörde unter Leitung des Forstmeisters Julius Feye beendet. Sie umfasste insgesamt 13 Oberförstereien mit einer Gesamtfläche von 72.744 lippischen Morgen = 18.724 ha.

Nach dem Tode Feyes am 4. Oktober 1896 wurde im Zuge der Vereinfachung der gesamten Domanialverwaltung die Forstdirektion wieder der Rentkammer angegliedert, wo sie fortan als "Forstabteilung" unter der Leitung des bisherigen königlich preußischen Oberförsters Alois Baldenecker (zunächst Oberforstmeister, seit 30. Mai 1912 Landforstmeister, seit 30. Mai 1916 Oberlandforstmeister) geführt wurde.

Nach der Abdankung der lippischen Fürsten 1918 verkleinerte sich die Fläche der lippischen Staatsforsten durch den Übergang der Oberförsterei Berlebeck in den Privatbesitz des fürstlichen Hauses auf 14.101 ha. Am 16. April 1921 wurde die Forstverwaltung in "Direktion der Domänen und Forsten - Forstabteilung" umbenannt.

Am 19. August 1924 wurde die Forstverwaltung erneuert als "Lippische Regierung - Forstabteilung" direkt der Regierung unterstellt. Nach dem Tod von Oberlandforstmeister Baldenecker übernahm der preußische Oberförster Karl Reier am 1. März 1926 die Leitung der Forstabteilung als Landforstmeister. Am 1. August 1933 wurde er auf Anordnung des Reichsstatthalters für Lippe und Schaumburg-Lippe in den Ruhestand versetzt.

Die in "Der Reichsstatthalter in Lippe und Schaumburg-Lippe, Abteilung II. Staatsforstverwaltung" umbenannte Behörde wurde zunächst von dem Hiddeser Oberförster Karl Schmidt geleitet, der auch nach seiner offiziellen Pensionierung 1938 mit Unterbrechungen bis zum 1. März 1946 die Amtsgeschäfte weiter versah, da der neu ernannte Landforstmeister Fritz Murmann wegen Einsatzes in der Wehrmacht (er fiel am 20. Dezember 1942 an der Ostfront) seinen Dienst praktisch nicht wahrnahm.

Nach Kriegsende wurde die Forstverwaltung auf Anweisung des Landespräsidenten Heinrich Drake mit Wirkung vom 5. April 1945 in "Lippische Landesregierung, Abteilung II. Landesforstverwaltung" umbenannt. Mit ihrer Leitung wurde zunächst Alfred Hiersekorn (15. Januar - 10. Mai 1946), dann Oberforstmeister Otto Wahl (ab 18. Oktober 1946) betraut.

Nachdem am 21. Januar 1947 das Land Lippe an das neugebildete Bundesland Nordrhein-Westfalen übergegangen war, wurde zur Verwaltung des Vermögens des früheren Landes Lippe unter der Bezeichnung "Landesverband Lippe" eine öffentlich-rechtliche Körperschaft gebildet, auf die auch die Verwaltung der lippischen Staatsforsten, die in "Landesverband Lippe, Forstabteilung Detmold" umbenannt wurde, überging. Bis zum 30. April 1950 unterstand sie mit einer Unterbrechung - weiterhin der Leitung vom Oberforstmeister Wahl.


B. Geschichte des Forstamts Hiddesen (früher: Oberförsterei Lopshorn) 1855 - 1972

Die Oberförsterei Lopshorn war 1855 eine der 13 lippischen Oberförstereien. Sie wurde in den Jahren 1804/1805 aus den Oberförstereien Hiddesen und Lopshorn und einem Teil der Oberförsterei Berlebeck gebildet. Seit 1814 befand sich der Dienstsitz in Hiddesen. 1854 wurden Teile der Gesamtfläche für die neugebildete Oberförsterei Berlebeck abgezweigt.

1918 wurde die Oberförsterei Lopshorn in "Oberförsterei Hiddesen" umbenannt. 1934 wurden alle lippischen Oberförstereien per Erlass in Forstämter umgewandelt.

Die Oberförsterei Lopshorn war unterteilt in Wahrschaften, die seit 1855 als Schutzbezirke bezeichnet wurden. An ihrer Spitze standen Waldschützen und Förster. Da die Lopshorner Schutzbezirke aufgrund ihrer Größe in der Regel mit Förstern besetzt waren, wurde bei ihnen auch von Förstereien gesprochen. Seit 1934 hießen sie Revierförstereien.

Die Oberförsterei Lopshorn, die 1902 eine Gesamtfläche von 2131, 4149 ha aufwies, war in folgende Förstereien unterteilt:
1. die Försterei Hiddesen (572,352 ha)
2. die Försterei Augustdorf (622,2038 ha)
3. die Försterei Pivitsheide (auch Försterei Donoperteich genannt;
660,2811 ha)
4. die Försterei Bexten, die 1899 zu Lopshorn geschlagen wurde
(272,759 ha)
5. die Revierförsterei Meinberg, die erst 1939 vom Forstamt Brake an
das Forstamt Hiddesen abgetreten wurde (392,9 ha).
Neben diesen Förstereien gab es einige kleinere Einheiten, die mit Forstschutzbeamten niederer Dienstgrade besetzt waren.

Seit 1874 war der Dienstbesitz der Oberförsterei Lopshorn das Forsthaus Heidental. Es handelt sich um die ehemalige Tötemeyersche Ziegelei, die 1872 von der Forstdirektion angekauft und zum Forstamtsgebäude umgestaltet wurde.

Die Namen der Lopshorner bzw. Hiddeser Oberförster von 1855 - 1947 waren:
1. Simon Limberg (Administrator des Lopshorner Forsts ab 1814; Ober-
förster 1849 - 1856)
2. Gustav Limberg (Sohn von 1; 1856 - 1887)
3. Otto Rötteken (1887 - 1915)
4. (Verwaltung der unbesetzten Oberförsterei durch den Hiddeser
Revierförster Deppe 1915 - 1918)
5. Hugo Hornhardt (1918 - 1919 kommissarische Leitung)
6. Karl Schmidt (1919 - 1938).

In den einzelnen Förstereien amtierten im selben Zeitraum folgende Revierförster:

1. Försterei Hiddesen
Wilhelm Redeker 1856 - 1860
Christian Roiker 1860 - 1876
Friedrich Roolf 1876 - 1886
Friedrich Deppe 1886 - 1924
Friedrich Geller 1924 - 1932
Otto Thiemann 1932 - 1945, Sept. 3 (vorübergehend entlassen)
1946, Aug. 1 - 1955

2. Försterei Augustdorf
Simon Holzkämper 1856 - 1860
Wilhelm Redeker 1860 - 1880
Ludwig Holste 1880 - 1884
Heinrich Hollmann 1884 - 1896
Gustav Frischemeier 1896 - 1909
Gustav Nebelsiek 1909 - 1945
Helmut Schmidt 1945 - 1952

3. Oberförsterei Pivitsheide oder Donoperteich:
Karl Hank - 1857
Christian Roiker 1858 - 1860
Gustav Jacob 1860 - 1876
Wilhelm Thiemann 1876 - 1914
Leopold Koch 1914 - 1930
Wilhelm Köhne 1930 - 1947

4. Försterei Bexten (1899 zur Oberförsterei Lopshorn gekommen)
Karl Wendt 1899 - 1919
Friedrich Tiemann 1919 - 1950

5. Revierförsterei Meinberg (1939 zum Forstamt Hiddesen gekommen)
Wilhelm Diekmann 1939 - 1946
Hermann Töberich 1947 - (nach 1968)

Nachdem bereits 1950 die Försterei Bexten an das Forstamt Brake abgetreten worden war, wurde das Forstamt Hiddesen 1972 aufgelöst und mit dem Forstamt Horn vereinigt.


C. Zum Bestand

Der vorliegende Bestand umfasst den 23 Fach Akten umfassenden Zugang 35/1956, der die Akten der 1918 in "Forstamt Hiddesen" umbenannten Oberförsterei Lopshorn, von 1855-1947 umfasst. Für die ersten 20 Fach Akten, die bis zum Jahre 1925 (1932) reichen, liegt ein maschinengeschriebenes Findbuch auf der Grundlage des Feyeschen Registraturplans von 1855 vor, das dem Bestand D 79, Nr. 225 zugeordnet wurde.

Drei Fach Akten aus den Jahren 1925-1947, die mit "Neue Registratur" bezeichnet und im wesentlichen ebenfalls nach dem Feyeschen Registraturplan formiert waren, wurden neu verzeichnet. Bei einigen Aktenbänden von ihnen wurden Einzelblattkassationen vorgenommen; den bisher unverzeichneten, ursprünglich 15 Fach Akten umfassenden Zugang 34/1972, der Akten des Forstamts Hiddesen von 1925-1968 enthält [so !]. Nachdem umfangreiche Kassationen (ca. 8 1/2 Fach Akten) vorgenommen worden waren, wurden die verbleibenden Akten ebenfalls neu verzeichnet und denjenigen des Zugangs 35/1956 zugeordnet.


D. Zur Registraturgeschichte

Von 1855 bis 1927 war der von dem Oberförster Julius Feye entworfene einheitliche Registraturplan für die Forstdirektion und alle lippischen Oberförstereien maßgeblich. Die Signatur bestand aus Tit., Sect., (Litt.), Nr.

Ab 1928 erfolgte eine Neuordnung der Registratur nach der Vorschrift für die Beamten der preußischen Staatsoberförstereien vom 01.10.1927. Für die neu angelegten Akten wurden Signaturen aus römischen und arabischen Zahlen verwendet, wobei teilweise in den Untergruppen noch Großbuchstaben und arabische Zahlen hinzugefügt wurden. Jedoch sind nicht alle Akten der "neuen Registratur" und des Zugangs 34/1972 mit diesen Signaturen versehen worden. Teils fehlt die Signierung bei diesen Akten ganz, teils wurden die Signaturen des Feyeschen Registraturplans weiter verwendet, wobei an die dritte Stelle statt der arabischen Zahlen meist Großbuchstaben traten.

Ab dem 01.01.1953 wurde für die lippischen Forstämter der Einheitsaktenplan des Landesverbands Lippe eingeführt.
Die nach diesem Datum neu angelegten Akten erhielten einfache vierstelle Nummern.


E. Zur Ordnung und Verzeichnung

Angesichts der Zugehörigkeit der Akten zu drei verschiedenen Registraturschichten erwies es sich als zweckmäßig, eine gänzliche Neuordnung des Bestands vorzunehmen. Dabei wurden an die einzelnen Aktenbände nach dem Numerus-currens-Prinzip einfache Nummern vergeben. Soweit alte Signaturen feststellbar waren, werden sie in der dafür vorgesehenen Spalte aufgeführt.

Für die Neuordnung, die sich teilweise eng an den Feyeschen Registraturplan anlehnt, wurden drei Obergruppen gebildet:
I. Allgemeine Bestimmungen und Verfügungen, Organisation, Dienstbetrieb
II. Aufgaben der Forstverwaltung
III. Forsthaushalts-, Kassen- und Rechnungswesen.

Die ersten beiden Gruppen wurden in je fünf Untergruppen unterteilt, so dass die Akten insgesamt elf Sachgruppen zugeordnet wurden.

Bei der Neuverzeichnung konnten die alten Aktentitel teils übernommen werden, teils erwiesen sie sich als unpräzise und für archivarische Zwecke wenig geeignet und wurden ergänzt oder umformuliert. In vielen Fällen wird der Inhalt mit enthält-Vermerken näher erschlossen.

Die nach der Bildung des Landesverbands Lippe am 12.09.1949 abgeschlossenen Akten wurden dem neugebildeten Bestand D 111 A Hiddesen zugeordnet, auf den hiermit verwiesen sei.

Der Bestand wurde von den Archivreferendaren Dr. Ulrich Ecker und Dr. Heinrich Maulhardt von November 1981 bis April 1982 und vom Unterzeichneten von Mai bis August 1983 völlig neu geordnet und verzeichnet. Dadurch, dass drei Bearbeiter an der Neuverzeichnung beteiligt waren, ergaben sich zwangsläufig gewisse Unterschiede in der Art und Genauigkeit der Titelaufnahme, die insgesamt jedoch nicht störend wirken.

Es ist zu zitieren: L 97 A Hiddesen Nr. ...

Detmold, im September 1983
gez. Dr. Warmbrunn



Im Zuge der Digitalisierung der Findmittel wurde das maschinenschriftliche Findbuch aus dem Jahr 1983 in V.E.R.A. abgeschrieben.

Detmold, im Juli 2009
gez. Marion Sandbothe













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