Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1.1. Land Lippe (bis 1947)
1.1.2. Verwaltung, Justiz
1.1.2.4. Kirchen- und Schulverwaltung, Bildungseinrichtungen
1.1.2.4.3. Schule, Kultur und Bildung
Direktion des Lippischen Lehrerseminars in Detmold
L 106 B Scholarchatskommission
Permalink des Findbuchs


Signatur : L 106 B

Name : Scholarchatskommission

Beschreibung :
Anfang 19. Jahrhundert entstand unter dem Einfluss des Neuhumanismus in Deutschland - zunächst in Preußen - das moderne Gymnasium, wie man es noch Ende des 20. Jh. kannte. Dies dies ging einher mit der Formulierung eines neues Bildungsziels, Neugestaltung des Lehrkanons, Veränderungen im organisatorischen Aufbau, Neuordnung und Reglementierung des Prüfungswesens. Die theologisch geschulte Gymnasiallehrerschaft sollte durch einen philologisch geschulten Berufserzieherstand abgelöst werden, die geistliche Schulaufsicht zugunsten einer staatlichen Behörde aufgehoben werden (Wehrmann, S. 271).

1837 gab endlich die Lippische Regierung dem jahrelangen Drängen der Gymnasiallehrer nach, das Detmolder Gymnasium der Aufsicht des Konsistoriums zu entziehen und einer staatlichen Schulbehörde zu unterstellen. Mit der Durchführung der Reform wurde der Kanzleidirektor Ballhorn-Rosen beauftragt, der - nach dem Muster seiner Heimat Hannover - eine Fürstlich Lippische Scholarchats-Kommission file://fn@01 ins Leben rief, der außer ihm selbst der Hofrat Piderit und Generalsuperintendent Althaus angehörten. Versuche, auch das Lemgoer Gymnasium der Kommission zu unterstellen, scheiterten am Widerstand des dortigen Magistrats, jedoch wurde 1839 eine eigene Schulkommission geschaffen, der auch ein "Fürstlicher Kommissarius" angehörte.

Die Scholarchats-Kommission hatte die Lehrpläne, Methoden und Lehrbücher zu beurteilen, die Abiturientenprüfungen zu überwachen und unter Hinzuziehung der oberen Gymnasiallehrer die Prüfung der Lehramtskandidaten vorzunehmen. Als Richtschnur für die einzelnen Prüfungen diente das preußische Prüfungsreglement für die Kandidaten des höheren Lehramts von 1831 (Wehrmann, S. 316). In der 1860er Jahren hatten die lippischen Gymnasien weitgehend den preußischen Standard erreicht.

1873 vereinbarte die lippische Regierung mit der preußischen Oberschulbehörde, dass ein Mitglied des Provinzialschulkollegiums in Münster die Regierung als Kommissar bei der technischen Aufsicht unterstützen und die preußischen Vorschriften einführen sollte, wodurch ein großer Teil der Aufgaben der Scholarchats-Kommission entfiel. Zur Herbeiführung eines "bequemeren und einfacheren Geschäftsgangs" wurden schließlich die verbliebenen Aufgaben einer Aufsichtsbehörde über die lippischen Gymnasien der Regierung direkt übertragen und die Kommission im Mai 1873 aufgelöst (L 106 B Tit. 1 Nr. 1 Bd. XXXVII) .


Die vorliegende Datei ist eine Abschrift des maschinenschriftlichen Findbuchs vom Beginn des 20. Jahrhunderts (ohne Verfasser und Datum). Sie beruht teilweise auf einem handschriftlichen Verzeichnis der zur Regierungsregistratur abgegebenen Akten der Scholarchats-Kommission vom Ende des 19. Jh. (D 70 Alte Findbücher Nr. 22), ist aber anders geordnet. Drei Bände Belege (Tit. 6 Nr. 6 I - III) gehören aufgrund ihrer Laufzeit eigentlich in den Bestand L 77 A, dessen Verzeichnung aber bereits seit langem abgeschlossen ist.

Die Abschrift in VERA erfolgte durch Susanne Sprenger aus Detmold im Jahre 2008.


Detmold, im Oktober 2009
gez. Arno Schwinger

Fussnoten :
fn1: Scholarch aus dem Griechischen und Lateinischen Scholarcha, eine Person von Ansehen, welche die Aufsicht über eine oder mehrere Schulen hat. Daher das Scholarchat, dessen Amt und Würde (Krünitz, Oekonomische Enzyklopädie, 1773-1885)
Bemerkung :

Anfang  Erweiterte Suche
Warenkorb  Drucken