Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
L 92 T 1 Rentkammer - Kolonate
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Signatur : L 92 T 1

Name : Rentkammer - Kolonate

Beschreibung :
Der Bestand L 92 T 1 - alte Bezeichnung: Privata Incolarum, Privatsachen - umfasst in erster Linie Akten über die dem Landesherrn als Grundherrn gehörenden Kolonate. - Unterlagen über die Leibeigenschaft und die Grundherrschaft als solche, das Meierrecht, die Freien, über Eigentums- und Besitzwechselabgaben ("Gefälle") sind dagegen im Bestand L 92 T 2 zusammengefasst.

Die Neuverzeichnung basiert auf dem handschriftlichen Behördenrepertorium des Amtsrats Meyer von 1795 file://fn@01. Bei den Unterlagen handelt es sich in vielen Fällen offenbar nur um aufgefundene Restvorgänge. Gelegentlich findet man in den Akten Bearbeitungsvermerke des Archivrats Knoch, eines Zeitgenossen Meyers. Die Formulierung der Aktentitel wurde soweit modernisiert wie für das Verständnis des heutigen Lesers notwendig.

Die Schreibweise der Namen, die auch innerhalb einer Akte oft variiert, wurde möglichst der moderneren oder später - etwa in der genealogischen Sammlung Brenker - geläufigen Form angepasst (z.B. -meier statt -meyer, Konsonant+k statt Konsonant+ck, desgl. z/tz). Offensichtlich hat Meyer in seinem Repertorium häufig die ihm bekannten aktuellen Besitzernamen bzw. Vornamen angegeben sowie bei schon länger geschlossen Akten die - 1766 eingeführten - neuen Kolonatsnummern ergänzt.

Der häufig verwendete Begriff "Elokation" bzw. "elozieren" bedeutet, dass ein Hof oder einzelne Landstücke dem Besitzer bei Zahlungsschwierigkeiten vorübergehend entzogen und an einen anderen Bewirtschafter ("Wirt") vergeben ("ausgetan") wurde(n) (siehe Lippische Mitteilungen 33 / 1964, S. 119 sowie Landesverordnungen Band 2, S. 502 und 607). Zu Beginn der Elokation wurde ein Protokoll erstellt, anschließend wurden vom Amtsvogt jährliche Rechnungen geführt; die Dauer der Maßnahme betrug 6 oder 12 Jahre und wurde gegebenenfalls mehrfach verlängert. Die Elokation hatte auch zur Folge, dass private Gläubiger des betroffenen Hofs mit ihren Forderungen hinter den Ansprüchen des Landesherrn zurückstehen mussten. Mitunter entsteht der Eindruck, dass Landwirte überredet oder gedrängt wurden, Grundstücke von elozierten Kolonaten zu übernehmen (deren Abgabenlast sie dann natürlich tragen mussten). file://fn@02

Inhaltliche Schwerpunkte bilden das Schuldenwesen, Abgaben und Leistungen der Höfe (Streit um Art und Umfang, Bitten um Aufschub oder Erlass) sowie Besitzübergabe file://fn@03 (Neubesetzung, Änderung der Erbfolge) und Landverkäufe. Daneben gewähren Bitten um Beihilfe/Unterstützung Einblicke in damalige Lebensumstände; Gesuche um Überlassung von Bauholz enthalten häufig eine genaue Aufstellung des Amtszimmermeisters über die für die Errichtung eines Hauses benötigten Balken, Dielen usw.. Auch Akten über Krüge sind hier angelegt worden.

Ergänzend sind in vielen Fällen die Bestände L 92 A, Titelgruppe "Kleine Domänen" (Tit. 181 ff.) und L 92 G 1 (Kornböden, ältere Akten) heranzuziehen. Häufig wird auf den Aktendeckeln auch auf Forstakten verwiesen, z.B. Ausweisungen und Neuwohner = L 93 A Titel 34 - 182.

Ins Landesarchiv gelangten die "Kolonatsakten" im September 1921.

Beim Ordnen des Bestandes wurde die vorgegebene Reihenfolge der Ämter und Vogteien beibehalten, die Bauerschaften aber in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt; innerhalb der Orte wurde nach Hausnummer sortiert. Akten mit allgemeinem Inhalt stehen jeweils am Anfang.



Detmold, Februar 2006

gez. Arno Schwinger

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1 Meyer (Meier) war bis 1786 Amtsrat in Oerlinghausen. Nach einer Kassenvisitation wurde er seines Amtes enthoben und gnadenhalber mit Schreibarbeiten, Ordnen von Kammerakten und der Anfertigung von Repertorien beschäftigt (siehe L 92 A Nr. 187).

2 siehe dazu Generalbericht der Vogtei Schlangen von 1773 (L 92 A Nr. 1499)

3 Verkauf oder sonstiger Besitzerwechsel fand in der Regel innerhalb der Verwandtschaft statt. Die entsprechenden Akten geben deshalb oft wertvolle Hilfe bei der Entwirrung der komplizierten Familienverhältnisse. Auch Auswanderung oder das Verschwinden einzelner Personen (auch Mitziehen mit fremden Armeen im Siebenjährigen Krieg) wird auf diese Weise mitunter dokumentiert.


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