Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1.1. Land Lippe (bis 1947)
1.1.2. Verwaltung, Justiz
1.1.2.5. Wirtschafts-, Kataster- und Bauverwaltung
1.1.2.5.3. Kataster und Vermessung
L 107 C Lippische Landesbrandversicherungsanstalt
Permalink des Findbuchs


Signatur : L 107 C

Name : Lippische Landesbrandversicherungsanstalt

Beschreibung :
Brandkataster

Durch eine Brand-Assecurations-Ordnung (Reglement) vom 11. Februar 1752 wurde am 1. Mai 1752 eine Brand-Assecurations-Societät als öffentlich-rechtliche Versicherungsanstalt errichtet (1).

Das (Brand)-Catastrum in den Ämtern und Städten sollte von den "Obrigkeiten jeden Orts verfertigt" werden (2), das der adligen Schriftsässigen und anderen Eximierten bei den Deputierten der Ritterschaft, das der gräflichen Schlösser, Domänen von der Rentkammer, das der Kirche, Schulen und Hospitäler vom geistlichen Konsistorium (2) und alle 3 Jahre revidiert werden (3). Das General-(Societäts-)Catastrum sollte von der Landschaftlichen Kasse geführt werden (4) und gleiches nach 3 Jahren neu aufgestellt werden (5). Die Catastra und Rechnungen der Societät sollten auf Landtagen auf Begehren vorgelegt werden (6).

Sie waren nach einer Verordnung wegen Anschlags der Gebäude zur Brand-Assecuranz vom 26. April 1779, - ein Jahr, in der wieder einmal nach 3 jähriger Pause eine Revision fällig war - an das Landschaftliche Administrations-Collegium eingesandt worden (7).

Die Drosten und Beamten sollten ab 1782 alle in ihr Amtsbrandassecurations-Catastrum einzutragenden Gebäude gegebenfalls von Zimmermeistern und Mauermeistern und später auch Schreinermeistern (8) (Tischlermeistern in den Städten) taxieren lassen (9). Das Brandassecurations-Societäts-Catastrum sollte aber nur alle 10 Jahre erneuert werden (10). Das "Hauptcatastrum" befand sich nach wie vor bei dem Erheber der Brand-Kasse-Gelder (11) und mußte immer mit den einzelnen Catastra bei neuen Gebäuden im Januar jedes Jahres mit Nachträgen versehen und geschrieben werden.

Seit 1789 sollten solche Neueintragungen sofort im "Spezialcataster" und "Hauptcataster" geschehen (12).

Seit 1790 sollten Drost und Beamte der Ämter und die Magistrate in den Städten, wenn eine Verminderung der Häuser-Taxe von einem Eigentümer gewünscht wurde, die Hypothekenbücher nachsehen und im Fall einer Eintragung für die Leihkasse das Verminderungsbegehren vor dessen Erfüllung der Leihkassenkommission mitteilen und von ihr Verfügung erwarten (13).

1793 mußten alle Spezial-Brand-Cataster vor dem 1.8.1793 in zwei gleichlautenden Exemplaren an den Landrezeptor bzw. ritterschaftlichen Rezeptor eingesandt werden, wovon dann eins nach der Revision und Unterschrift des landschaftlichen Administrationscollegiums an die untere Verwaltungsbehörde zurückkam (14).

Auch 1803 sollten die neuen Special-Cataster vor dem 1. Mai in zwei Exemplaren an den Landrezeptor eingesandt werden (15), ebenso 1815 an den Rat und Landrezeptor Stock (16).

Nach einer Verordnung betr. die Erneuerung und Revision des Brand-Catasters vom 26.4.1836 sollten in den Städten die Spezial-Brand-Cataster verabfolgt werden, auf dem platten Lande den Bauerrichtern aber nur getreue Extracte daraus (17). Es sollten weiterhin die "Districts-Brand-Cataster" in duplo ausgefertigt werden (18).

Das Haupt-Brand-Cataster zu führen oblag dem General-Rendanten der Brandkasse. Ihm waren die Veränderungsverzeichnisse im duplo einzusenden. Er gab das eine Exemplar mit dem Attest der geschehenen Eintragung zurück (19). Die "Districts-Brand-Cataster" dagegen wurden von den unteren Verwaltungsbehörden in duplo an die Regierung eingesandt, welche das eine Exemplar dem General-Rendanten der Brandkasse zur Aufbewahrung und Anfertigung des Haupt-Brand-Cataster zustellte, das andere aber zurückschickte (20).

Die einzelnen Taxations Verzeichnisse (heute "Wertangaben")zu den Districts-Brand-Catastern mußten sorgfältig aufbewahrt werden (21).

1857 sprach man von "städtischen (Brand)-Catastern", "Amts(Brand)-Catastern" und "herrschaftlichen Brandcatastern" (22). Sie sollten bis zum 1.11.1857 wieder doppelt an die Regierung eingesandt werden. Diese stellte das eine Exemplar dem "General-Agenten" (!) zur Aufbewahrung und Anfertigung der Haupt-Brand-Cataster zu, das andere sollte wieder zurückgeschickt werden (23).

1868 wurde die Revision und Erneuerung des Brandkatasters auf Antrag des Landtags wegen der Vorbereitung einer neuen Brandkassen-Ordnung unterlassen.

Wegen des Ansteigens der Preise der Baumaterialien und der Arbeitslöhne wurde am 10. September 1873 eine neue Verordnung die Erneuerung des Brand-Catasters betr. erlassen (24).

Die alte Brand-Assecuranzanstalt wurde seit 1877 nach dem Gesetz die Brandversicherungsanstalt für das Fürstentum Lippe betr. vom 26. April Brandversicherungsanstalt für das Fürstenthum Lippe genannt und neu organisiert.

Die "Districtsverwaltungsbehörden", also Städte und Ämter, stellten weiter die Spezialbrandcataster nach den Schätzern abgelieferten Taxationsverzeichnissen auf bzw. berichtigten sie danach (25). Alle 15 Jahre sollte eine allgemeine Revision der Brandkastaster vorgenommen werden (26). Die Gerichte sollten von allen in der Person der Hausbesitzer vorgefallenen Veränderungen den Districtsverwaltungsbehörden Nachricht geben. Das Duplikat des Brandcatasters führte der Rendant der Brandkasse (27).

Ab 1.1.1902 trat die Brand-Versicherungsanstalt in den Feuerversicherungsverband in Mitteldeutschland ein (Direktor: Reg. Rat Kaßner, Merseburg) (28).

Ab 1924 nahm die Brand-Versicherungsanstalt den Namen Lippische Landesbrandversicherungsanstalt an, für die das Gesetz vom 16. April 1924 betr. die Lippische Landesbrandversicherungsanstalt gilt (29).


gez. Sandow [vor 1975]

- - - - - -
Quellen:

1.) Landes-Verordnungen der Grafschaft Lippe, 2. Band (1781) S. 54 Nr. XXX.
2.) S. 55 §
3.) § 5.
4.) § 7.
5.) Verordnung wegen der Brand-Assecrations-Societät vom 17.6.1755, L.V. 2. Bd. (1781) S. 75 § 4.
6.) S. 57 § 17.
7.) L.V. 2. Bd. S. 664 Nr. 273.
8.) V.O. 1836 L.V. 8, S.172 § 2.
9.) V.O. wegen Taxation der Gebäude zur Brand-Assecrations-Societät vom 29.Oktober 1782, § 1, L.V. III, S. 49
10.) S. 51 § 11 über Versicherung der Gebäude gegen Feuersgefahr im Lippischen: Lippischer Kalender 1863, S. (5) datiert den 10-Jahresturnus fälschlich schon auf 1779.
11.) S. 52
12.) V.O. betr. die Eintragung neuer Gebäude in das Brand-Assecrations-Cataster 14.9.1789, L.V. 3, S. 557.
13.) V.O. wegen Verminderung der Taxe der Häuser im Brandcataster vom 27.7.1790, L.V. 4, S. 21.
14.) V.O. wegen Erneuerung des Brandassecurationscatasters vom 7.4.1793 L.V. 4, S. 81.
15.) V.O. betr. die Errichtung eines neuen Brandcatasters vom 8.11.1803, L.V. 5, S. 92 § 9.
16.) V.O. betr. die Errichtung eines neuen Brandcatasters L.V. 6, S. 272 § 5.
17.) L.V. 8, S. 172/3 § 5.
18.) S. 175 § 18.
19.) S. 177 § 21.
20.) S. 177 § 22.
21.) § 23.
22.) Verordnung betr. die allgemeine Revision des Brandcatasters vom14. Juli 1857, L.V. 11, S. 676 § 16.
23.) S. 679 § 20.
24.) L.V. 16, S. 183 Nr. 7.
25.) L.V. 17, S. 38 § 23.
26.) S. 38 § 24.
27.) S. 38f § 28.
28.) L.V. 23, S. 330 § 1.
29.) L.V. 28, S. 577ff. Ausführungsverordnung vom 22.9.1924, S. 724ff.

Der Bestand L 107 C vereint folgende Zugänge (mit Angabe des Bearbeiters):
- 11/1946 = Nr. 135 - 149 (Dr. Scholz)
- 7/1963 = Nr. 1 - 86 (Dr. Sandow)
- ?? = Nr. 87 - 91 ?
- 84/1981 = Nr. 92 - 134 (Schwinger)

Detmold, im März 2008
gez. Schwinger


Im Zuge der Digitalisierung der Findmittel wurde das maschinenschriftliche Findbuch in V.E.R.A. abgeschrieben.
Detmold, im März 2008
gez. Wolfgang Seemund



Bemerkung : Nr. 1-91: Zug. 7/1963, 92-134: Zug. 84/1981, 135-149: Zug. Zug. 11/1946

Anfang  Erweiterte Suche
Warenkorb  Drucken