Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1. Staatsarchiv Detmold
1.1. Land Lippe (bis 1947)
1.1.2. Verwaltung, Justiz
1.1.2.2. Allgemeine und innere Verwaltung
1.1.2.2.5. Ämter
Schaumburg-Lippische Regierung und Hofkammer - Paragialamt Alverdissen
L 95 III Paragialamt Alverdissen
Permalink des Findbuchs


Signatur : L 95 III

Name : Paragialamt Alverdissen

Beschreibung :
Zur Geschichte der Hoheits- und Besitzverhältnisse von Alverdissen

"Alverdissen ein abgeteilter Flecken und Amthauß in der Grafschaft Lippe; Es residiret daselbt ein Graf von der Lippe, aus der Bückeburgischen Linie, und befindet sich auch allda ein Fräulein-Stift, worinnen allemahl eine gebohrne Gräfin von der Lippe Aebtissin ist." (1)

Die Akten des Bestands L 95 III im Nordrhein-Westfälischen Staatsarchiv Detmold behandeln die Geschichte dieses Amtes Alverdissen, fast ausschließlich zu der Zeit, als es zum Besitz der Grafen zu Schaumburg-Lippe gehörte, während es die Grafen zur Lippe nach wie vor zu den Ländereien ihres Hoheitsgebietes rechnen konnten.

Anfang des 15. Jahrhundert war Alverdissen als Teil der Grafschaft Sternberg auf dem Weg der Verpfändung unter die Herrschaft der Grafen zur Lippe gekommen und in der Folge zumeist Lehensgut der Werpup gewesen (2). Wie Barntrup, Blomberg, Brake, Lipperode und Schieder gehörte Alverdissen zu den lippischen Domanialbesitzen, die im Testament des Grafen zur Lippe Simon VI. (geboren 1554, gestorben 1613) von 1597 als Paragialbesitze für seine Söhne Otto und Philipp vorgesehen waren. Nach Simons Tod erhielt daher Graf Philipp (geboren 1601, gestorben 1681) Alverdissen als Paragium. Wenn diese Regelung vor allem die Versorgung der Brüder des nun regierenden Grafen zur Lippe Simon VII. (geboren 1587, gestorben 1627) sichern sollte - Philipp besaß die Nutzungsrechte, keineswegs die Hoheitsrechte im Amt ! -, wirkte sie sich in der Folge doch im Sinn einer Zerteilung des lippischen Gebietes aus. Im Alverdissener Fall wurde diese Entwicklung durch eine weitere Erbschaft Philipps begünstigt, der 1647/1648 die Nachfolge des Grafen Otto V. (gestorben 1640) als Regent der Grafschaft Schaumburg-Lippe mit den Ämtern Bückeburg, Arensburg, Hagenburg und einem Teil des Amtes Stadthagen) zugesprochen erhielt. Damit geriet Alverdissen in den Herrschaftsbereich der Regierung in Bückeburg, wo man sich in der Folge immer wieder bemühte, auch die Hoheitsrechte über den Paragialbesitz zu erlangen - während die Grafen bzw. (ab 1789) Fürsten zur Lippe in Detmold ihrerseits auf die Wahrung dieser Rechte bedacht waren, lieber noch Alverdissen wieder zurückerlangen wollten.

Zunächst aber teilte sich das sogenannte ältere Haus Schaumburg-Lippe mit dem Tod des Grafen Philipp (1681), als sein Sohn Friedrich Christian (geb. 1655, gestorben 1728) die Regentschaft in Bückeburg (Linie Schaumburg-Lippe-Bückeburg) antrat und sein Sohn Philipp Ernst (I.; geboren 1659, gestorben 1723) Alverdissen als Paragialbesitz erhielt (Linie Schaumburg-Lippe-Alverdissen) (3). Ihm folgte 1723 Friedrich Ernst (geboren 1694, gestorben 1777), der Amt Alverdissen bereits 1749 an seinen Sohn Philipp Ernst (II.; geboren 1723, gestorben 1787) weitergab. Dieser übernahm 1777 auch die Regierung über die Grafschaft Schaumburg-Lippe, da die Linie Schaumburg-Lippe-Bückeburg mit dem Tod des Grafen Wilhelm (geboren 1724, gestorben 1777) ausgestorben war.

Hatte schon "Kanonen-Graf" Wilhelm mit dem Grafen Simon August zur Lippe (geboren 1727, gestorben 1782) Auseinandersetzungen über die Hoheitsrechte im Amt Blomberg gehabt, spitzte sich der Streit um die Paragialämter zwischen dem regierenden Haus in Detmold und dem sogenannten jüngeren Haus Schaumburg-Lippe immer mehr zu. Nach der Jahrhundertwende schließlich geriet die Auseinandersetzung immer mehr in den Sog der großen Politik. Während nämlich nach dem Tod des Grafen Philipp Ernst (II.) 1787 unter einer vormundschaftlichen Regierung der Gräfin Juliane (geb. 1761, von Philipp Ernst 1780 in zweiter Ehe geheiratet, gestorben 1799) und des Reichsgrafen Johann Ludwig v. Wallmoden-Gimborn der Streit von Bückeburg nicht weiter verfolgt wurde, bemühte sich der Sohn des Philipp Ernst (II.), Georg Wilhelm (geb. 1784, gestorben 1860), nach seiner Regierungsübernahme 1807 nochmals darum, mit Hilfe seiner Rheinbundpolitik auch das Amt Alverdissen zum Schaumburg-Lippischen Hoheitsgebiet zugehörig erscheinen zu lassen.
Er fand dabei aber in der Fürstin Pauline zur Lippe (geboren 1769, gestorben 1820) seine Meisterin, die es nach teilweise dramatischen, ja kriegerischen Ereignissen in den Jahren nach 1807 endlich dahin brachte, Amt Alverdissen 1812 für 52.000 Reichstaler kaufen zu können. Hoheit und Besitz von Amt Alverdissen waren nun endlich wieder bei den Fürsten zur Lippe vereinigt (4). Freilich endete damit auch seine Eigenständigkeit, denn es wurde noch 1812 mit den Ämtern Sternberg und Barntrup zu einem Amt Sternberg-Barntrup zusammengelegt. Aber der Sitz des neuen Amtes blieb (ab 1814) in Alverdissen.


2. Die Beamten in Alverdissen und ihre Aufgaben

Bei der Ausgestaltung der Behördenstruktur im Amt Alverdissen im 18. Jahrhundert vollzog sich im Kleinen ein Vorgang, der etwa ab 1728, nach Erlass eines neuen "Justiz-Reglements", in der ganzen Grafschaft Schaumburg-Lippe beobachtet werden kann: Der Aufstieg der Rentkammer neben der alten Justizkanzlei ("Regierung") und die Ausbildung dieser Rentkammer zur wichtigsten Verwaltungseinheit (5). Die vergleichbare Entwicklung in Alverdissen wirkte nach den Akten des Bestands L 95 III etwa ab 1750 immer stärker auf die Behördenstruktur im Amt ein; die Jahre 1762/1763, 1777 und 1794 spielten dabei eine besondere Rolle.

Amt Alverdissen war 1749 von Graf Friedrich Ernst an seinen Sohn Philipp Ernst (II.) weitergegeben worden. Dieser stand damals als aktiver Soldat in kurkölnischen Diensten - und kümmerte sich in der Folge um seinen Paragialbesitz ebenso energisch, wie er sein Truppenkommando in Münster ausübte (6). Der Graf entwarf zahlreiche Instruktionen für seine Behörden in Alverdissen, die alle auf den einen Ton abgestimmt waren: "Überhaupt werden alle Sachen müssen fleißiger und beßer [....] beachtet werden, und niemahls arbeiten auf folgende Zeiten verschoben, die man in gegenwärtigen thun sollen." (7)

Wenn Philipp Ernst (II.) in Alverdissen weilte, erschien er (meist wöchentlich zweimal) in der "Audienzstube", wo er mit seinen "Canzley-Verordneten Räthen" (bis 1761 Niemeyer und Rademacher, 1762/1763 Hecker und Niemeyer, bis 1772 Niemeyer und Springer, danach nur noch Habicht) die laufenden Geschäfte erledigte, wie sie sich nach Posteingang und anstehenden Berichten ergaben. Dabei fiel nach der Instruktion für die Räte von 1762 einem Rat (Niemeyer) der Vortrag "in Publicis, Civilibus, wozu die Prozesse gehören", dem anderen (Hecker) "in Cameralibus, Oeconomicis, und dahin einschlagende Vorkommen" zu (8). Über Beratungen und Entscheidungen wurden Protokoll geführt ("protocollum generale, gehalten in conferentia"), wobei als "Canzley-Secretaire" in Alverdissen meist der Amtmann fungierte (9). Damit war der Kontakt zwischen Regierungsebene und nachgeordneter Behörde hergestellt. In Abwesenheit des Grafen hatte die Konferenz wie in seiner Gegenwart zusammenzutreten; bei Entscheidungen sollte in Zweifelsfällen die Stimme des Landdrosten von Gerstein angerufen werden (10).

Der Amtmann (bis 1769 Stohlmann, bis 1772 Habicht, bis 1775 Funcke, danach Friedrich Wilhelm Sostmann) nahm als Repräsentant der Herrschaft auf der unteren Instanz sowohl Verwaltungs- wie Justiz-Aufgaben wahr. Dabei war ihm in Alverdissen zeitweilig ein Amts-Assessor behilflich (um 1790 Lungershausen). Als weitere untergeordnete Bediente standen Amtsschreiber und Amtsverwalter, Amtspedell sowie Amtsknecht zur Verfügung.

Nach der Instruktion für den Amtmann von 1769 sollte dieser vornehmlich "die Justiz nach den von uns, und unsern gottseeligen Vorfahren ausdrücklich genehmigten Gesetzen und Gewohnheiten der Grafschaft Lippe und des Amtes, wovon die von Lippe Detmold einseitig emanierte Verordnungen ausgenommen sind [!], [...] in allem Betrachte unparteyisch, soweit die Jurisdiktion der Amtsstube gehet, folglich diejenigen Personen, die unmittelbar unter unserer Canzley stehen, ausgeschlossen, administrieren." (11)

Neben dieser Ausübung der Niederen und Freiwilligen Gerichtsbarkeit gehörten Aufgaben der allgemeinen Landesverwaltung bzw. der Domanialverwaltung zu den Obliegenheiten eines Amtmanns in Alverdissen. Besonders nennt die Instruktion die Führung des "Hypothequen-Buchs" (d. h., des Grundbuchs) und des "Saal- und Lager-Buchs" (über die herrschaftlichen Gerechtsame und Einkünfte), den jährlichen Schnaat-Gang, die Aufsicht über die "Policey" (im umfassenden Sinn des 18. Jahrhunderts) sowie die Erhaltung der Straßen und Wege im Amt und Flecken Alverdissen. Natürlich hatte der Amtmann auch die Kassenführung der Amtsschreiberei gegenzuzeichnen, die über alle Einkünfte aus Gerichtssporteln, Verpachtungen oder Gefällen abrechnete.

Eigene Rechnungen wurden für die Meiereien und die Forsten geführt. Die Aufsicht über alle diese Rechnungen der "Unter-Rendanten" lag nach der Instruktion für die Räte von 1762 beim Kanzleirat Hecker, der ja auch in der Konferenz "in Cameralibus [und] Oeconomicis" referierte (12). Eine weitere Instruktion für die Räte, nach Heckers Tod vom Grafen Ende Dezember 1763 verfasst, traf auf diesem Gebiet eine wichtige Neuregelung:

Die Geschäfte der Domanialverwaltung wurden nun dem Amtsverwalter Jakob Heinrich Croll (der wahrscheinlich zwischen 1748 und 1749 als Meierei-Verwalter angestellt worden war) übertragen, der darüberhinaus das Rechnungswesen des Amtes führen bzw. zu beaufsichtigen hatte (13). Die gleichzeitige Instruktion für den Amtsverwalter wies ihn daher an, als Rendant "alles fleißig [...] einzutreiben, und [muss] der Schaden und Abgang auf das möglichste verhütet werden." (14)

Weiter führte der Amtsverwalter die Oberaufsicht über die Meiereien Alverdissen und Dorotheental, freilich nicht im Sinn einer Weisungsbefugnis für die Meiereiverwalter, sondern imdem er "diesem bescheidentlich zu sagen [hatte], worin es fehle, und was zu tun sey" (14). Nach Möglichkeit wurden die Meiereien "cum pertinentiis" (d. h., mit Zubehör, Hand- und Spanndiensten, Schäfereien und dazugehörigen Zehnten) für eine "Brakelzeit" (auf die Dauer von sechs Jahre) verpachtet, indem die Pacht nach vorheriger öffentlicher Bekanntmachung (u. a. durch Zeitungsinserate) versteigert wurde (worüber der Amtmann ein "Licitations-Protokoll" führte) (15). Auf die gleiche Weise wurden z. B. auch die Mühlen und der Krug der Herrschaft verpachtet (wobei Afterverpachtung möglich war) (16). Schließlich hatte sich Croll auch um die Schlossbewirtschaftung, die Geschäfte des Kornbodens und der weiteren Einkünfte (insbesondere um die Führung von Hebungsregistern und Abrechnungen) sowie um die Forstsachen zu kümmern.

Wenn der Amtsverwalter in allen diesen Bereichen der Domanialverwaltung zwar immer den Räten bzw. dem Amtmann nachgeordnet blieb, ließen seine Kompetenzen die Rolle der Kanzlei für die Besorgung dieser Geschäfte immer unwichtiger werden. Diese Entwicklung mündete 1777, als Philip Ernst (II.) die Regierung in Bückeburg antrat, folgerichtig in die Ausbildung der dortigen Rentkammer zur wichtigsten Verwaltungsbehörde der Grafschaft Schaumburg-Lippe. In "Bückeburg in camera" fungierten nach dem Civil-Etat vier Beamte als "Verordnete Direktoren und Räthe" (um 1790 Direktor Spring, Räte von Danckwerth, von Landesberg, Reiche), weiter ein Forstmeister (Kaas), ein Kammer-Rentmeister (von Staackmann) und der Kammersekretär (Wippermann) (17). Aus Alverdissen berichteten nun Amtmann bzw. Amtsverwalter in Sachen der Landes- bzw. Domanial-Verwaltung an die Rentkammer in Bückeburg, die entweder selbst oder auf Geheiß des Grafen ihre Entscheidungen traf und dann Resolutionen oder Rescripte "an die Beamten in Alverdissen" richtete.

Crolls Abrechnungen (zunächst halbjährlich geführt) wurden ab 1778 in der Regel für ein ganzes Jahr bei der Rentkammer eingereicht, dort "abgehört" und insbesondere auf Beanstandungen überprüft (18). Zu diesen protokollierten Monita hatte der Amtsverwalter dann wieder Stellung zu nehmen, bis ihm die Quittung über die Abrechnung erteilt werden konnte. Der Schriftverkehr zwischen Rentkammer und Amtsverwalter vollzog sich keineswegs immer reibungslos, so dass man in Bückeburg 1780 bzw. 1782 sogar erwog, eine körperliche Züchtigung Crolls zur Bestrafung seines insubordinanten Tons beim Grafen in Vorschlag zu bringen!

Solche Schwierigkeiten hoffte die Rentkammer vielleicht zu beheben, wenn sie 1794 nach Crolls Tod den Hauptmann Lange als Nachfolger bestimmte. Auch S. Fuchs, der 1800 an Langes Stelle trat, war Offizier und hatte zuvor als Leutnant beim Hochgräflich Schaumburg-Lippischen Artillerie- und Ingenieur-Corps gedient (19). Im Gegensatz zum Amtsverwalter Croll titulierten Lange und Fuchs nach ihrer Ernennung als Amts-Rentmeister - womit die Etablierung dieses Postens in der Behördenstruktur des Amtes Alverdissen auch äußerlich ihren Abschluss gefunden hatte.


3. Zur Analyse der nun im Bestand L 95 III verzeichneten Akten; ihre Zuordnung zu weiteren Beständen im NW Staatsarchiv Detmold

Aus den besonderen Hoheits- und Besitz-Verhältnissen ebenso wie aus den Aufgaben der Beamten in Alverdissen ergibt sich der Charakter der nun im Bestand L 95 III verzeichneten Akten. Da sie zum überwiegenden Teil aus der Zeit stammen, als Amt Alverdissen Paragialbesitz der Grafen zu Schaumburg-Lippe war, betreffen sie fast ausschließlich die (Domanial-) Verwaltung des Amtes - d. h., den Aufgabenbereich, den (ab 1777) die Rentkammer in Bückeburg beaufsichtigte.

Dort war 1731 eine Kammerregistratur eingerichtet worden, die 1777 abgeschlossen bzw. als sogenanntes älteres Kammerarchiv verzeichnet und alphabetisch nach Aktentiteln geordnet wurden (20). Gleichzeitig legte man eine jüngere Kammerregistratur an, die sich ebenfalls nach alphabetischen Stichworten untergliederte (wobei manche Abteilungen zahlreiche und teilweise weitreichende Vorakten aufnahmen). Neben den Kammerakten hatten sich noch Nebenregistraturen herausgebildet, u. a. eine Rechnungsregistratur (ab 1731), eine Forstregistratur (ab 1733), sowie eine Kartenabteilung (ab 1750). Hier wurden alle Akten der Rentkammer abgelegt, die im Schriftverkehr mit den Ämtern schaumburg-lippischer Hoheit, auch mit Amt Alverdissen, entstanden. Als nun 1812 das Amt wieder an die Fürsten zur Lippe zurückgegeben wurde, waren aus der Kammerregistratur (wahrscheinlich nur aus der jüngeren) und ihren Nebenregistraturen von den z. B. unter dem Stichwort Meiereien abgelegten Akten, die das Amt Alverdissen und seine Meiereien betreffenden Bände und Karten herauszuziehen und nach Detmold abzugeben. Die Abgabe erfolgte in zwei Schüben, 1812 und 1813 (21); in Detmold wurden sie schließlich als Bestand L 95 III zusammengefasst, die Karten in die Kartenabteilung D 73 aufgenommen (22).

Aus der Zeit vor 1777 stammte die sogenannte "Alverdisser Registratur" (vornehmlich Haus- und "Regierungs"-Angelegenheiten der Linie Schaumburg-Lippe-Alverdissen betreffend), die wieder 1777 von Alverdissen nach Bückeburg und von dort wahrscheinlich 1933 nach Detmold abgegeben wurde. Hier bildete sie schließlich den Bestand L 95 II. Bei der Verzeichnung der Bestände L 95 II und L 95 III durch Referendare des 17. Archivkurs im Wintersemester 1978/1979 wurden einige Akten aus L 95 II zu L 95 III übernommen (23).

Der bis 1812 bestehende Dualismus zwischen Detmolder Hoheitsrechten und Bückeburger Besitzansprüchen erklärt, dass auch im ehemaligen Lippischen Familien- und Haus-Archiv eine aktenmäßige Überlieferung zu Amt Alverdissen entstehen konnte. Die nun im Bestand L 7 als "Alverdisser Ortsakten" registrierten Bände geben über die Geschäftsführung im "Gerichtshauß", über "Landesherrliche Hoheitsgerechtsame", "Handlungen mit dem Amt Sternberg" sowie "Cameralia et Oeconomica" aus der Zeit vor den, aber auch parallel zu den Bückeburger Akten Auskunft.

Während die Akten von L 95 III und L 7 auf der oberen Instanzen-Ebene geführt wurden, dürfte der Aktenband L 108 Amt Alverdissen auf der unteren Instanzen-Ebene (eben dem Amt) entstanden sein. Hier finden sich aus der Zeit von 1652 bis 1812 Urkunden, Urkundenkopien und Akten, die zur Ausübung der Freiwilligen Gerichtsbarkeit in der Amtsstube gehören (24).

Abschließend ist darauf hinzuweisen, dass die Überlieferung der Akten von L 95 III, also der Bückeburger Rentkammer, die 1812 abbrechen muss, vornehmlich durch die Bestände der Detmolder Rentkammer, L 92 A ff., fortgeführt wird (25).


Detmold, im Frühjahr 1979
gez. Kloosterhuis


Anmerkungen

(1)
Artikel Alverdissen, in: Zedler, Großes Vollständiges Universal-Lexikon, 1. Band; Halle, Leipzig: 1733, Spalte 1613.
Der Hinweis auf das Fräulein-Stift beruht freilich auf einem Irrtum, da das ehemalige Augustinerinnenkloster Ullenhausen von den Nonnen bereits Anfang des 16. Jahrhunderts aufgegeben worden war. Danach ist von einem Fräulein-Stift im Amt Alverdissen nichts bekannt; vgl. dazu H. Stöwer, Bearbeiter, Lippische Landesbeschreibung von 1786 [von Clostermeyer]; Detmold: 1973, S. 108 ff., 127.

(2)
Vgl. hier und im folgenden E. Kittel, Heimatchronik des Kreises Lippe: Köln: 1978, S. 77, 129 ff., 201 ff.; dazu Fr. Wiehmann, Alverdissen im Wandel der Zeiten; Eine historische Betrachtung über die politische, kirchliche und örtliche Geschichte des Fleckens; in: Vaterländische Blätter, NF 3, 1935, Nr. 3, vom 15.02., bis Nr. 5, vom 15.03.1935; dazu O. Pölert, Alverdissen; Einst bäuerliche Festung und Herrensitz; in: Lippischer Kalender, 263. Jahrgang, 1951, S. 59 - 63.

(3)
Vgl. hier und im folgenden H. bei der Wieden, Schaumburg-Lippische Genealogie, Stammtafel der Grafen - später Fürsten - zu Schaumburg-Lippe bis zum Thronverzicht 1918; Bückeburg: 1969, S. 24 ff.; für die Angaben zu den Lippischen Landesherren E. Kittel, a. a. O., S. 375 ff.

(4)
Die Einzelheiten der Auseinandersetzung zwischen 1806 und 1812 bei H. Kiewning, Fürstin Pauline zur Lippe, 1769-1820; Detmold: 1930, S. 261 ff., 276, 345 ff., 360.

(5)
Vgl. hier und im folgenden Fr. Wahl, Verfassung und Verwaltung Schaumburg-Lippes unter dem Grafen Wilhelm; Von den Anfängen volkhaften Staatsdenkens im Zeitalter des Absolutismus; Stadthagen: 1938, S. 34 ff.; dazu (teilweise zur Berichtigung) Fr. Engel, Behördengeschichte Schaumburg-Lippes; in: K. Brüning, u. a., Hrsg., Der Landkreis Schaumburg-Lippe; Bremen-Horn: 1955, S. 13-18 (= Die Deutschen Landkreise, Reihe D: Die Landkreise Niedersachsens, Band 12).

(6)
Ernst Philipp (II.) avancierte 1756 zum Chef über das vormals v. Schorlemmersche, nun Schaumburg-Lippische Regiment Infanterie, gleichzeitig zum Generaladjudanten für alle münsterschen Truppen; dazu 1764 zum Kapitän der Fürstlichen Münster'schen Leibgarde zu Pferd und Generalmajor über alle Münster'schen Truppen. Um 1770 tituliert er daher: "Wir Philipp Ernst, Graf zu Schaumburg, auch Graf und Edler Herr, auch Regierender Erblandes Herr, zur Lippe und Sternberg, Seiner Churfürstlichen Gnaden von Cöln Würcklicher Geheimer und Kriegs-Rath, Chef der Adelichen Garde du Corps, Generalmajor, und Obrist eines Regiments zu Fuß."

(7)
Ferneres Pro Memoria zu Vorstehendem [Pro Memoria, Instructionis loco für meine daheim gelaßenen Räthe, vom 06.09.1762], wornach meine hinterlaßenen Räthe [...] sich zu achten, bey abermahliger Abreyse verfaßt; vom 06.12.1763; NW Staatsarchiv Detmold, L 95 III, 143.

(8)
Pro Memoria, Instructionis loco für meine daheim gelaßenen Räthe; vom 06.09.1762; NW Staatsarchiv Detmold, L 95 III, 143.

(9) Vgl. Expeditions-Vermerke zur Instruction für einen Gräflich Schaumburg-Lippischen Canzley-Secretaire zu Alverdissen; vom 17.02.1769; NW Staatsarchiv Detmold, L 95 III, 143.

(10)
Pro Memoria, Instructionis loco für meine daheim gelaßenen Räthe; vom 06.09.1762; NW Staatsarchiv Detmold, L 95 III, 143.

(11)
Instruktion für einen Gräflich Schaumburg-Lippischen Beamten zu Alverdissen, vom 17.02.1769; NW Staatsarchiv Detmold, L 95 III, 143.
Vgl. Fr. Wahl, a. a. O. Anmerkung 5, S. 44 ff.

(12)
Pro Memoria, Instructionis loco für meine daheim gelaßenen Räthe; vom 06.09.1762; NW Staatsarchiv Detmold, L 95 III, 143.

(13)
Ferneres Pro Memoria zu Vorstehendem [Pro Memoria, Instructionis loco für meine daheim gelaßenen Räthe, vom 06.09.1762], wornach meine hinterlaßenen Räthe [...] sich zu achten, bey abermahliger Abreyse verfaßt; vom 06.12.1763; NW Staatsarchiv Detmold, L 95 III, 143.

(14)
Pro Memoria für den Amtsverwalter Croll, sowohl überhaupt in den Rechnungsgeschäften, sowohl Einnahme als Ausgabe, sich danach zu richten, als auch in anderen Angelegenheiten [...], vom 06.12.1763; NW Staatsarchiv Detmold L 95 III, 143.

(15)
Auf die doppelte Brakelzeit wurde 1789 die Meierei Alverdissen zusammen mit der Meierei Dorotheental verpachtet. Waren vorher die Ländereien der Meierei Dorotheental einzeln verpachtet worden, wurde nach 1801 die Meierei Alverdissen "in Vereinzelung" verpachtet. Von seiten der Rentkammer mussten nun besondere Anweisungen für die Domanialverwaltung gegeben werden, was in einer "Instruction für den Verwalter Meier, als Aufseher der vereinzelten Meierei Alverdissen", vom 15.07.1801 geschah; NW Staatsarchiv Detmold, L 95 III, 95.

(16)
Es kam gerade bei der Krugverpachtung immer wieder vor, dass die Brakelzeiten von seiten der Pächter nicht eingehalten und die Pachtkontrakte vorzeitig gelöst wurden. Der Krug wurde deshalb 1811 in Erbpacht gegeben.

(17)
Der Civil-Etat zitiert nach Fr. Engel, a. a. O. Anmerkung (5) - Für die personelle Besetzung der Behörde wären die (seit etwa 1770 regelmäßig erscheinenden) Schaumburg-Lippischen Staatskalender heranzuziehen.

(18)
Die Rechnungen wurden in der Regel für ein Rechnungsjahr vom 1. Januar bis zum 31. Dezember geführt bzw. zu Ostern des folgenden Jahres bei der Kammer abgegeben. Besonders bei Wechseln zwischen Rechnungsführern konnte es vorkommen, dass innerhalb eines Rechnungsjahres zunächst eine Stumpf-, dann dazu eine Restrechnung abgegeben wurde. Im Zeitraum zwischen 1795 und 1800 waren Rechnungs- und Kalenderjahr nicht identisch.

(19)
Ob Hauptmann Lange bzw. Leutnant (ab 1806 Hauptmann) Fuchs gleichzeitig ein militärisches Kommando in Alverdissen ausübten, ließ sich aus den Akten L 95 III nicht sicher ermitteln. In Alverdissen standen wahrscheinlich ein Korporal und etwa zehn Mann in Garnison, von denen es in der Instruktion für die Räte von 1762 (vgl. Anmerkung (8)) heißt, dass sie vornehmlich zur Schlossbewachung (und nur in Notfällen "zu Salveguarden wegen Marodeurs, oder dergleichen Leute, wenn solche mit Bürgerausschuß nicht mehr zu zwingen ist") eingesetzt werden solle: "Denn die Militz heißet: ultima ratio Regum mithin ist da mit nicht zu scherzen."

(20)
Vgl. hier und im folgenden Fr. Engel, Die Schaumburg-Lippischen Archive und zentralen Registraturen, Ihre Geschichte und ihr Inhalt;
Göttingen: 1955, S. 14 ff., 17 ff., 24 ff, 82 ff.

(21)
Über die erste Abgabe von Akten und Karten gab das Verzeichnis L 95 III, 146 Rechenschaft; über die gesamte Aktenabgabe das dem Findbuch L 95 I angeheftete Repertorium über die 1812 und 1813 von Bückeburg übersandten Alverdisser Akten.

(22)
Die Karten waren fast ausschließlich von Fuchs gezeichnet worden, der als Offizier einer technischen Truppe auch beeidigter Landvermesser war (vgl. Anmerkung (19)). - Zur erneuten Verklammerung der Karten mit Akten von L 95 III vgl. die Vorbemerkung zu den Karten-Verweisen in diesem Findbuch.

(23)
Vg. die Konkordanz der alten und neuen Signaturen der Akten, die aus L 95 II in L 95 III übernommen wurden, in diesem Findbuch.

(24)
Der Aktenband ist darüberhinaus durch ein maschinenschriftliches Personenregister erschlossen, das ergänzend zur Siegel-Liste bzw. dem Personenregister dieses Findbuchs heranzuziehen ist.

(25)
Eine Ausnahme bilden hier die Akten L 95 III, 133 bis 135, die Abrechnungen der Amtsschreiberei aus der Zeit nach 1812 enthalten.