Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1. Staatsarchiv Detmold
1.3. Organisationen, Güter, Familien, Personen
1.3.1. Politische Organisationen
NSDAP und NS-Organisationen in Lippe
Zeitgeschichtliches Archiv für das Land Lippe und Parteiarchiv NSDAP Westfalen-Nord, Abt. Lippe
L 113 Schriftgut von NSDAP und NS-Organisationen in Lippe
Permalink des Findbuchs


Signatur : L 113

Name : Schriftgut von NSDAP und NS-Organisationen in Lippe

Beschreibung :
Einleitung


Zur Bestandsgeschichte

Lippe, das mit ca. 186 000 Einwohnern nach Schaumburg-Lippe kleinste Land des deutschen Reiches, war für die Entwicklung der NSDAP kein wichtiges Gebiet. Die Schwerpunkte der Gaue, denen Lippe als eigener Parteibezirk angehörte (Großgau Ruhr, Gau Westfalen, Gau Westfalen-Nord) lagen im Ruhrgebiet und in Münster, hier, und nicht im Lande selbst, traten auch lippische NSDAP- und SA-Mitglieder erstmals öffentlich in Erscheinung.

Regiert wurde das Land seit 1919 von wechselnden Koalitionen. Stärkste Fraktion im Landtag war jedoch regelmäßig die Sozialdemokratie, die in Heinrich Drake (als Mitglied des Landespräsidiums und seit 1932 als Präsident der Landesregierung) die dominierende politische Persönlichkeit besaß. Die von den Nationalsozialisten als „System Drake denunzierte demokratische Verfassungswirklichkeit war allgemein anerkannt und ließ der extremen Rechten kaum Spielraum.

Dennoch waren die Bedingungen für die Entwicklung der NSDAP in Lippe nicht ungünstig. Ein Geflecht völkischer Gruppen im schwer durchschaubaren Wechsel von Konkurrenz und Zusammenarbeit hatte v.a. ideologisch den Boden bereitet. Sie vereinnahmten u.a. die nationalistische Deutung der Grotenburg bei Detmold als Ort der „Hermannsschlacht und der Externsteine als vermeintlich altsächsischer „Kultstätte für ihren völkischen Rassismus und verbanden ihn zugleich mit einem aggressiven Antisemitismus, wie er in Lippe u.a. durch den Demagogen Heinrich Dolle in Wort und Schrift verbreitet wurde.

Es gelang der NSDAP jedoch trotz früher Gründung einzelner Ortsgruppen und punktueller Erfolge bis hin zum Sieg bei den Kommunalwahlen vom 10.1.1932 nicht, dieses diffuse Umfeld in eine schlagkräftige politische Organisation einzubinden. Die ersten Bezirksleiter Wilhelm Schröder (als regionaler Führer der Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung, eines Wahlbündnisses zwischen Deutschvölkischer Freiheitspartei und NSDAP) und Carl Herdejost scheiterten ebenso wie der eigens nach Lippe geholte, durch Fememord berüchtigte Bruno Fricke oder der lange Zeit vom Gauleiter Dr. Meyer unterstützte Nervenarzt Dr. Manfred Fuhrmann. Die geringe Mitgliederzahl (sie lag noch am Ende des Jahres 1932 unter 2000), eine unzureichende finanzielle Basis sowie ständige persönliche Querelen unter den lokalen Parteigrößen verhinderten jede Effizienz (1).

Die Situation änderte sich entscheidend, als die Reichsleitung der NSDAP nach den ihre Existenz bedrohenden Wahlniederlagen in der 2. Hälfte des Jahres 1932 beschloß, die für Januar 1933 anstehenden Landtagswahlen in Lippe als Prüfstein für die weiteren Erfolgsaussichten der Partei auszuwählen und dem kleinen Land einen Wahlkampf mit bis dahin nicht gesehenem propagandistischen Einsatz zumutete.

Der Wahlsieg der NSDAP am 15.1.1933 war anschließend nicht nur ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu Hitlers Reichskanzlerschaft, sondern hatte auch für die Partei in Lippe erhebliche organisatorische und personelle Konsequenzen. Als Regierungspartei gewann sie rasch an Mitgliedern und konnte den Parteiapparat mit seinen Gliederungen, angeschlossenen Verbänden und betreuten Organisationen auf einen neuen, dem Interesse an Sicherung und Ausbau der errungenen Machtposition entsprechenden Stand bringen. (2)

Die Zerschlagung jeglicher Organisation, in der sich Widerstand hätte formieren können, und die erzwungene Anpassung aller gesellschaftlichen Gruppen, in denen sich ein Rest Eigenständigkeit hätte erhalten können, in der sog. „Gleichschaltung fand ihre Ergänzung in einer engen personellen Verzahnung von staatlichen und Parteifunktionen. Sie fand sich für Lippe auf drei Ebenen: dem Gauleiter und (seit dem 16.5.1933) gleichzeitigen Reichsstatthalter in Lippe und Schaumburg-Lippe (3), Dr. Alfred Meyer, war in Partei und Verwaltung der Gauinspekteur Hans-Joachim Riecke als gleichzeitiger Präsident der Landesregierung (seit dem 2.6.1933 als Staatsminister) untergeordnet. Nach dem Weggang Rieckes aus Lippe ließ sich Meyer mit Wirkung vom 1.2.1936 selbst als „Führer der Landesregierung in Lippe einsetzen. Vertreter Rieckes sowie später Meyers war von 1933-1945 der Kreisleiter und zeitweilige Fraktionsvorsitzende der NSDAP im Lippischen Landtag, Adolf Wedderwille.

Dadurch und verstärkt durch die Zusammenlegung der Parteikreise Detmold und Lemgo zum neuen Kreis Lippe zum 1.4.1938 wurde Wedderwille zur führenden Gestalt, die unangefochten Partei und Land regierte. Erst unter den besonderen Schwierigkeiten der Kriegszeit nahmen Reibereien zwischen Partei und anderen, v.a. für Arbeitseinsatz und Rüstungsproduktion zuständigen Stellen der Arbeitsverwaltung und Wehrmacht zu. Aber auch trotz des Aufkommens kritischer Stimmen seit 1943, die die Partei und namentlich Wedderwille für die spürbaren Folgen des Krieges verantwortlich machten, und trotz einiger weniger interner Auflösungserscheinungen war die Herrschaft der NSDAP in Lippe bis in den Untergang im April 1945 hinein niemals ernsthaft in Frage gestellt.

Im Bestand „L 113 mit dem ursprünglichen Arbeitstitel „Kreisleitungen der NSDAP in Lippe besitzt das Staatsarchiv Detmold eine umfassende Überlieferung von Schriftgut der NSDAP und von NS-Organisationen auf der ansonsten schlecht dokumentierten Ebene der Kreisleitungen, d.h. der Mittelinstanz zwischen Gau- und Ortsgruppenleitungen (4). Für Lippe trifft deshalb die Aussage nicht zu, die Überlieferung von NSDAP, Gliederungen und angeschlossenen Verbänden sei „in Nordrhein-Westfalen weitgehend vernichtet (5). Im Gegenteil macht die dichte Überlieferung für den Zeitraum von 1933 bis 1945 angesichts der Übersichtlichkeit der Region Lippe zu einem Gebiet, an dem über landesgeschichtliche Fragestellungen hinaus das Funktionieren nationalsozialistischer Herrschaft paradigmatisch erforscht werden kann (6).

Den Schwerpunkt der Überlieferung bildet dabei das Schriftgut der NSDAP-Kreisleitungen Detmold, Lemgo und Lippe, zu dem allerdings noch einige Teile unterschiedlicher Provenienz hinzukommen, die die Erweiterung des Bestandstitels zu „L 113 - Schriftgut von NSDAP und NS-Organisationen in Lippe notwendig machen.

Die Zuständigkeiten für die Übernahme von NS-Schrifttum durch die
Lippische Landesbibliothek und des NS-Archivgutes durch das Landesarchiv regelten Verordnungen des Landespräsidenten Drake vom 13. und 14.5.1946 (7). Dennoch ist die Überlieferungsgeschichte dieses Schriftgutes nicht zu rekonstruieren. In einem 1958 gefertigten Aktenvermerk zu einer Anfrage der Landesregierung nach Schriftgut der NSDAP in den Archiven wird die Vermutung geäußert, der seinerzeitige Leiter von Landesarchiv und Landesbibliothek, Dr. Wiegand, habe während des Krieges die Auslagerung in die Meiereischeune in Schwalenberg veranlaßt. Hier seien die Akten durch Fremdeinwirkung (es folgt der Topos von den „plündernden Fremdarbeitern) in Unordnung gebracht worden. Auch wird eine vom Kreisleiter befohlene Verbrennungsaktion erwähnt, an der namentlich der Parteirichter Rabe beteiligt gewesen sein soll (8).

Tatsächlich reicht die Aktenführung der Kreisleitung bis in den März 1945, so daß eine Auslagerung in buchstäblich letzter Minute erfolgt sein müßte. Allerdings sind für die Akten der Kreisleitung - anders als für nach Schloß Wöbbel und ebenfalls nach Schwalenberg ausgelagerte Akten aus Münster, darunter die des Gauarchivs (9) - weder Auslagerung noch Plünderung oder Verbrennung ausreichend belegt, so daß zwar eine gewisse Störung des Bestands konstatiert werden kann, die Ursachen jedoch offen bleiben. Störung bedeutet hier auf der einen Seite die starke Unordnung im überkommenen Schriftgut, zum andern das Fehlen ganzer Teile. Letzteres betrifft u.a. ganze Jahrgänge von Rundschreiben, das Fehlen des Schriftwechsels der Kreisleitung mit der Gauleitung seit 1941, das Fehlen des Jahrgangs 1941 im Schriftwechsel zwischen Kreisleitung und Ortsgruppen, aber auch fast die gesamten Unterlagen der Parteigerichtsbarkeit.

Ein ursprünglich nicht zum Bestand „L 113 gehörendes Schriftgut stellt die Sammlung von Materialien aus der Frühzeit von völkischer Bewegung und NSDAP in Lippe dar, die seit 1933 von Dr. Wiegand angelegt worden war. Der sachliche Zusammenhang ließ es jedoch sinnvoll erscheinen, die bisher unter den Arbeitstiteln „D 72 Nachlaß Wiegand bzw. „L 117 Parteiarchiv NSDAP Westfalen Nord, Abteilung Lippe firmierende Sammlung geschlossen dem Bestand „L 113 zu integrieren (Bestandsteil 9).

Weder für die Kreisleitungen noch für die anderen Aktenbildner läßt sich ein Ablageprinzip erkennen, das die archivarische Ordnung zwingend vorgibt. Allerdings finden sich rudimentäre Ordnungskriterien, so die jahrgangsweise Sammlung von Rundschreiben oder von Periodica, die Aktenführung bei Personal- oder Kassenunterlagen in Kreispersonalamt oder Kreiskassenleitung sowie die jahrgangsmäßige Ordnung des Schriftwechsels mit Gauleitung und Ortsgruppen sowie des allgemeinen Schriftwechsels.

In diesem Zusammenhang läßt sich eine größere „Professionalität der Aktenführung der Kreisleitungen Detmold und Lippe erkennen - vermutlich bedingt durch die wachsende Erfahrung des in die Amtsgeschäfte der Landesregierung eingebundenen Kreisleiters Wedderwille. Die jetzt vorliegende Gliederung des Bestandes ist allerdings neu erstellt, orientiert sich aber an den erkennbaren originären Ordnungsgrundsätzen.

Zuordnungsprobleme gab es dabei nur im Bereich der Ämter der Kreisstäbe. Hier waren unter dem Oberbegriff der „Kreisleitung die wirklich aktenführenden Stellen nicht immer eindeutig zu bestimmen, zumal verschiedene Amtsleiter auch in Vertretung des Kreisleiters handelten. Ein besonderes Problem ergab sich zudem durch das Strukturprinzip der NSDAP, den „angeschlossenen Verbänden parteiinterne Ämter zuzuordnen und die Leiterstellen in Verband und Amt auf Reichs-, Gau-, Kreis- und Ortsgruppenebene in Personalunion zu besetzen. Vor allem für das Kreisamt für Volkswohlfahrt und NSV läßt sich die Zuordnung der Korrespondenzen zur Untergliederung „Kreisämter oder „Angeschlossene Verbände nicht immer einheitlich durchführen. Gerade hier wird aber in der Zuordnungsproblematik der in Wirklichkeit bestehende Widerspruch zwischen dem anwachsenden Eigengewicht der NSV als „angeschlossenem Verband und dem Beharren des (Partei-) Amtes für Volkswohlfahrt auf Federführung bei der v.a. im Krieg populären Wohlfahrtseinrichtung deutlich. Ähnliches gilt etwa für das Verhältnis zwischen dem Amt für Volksgesundheit und dem NS-Deutschen Ärztebund.

Ein weiteres Problem bestand in der uneinheitlichen Anwendung der Registraturprinzipien. So wurde etwa der auf organisatorische Interna bezogene Schriftwechsel zwischen Kreisleitung und Ortsgruppen gesondert abgelegt, während andere Themen berührende Schreiben dieser Korrespondenzpartner sich eher in den Akten der Kreisämter und im allgemeinen Schriftwechsel finden.

An einigen Stellen gehen Akten über den vom Bestandstitel gezogenen sachlichen oder geographischen Rahmen hinaus, bleiben jedoch wegen der erkennbaren Zusammenhänge integriert. Neben Schreiben und Unterlagen im Schriftgut der Kreisleitung Lemgo, die ausschließlich die Funktion des Kreisleiters Prüßner als Hauptschriftleiter des NS-Organs „Lippische Staatszeitung betreffen, handelt es sich im einzelnen (unter dem Gliederungspunkt 6) um Privatbriefe des früheren Bezirksleiters Dr. Fuhrmann, sodann (unter den Gliederungspunkten 8.2-8.4) um Vereine, die von dem Regierungsdirektor und gleichzeitigen Leiter des Kreisrechtsamtes sowie Kreisgruppenführers des NS-Rechtswahrerbundes, Dr. Oppermann, geleitet wurden. Zur schon genannten Sammlung Dr. Wiegands gehören darüber hinaus (unter dem Gliederungspunkt 9.16) die Beobachtung parteipolitischer Aktivitäten in den Jahren 1930-1933 betreffende Akten der Stadtverwaltung Stadthagen in Schaumburg-Lippe.

Zuletzt handelt es sich (unter dem Gliederungspunkt 10) um einzelne kleinere Bestände. Zu ihnen gehören die Akten der lokalen Organisation des „Deutschbundes, deren führende Mitglieder in Detmold eng mit der NSDAP verbunden waren, sowie Unterlagen des Elektrizitätswerks Wesertal GmbH und der Extertalbahn AG, d.h. von Betrieben, deren Aufsichtsrat der Kreisleiter Wedderwille als Vertreter des Landes Lippe angehörte. Es sind, unabhängig von Wedderwilles häufiger Verwendung von Briefköpfen der Landesregierung („Der Reichsstatthalter in Lippe und Schaumburg-Lippe (Landesregierung Lippe), in Vertretung Wedderwille) für Angelegenheiten der Kreisleitung, von einem kleinen Teil des Schriftgutes der HJ abgesehen, die einzigen Fälle, in denen die strikte Trennung der Aktenführung nicht beibehalten wurde und sich bei der Kreisleitung Akten finden, die sachlich der Regierung zuzuordnen wären.

Umgekehrt finden sich in der Aktenführung des „Büros des Staatsministers (Bestand „L 80 L) einige wenige Akten, die eindeutig der Kreisleitung zuzuordnen wären (10).

Bei Schriftwechsel und Unterlagen der Außenstelle West (Detmold) des Reichsbauernführers (Gliederungspunkt 10.1) handelt es sich um das einzige Schriftgut, bei dem eine direkte Verbindung zur NSDAP in Lippe nicht zu erkennen ist. Da es sich jedoch um eine typische Einrichtung der „totalen Kriegsführung handelte, die vermutlich in enger Verbindung zu den lokalen Hoheitsträgern der Partei stand, läßt sich die Belassung des Schriftgutes dieser lokalen Dienststelle einer von der NSDAP „betreuten Organisation im Bestand „L 113 dennoch rechtfertigen.

Die Verzeichnung des Bestandes „L 113 war Aufgabe einer mit Mitteln der Bundesanstalt für Arbeit geförderten Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Ausgenommen sind die Gliederungspunkte 1 („Gauinspekteur) und 8.1 („NS-Rechtswahrerbund), die von Herrn Dr. Helmert-Corvey bzw. von Herrn Dr. Scholz verzeichnet und mit Vorbemerkungen versehen wurden. Für die Sammlung Dr. Wiegands stellte Herr Dr. Wehlt freundlicherweise seine umfangreichen Vorarbeiten zur Verfügung.

Die Besonderheit des Bestands bedingte es, daß auf Kassation grundsätzlich verzichtet wurde. Die vermutete hohe Benutzungsfrequenz begründete die Entscheidung, den gesamten Bestand im Lumbeck-Verfahren binden zu lassen. Dies ließ die Entnahme solcher Materialien als sinnvoll erscheinen, die wegen ihres Formates oder angesichts einer möglichen Verwendung in anderem Zusammenhang, etwa als Ausstellungsobjekte, nicht gebunden werden sollten. Bilder, Flugschriften und Plakate wurden den entsprechenden Sammlungen des Archivs zugeführt, während die entnommenen Druckschriften beim Bestand blieben und im Findbuch gesondert genannt werden (Gliederungspunkt 12). Ebenso wurden dreidimensionale Objekte entnommen und einer eigenen Bestell-Nr. im Bestand zugewiesen.

Während der Verzeichnung des Bestands „L 113 wurde deutlich, welche Bedeutung der Antisemitismus als tragende Konstante für die NSDAP auch auf lokaler Ebene hatte. Aus diesem Grund wurde für das Schriftgut der Kreisleitungen Lemgo, Detmold und Lippe parallel zum vorliegenden Findbuch ein ergänzender Spezialnachweis zu dieser Thematik angefertigt (Findbuch H 2).

Die Verzeichnung wurde in den Jahren 1988 bis 1990 vorgenommen. Korrekturen und Ergänzungen, auch der bibliographischen Hinweise, wurden im September 2004 vorgenommen.

Zu zitieren ist nach der Bestell-Nummer.


Vorbemerkung zum Bestandsteil 1 (Gauinspekteur)

Die Gauinspekteure hatten innerhalb der Organisation der NSDAP und insbesondere innerhalb der einzelnen Gauleitungen eine Sonderfunktion. Als Beauftragte des Gauleiters nahmen sie eine nicht zu unterschätzende Position ein, welche jeweils von dem Vertrauensverhältnis zwischen Gauleiter und Inspekteur abhing. Sie konnten Beschwerden nachgehen, Untersuchungen einleiten und Sonderaufträge erfüllen, sie widmeten sich den Gesuchen, die der Gauleitung zugingen und härten um Hilfe bittende Besucher an. Da die Gauinspekteure keiner besonderen Dienststelle der Reichsleitung unterstanden, waren sie ein autonomes Instrument der Gauleitung, um vor allem die Disziplin in der Partei zu überwachen (11).

Das „Organisationsbuch der NSDAP beschreibt die Aufgaben der Gauinspekteure folgendermaßen (12):

„Der Gauinspekteur ist Beauftragter des Gauleiters.
Er hat die Aufgabe, im Auftrage des Gauleiters bzw. seines Stellvertreters Beschwerden nachzugehen, Untersuchungen durchzuführen und Sonderaufträge aller Art zu erfüllen.
Alle der Gauleitung vom Stellvertreter des Führers und aus anderen Partei- und Staatsdienststellen und aus dem öffentlichen und privaten Leben zugehenden Gesuche und Beschwerden werden vom Gauinspekteur bearbeitet.
Besucher, die in irgendeiner Beschwerdeangelegenheit die Geschäftsstelle des Gaues aufsuchen, hat der Gauinspekteur anzuhören und darüber ein Protokoll zu fertigen.
Sollte sich eine Beschwerde auf rein sachlichem Gebiet bewegen, so wird sie dem zuständigen Gauamt zur weiteren Nachprüfung übergeben (z.B.: für die Festlegung politischer Zuverlässigkeit ist das Personalamt zuständig).
Ist zu erwarten, daß die Beschwerde über den fachlichen Rahmen hinauswächst und zu einer allgemein politischen Angelegenheit wird, so hat das betreffende Gauamt den Vorgang (jedoch nur auf Anordnung) nebst Schlußbericht nach Erledigung der fachlichen Bearbeitung an den Gauinspekteur weiterzuleiten.
Der Inspekteur bearbeitet weiterhin: Gnadengesuche, Unterstützungsgesuche, Darlehensgesuche im Einvernehmen mit dem Gauwirtschaftsberater.
Zu evtl. Nachprüfung rechtlicher Fragen wird das Gaurechtsamt mit herangezogen.

Im Gau Westfalen-Nord wurden mit Wirkung vom 1.9.1932 vier Gauinspektionen mit regionaler Zuständigkeit eingerichtet (13); ihre Zahl erhöhte sich später auf sieben bzw. nach Rieckes Weggang aus Lippe auf acht. Der Gauinspektion VII unterstanden die Kreisleitungen in Detmold und Lemgo (Land Lippe), in Bückeburg (Land Schaumburg-Lippe) und Rinteln (Land Preußen, Provinz Hannover, Regierungsbezirk Hannover, Kreis Grafschaft Schaumburg).

Gauinspekteur war der lippische Staatsminister Hans-Joachim Riecke. Als sein Stellvertreter wurde am 15.5.1934 der stellvertretende Staatsminister und Kreisleiter Adolf Wedderwille berufen. Nach dem Weggang Rieckes aus Lippe als Ministerialdirektor im Reichsministerium für Landwirtschaft und Ernährung am 1.2.1936 blieb die Gauinspektion VII verwaist. Mit dem Jahr 1936 endet auch die Laufzeit der Akten (14).


Vorbemerkung zum Bestandsteil 2 (Gleichschaltung)

Mit der sogenannten „Gleichschaltung versuchte die NSDAP, über Auflösung und Zerschlagung gegnerischer Organisationen hinaus auch alle eher privatrechtlichen Vereine in den Griff zu bekommen, die in irgendeiner Weise eine Basis für abweichendes Verhalten hätten bieten können. Zur Durchsetzung des Machtanspruchs der Partei bis hin zur Ebene lokaler Vereine wurden parallel von Gauleitung und Landesregierung Kommissare eingesetzt und mit der Umbildung bestehender Organisationen „im Sinne des Gleichschaltungsgesetzes (Zweites Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich vom 7.4.1933) beauftragt (15).

Für die Gewerkschaften waren das der Kreisleiter der NS-Betriebszellenorganisation H. Rosteck sowie ihm nachfolgend der ehemalige Ortsgruppenleiter von Detmold, F. Grüttemeyer. Grüttemeyer war darüber hinaus auch mit der Gleichschaltung der lippischen Konsumvereine beauftragt (16).

Scheinbar unpolitische Vereine gerieten dadurch in den Blick der NSDAP, daß sie als Rückzugsmöglichkeiten für ursprünglich politische Positionen hätten dienen können. Dazu gehören für Sozialdemokraten und Kommunisten die in Lippe traditionell starken Arbeitergesang- und Arbeitersportvereine, für konservative NS-Gegner aber die Kriegervereine. Dies erklärt, daß mit der Gleichschaltung von Vereinen aller Art der Hauptmann a.D., das Landtagsmitglied Walter Steinecke aus Lemgo, beauftragt wurde, der schon die Gleichschaltung der Gemeindeverwaltungen überwacht hatte (17).

Steinecke hatte im Oktober 1932 Dr. Fuhrmann als Bezirksleiter des NSDAP-Bezirks Lippe abgelöst. Nach der Neuorganisation der Partei, in der die Bezirke durch neugebildete Kreise abgelöst wurden, behielt er als „Landesleiter eine nicht näher definierte, im Organisationsschema der NSDAP eigentlich nicht vorgesehene und wohl an die lippischen Verhältnisse angepaßte Aufsichtsrolle. In dieser Position organisierte er den Landtagswahlkampf, der im Januar 1933 zum Erfolg der NSDAP führte.

Bei Steinecke handelte es sich um einen Mann, dessen Stärke in der Mobilisierung von Kräften zur Bewältigung von Krisensituationen lag, der aber für geregelte Parteiarbeit in „normaler Zeit offensichtlich ebenso wenig geeignet war wie für kontinuierliche Arbeit in einer Behörde wie dem Arbeitsamt in Detmold, dem er 1933 kurzfristig vorstand. Er verlor seine beherrschende Stellung in der lippischen NSDAP schon 1933 an die Kreisleiter, v.a. an Adolf Wedderwille, und spielte innerhalb Lippes kaum noch eine Rolle. Die erfolgreiche Ausrichtung des „lippischen Wahlkampfes sicherte ihm jedoch die Anerkennung des Gauleiters, der ihm auf Gauebene neue Aufgaben übertrug. Neben anderen Funktionen (u.a. als zeitweiliger Gauorganisationsleiter oder als Gauinspekteur der Gauinspektion VIII) behielt er auch in der Stellung eines „Gaukommissars z.b.V. ein formales Aufsichtsrecht über Lippe.

Aufgrund seiner verschiedenen Funktionen hatte Steinecke noch nach 1945 Material zur Geschichte der lippischen NSDAP in Besitz, dessen Umfang aber im Nachhinein nicht einzuschätzen ist. Nach eigener Aussage verbrannte er es nach der Entlassung aus der Internierung (18). Erhalten sind offenbar nur die seine Tätigkeit als Gleichschaltungskommissar betreffenden Unterlagen sowie zwei Handakten aus späterer Zeit (s. Gliederungspunkt 6).

In der Gleichschaltungsphase erhielt die Parteiarmee der SA ihre letzte wichtige Funktion. Die Übertragung von Polizeifunktionen an SA-Leute (Ernennung zu „Hilfspolizisten) stellte das Gewaltinstrument dar, mit dem Verfolgung ebenso wie Zwang zur Anpassung durchgesetzt werden konnten. Auch die lippische SA wurde eingebunden, wie es die Einsetzung des Führers der SA-Standarte 55 und (bis 1934) Sonderbevollmächtigten des Obersten SA-Führers für Lippe, Standartenführer Wilhelm Dettmer, Detmold, als Sportkommissar verdeutlicht.

Ein Teil der während der Gleichschaltung beschlagnahmten Materialien wurde später Dr. Wiegand für das Zeitgeschichtliche Archiv übergeben (19).


Vorbemerkung zu den Bestandsteilen 3, 4 und 5 (Kreisleitungen Lemgo, Detmold und Lippe)

Entsprechend dem raschen Anwachsen der NSDAP erfuhr ihr organisatorischer Aufbau erhebliche Veränderungen, die auch das Land Lippe betrafen. Zum 1.1.1931 wurde der aus dem ursprünglichen Großgau Ruhr hervorgegangene Gau Westfalen in die beiden Gaue Westfalen-Nord und Westfalen-Süd unter den Gauleitern Dr. Alfred Meyer und Josef Wagner geteilt. In Meyers Gebiet bildete Lippe einen von neun Bezirken und war selbst wiederum in Kreise und Ortsgruppen bzw. Stützpunkte unterteilt. Gebietliche Gliederung und Kompetenzzuweisung der Kreise wechselten (1931 bestanden vier, 1932 anfangs sieben, später drei Kreise (20)), bis eine Umstrukturierungen zwischen dem 1.9.1932 und dem 1.10.1932 mit der Auflösung der Bezirke, der Einrichtung von Gauinspektionen, der Bildung neuer Kreise samt der Benennung von Kreisleitern sowie von Ortsgruppen- und Stützpunktleitern die Veränderungen vorläufig abschloß. Mit der Einrichtung der beiden Kreise Detmold und Lemgo wurde für Lippe in Anlehnung an die Verwaltungsgliederung ein Zustand geschaffen, der über mehrere Jahre Bestand hatte.

Das Organisationsbuch der NSDAP definierte später den Kreis als „die Zusammenfassung einer Anzahl örtlicher Hoheitsbereiche ... Zwischen den Grenzen des Kreises und denen der entsprechenden staatlichen Verwaltungsbereiche muß gegenseitige Übereinstimmung bestehen. (21). Ausdrücklich wird dabei die Zusammenfassung mehrerer Verwaltungskreise in einem Parteikreis zugelassen, wie es zum 1.4.1938 in Lippe mit der Zusammenlegung der beiden Kreise zum neuen Kreis Lippe praktiziert wurde.

Für den Sitz der Kreisleitungen gab es eine Residenzpflicht im Kreisgebiet. Dieses Prinzip wurde von der Kreisleitung Lemgo allerdings nicht eingehalten, die ihren Sitz im ehemaligen Verlagsgebäude der sozialdemokratischen Tageszeitung „Volksblatt in Detmold hatte. Die Kreisleitung Detmold dagegen nutzte schon seit dem 1.3.1934 Räume im Gebäude der Landesregierung.

Die für die NSDAP grundlegende Betonung personaler Verantwortung galt auch für die „Führerpersönlichkeit des Kreisleiters. Ihm kam die Mittlerfunktion zwischen Gauleiter und lokalen Hoheitsträgern zu. War er auf der einen Seite für die Durchführung der Anweisungen der Gauleitung verantwortlich, so nahm er gleichzeitig die Stimmungen der Basis auf und gab seine Beobachtungen in Berichten an den Gau weiter. Es dürfte auch eine Konsequenz dieser Stellung sein, daß die Kreisleiter, ebenso wie die Kreisamtsleiter der NSV, seit dem 1.1.1940 im Stab der Gauleitung geführt wurden und dort als eigene „Ortsgruppe Gau firmierten. Die Stellung der Kreisleiter definierte das Organisationsbuch im einzelnen:

„Der Kreisleiter untersteht unmittelbar dem Gauleiter. Fachliche Weisungen der zuständigen Gauamtsleiter sind für den Kreisleiter bindend. Sachliche Allgemeinrichtlinien führt er unter Berücksichtigung der Eigenart seines Bereiches durch.

Darüber hinaus steht ihm „das Recht zu, sämtliche Politischen Leiter seines Hoheitsbereiches, ausgenommen die Politischen Leiter der Kreisleitung und die Ortsgruppen- und Stützpunktleiter, zu ernennen und abzuberufen. (22)

Praktisch ist dem Kreisleiter damit eine weitgehende Verfügung über das Führercorps von Partei, Gliederungen und - bedingt durch das o.g. Prinzip der Personalunionen mit Parteiämtern - angeschlossenen Verbänden gegeben und seine „Hauptaufgabe besteht nach der - im üblichen NS-Pathos gehaltenen - Formulierung des Lemgoer Kreisleiters Prüßner darin, „zu überwachen, daß alle Gliederungen der Bewegung von reinem nationalsozialistischem Geiste erfüllt sind. (23) Auch die Bindung der Mitarbeiter des Kreisstabs an die fachlichen Weisungen der entsprechenden Gauamtsleiter durchbricht diese Autoritätsstruktur nicht.

Das Corps der Mitarbeiter des Kreisleiters bildet den Kreisstab, der alle auch bei Reichs- und Gauleitung vorgesehenen Ämter umfassen kann. Als wichtigste werden Kreisgeschäftsführer, Kreisorganisationsleiter, Kreisschulungsleiter, Kreispropagandaleiter, Kreispersonalamtsleiter und Kreiskassenleiter im Organisationsbuch aufgeführt. Für die „vorwiegend politischen Ämter des Kreisorganisationsleiters, Kreispropagandaleiters und Kreispersonalamtsleiters ist die ständige Besetzung vorgeschrieben, ebenso für die Dienststellen der NS-Frauenschaftsleiterin, des NSBO-Leiters, des Kreiskassenleiters und des Leiters des Amtes für Volkswohlfahrt (24). Zu ihnen kam seit Februar 1942 ein Kreisstabsamt als Entsprechung zum gleichzeitig eingerichteten Gaustabsamt. Das Verbot der Übernahme mehrerer der „vorwiegend politischen Ämter durch den gleichen Amtsleiter wurde dabei in den lippischen Kreisleitungen nicht eingehalten, da sowohl Geschäftsführung und Kassenleitung wie Organisations- und Progagandaamt zumindest für lange Zeiträume in Personalunion besetzt waren. Bei der Zusammenlegung der lippischen Kreise griff der neue Kreisleiter Wedderwille vor allem auf seinen Detmolder Stamm zurück, übernahm jedoch auch einige Politische Leiter der Kreisstabs Lemgo (25).

Die Dienstgeschäfte regelte für die Kreise des Gaus Westfalen-Nord seit dem 1.1.1942 eine vom Gauleiter herausgegebene Geschäftsordnung (26).

Waren die Kreisleiter anfangs in der Regel unbezahlt (27), so wurden sie ab dem 1.1.1943 hauptamtliche Angestellte der NSDAP. Dies ist auch als Reaktion auf die Ausweitung parteiinterner Tätigkeit durch das rasche Anwachsen der Zahl von Mitgliedern und Politischen Leitern zu verstehen. So bestanden in den beiden lippischen Kreisen vor 1933 55 Ortsgruppen bzw. Stützpunkte mit 1929 Mitgliedern, die bis 1942 auf 91 Ortsgruppen mit ca. 15000 Mitgliedern und 1781 Politischen Leitern angewachsen waren (28).

Es ist aber mehr noch eine Notwendigkeit angesichts der über die Parteiangelegenheiten hinausreichenden Funktionen, die den Kreisleitern seit 1933 und verstärkt seit Kriegsbeginn übertragen wurden. Dies entsprach durchaus dem veränderten Verständnis von der Rolle der Partei, wie es in einem Rundschreiben des Reichsorganisationsleiters am 15.5.1938, d.h. nach Abschluß der innenpolitischen Konsolidierungsphase der NS-Herrschaft, deutlich wurde. Nicht mehr die Organisation der „Parteigenossen, sondern „Betreuung und Lenkung der „Volksgenossen sind jetzt die Hauptaufgaben der Partei (29). Diese Neugewichtung der Aufgaben des Führercorps ist zugleich Ausdruck der Tatsache, daß die reine Parteiarbeit - trotz quantitativer Ausweitung - nach Abschluß der Konsolidierung der innenpolitischen Macht an Bedeutung verloren hatte.

Tatsächlich zielte das auf die Intensivierung der bisher schon bestehenden Aufgabe, das außerparteiliche Leben zu kontrollieren und im NS-Sinne zu beeinflussen. Die Kontrolle zeigte sich im „Recht und (der) Pflicht, öffentliche und nicht öffentliche Veranstaltungen und Handlungen, die der Zielsetzung der Partei zuwiderlaufen, zu unterbinden, zum andern aber auch in der Verpflichtung, „sich regelmäßig an Ort und Stelle Aufschluß über die in den einzelnen Dienstbereichen herrschenden Verhältnisse zu verschaffen. (30).

Gerade diese unpräzisen Formulierungen ließen den Kreisleitern einen Spielraum, den sie - je nach persönlichem politischen Engagement - nutzen konnten. Die Auffassung von einer völlig unselbständigen Vermittlerfunktion, wie sie sich in den Entnazifizierungsverfahren nach 1945 immer mehr durchsetzte, übersah diesen Spielraum (31).

Die Überwachung von Veranstaltungen bedeutete, daß alle gesellschaftlichen Aktivitäten, die über den Rahmen der Familienfeier hinausgingen, der Genehmigungspflicht durch die zuständigen Hoheitsträger unterlagen. Damit wurde zugleich die Fortdauer der Ergebnisse der Gleichschaltung gewährleistet.

Die Aufforderung zur grundsätzlich alle Lebensbereiche umfassenden Beobachtung war zugleich der Rahmen für das - die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland für viele Zeitgenossen prägende - Aufblühen des Denunziantentums. Zwar nahm die Zahl der Denunziationen nach Abflauen des direkten Interesses etwa an Stellenbesetzungen, wie sie für die Jahre 1933 und 1934 noch typisch waren, deutlich ab (32). Dennoch war der kontinuierliche Fluß „pflichtgemäßer Meldungen für die Kreisleiter eine wichtige Informationsquelle, die in doppelter Weise instrumentalisiert wurde. Zum einen konnte so der Bevölkerung suggeriert werden, daß die Partei wirklich „alles sieht, aufzeichnet, vermerkt (33), zum andern ließ sich - auch ohne Einschaltung der Gestapo - durch Vorladungen und massive Bedrohung der Denunzierten eine erhebliche Einschüchterung erreichen (34).

Der allgemeinen Überwachung dient auch eine weitere Funktion, die ohne Zweifel ebenfalls erheblich zur Disziplinierung der Bevölkerung beitrug. Es handelt sich um das - den Hoheitsträgern vom Kreisleiter an aufwärts zustehende - Recht zur Ausstellung von „Bescheinigungen politischer Zuverlässigkeit (sog. „Unbedenklichkeitsbescheinigungen), wie sie von einer zunehmenden Zahl von Stellen angefordert wurden. Gebraucht wurden sie in den meisten Fällen im Zusammenhang von Stellenbesetzungen, v.a. im öffentlichen Dienst, sowie bei der Gewährung finanzieller Hilfen (Ehestandsdarlehen, Kinderbeihilfen, Steuerermäßigungen). Angesichts einer in der Anfangsphase nationalsozialistischer Herrschaft nur langsam zurückgehenden Arbeitslosigkeit und einem weiterhin niedrigen Lohnniveau waren es somit Bereiche, in denen die Bescheinigung des Kreisleiters - vom Reichsgericht am 1.12.1936 als öffentliche Urkunde anerkannt (35) - von existentieller Bedeutung war.

Formal richtete sich die Anfrage der anfordernden Stelle an das Gaupersonalamt und wurde von dort an den Kreisleiter weitergeleitet. Dieser gründete in der Regel sein Urteil auf die zuvor eingeholten Auskünfte der lokalen Parteifunktionäre. Abgesehen vom parteiintern wichtigen Nebeneffekt, daß auf diese Weise Ortsgruppen-, Zellen- und Blockleitern die Illusion eigenständiger Machtausübung vermittelt wurde, erhielten die Kreisleiter auf diese Weise einen wichtigen Überblick auch über Menschen, die selbst durch eine der NS-Massenorganisationen wie DAF und NSV bisher noch nicht erfaßt waren (36).

Trotz eines deutlichen Bedeutungsverlustes der NSDAP nach der Stabilisierung der neuen Herrschaftsverhältnisse kann nicht übersehen werden, daß die Partei auch weiterhin eine wichtige finanzielle und personelle Reserve darstellte, auf die verstärkt in Krisenzeiten zurückgegriffen werden konnte. Deutlich wurde dies bei in den Pogromtagen des November 1938. Zwar gelang es der Partei ebenso wenig wie der SA, früheren Handlungsspielraum gegenüber Gestapo und SS zurückzugewinnen (37), die Demonstration von Mobilität und Gewaltbereitschaft durch lokale Parteiführer wie den Kreisleiter Wedderwille bewies jedoch ihre unbedingte innenpolitische Verfügbarkeit. Auf sie konnte seit Kriegsbeginn 1939 und v.a. bei der Mobilisierung der Bevölkerung angesichts der seit 1943 drohenden Niederlage zurückgegriffen werden, so daß der Partei im Zusammenhang der Kriegsführung zum ersten Mal seit der „Kampfzeit wieder eine umfassende Bedeutung zukam (38).

Zu ihr gehörte von Anfang an die Vermittlung zwischen „Heimat und „Front , zum einen durch die Einschaltung der Partei bei der Benachrichtigung der Angehörigen Gefallener, die Gestaltung von Betriebsversammlungen, HJ-Abenden u.a. mit Berichten von Soldaten, zum andern durch die Herausgabe der „Heimatbriefe als nahezu einziger Möglichkeit für Frontsoldaten, Informationen aus ihren Heimatregionen zu erhalten.

Es gab allerdings auch eine direkte Beteiligung, v.a. im logistischen Bereich der Kriegsführung. Schon zu Kriegsbeginn wurden die Gauleiter zu Reichsverteidigungskommissaren ernannt; parallel zur Entwicklung der militärischen Lage kamen weitere Aufgaben wie die als Gauwohnungskommissare dazu. Die ersten Bombardierungswellen im Ruhrgebiet führten zu großen Räumungsbewegungen, d.h. zur Auslagerung von Betrieben und zur Evakuierung von Frauen und Kindern in das ländliche Lippe. Im Januar 1945 belief sich die Zahl der Evakuierten nach Wedderwille auf 80 000 Personen (39). War ihre Vermittlung in Arbeitsplätze in Rüstungsindustrie und Landwirtschaft in erster Linie Sache des zuständigen Arbeitsamtes in Detmold, so kam den Hoheitsträgern der Partei bei der Wohnraumbeschaffung und bei der Regelung der damit verbundenen unvermeidlichen Konflikte mit den Einheimischen eine wichtige Vermittlerrolle zu.

Angesichts der drohenden Niederlage und unter den Bedingungen des „totalen Krieges mobilisierte die Partei im Hinterland die letzten Reserven zur Reichsverteidigung. Der Kreisleiter des Kreises Lippe, seit 1943 auch als Reichsredner eingesetzt, wurde 1944 Leiter des Kreissonderstabes für den totalen Kriegseinsatz. In seine Kompetenz fiel die Aufstellung von Sondertrupps für Bergungs- und Reparaturarbeiten, die auch außerhalb Lippes, v.a. in Bielefeld, nach Bombenangriffen eingesetzt wurden. Auch die Überwachungsaufgaben der lokalen Hoheitsträger nahmen zu, als die Partei ernsthaft mit Aufständen der im Lande beschäftigten ausländischen Arbeitskräfte rechnete.

In den letzten beiden Kriegsjahren gehörten zum Handlungsauftrag der Kreisleiter die in jeder Hinsicht rücksichtslose Rekrutierung aller verfügbaren Arbeitskräfte zum Bau von Verteidigungsanlagen im Westen („Westwall und „Westfalenwall). Mit Aufstellung und Einsatz des „Volkssturms sind die Kreisleiter über ihre bisher logistischen Aufgaben hinaus auch direkt in das Kampfgeschehen involviert - nicht zufällig geriet der Kreisleiter Wedderwille am 10.4.1945 als Volkssturmmann in Kriegsgefangenschaft (40).


Die lippischen Kreisleiter

Kreisleiter des Kreises Lemgo wurde August Prüßner, der hauptberuflich am NS-Organ „Lippischer Kurier und später in der Leitung der parteieigenen „Lippischen Staatszeitung arbeitete. Prüßner, am 1.8.1930 in die NSDAP eingetreten, hatte zuvor Funktionen in der Ortsgruppe Bad Salzuflen und als Stadtverordneter in der Kommunalpolitik ausgeübt. Nach der Zusammenlegung der lippischen Kreise verlor er sein Amt, behielt jedoch die Funktion des Beauftragten der NSDAP für die Gemeinden. Trotz weiterer parteiinterner Karriere (1942 wurde er zum Gaupressewart ernannt) konnte Prüßner in Lippe selbst keine eigenständige Rolle mehr spielen.

Zur beherrschenden Gestalt der NSDAP in Lippe wurde dagegen Adolf Wedderwille, Kreisleiter des Kreises Detmold und später des Kreises Lippe. Seine bedingungslose Hingabe an den Nationalsozialismus, wie sie etwa in seiner Führungsrolle bei der Verfolgung der jüdischen Einwohner Lippes deutlich wurde, in Verbindung mit einer ruhelosen Dynamik machten ihn zum Garanten der Parteiherrschaft in Lippe (41).

Am 1.11.1929 in die NSDAP eingetreten, gehörte der Maler und Glaser in seiner Heimatstadt Lage zu den frühesten NS-Aktivisten und war maßgeblich am Aufbau von Ortsgruppe und SA beteiligt. Als Leiter des nur kurz bestehenden Kreises Lage und Fraktionschef der NSDAP im Lippischen Landtag war Wedderwille 1932 in die erste Reihe lippischer NS-Führer aufgerückt und erhielt nach der Aufteilung des Kreises Lage auf die Kreise Lemgo und Detmold die Position des Kreisleiters in Detmold. Zwar gab er die Leitung des Kreises kurz darauf wieder auf, um sich auf den Landtagswahlkampf und später auf die Mitarbeit in der Landesregierung zu konzentrieren, wurde jedoch zum 1.3.1934 wieder mit der Kreisleiterfunktion beauftragt. In der Zwischenzeit hatte der Dipl.-Ing. Walter Herrich diese Funktion ausgeübt. Herrich entstammte zwar als Mitbegründer und Führer des Cheruskerbundes in Lippe dem völkischen Umfeld (42), war aber erst am 1.2.1932 in die NSDAP eingetreten und konnte gegenüber Wedderwille kein eigenes Profil gewinnen.

Daß Wedderwille unter den Kreisleitern des Gaus Westfalen-Nord ein eigenes Gewicht und die Wertschätzung des Gauleiters besaß, wird sowohl in seiner Berufung zum stellvertretenden Gauinspekteur wie auch darin deutlich, daß er mehrfach als Vertreter des Gauleiters oder des stellvertretenden Gauleiters an Gaugerichtsverfahren teilnahm.

Die Machtposition von NS-Führern geriet jedoch in dem Moment in eine Krise, wo die wesentlichen Aufgaben der Partei erfüllt waren. Die „Kampfzeit war mit dem Gewinn der politischen Macht zu Ende, und nach der Ausschaltung politischer Gegner, der „Gleichschaltung von Staat und Gesellschaft sowie zuletzt der Liquidierung der innerparteilichen Forderungen nach einer „zweiten Revolution blieb keine der der Partei eigentümlichen Aufgaben bestehen. Der Aufbau einer Machtstruktur der Parteiorganisation parallel zur staatlichen Verwaltung war tendenziell in dem Moment überflüssig geworden, in dem die Verwaltungsstellen selbst von Parteimitgliedern besetzt waren. Der weiterhin ungebremste Aktivismus beschränkte sich auf lokaler Ebene - zum Ärger vieler Ortsgruppenleiter - auf Geld- und Altmaterialsammlungen im Zusammenhang des Vierjahresplans sowie auf die - deshalb um so begieriger wahrgenommene - Beteiligung an antisemitischen Ausschreitungen.

Die Versuche der Parteibürokratie, ihre Machtposition durch direkte Einflußmöglichkeiten auf die öffentliche Verwaltung sicherzustellen, sind auf allen Ebenen gescheitert (43). Weder funktionierte die Reichsregierung als Ausführungsorgan der Reichsleitung der NSDAP, noch gelang es den Reichsstatthaltern, ihre Position zu einer wirklichen Machtbasis auszubauen. Auf der Ebene der Kreise wird dieses Scheitern in der relativ unbedeutenden Rolle deutlich, die den Kreisleitern in der Deutschen Gemeindeordnung vom 30.1.1935 für die Kommunalverwaltung zugestanden wurde. Als „Beauftragte der NSDAP für die Gemeinden - eine Funktion, die sie in der Regel selbst ausübten - wirkten sie bei der Berufung und Abberufung von Bürgermeistern und Beigeordneten und der Gemeinderäte sowie beim Erlaß der Hauptsatzungen mit, standen aber selbst außerhalb der Verwaltung und verfügten über kein Mitspracherecht bei der Verabschiedung der Haushaltspläne (44). Wer also im nationalsozialistischen Staat weiterhin an wirklicher Macht partizipieren wollte, mußte Positionen außerhalb der Partei suchen.

Beispielhaft ist dies am Gauleiter Dr. Meyer erkennen. Am 16.5.1933 ließ sich Meyer zum Reichsstatthalter in den Ländern Lippe und Schaumburg-Lippe ernennen und setzte mit dieser Vollmacht am 23.5.1933 den Dipl.-Landwirt und Gauinspekteur Riecke als Landespräsidenten in Lippe ein. Als sich die Hoffnungen der Reichsstatthalter auf eine eigenständige politische Rolle im Staatsaufbau nicht erfüllten, versuchte Meyer, die verschiedenen Verwaltungs- bzw. Regierungspositionen innerhalb seines Gaubereichs selbst in die Hand zu bekommen, um keine konkurrierende Gewalt zulassen zu müssen. Zum 1.2.1936 ließ er sich - nach Rieckes Weggang in das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft nach Berlin - selbst zum „Führer der Lippischen Landesregierung ernennen, am 17.11.1938 wurde er außerdem Oberpräsident der Provinz Westfalen. 1941 erhielt er mit der Ernennung zum Staatssekretär im Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete sowohl direkten Einfluß in der Reichsregierung wie auch eine Option für weiteren Machtzuwachs in den Eroberungsgebieten. Die Etablierung in einem engeren Herrschaftszirkel auf Reichsebene verdeutlicht auch seine Teilnahme an der sog. „Wannseekonferenz, auf der am 20.1.1942 die Weichen für die reibungslose Organisation der Ermordung der europäischen Juden gestellt wurden. (45)

Auf der Ebene von Kreis und Land Lippe läßt sich eine vergleichbare doppelgleisige Machtausübung für den Kreisleiter Wedderwille konstatieren. Wederwille, nach dem Wahlsieg vom 15.1.1933 im dreiköpfigen lippischen Regierungskollegium vertreten, wurde nach der Umstrukturierung vom 2.6.1933, durch die Riecke als „Staatsminister die kollektive Regierung ablöste, Rieckes Vertreter („Vertreter des Staatsministers). Diese Position behielt er auch nach Meyers „Machtübernahme als „Vertreter des Chefs der Landesregierung. Somit war der Kreisleiter in Lippe sowohl in seiner Partei- wie in seiner Verwaltungsfunktion Vertreter des Gauleiters und nicht zufällig befand sich der Sitz der Kreisleitung im Regierungsgebäude.

Entscheidend ist dabei allerdings, daß Wedderwille angesichts der Residenz des Gauleiters in Münster praktisch die Regierungsgeschäfte in Lippe in weitgehend eigener Verantwortung führte. Der Leiter des Büros des Reichsstatthalters in Detmold, Karl Wolff, hatte sich auf Beobachtung und Berichterstattung nach Münster zu beschränken (46). Beispielhaft läßt sich der dadurch gegebene Handlungsspielraum daran belegen, daß für Lippe der ansonsten für das Verhältnis von Partei und Staat typische Konflikt zwischen Kreisleitern und Landräten entfiel, während die sonst üblichen Auseinandersetzungen zwischen Ortsgruppenleitern und Bürgermeistern auch hier nicht fehlten. Tatsächlich kann an der untergeordneten Rolle der Landräte der Kreise Detmold und Lemgo, Schweiger und Gruner, kein Zweifel bestehen, da sie, anders als etwa die preußischen Landräte, keine Möglichkeit hatten, etwa über die Regierungspräsidenten und deren direkte Verbindung zum Reichsministerium des Innern die lokalen Parteidienststellen zu umgehen (47).

Entscheidend für die Dauer der NS-Herrschaft war es, die grundsätzliche Akzeptanz durch die Bevölkerung zu erlangen. Im Vordergrund stand dabei die Regelung ökonomischer Probleme, d.h. der hohen Arbeitslosigkeit und der Verschuldung v.a. mittelständischer Betriebe. Gerade hier zeigte sich in Lippe der Vorteil der Verbindung der Kreisleitung mit der Landesregierung gegenüber der nur parteiinternen Doppelgleisigkeit etwa Prüßners als Kreisleiter und als Pressepropagandist. Schon die Organisation von Einsätzen des Reichsarbeitsdienstes durch die Landesregierung erschien als Erfolg der Partei, und Wedderwille konnte sowohl durch den Rückgriff auf Stellenreserven der Landesregierung wie über direkte Zuwendungen aus dem Dispositionsfonds der Landesregierung Härten in Einzelfällen beseitigen und damit die gerade in der Anfangszeit wichtige Illusion der Bevölkerung bestärken, daß mit der NSDAP die ökonomische Wende eingeleitet sei.

Längerfristig wurden allerdings gerade in den Bereichen der Arbeitsvermittlung wie der Beschaffung von Finanzmitteln die Grenzen der Parteiherrschaft auf lokaler Ebene sichtbar. Die Kreditbeschaffung für Handwerker und mittelständische Betriebe blieb als Aufgabe einer eigenen Dienststelle der Kreisleitung, des Kreiswirtschaftsberaters, bis 1945 ein ungelöstes Problem.

In der Arbeitsvermittlung hatten sich die Probleme jedoch wesentlich verändert. Ging es anfangs um die Stellenvermittlung an Arbeitslose, wobei die Versorgung von Partei- und SA-Mitgliedern im Vordergrund stand, so bestand fast parallel dazu mit allerdings wachsender Tendenz ein eklatanter Arbeitskräftemangel in der lippischen Landwirtschaft, der auch durch den Einsatz jugendlicher Erntehelfer aus dem Ruhrgebiet nur unzureichend behoben werden konnte. Mit Kriegsbeginn verschärfte sich dieser Mangel entscheidend, und es wurde deutlich, daß von der Lösung dieses Problems die Zustimmung der Landbevölkerung zur NSDAP und zu ihrem Krieg abhing. Dies begründete die massiven Versuche Wedderwilles, in die Vermittlungstätigkeit des Arbeitsamtes Detmold als der sachlich zuständigen Dienststelle der Reichsarbeitsvermittlung einzugreifen und die Zuteilung von sog. Zivil- und Ostarbeitern zu beeinflussen. Hier geriet der Kreisleiter jedoch in einen grundsätzlichen Konflikt mit dem Vertreter einer Reichsbehörde, der die Akten bis zum Kriegsende durchzieht. (48)

Eine erneute Problemverschiebung wurde seit 1943 deutlich, als Wedderwille nunmehr im Zusammenhang der Reichsverteidigung gezwungen war, Arbeitskräfte aus Betrieben herauszuziehen und sie den verschiedenen Verpflichtungen in „Notdienst und „Volkssturm zuzuführen. Zum Dauerkonflikt mit der Arbeitsverwaltung kam jetzt noch der Gegensatz zu den Interessen der Dienststellen der Rüstungswirtschaft hinzu. Beide Konflikte erwiesen sich dabei als mit den Mitteln eines Hoheitsträgers der Partei auf lokaler Ebene nicht mehr lösbar.


Vorbemerkung zum Bestandsteil 6 (Persönliche Unterlagen)

Dr. Manfred Fuhrmann, Nervenarzt im eigenen Sanatorium „Grotenburg im Detmolder Vorort Hiddesen, war am 7.2.1930 vom Gauleiter des damaligen Gaus Westfalen, Wagner, mit der provisorischen Leitung des Bezirks Lippe beauftragt worden, nachdem sich die bisherigen Bezirksleiter als unfähig erwiesen hatten.

Es gelang jedoch auch Fuhrmann nicht, die Erwartungen der Parteileitung auf den Aufbau einer funktionierenden Organisation in Lippe zu erfüllen. Klagen der Gauleitung über Unregelmäßigkeiten im finanziellen Bereich standen die zahlreichen Beschwerden lokaler Parteiführer in Lippe gegenüber, die nicht zur Zusammenarbeit mit Fuhrmann bereit waren.

Nachdem Fuhrmann in Lippe völlig isoliert war und auch von seinem Nachfolger Steinecke und dem späteren Kreisleiter Wedderwille attackiert wurde, verlor er auch die Rückendeckung durch den Gauleiter. Angesichts der parteiinternen Krise in der 2. Hälfte des Jahres 1932 und im Vorfeld der Landtagswahlen vom Januar 1933 wurde er im Oktober des gleichen Jahres in der Bezirksleitung endgültig von Steinecke abgelöst, sollte aber weiterhin Funktionen in der Partei wahrnehmen.

Kurz darauf brach Fuhrmann mit der Partei. Die Veröffentlichung seines Austrittsschreibens am 12.1.1933 in der Lippischen Landes-Zeitung, d.h. wenige Tage vor der Landtagswahl, zielte auf einen Eklat, konnte den Wahlausgang jedoch offensichtlich nicht beeinflussen. In der veränderten Situation nach der Wahl verlor Fuhrmann jeden weiteren Einfluß im Umfeld der lippischen NSDAP.

Die hier vorliegenden Briefe betreffen nur persönliche und medizinische Angelegenheiten.


Vorbemerkung zum Bestandsteil 7 (SA)

Die „Sturmabteilungen der NSDAP hatten in der sog. „Kampfzeit eine wichtige Funktion. Sie banden das Gewaltpotential, das durch die Tätigkeiten der Freikorps und anderer paramilitärischer Banden in die Politik der Weimarer Republik eingeflossen war, an eine Partei und setzten es gezielt gegen parteipolitische Gegner und gegen die Polizei als innenpolitische Ordnungsmacht ein. Auch nach der „Machtergreifung kam der SA bei der direkten Verfolgung von NS-Gegnern und bei der „Gleichschaltung eine wichtige Rolle zu, wie sie sich in der generellen Heranziehung von SA-Leuten als Hilfspolizisten zeigte. Gleichzeitig gefährdete die zudem rasch anwachsende Parteiarmee aber durch weitergehende politische und soziale Ansprüche (v.a. durch die Forderungen nach einer „zweiten Revolution und nach Einbindung der Wehrmacht in die SA) das die Regierung Hitler tragende gesellschaftliche Bündnis.

Die Reaktion der Partei zeigte sich am 30.6.1934 und an den darauffolgenden Tagen in der Liquidierung der SA-Führung nach der Konstruierung eines angeblichen Putschversuches ihres Stabschefs Röhm. Danach spielte die SA, die diese Mordaktion intern als „Röhm-Affäre herunterspielte, keine eigenständige Rolle mehr (49).

Auch das Organisationsbuch der NSDAP konnte diesen Bedeutungsverlust nur mühsam verschleiern, wenn es die SA als „Ausbildungs- und Erziehungsinstrument innerhalb der Partei bezeichnete und fortfuhr, daß in der SA „der junge Deutsche in erster Linie weltanschaulich und charakterlich gefestigt und zum Träger des nationalsozialistischen Gedankenguts ausgebildet werde (50). Ihre einstige Dynamik versuchte sie über ständige paramilitärische Übungen weiterzuführen (Schießausbildung, SA-Sportabzeichen, Gepäckmärsche), blieb dabei allerdings immer der Wehrmacht untergeordnet: „Darüber hinaus liegt es der SA. ob, durch die Pflege soldatischer Tugenden den Wehrgeist zu stärken und durch eine planmäßige Ausbildung nach den Grundsätzen des SA-Sportabzeichens die körperliche Ertüchtigung des einzelnen zu fördern und ihn auf diese Weise für den Dienst in der Wehrmacht vorzubereiten (51).

Der außerdem noch anklingende Auftrag an die SA, „ihre Einheiten für den Einsatz als innenpolitische Kampftruppe zu schulen und für den praktischen Dienst an Volk und Staat auszubilden, geht an der Tatsache vorbei, daß diese Funktionen längst von der SS übernommen worden waren. Die starke Beteiligung der SA an den periodisch durchgeführten antisemitischen Ausschreitungen kann auch als mißlungener Versuch gesehen werden, ursprüngliche Handlungsspielräume wiederzugewinnen. Zuletzt blieb der SA jedoch nur die Hoffnung, daß der „Führer sie noch einmal brauchen werde (52).

Oberste Organisationseinheit der SA waren ursprünglich 21 - nach Landschaften benannte - Gruppen, die später in Obergruppen zusammengefaßt wurden. Als Sonderformation bestand daneben das Hilfswerk Nordwest. Die Gruppen lehnten sich an die Gaueinteilung an, mußten jedoch nicht mit den Gaugrenzen übereinstimmen. Die lippische SA gehörte dabei von Anfang an zur Gruppe Westfalen.

Nachdem schon früher kleine Gruppen lippischer SA-Leute an Parteiveranstaltungen außerhalb Lippes teilgenommen hatten, gründete Karl Werder 1928 in Bad Salzuflen mit dem Gausturm 108 den ersten lippischen SA-Sturm. Er unterstand der damaligen Standarte XXI „Westfalen-Nord der SA-Gruppe Westfalen. Es folgten die Gründungen weiterer Stürme, so des Gausturms 160 unter dem Sturmführer Langholz in Humfeld und des Gausturms 75 unter Wilhelm Dettmer in Detmold. Die Führung des letzteren übernahm Werder im Mai 1930. In das gleiche Jahr fielen die ersten massiven SA-Auftritte in Lippe selbst, es begann auch hier die Reihe der gewaltsamen Auseinandersetzungen mit politischen Gegnern und der Polizei in Versammlungslokalen und auf der Straße (53).

1931 entstand aus der Standarte 21 die neue Standarte 15 mit Sitz in Minden, deren Sturmbann I/15 mit Sitz in Bielefeld die lippischen Stürme angegliedert wurden. Erst im Frühjahr 1932 bildeten sie unter der Führung Dettmers den eigenen Sturmbann IV/15.

Parallel zu wachsender politischer Bedeutung und zahlenmäßiger Vergrößerung der Partei waren auch für die Parteiarmee der SA organisatorische Veränderungen notwendig geworden. Gab es auf dem Gebiet des späteren Gaus Westfalen-Nord 1931 nur zwei Standarten (außer der Nr. 15 die Nr. 13 in Münster), hatte sich ihre Zahl 1932 schon auf 6 erhöht. Zu ihnen gehörte auch die am 1. oder 15.11.1932 unter Führung von Dettmer gebildete (und aus der früheren Standarte 15 hervorgegangene) Standarte Nr. 55 mit Sitz in Detmold. Sie umfaßte Lippe und die Kreise Herford Stadt und Land, Höxter und Paderborn, wobei Lippe in die Sturmbanne I in Detmold (unter der Leitung von Karl Werder) und II in Barntrup (unter der Leitung von Friedrich Reese) unterteilt war.

Das starke Anwachsen der SA nach der sog. „Machtergreifung durch Neuanmeldungen, Vergrößerung der Reserve-Stürme und die Übernahme der Jugendorganisation des „Stahlhelm erforderte weitere Umorganisationen. Am 15.8.1933 wurden drei Brigaden aufgestellt, die den Gaubereich abdeckten: die Brigaden 66 in Münster, 70 in Recklinghausen (unter der Leitung von Paul Faßbach) und 65 in Detmold unter der Leitung von Dettmer. Zur Brigade 65 gehörten Standarten in Minden, Höxter, Paderborn, Bielefeld und die Standarte 55, nunmehr unter der Leitung von Werder, dazu die Reiterstandarte 65 unter der Leitung von SA-Obersturmbannführer Watermeier sowie die Motorstandarte 65 unter H. Sauer (seit September 1934 NSKK). Zur Standarte 55 gehörten die Sturmbanne I (Barntrup), II (Bad Salzuflen), III (Detmold), IV (Horn) und V (Herford). Zum Stichtag 31.12.1933 gehörten ihr (incl. der Reservestürme und der angeschlossenen Jugendorganisation des „Stahlhelm) 7 226 Männer an.

Nach dem 30.6.1934 wurde die SA drastisch verkleinert, u.a. durch die Abschaffung der Reservestürme. Der Personalstand der Standarte 55 ging auf ca. 3000 Leute zurück, die nunmehr in die Sturmbanne I/65 in Barntrup (mit den Stürmen 1-3 und 5-8), II/65 in Bad Salzuflen (mit den Stürmen 11-18) und III/65 in Detmold (mit den Stürmen 21-28) eingeteilt waren. Die Leitung hatte der Standartenführer Stoeß.

Am 1.4.1937 erfolgte eine weitere Umorganisation, die u.a. die Brigadegrenzen den Grenzen der Gaue anglich. Im Bereich des Gaus Westfalen-Nord bestanden danach drei Brigaden, unter ihnen weiterhin die Brigade 65 in Detmold. Ihre Führung hatte inzwischen zweimal gewechselt, nachdem zuerst Brigadeführer Vogels Wilhelm Dettmer abgelöst hatte, um selbst am 9.1.1935 mit Paul Faßbach die Führung der Brigaden zu tauschen. Faßbach war zugleich kommissarischer Landespolizeiführer in Lippe (54).

1939 erfolgte die Angleichung der Bereiche der Standarten an die Wehrbezirkskommandos sowie die der Sturmbanne an die Wehrmeldeamtsbezirke. Es war die Konsequenz der Ausrichtung auf den Einsatz in der Wehrmacht, auf die die SA seit 1934 reduziert war.

Die Brigaden unterhielten neben den Standarten gesonderte, ihnen direkt zugeordnete Musik- und Pioniereinheiten sowie einen Nachrichten-Sturmbann. Letzter bestand aus je zwei Fernsprechstürmen und einem Funkersturm.

Der Nachrichtensturmbann der Brigade 65 (N-I/65) wurde am 14.12.1933 unter der Leitung des Obersturmführers A. Holthuis aufgestellt. Er bestand anfangs nur aus zwei Stürmen. Der Sturm N 1/65 wurde v.a. durch die Übernahme des Trupps Lage des Sturms 13/55 unter Führung des Sturmführers A. Schlink gebildet und erstreckte sich über die Gemeinden Müssen, Hörste, Heiden und Niewald. Der Sturm N 3/65 entstand aus dem bisherigen Nachrichtensturm der Standarte 55, seine Leitung hatte ab dem 25.1.1934 der Obertruppführer Pohl. Am 19.5.1934 wurde der Sturmbann durch die Abstellung des Sturms 22/55 als Sturm N 2/65 unter Leitung des Sturmführers Sarstedt ergänzt. Er verteilte sich über die Gemeinden Heidenoldendorf, Pivitsheide, Hiddesen, Heiligenkirchen und Berlebeck. Sitz des Sturmbannes war das Horst-Wessel-Haus in Detmold, das frühere „Volkshaus der SPD.

Die Verringerung der SA führte jedoch zum 1.4.1935 auch zur Reduzierung der Nachrichteneinheiten. Aus dem Nachrichtensturmbann N-I/65 wurde, weiter unter der Leitung Schlinks, der Nachrichtensturm N 1/65 mit den Trupps Müssen, Heidenoldendorf, Heiligenkirchen und Detmold. Im Februar oder März 1937 wurde er als Sturm 5/55 (Müssen) dem Sturmbann I der Standarte 55 eingegliedert.

Das vorliegende Schriftgut stammt (mit wenigen Ausnahmen) aus dem Bereich des Nachrichtensturmbanns N-I/65 bzw. seiner Nachfolgeeinheiten. Es handelt sich entweder um dienstlichen Schriftwechsel mit der Standarte 55 und der Brigade 65 bzw. um Personalunterlagen oder um Materialien zu einzelnen Ereignissen.


Vorbemerkung zum Bestandsteil 8 (Organisationen unter der Leitung von Dr. Oppermann)

Der Jurist Dr. Heinrich Oppermann, Mitglied der NSDAP seit dem 1.3.1932, war 1927 als Landgerichtsrat in den lippischen Justizdienst übernommen worden. Im Mai 1933 wurde ihm nach der Beurlaubung des 1. Oberregierungsrates Dr. Spelge die Führung der Geschäfte der Abt. I der Lippischen Landesregierung provisorisch, ab dem 1.7.1933 endgültig übertragen. In Angleichung an die Besoldungsordnung der Reichsbeamten führte er seit März 1938 den Titel des Regierungsdirektors.

Der Abt. I oblagen als der wichtigsten Stelle der Landesregierung die Allgemeine Dienstaufsicht, Personal- und Besoldungsangelegenheiten, Gemeindeangelegenheiten, Arbeitsbeschaffung, Fürsorge- und Gesundheitswesen sowie die Polizeiaufsicht.

Gleichzeitig hatte Oppermann seit dem Parteieintritt verschiedene Parteifunktionen auf Ortsgruppen- und Kreisebene wahrgenommen, v.a. leitete er seit dem Februar 1934 das Kreisrechtsamt des Kreises Detmold bis zur Bildung des Kreises Lippe am 1.4.1938.

Aus dem Zusammenhang dieser Einbindung Oppermanns in Justiz und Verwaltungsdienst mit seiner Stellung in der Partei ergaben sich auch seine Funktionen in Berufsverbänden und gesellschaftlichen Vereinen. Die wichtigste dabei war sicher seine Tätigkeit in der Standesvertretung nationalsozialistischer Rechtsanwälte.

Zu weiteren (hier nicht dokumentierten) Funktionen gehörten im öffentlichen Bereich die Mitgliedschaft im Landeskirchenrat sowie die Funktion als 2. Beisitzer der Landessynode, der Verwaltungsratsvorsitz der Lippischen Landesbank sowie im privatrechtlichen Bereich die Geschäftsführung der Externsteinestiftung.


Der NS-Rechtswahrerbund (NSRB)

Der NS-Rechtswahrerbund e.V. war ein der NSDAP angeschlossener Verband (55). Er unterstand dem Reichsleiter des Reichsrechtsamtes als dem vom „Führer ernannten Reichsrechtsführer. Mitglieder sollten „die Angehörigen aller mit dem Recht verwurzelten Berufe in acht Fachgruppen sein (1. Richter und Staatsanwälte, 2. Rechtsanwälte, 3. Notare, 4. Rechtspfleger, 5. jur. Hochschullehrer, 6. Rechtswahrer der Verwaltung, 7. Wirtschaftsrechtler, 8. Junge Rechtswahrer). Als Aufgaben des NSRB nennt das Organisationsbuch „die Durchführung der politisch-weltanschaulichen Ausrichtung aller Rechtswahrer im Sinne des Nationalsozialismus, den Kampf „um die Verwirklichung des „nationalsozialistischen Programms auf dem Gesamtgebiet des deutschen Rechts, insbesondere um die Wiedererweckung und Neugestaltung des deutschen Rechts als Mittel zur Sicherung des nationalsozialistischen Staats-, Kultur- und Wirtschaftslebens. Er hat also eine doppelte Aufgabe: Menschenführung und rechtspolitische Betreuung (56).

„Gebietliche Organisation, Unterstellungsverhältnis, Zuständigkeit innerhalb des NSRB waren folgendermaßen gestaltet: Der „gebietliche Arbeitsbereich einer Gaugeschäftsstelle des NSRB deckte sich mit dem eines Gaus der NSDAP. Die Geschäftsstellen waren den Gaurechtsämtern angeschlossen.

Auf der Kreisebene waren die Geschäftsstellen des NSRB den Kreisrechtsämtern angeschlossen. Eine Kreisgruppe war dann zu bilden, wenn innerhalb eines NSDAP-Kreises mindestens 30 Mitglieder des NSRB vorhanden waren. Der Kreisgruppenführer unterstand dem Leiter des Kreisrechtsamtes der NSDAP, sofern die beiden Ämter nicht in Personalunion verbunden waren. Eine Kreisgruppe konnte sich in Kreisabschnitte unterteilen, wenn deren Mitgliederzahl mindestens acht betrug. Ein Kreisabschnitt wurde ferner gebildet, wenn die in einem NSDAP-Kreis vorhandenen Mitglieder des NSRB zur Bildung einer Kreisgruppe nicht ausreichten (57).

Der NSRB, ursprünglich Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen (BNSDJ) genannt, bestand seit 1928 (58). Vor 1933 ein auch zahlenmäßig unbedeutender Verband, faßte er nach der im Zuge der „Gleichschaltung erfolgten Zerstörung der juristischen Standesvereinigungen den gesamten Rechtsstand in einer NS-Organisation zusammen (59). 1933, 1936 und 1939 führte er große Juristentage in Leipzig durch (60).

Wann der NSRB in Lippe gegründet wurde, ist nicht festzustellen. Lippe, Schaumburg-Lippe und die Grafschaft Schaumburg gehörten 1933 zum Bezirk des Obmanns Rechtsanwalt Dr. Roempler, Bückeburg; der Bezirk unterstand dem Gau Celle und Braunschweig. Anfang 1934 wurde Lippe ein selbständiger Bezirk unter Führung von Dr. Oppermann, Detmold, der zunächst dem genannten Gau unterstellt blieb.

Wohl 1936 erfolgte dann die Unterstellung unter den Gau Westfalen-Nord. In der Neugliederung des NSRB zum 15.7.1937 wurden die Bezirke und Ortsgruppen aufgelöst und durch Kreisgruppen ersetzt, die das Gebiet der jeweiligen Parteikreise abdeckten. Gleichzeitig wurden die Kreisgruppenführer als Hauptstellenleiter in die Kreisrechtsämter integriert. Führer des NSRB in Lippe blieb Dr. Oppermann (61).

Nach der Einberufung Oppermanns zum Kriegsdienst 1940 wurde er durch Rechtsanwalt Dr. Sievert, Detmold, vertreten. 1937 wurden die zuvor bestehenden Ortsgruppen des NSRB aufgelöst; ihre Geschäfte wurden von der Kreisgruppe übernommen. Die bisherigen Ortsgruppenführer betätigten sich fortan als örtliche Vertrauensleute. (62)

Die im folgenden verzeichneten Akten des NSRB stellen zweifellos nur einen Teil des ursprünglich vorhandenen Bestandes dar. Weitere Unterlagen befinden sich in den Akten des Kreisrechtsamtes, das Dr. Oppermann ebenfalls leitete. Die Korrespondenz der Ortsgruppe Blomberg ist sicher infolge der erwähnten Geschäftsübernahme hierher gelangt.


Kameradschaftsbund Deutscher Polizeibeamten und Soldatenbund

Im Kameradschaftsbund Deutscher Polizeibeamten nahm Oppermann seit 1933 die Funktion des Landeswartes im Landesbund Lippe wahr. Nach der Vereinigung des Landesbundes Lippe mit dem Gau Westfalen zum 1.1.1939 erlosch dieses Amt. Vom Bundesführer wurde Oppermann anschließend in den Führerrat des Kameradschaftsbundes berufen.

Der Soldatenbund war am 1.1.1936 als Soldatenorganisation des Wehrmachtsteils „Heer gegründet worden (63) und stand durch die Verpflichtung zur Doppelmitgliedschaft in enger Verbindung zum „Reichstreubund ehemaliger Berufssoldaten. Bundesführer war General Freiherr von Lötzen, Sitz der Bundesführung Berlin. Im Jahr 1937 hatte der Soldatenbund 230000 Mitglieder, die in 16 Bundesgruppen, 10 (Landes-)Verbänden und 3000 lokalen Kameradschaften erfaßt waren. Im Landesverband Lippe, der entsprechend der Wehrkreiseinteilung zur Bundesgruppe VI gehörte, übte Oppermann, der 1939 zum Hauptmann der Reserve ernannt und kurz darauf einberufen wurde, von 1935/36 bis zur Auflösung des Bundes im Herbst 1938 die Funktion des Verbandsführers aus.


Lippischer Theaterverein und Grabbe-Gesellschaft

Der Lippische Theaterverein, 1919 von Adolf Neumann-Hofer gegründet, wurde am 27.4.1933 gleichgeschaltet. Dabei erhielt Oppermann den Vorsitz des aus fünfzehn Mitgliedern bestehenden Vorstandes (64).

Anders als der Theaterverein wurde die Grabbe-Gesellschaft erst am 12.9.1937 im Rahmen nationalsozialistischer Kulturpolitik gegründet. Im gleichen Jahr wurden zum zweiten Male die Detmolder Grabbe-Tage veranstaltet, deren alljährliche Ausrichtung zur Hauptaufgabe der Gesellschaft wurde. Organisator der Grabbe-Tage wie auch führendes Mitglied der Gesellschaft, die bis 1945 mehr als 700 Mitglieder hatte und ein „Mitteilungsblatt sowie das Grabbe-Jahrbuch herausgab, war ihr Geschäftsführer, der Lehrer und (seit 1935) Kreisobmann der NS-Kulturgemeinde, Dr. Heinrich Hollo. Dieser war es allerdings auch, der „die Grabbe-Gesellschaft mit vollen Segeln in das Fahrwasser des Nationalsozialismus gesteuert hat (60), wie es auch die enge personelle Verflechtung des Vorstands mit Nationalsozialisten aus Gau- und Kreisleitung verdeutlicht. Auch Oppermann gehörte dem Vorstand an und nahm die Geschäfte des Schatzmeisters wahr (65).


Vorbemerkung zum Bestandsteil 9 (Nachlaß Wiegand)

Dr. Eduard Wiegand, 1893 in Detmold geboren, hatte seine politische Karriere während des Studiums in Münster als Mitglied des Völkisch-Sozialen Blocks begonnen und beteiligte sich im September 1922 in der dortigen NSDAP-Ortsgruppe, hielt jedoch auch Kontakt zu völkischen Gruppen in seiner Heimatstadt. Am 10.3.1925 trat er zum zweiten Male der NSDAP bei und war in verschiedenen Funktionen der Ortsgruppe Münster tätig. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß seine Aufnahme in den lippischen Landesdienst mit diesen Verdiensten in der Parteiorganisation zu erklären ist.

Im Juli 1933 wurde Wiegand, der eine nur unzureichende Ausbildung als Bibliothekar aufwies, mit der Führung der Direktorialgeschäfte der Lippischen Landesbibliothek, des Landesarchivs sowie des Landesmuseums betraut; im November des gleichen Jahres erfolgte seine Festeinstellung als Direktor der Landesbibliothek. Gleichzeitig nahm er weiterhin die Geschäfte des Leiters des Landesarchivs wahr und leitete außerdem die Staatliche Volksbüchereistelle.

Zu seinen Tätigkeiten gehörten sowohl die Erweiterung des Bestands der Bibliothek wie auch die Ausrichtung verschiedener Ausstellungen, u.a. anläßlich der „Erinnerungstreffen, die alljährlich zur Erinnerung an den Sieg im Landtagswahlkampf 1933 veranstaltet wurden, oder anläßlich der Richard-Wagner-Festwoche und der Grabbe-Tage (66).

Gleichzeitig begann er (unter den Bezeichnungen „Parteiarchiv der NSDAP Westfalen-Nord, Abteilung Lippe bzw. „Zeitgeschichtliches Archiv der Landesbibliothek) auf die „Kampfzeit der Partei bezogenes Schriftgut zu sammeln. Diese Sammlung, die „einen lebensvollen Querschnitt durch die Kampfeszeit der Bewegung in Lippe sowie auch ihre völkischen Vorläufer (67) zeigen sollte, wurde auch von der Landesregierung unterstützt, die mit Rundverfügung vom 29.5.1934 ihre Dienststellen zur Weitergabe von Materialien anwies (68). Gerade die Verbindung mit Ausstellungen zu den „Erinnerungstreffen legitimierte die Eigenständigkeit der Sammlung gegenüber gleichzeitigen Ansätzen der Partei auf Reichs- und Gauebene oder etwa der SA (69).

Inhaltlich umfaßt die Sammlung Materialien aus der Frühzeit der völkischen Gruppen und der NSDAP in Lippe, aber auch Schriftgut von Gruppen und Personen, die der NSDAP feindlich gegenüberstanden. Darüber hinaus gehört zur Sammlung ein großer Komplex von Materialien zu jüdischem Leben in Lippe.

Die Provenienz der Materialien ist naturgemäß sehr unterschiedlich. Für die Frühzeit völkischer Bewegung und der NSDAP sind es in der Regel Überlieferungen einzelner politischer Aktiver, die Wiegand ihre Materialien übergaben. Zu ihnen gehören völkische Aktivisten wie der Antisemit Heinrich Dolle oder der Deutschnationale W. Pecher, Rentier aus Detmold, aber auch frühe Vertreter der NSDAP wie die Propagandaleiter Wolfgang Bergemann und Albert Diehl oder der Kreiskulturwart Heinrich Limberg. Dazu kommt Material aus NS-Organisationen, d.h. aus einzelnen Ortsgruppen, aus (später so genannten) Gliederungen wie HJ und Frauenschaft sowie aus (ebenfalls später erst so bezeichneten) angeschlossenen Verbänden wie NSBO und DAF.

Bei den NS-Gegner betreffenden Materialien handelt es sich, ohne daß der Weg im einzelnen verfolgt werden kann, um Unterlagen, die in der ersten Zeit der Verfolgung und „Gleichschaltung von der Polizei bzw. von SA-Leuten als Hilfspolizisten beschlagnahmt und später Wiegand übergeben wurden. Es sind Materialien aus dem Umfeld der Parteien von SPD und KPD und ihnen nahestehenden Organisationen wie etwa dem Arbeiter-Samariter-Bund, aber auch Materialien etwa der der NSDAP besonders verhaßten SPD-Tageszeitung „Volksblatt mit Privatunterlagen ihres Redakteurs Felix Fechenbach.

Bei den jüdisches Leben betreffenden Materialien handelt es sich ebenfalls um Beschlagnahmungsgut, z.T. von Einzelpersonen und z.T. aus dem Zusammenhang der Plünderungen jüdischer Wohnungen und Büros in den Pogromtagen vom 9.-11.11.1938. Viele dieser Materialien wurden nach 1945 von der Jewish Trust Corporation (Jetco) übernommen und sind nach mehreren Umzügen und zuletzt der Auflösung dieser Treuhandstelle nicht mehr auffindbar. Ein Teil der Unterlagen fand sich in den Central Archives for the History of the Jewish People in Jerusalem und konnte 1976 in Fotokopien wieder dem Bestand zugefügt werden (70).

Vermutlich wurde die Sammlung wie anderes NS-Archivgut des Gaus oder der Kreisleitung nach Schloß Wöbbel oder Schwalenberg ausgelagert. Nach Kriegsende wieder in die Landesbibliothek zurückgelangt, wurde sie durch Rückgaben an Anspruchsberechtigte sowie die Entnahme von Flugschriften, Druckschriften und Plakaten jedoch so gestört, daß der ursprüngliche Bestand nicht rekonstruiert werden kann (71).

(Angaben zu den einzelnen Provenienzen sind, soweit verfügbar, den einzelnen Gliederungsabschnitten beigefügt.)


Vorbemerkung zum Bestandsteil 10

Die Einrichtung der Außenstelle West des Reichsbauernführers steht im Zusammenhang der Organisation der Ernährung in den letzten Kriegsmonaten. Mit Schreiben vom 15.11.1944 beauftragte der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft den stellv. Abteilungsleiter der Reichshauptabteilung III des Reichsbauernführers, Kenne, mit der Einrichtung eines „Meldekopfes in Detmold. Er sollte die ständige Verbindung zwischen den im westlichen Deutschland gelegenen Landesbauernschaften mit der Berliner Zentrale vermitteln. Vermutlich hat der Meldekopf nie richtig funktioniert, da ein großer Teil des überkommenen Schriftgutes offensichtlich nicht einmal gelesen wurde.

Der „Deutschbund wurde am 9.5.1894 durch Friedrich Lange in Berlin gegründet. Als Zielsetzung nennt eine (undatierte) Flugschrift: Der Zweck des Deutschbundes ist die Erziehung seiner Mitglieder zu vertiefter völkischer Weltanschauung, zu deutschbewußtem Denken, Wollen und Tun, die Weckung und Förderung deutschen Wesens und germanischer Art, die Pflege des reinen Deutschtums auf allen Gebieten des Lebens sowohl der einzelnen deutschen Volksgenossen als auch der Volksgemeinschaft. Sein Ziel ist die Rettung und Erhaltung unseres Volkstumes, seine besondere Aufgabe die Schaffung der geistigen Voraussetzungen und Grundlagen des künftigen völkischen Staates (72).

Zielsetzung und unzweideutig antisemitische Stoßrichtung machten den Deutschbund zu einer typischen Gruppierung im völkischen Vorfeld der NSDAP und zu einem ihrer Wegbereiter. Enge Verbindung hielt er zum Jungdeutschen Orden und zum deutschnationalen Handlungsgehilfenverband, übte seine Anziehungskraft jedoch vorzüglich auf germanentümelnde Ideologen und dilettierende Vor- und Frühhistoriker aus, die sich in der Regel später in den diesen Themen zugewandten Zirkeln der NSDAP wiederfanden. Bemerkenswerterweise wurde er am 25.4.1934 vom Obersten Parteigericht der NSDAP als „älteste völkische Vereinigung anerkannt und den Parteimitgliedern die Doppelmitgliedschaft zugestanden (73).

An der Spitze des Deutschbundes stand die Bundesleitung mit Bundesgroßmeister, Bundeswart, Bundeskanzler und Bundeskammer. Als Untergliederungen bestanden von „Gaukanzlern geleitete Gaue sowie lokale Deutschbund-Gemeinden unter der Leitung von „Deutschmeistern.

Bundesorgan waren die „Deutschbund-Blätter; als „Zweckgemeinschaften angegliedert waren u.a.:
Teutstiftung und Rassenamt;
Deutsche Heimatschule Bad Berka, Thüringen;
Deutschvölkische Hauptstelle;
Deutsche Kunstgesellschaft;
Deutschvölkischer Schriftstellerverband;
Adolf Bartelsstiftung (später: Bartelsbundkorrespondenz);
Arbeitsamt für das Deutschtum des Auslands.

Leiter der Deutschbund-Gemeinde „Hermannsland in Detmold war anfangs der Postdirektor Kühnast, dem u.a. der deutsch-völkische Ideologe Wilhelm Teudt und der Oberschulrat, zeitweilige NSDAP-Ortsgruppenleiter in Detmold und NSDAP-Kreisschulungsleiter Ludwig Wollenhaupt folgten. Wollenhaupt war schon vor seiner Tätigkeit in Lippe Gaukanzler für das Ausland und Leiter der o.g. Zweckgemeinschaft „Arbeitsamt für das Deutschtum im Auslande.

Die im Bestand L 113 vorhandenen Unterlagen stammen v.a. von den lokalen Kassenwarten und von Wollenhaupt.

(Zu den Firmen Wesertal GmbH und Extertal AG s.o.).


Anmerkungen

1) Wertvolle mündliche Auskünfte zur Frühzeit der NSDAP in Lippe verdanke ich Herrn Jürgen Hartmann, s. auch seinen Beitrag: Völkische Bewegung und Nationalsozialismus in Lippe bis 1925. Ein Beitrag zur Entstehung und Frühzeit der NSDAP, in: Lippische Miteilungen aus Geschichte und Landeskunde 60 (1991), S. 149-198. Über diese Zeit auch Klocke, Dieter: Die Entwicklung des Nationalsozialismus in Lippe vor der Machtergreifung, o.O., o.J. (Maschinenschriftliches Manuskript einer Diplomarbeit, Bielefeld 1962, StA DT: D 71 Nr. 530)., S. 11-80, sowie. Quellenabdrucke auch bei V. Wehrmann, Lippe im Dritten Reich. Die Erziehung zum Nationalsozialismus. Eine Dokumentation 1933-1939, Detmold 1984. Wehrmanns Einschätzung, daß sich „die Frühgeschichte dieser Partei ... weitgehend im Dunkeln verliere, und sich „nicht mehr exakt rekonstruieren lasse (S. 19), läßt sich nach den Forschungen von Hartmann nicht mehr aufrechterhalten. Zur Geschichte des Bezirks Lippe und der Ortsgruppe Detmold vor 1933 s. auch Ruppert, Andreas: "Die Ortsgruppe Detmold der NSDAP 1925-1934."
In: Stadt Detmold (Hg.): Nationalsozialismus in Detmold. Dokumentation eines stadtgeschichtlichen Projekts. Bearb. von Hermann Niebuhr u. Andreas Ruppert. Bielefeld 1998, S. 203-232.

2) Ciolek-Kümper, Jutta: Wahlkampf in Lippe. Die Wahlkampfpropaganda der NSDAP zur Landtagswahl am 15. Januar 1933. München 1976 (Kommunikation und Politik, Band 8); Wulfmeyer, Reinhard: Lippe 1933. Die faschistische Machtergreifung in einem deutschen Kleinstaat, Bielefeld 1987.

3) Zu Meyers Ambitionen als Reichsstatthalter und zur Entwicklung dieses dem NS-Staat eigentümlichen Amtes vgl. Sengotta, Hans-Jürgen: Der Reichsstatthalter in Lippe 1933-1939. Reichsrechtliche Bestimmungen und politische Praxis. Detmold 1976 (Sonderveröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe, Band 26).

4) Umfangreiche Aktenüberlieferung von Kreisleitungen findet sich im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden (betr. die Kreisleitung Offenbach am Main, vgl. Rebentisch, Dieter: Die „politische Beurteilung als Herrschaftsinstrument der NSDAP. In: Peukert, Detlev u. Jürgen Reulecke (Hg.), Die Reihen fast geschlossen, Beiträge zur Geschichte des Alltags unterm Nationalsozialismus, Wuppertal 1981, S. 107-128) und im Bayerischen Hauptstaatsarchiv München (betr. die Kreisleitungen des Gaus München-Oberbayern, s. Jaeger, Harald: Problematik und Aussagewert der überlieferungsgestörten Schriftgutbestände der NS-Zeit, Referat auf dem 49. Deutschen Archivtag, in: Der Archivar, Jg. 28, 1975, H. 3, Sp. 275-292).
Im StA DT befindet sich ein Splitterbestand der Kreisleitung Herford (mit Schriftgut auch der NSKOV sowie der Kreisfrauenschaft), s. M 15 Nr. 1-115.

5) So Peter Dohms auf dem 52. Deutschen Archivtag, zitiert in: Der Archivar, Jg. 32, 1979, H. 1, Sp. 36. Zum Schriftgut der NSDAP in Nordrhein-Westfalen vgl. den wertvollen vierteiligen Spezialnachweis: Das Schriftgut der NSDAP, ihrer Gliederungen und angeschlossenen Verbände in der Überlieferung staatlicher Behörden im Bereich des heutigen Landes Nordrhein-Westfalen, Teile 1-3, verzeichnet und bearbeitet von Michael Prinz, Konrad Bund und Klaus Wisotzky, (der auf Lippe und Schaumburg-Lippe bezogene) Teil 4 bearbeitet von Annelie Buntenbach und Hans-Georg Radel (Veröffentlichungen der staatlichen Archive des Landes Nordrhein-Westfalen, Reihe C: Quellen und Forschungen, Band 8, Teile 1-4).

6) Die in Lippe besonders enge Verbindung von NSDAP und Landesverwaltung erfordert allerdings in der Regel die Durchsicht der Verwaltungsakten zur Ergänzung der aus dem Bestand „L 113 gewonnenen Erkenntnisse.

7) „Bekanntmachung vom 13.5.1946 betr. Abgabe von NS-Schriftgut an die Landesbibliothek, Staatsanzeiger für das Land Lippe Nr. 5, vom 21.5.1946 (dazu die Berichtigung vom 5.6.1946, Staatsanzeiger Nr. 7, vom 24.6.1946) und „Bekanntmachung vom 14.5.1946 betr. Abgabe von Schriftgut an das Landesarchiv, Staatsanzeiger Nr. 6, vom 6.6.1946.

8) StA DT: D 29 Nr. 63.

9) Zu dem in die „Schloßbibliothek Wöbbel in Lippe ausgelagerten Akten- und Schriftgut gehörten Materialien aus dem Stadtarchiv Münster und der Universitätsbibliothek Münster; der Münsteraner Stadtarchivar Dr. Schulte war zugleich als Gauhauptstellenleiter mit der Betreuung des Gauarchivs beauftragt (s. L 113 Nr. 1047). Im Zusammenhang staatsanwaltlicher Untersuchungen zu nach 1945 abhanden gekommenen Objekten finden sich Hinweise auf die Zerstörung von Schriftgut, u.a. durch die Verwendung als Brennmaterial (vgl. StA DT: D 21 B, Zug. 34/1976, Nr. 166). 1973 übernahm das Staatsarchiv Detmold Splitterbestände aus dem sog. „Gauarchiv Wöbbel, das sich nach 1945 in der Landesbibliothek in Detmold befand (vgl. Bestand M 15 Nr. 116-205, 315-316, 320-321: Bezirksleitung Bielefeld, Gauinspektion III Bielefeld, Gaukulturfachberaterin, Kreisleitung Höxter-Warburg, NS-Frauenschaft Bad Oeynhausen, Nationalsozialistische Freiheitsbewegung Groß-Deutschlands, Bezirksverband Minden). Im Zusammenhang des Bestands L 113 gelangte auch Schriftgut der NSV-Gauwaltung in das Staatsarchiv Detmold und wurde von dort an das Hauptstaatsarchiv Münster abgegeben.

10) Dazu gehören im Bestand L 80 L die Nr. 42 u. 43 (betr. Gleichschaltung), die Nr. 54 (Beschwerden) und die Nr. 77 (Auseinandersetzungen zwischen NSDAP und Wehrmacht in Detmold).

11) Vgl. Hüttenberger, Peter: Die Gauleiter. Studie zum Wandel des Machtgefüges der NSDAP. Stuttgart 1969 (Schriftenreihe der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Nr. 14), S. 123.

12) Organisationsbuch der NSDAP, Hg. vom Reichsorganisationsleiter der NSDAP, 4. Aufl., München 1937, S. 142.

13) Gaurundschreiben vom 1.9.1932 betr. die Neuordnung im Gau Westfalen-Nord, in: StA DT M 15 Nr. 139.

14) Zur Person Rieckes vgl. den Lippe betreffenden Teil seiner Lebenserinnerungen in StA DT: D 72 Riecke 1 (Teilabdruck in „Lippische Blätter für Heimatkunde, Nr. 1, 1988, Hg. von der Lippischen Landes-Zeitung, S. 1-4, ausgewählt und kommentiert von Arnold Ebert); auch: Stockhorst, Erich: Fünftausend Köpfe. Wer war was im Dritten Reich, 1967, S. 346.Rieckes Tätigkeit als Staatsminister bedingt es, daß den Gauinspekteur betreffendes Schriftgut auch im Bestand „L 80 L (Büro des Staatsministers) enthalten ist.

15) Zur „Gleichschaltung in Lippe s. Wulfmeyer, S. 98 ff.

16) Dazu auch Herrmann, Paul-Wolfgang: Die Zerschlagung der Gewerkschaften. In: Stadt Detmold (Hg.): Nationalsozialismus in Detmold, S. 621-644.

17) Vgl. Staatsanzeiger für das Land Lippe, Nr. 36 v. 3.5. 1933. Zu Steineckes Funktion bei der Gleichschaltung der Gemeinden s. L 113 Nr. 218.

18) Vgl. Ciolek-Kümper, S. 27, Anm. 1 (Angaben Steineckes gegenüber der Verfasserin).

19) Listen beschlagnahmter Materialien finden sich in verschiedenen Jahrgängen des Staatsanzeigers, u.a. in Nr. 106 vom 23.12.1933; einige der hier genannten Unterlagen finden sich im Bestandteil 9 wieder.

20) 4 Kreise: Detmold, Brake, Schötmar und Blomberg, s. L 113 Nr. 1170; 3 Kreise: Detmold/Blomberg/Schwalenberg, Lage/Salzuflen/Schötmar/Oerlinghausen/Horn und Lemgo/Wüsten, s. L 113 Nr. 1198;7 Kreise: Detmold-Land, Blomberg/Schwalenberg, Barntrup, Bösingfeld, Lemgo-Land, Schötmar/Salzuflen-Land, Lage/Oerlinghausen/Augustdorf, vgl. die Denkschrift Steineckes in L 113 Nr. 1195.

21) Organisationsbuch, S. 130.

22) Ebd., S. 131. Zur Funktion der Kreisleitungen und der Rolle der Kreisleiter s. Ruppert, Andreas: "Der Kreisleiter in Lippe. Zur Funktion einer Mittelinstanz der NSDAP zwischen Ortsgruppen und Gau." In: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde 60 (1991), S. 199-229, sowie Riechert, Hansjörg und Andreas Ruppert: Herrschaft und Akzeptanz. Der Nationalsozialismus in Lippe während der Kriegsjahre. Analyse und Dokumente. Opladen 1998 (Veröffentlichungen der Staatlichen Archive des Landes Nordrhein-Westfalen, Reihe C, Nr. 41).

23) Prüßner, August: Aufgaben und Ziele. In: 1. Nationalsozialistischer Heimatkalender für Lippe, 1934, S. 102-104.

24) Organisationsbuch, S. 133-134.

25) Zum Kreisstab vgl. das Schaubild im Organisationsbuch, S. 135; zur Besetzung der einzelnen Kreisstäbe s. L 113 Nr. 122 und 128 (Lemgo), L 113 Nr. 343 (Detmold) und L 113 Nr. 698 (Lippe); vgl. auch die Verzeichnisse im Anhang zur Einleitung.

26) L 113 Nr. 1445.

27) Eine wichtige Einkommensquelle für die höheren NS-Führer waren ihre Diäten als Mitglieder des Reichstags; auch Wedderwille gehörte dem Reichstag seit der 9. Wahlperiode (seit dem 12.11.1933) an. Für seine Tätigkeit in der Landesregierung erhielt er nur eine Aufwandsentschädigung (s. Schreiben seiner Witwe vom 2.5.1970, StA DT: D 70 Nr. 68).

28) Zahlenangaben für den Rechenschaftsbericht des Kreisleiters anläßlich der Feier zum zehnjährigen Bestehen des Kreises Lippe (bezogen auf die Gründung der Kreise Detmold und Lemgo) am 25.10.1942, s. L 113 Nr. 698.

29) Vgl. Rundschreiben 2/38 des Reichsorganisationsleiters der NSDAP vom 15.5.1938, s. L 113 Nr. 1427.

30) Organisationsbuch, S. 133. Diesen Spielraum betonte auch der Kreisleiter Prüßner: „Die Kreisleitung ist keine Behörde. Sie kann sich nicht starr auf den Standpunkt stellen, daß sie für diese oder jene Angelegenheit nicht zuständig sei .. , Aufgaben und Ziele, S. 103.

31) Vgl. Fait, Barbara: Die Kreisleiter der NSDAP - nach 1945, in: Broszat, Martin u.a. (Hg.): Von Stalingrad zur Währungsreform. Zur Sozialgeschichte des Umbruchs in Deutschland, München 1989, S. 213-299.

32) Vgl. die Lebenserinnerungen Rieckes, S. 62f.

33) Vgl. das Rundschreiben des Gauleiters vom 12.11.1936 betr. die monatliche Lageberichterstattung, L 113 Nr. 62.

34) Vgl. M. Broszat, Politische Denunziationen in der NS-Zeit, in: Archivalische Zeitschrift, 73. Band, 1977, S. 221-238. Mit Materialien aus dem bestand L 113 arbeitet die ausgezeichnete Dissertation von Gisela Diewald-Kerkmann: Politische Denunziation im NS-Regime oder Die kleine Macht der "Volksgenossen". Bonn 1995. Von der Verfasserin auch: „Der größte Lump im ganzen Land - das ist und bleibt der Denunziant - Politische Denunziation während der NS-Zeit. In: Stadt Detmold (Hg.): Nationalsozialismus in Detmold, S. 787-803.

35) L 113 Nr. 111.

36) Vgl. Rebentisch, Die „politische Beurteilung, a.a.O.. Auf den Materialien aus dem Bestand L 113 aufbauend Andreas Ruppert: Die Macht des Blockleiters. Bescheinigungen politischer Zuverlässigkeit als Herrschaftsinstrument der NSDAP. In: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde 72 (2003), S. 335-358.

37) Tatsächlich wurden die Kreisleitungen etwa von so weitreichenden Maßnahmen wie Deportationen von der Gestapo nur noch in Kenntnis gesetzt; sie behielten allerdings eine Funktion bei der Verteilung des Raubgutes, da nach einer Verfügung des Oberfinanzpräsidenten vom 23.1.1942 die Vermietung von Immobilien aus ehemals jüdischem Besitz im gegenseitigen Einvernehmen zwischen Kreisleitern und sachlich zuständigen Finanzamtsleitern erfolgen sollte.

38) So Wedderwille in einem Brief vom 25.8.1944: „Insbesondere freue ich mich, dass nunmehr die Bewegung ihre alte revolutionäre Kraft bei Durchsetzung ihrer totalen Kriegsaufgaben entfalten kann .., s. L 113 Nr. 1073.

39) L 113 Nr. 1067.

40) So seine Witwe im Schreiben vom 2.5.1970, s.o. Anm. 27.

41) Rieckes auf Wedderwilles Tätigkeit in der Landesregierung bezogene nachträgliche Wertung, dieser sei „ein anständiger, sauberer, zuverlässiger und sachlichen Argumenten zugänglicher Mann gewesen, ist als typische Apologetik eines selbst tief in NS-Politik verstrickten höheren Verwaltungsbeamten zu bewerten, vgl. Rieckes Lebenserinnerungen, S. 63. Zu Wedderwille s. auch Riechert u. Ruppert, a.a.O., S. 29-70.

42) Vgl. die Angaben in seinem Lebenslauf, in L 113 Nr. 466.

43) Zum Folgenden vgl. Diehl-Thiele, Peter: Partei und Staat im Dritten Reich. Untersuchungen zum Verhältnis von NSDAP und allgemeiner innerer Staatsverwaltung. Studienausgabe der 2. Aufl., München 1971.

44) Ebd. S. 135-172.

45) Dazu auch Priamus, Heinz-Jürgen: Alfred Meyer. Biographische Skizze eines NS-Täters. In: Stadt Detmold (Hg.): Nationalsozialismus in Lippe, S. 42-79.

46) Zum Verhältnis Wedderwille - Wolff vgl. Sengotta, S. 151 ff.

47) Diehl-Thiele, S. 173-200.

48) S. dazu Ruppert, Andreas: 'Der nationalsozialistische Geist läßt sich nicht in die Enge treiben, auch nicht vom Arbeitsamt. Zur Auseinandersetzung zwischen dem Kreisleiter der NSDAP in Lippe und dem Leiter des Arbeitsamtes Detmold in den Jahren 1939 bis 1943. In: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde 62 (1993), S. 253-283.

49) Einen Überblick über die SA gibt Longerich, Peter: Die braunen Bataillone. Geschichte der SA. München 1989.

50) Organisationsbuch, S. 358.

51) Organisationsbuch, S. 358.

52) Äußerung eines SA-Mannes aus Horn in einem Privatbrief vom 5. Oktober 1934: L 113 Nr. 1106.

53) Vgl. auch „Geschichte des SA-Sturmes 108, in: 1. Nationalsozialistischer Heimatkalender für Lippe, 1934, S. 60-61 und „Die Entwicklung der SA in Lippe, in: Lippischer Kalender, 1934, S. 86-87; weitere Darstellungen zur Geschichte der lippischen SA finden sich in L 113 Nr. 1104. Mit Verletzungen, die er sich bei Saalschlachten in den Jahren 1930 und 1931 zugezogen hatte, begründete Werder später seinen Anspruch auf Verleihung des „Blutordens, s. L 113 Nr. 1038.

54) Im Oktober 1942 wurden folgende Angaben zur Stärke der lippischen SA gemacht: 1932: 7 Stürme mit 560 Mann (darunter ein Mitglied des Fürstenhauses); 1938: 31 Stürme mit 3206 Mann; 1942 zur Wehrmacht einberufen: 2420 Mann; s. L 113 Nr. 698.

55) Organisationsbuch, S. 317.

56) Ebd., S. 322.

57) Ebd., S. 323.

58) Zum folgenden vgl. Weinkauff, Hermann: Die deutsche Justiz und der Nationalsozialismus. Ein Überblick. Band 1, München 1968, S. 68 f.

59) Ebd. S. 102 ff.

60) Ebd. S. 69.

61) Dazu Enzensberger, Thomas: Der NS-Rechtswahrerbund in Lippe. In: Stadt Detmold (Hg.): Nationalsozialismus in Lippe, S. 258-290.

62) Zur Neugliederung vgl. das Rundschreiben des Gauführers des NSRB (und Leiters des Gaurechtsamtes) vom 25.6.1937, L 113 Nr. 419.

63) Vgl. dazu Schwede, Franz (Gauleiter u. stellv. Bundesführer des Soldatenbundes): Die Soldaten-Organisation der neuen Wehrmacht. In: Lippische Staatszeitung vom 11.4.1937.

64) Zum Theaterverein s. StA DT: L 80 Ia XXXII 2 Nr. 8.

65) So Broer, Werner: Die Grabbe-Gesellschaft im Dritten Reich, in: „Was tragisch ist, ist auch lustig ..., Grabbe-Jahrbuch, 6. Jg., 1987, S. 65-78, hier S. 74. S. auch: Broer, Werner: Die Grabbe-Gesellschaft in der zeit der nationalsozialistischen Herrschaft. In: Stadt Detmold (Hg.): Nationalsozialismus in Detmold, S. 589-610,
und Vogt, Michael: „Durchbruchsschlacht für Grabbe. Die Grabbe-Woche 1936 als Beispiel nationalsozialistischer Kulturpolitik in der Region, ibid., S. 571-588.
Zur Grabbe-Gesellschaft s. auch StA DT: L 80 Ia XXXII 2 Nr. 7.

66) Vgl. die ausführliche Beschreibung der Ausstellung zum 3. Erinnerungstreffen in der Lippischen Staatszeitung vom 15.1.1936.

67) Wiegand, Ludwig: Die Entwicklung der Lippischen Landesbibliothek und des Lippischen Landesarchivs im Dritten Reich. In: 5. Nationalsozialistischer Heimatkalender für Lippe, 1938, S. 97-109, hier S. 104.

68) U. a. Rundverfügung der Landesregierung vom 29.5.1934, StA DT: L 80 Ia 10 T.2 Nr. 3. Hier findet sich auch ein „Verzeichnis des von den einzelnen Dienststellen des Landes übersandten Materials, dessen einzelne Titel heute im Bestand fehlen.

69) Vor allem das Gauarchiv stellte in diesem Zusammenhang eine ernstzunehmende Konkurrenz dar, vgl. das Rundschreiben des Gauschulungsleiters vom 17.5.1934 mit „Richtlinien für die Arbeit des Parteiarchivs, L 113 Nr. 17, sowie Hinweise auf eine von Dr. Schulte in Münster angelegte und nach Wöbbel ausgelagerte Zeitgeschichtliche Sammlung (s.o. Anm. 9).

70) Einige der von Wiegand übernommenen Bücher der Detmolder Synagogengemeinde und aus jüdischem Privatbesitz befinden sich heute im Archiv der Synagogengemeinde Herford (nach freundlicher Auskunft von Herrn Jürgen Hartmann, Rheine). Die von der Jetco übernommenen Unterlagen sind inzwischen im Archiv der Jüdischen Gemeinde Hamburgs gefunden worden (freundliche Information durch Herrn Jürgen Scheffler, Lemgo); das Staatsarchiv Detmold bemüht sich um die Rückführung der Originale oder um die Überlassung von Kopien einer schon für das Holocaust Museum New York durchgeführten Verfilmung.

71) Vgl. Ciolek-Kümper, S. 27, Fußnote 1; viele Fotografien befinden sich seit 1972 unter der Signatur W in der Landeskundlichen fotografischen Bildersammlung des Instituts für Lippische Landeskunde.

72) L 113 Nr. 1307.

73) S. L 113 Nr. 1306.



Anhang zur Einleitung


Schaubilder zur Organisation der NSDAP (Parteiaufbau, Gauleitung, Kreisleitung) und der SA sowie Verzeichnisse des Gaustabs Westfalen-Nord und der Kreisstäbe Lemgo, Detmold und Lippe. Die Schaubilder sind dem Organisationsbuch der NSDAP entnommen (a.a.O., S. 97, 125, 135, 141, 360 und 361). Verzeichnisse des Gaustabs Westfalen-Nord finden sich in L 113 Nr. 932 sowie im 7. Nationalsozialistischen Heimatkalender für Lippe, Jg. 1940, S. 34f. Angaben zu den Kreisstäben finden sich v.a. in L 113 Nr. 122, 269, 343, 556, 622 und 843 sowie im 6. Nationalsozialistischen Heimatkalender für Lippe, 1939, S. 39. Verzeichnisse der Ortsgruppenleiter in Lippe finden sich außer im Bestand L 113 (u.a. Nr. 273, 342, 343, 355, 555, 556, 843, 936) auch in den Jahrgängen 1935-1939 des Nationalsozialistischen Heimatkalenders für Lippe.

Zu beachten ist, daß die Bezeichnungen der Ämter z.T. gewechselt haben. So wurden zum 1.1.1935 die bisherigen „Abteilungen und „Stellen zu Ämtern. Hingewiesen sei außerdem noch einmal auf die übliche Personalunion bei der Besetzung der Parteiämter mit den entsprechenden Positionen der angeschlossenen Verbände und betreuten Organisationen.

Trotz einer beachtlichen personellen Kontinuität in den lippischen Kreisstäben gab es dennoch in einzelnen Ämtern Wechsel, deren genaue Daten nicht zu ermitteln sind. In diesen Fällen sind die verschiedenen Amtsinhaber nacheinander aufgeführt, so weit sie bekannt sind.

(Die Schaubilder sind im Publikationsfindbuch abgedruckt, sie konnten nicht in das elektronische Findbuch übernommen werden.)


Gauleitung Westfalen-Nord (Gaustab)

Gauleiter Dr. A. Meyer

Stellvertretender Gauleiter P. Stangier

Adjutant des Gauleiters Seefloth u.a.

Gaugeschäftsführung F. J. Schmedding, C. Beyer

Gauorganisationsamt W. Steinecke, K.Kossol, G. Reineking, Böhnert

Gauschulungsamt W. Rosenbaum

Gaupropagandaleiter F. Schmidt, E. Uranowski

Gaupersonalamt C. Beyer, Dr. Grässner

Gauinspekteure G. Auras, A. Bezler, K. Schulz, Budde
(Budde für die Gauinspektion 6: Lippe,
Schaumburg-Lippe und Grafschaft Schaumburg)

Gauschatzamt A. Mietz

Gaupresseamt Dr. A. Schröder, A. Prüßner

Gaurechtsamt Dr. W. Fleiter

Gauamt für Erzieher F. Reimpell

Gauamt für Agrarpolitik Göckenjan, A. Kost

Gauamt für Volksgesundheit Dr. Vonnegut

Gauamt für Kommunalpolitik E. Irrgang

Gauamt für Technik H. Hulek

Gauwirtschaftsberater Chr. Franke

Gauamt für Rassepolitik Dr. E. Baumeister

Gauamt für Beamte R. Barthel

Gauamt für Kriegsopfer H. Meinert

Gauamt für Volkswohlfahrt H. Degenhard

Gaugericht H. E. Ummen

Gaufrauenschaftsleitung E. Polster


Kreisleitung Lemgo (Kreisstab)

Kreisleiter A. Prüßner

Geschäftsführer O. Strehle, E. Doht, W. Wehrmann

Organisation E. Doht, W. Wehrmann, A. Diehl

Schulung H. Jahnke, H.-K. Meier

Propaganda A. Diehl, L. Betz
Haupstelle Kultur H. Limberg
Hauptstelle Rundfunk K. Gast
Hauptstelle Film H. Büngener, W. Pälicke, W. Nolting

Personalamt W. Pälicke, S. Rabe, E. Campe, A. Prüßner

Kassenleiter E. Campe, H.-K. Meier

Presse G. Otto, H. Jahnke , E. Preißler

Rechtsamt B. Kuhlmann

Erzieher K. Stiller

Handel und Handwerk M. Naudorf, G. Neubauer

Hago K. Siewing, G. Kleine

Amt für Volksgesundheit Dr. Jenner, Dr. Fröhlich

Amt für Kommunalpolitik H. Hesse, Dr. Günther

Wirtschaftsberater R. Uhl

Agrarpolitik H. Helms, G. Nieder-Begemann

Rassenpolitik Dr. Jenner

Beamte H. Brede

Kriegsopfer H. Delius

Volkswohlfahrt K. Siewing

Kreisgericht E. Preißler, S. Raabe

Frauenschaft H. Kracht


Kreisleitung Detmold (Kreisstab)

Kreisleiter A. Wedderwille, W. Herrich

Geschäftsführung K. Sutmar

Organisation H. Rehm, K. Sutmar
Ausbildung H. Jürgens

Schulung E. Tölle

Propaganda E. Schäffer
Kultur L. Wollenhaupt
Rundfunk E. Warnecke
Film H. Büngener

Personalamt K. Garnjost

Kassenleiter K. Sutmar

Presse F. Kuhlmann, A. Hey, E. Preisler

Rechtsamt Dr. H. Oppermann

Erzieher Dr. W. Splittgerber, Dr. E. Geissler

Handel und Handwerk A. Wodarz

Volksgesundheit Dr. R. Cammeratt

Kommunalpolitik H. Helms

Technik W. Herrich

Kreiswirtschaftsberater R. Uhl

Agrarpolitik A. Niebuhr

Beamte W. Ehlert

Kriegsopfer H. Delius

Volkswohlfahrt M. Mrugowski

Kreisgericht S. Rabe

Frauenschaft L. Siekmann


Kreisleitung Lippe (Kreisstab)

Kreisleiter A. Wedderwille

Stellv. Kreisleiter H. Rehm

Geschäftsführung K. Sutmar

Organisation G. Lückhoff

Schulung H. Rehm

Propaganda G. Lückhoff, Behnke
Kultur Dr. Hollo
Rundfunk Baltin
Film Korge

Personalamt E. Campe, K. Frenger

Kassenleiter K. Sutmar, E. Campe

Presse A. Hey, Otto, H. Behnke

Rechtsamt B. Kuhlmann

Erzieher K. Stiller

Handel und Handwerk G. Kleine, H. Diekmann

Volksgesundheit Dr. H. Fröhlich

Kommunalpolitik K. Frenger

Technik F. Hildebrand

Wirtschaftsberater R. Uhl, Ober-Sundermeyer, Dr. Niggebrügge

Agrarpolitik G. Nieder-Begemann

Rassenpolitik E. Kaul, komm. Behnke

Beamte W. Ehlert

Kriegsopfer R. Hüttenbernd

Volkswohlfahrt W. Möller, E. Kersting

Kreisgericht Lippe I S. Rabe

Kreisgericht Lippe II E. Preißler

Frauenschaft L. Siekmann

DAF A. Müller


Für Campe seit dem 17.2.1943 der komm. Ortsgruppenleiter H. Meyer.





Vorbemerkung zum Nachtrag

Verzeichnis des Zugangs 51/97

Die Akte L 113 Nr. 1528 beinhaltet Unterlagen eines NSDAP-Hauptstellenleiters im Kreis Lippe, die Akten L 113 Nr. 1529-1547 enthalten die von dem Detmolder Antiquariat Wattenberg 1997 angekauften Unterlagen der SA-Reservestürme 12/R55 (Sylbach) und 14/R55 (Schötmar). Die Stürme waren dem Sturmbann II/55 Bad Salzuflen angegliedert und damit Bestandteil der Standarte R55 Herford, die wiederum Teil der Brigade R 65 Münster war, die der Gruppenleitung Westfalen unterstand.

Die Akten stammen höchstwahrscheinlich aus dem Besitz des Sylbacher Friseurmeisters und SA-Verwaltungsmannes Friederich Gröppel, der auch im Männergesangverein Sylbach tätig war und dessen persönliche Unterlagen gesondert zusammengefasst worden sind.

Interessant ist der Bestand vor allem aufgrund dessen, dass es kaum vergleichbare detaillierte Unterlagen aus unterster Ebene der SA gibt, zumal sie einen Zeitraum umfassen, der wegen der politischen Umwälzungen jener Zeit (z.B. der Röhm-„Putsch) als besonders wertvoll einzuschätzen ist. Auch Veränderungen im Zuge der „Machtergreifung spiegeln sich in den Akten nieder.

Detmold, im September 1999

gez. Alexander Seyferth






Das von Andreas Ruppert 1990 bearbeitete und als Publikationsfindbuch gedruckte Findbuch zum Bestand L 113 wurde von Herrn Ruppert durchgesehen und zusammen mit dem Nachtrag von 1999 im Dezember 2005 nach VERA konvertiert.
gez. Robert Gahde






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