Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
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Landgestüt Lippe
L 99 A Landgestüt
Permalink des Findbuchs


Signatur : L 99 A

Name : Landgestüt

Beschreibung :
Vorwort

Pferdezucht in Lippe - dafür stand bis ins 20. Jahrhundert hinein vor allem das einst berühmte Sennergestüt in Lopshorn. Das Landgestüt als ein Gestüt, in dem staatliche Zuchthengste (so genannte Landbeschäler) für die im Privatbesitz befindlichen Stuten aufgestellt waren, ist weniger bekannt geworden. Sein Ursprung lässt sich ebenso wie der des Sennergestüts heute nicht mehr feststellen. Es liegt nahe, ihn in der „Verordnung wegen der Pferdezucht vom 28. Oktober 1699 zu vermuten, in der die ausschließliche Bedeckung der Stuten der Untertanen durch Landbeschäler angeordnet und eine Frist von zwei Monaten für die Abschaffung der in Privathänden sich befindenden Hengste gesetzt wird. Die frühesten im Bestand L 99 A überlieferten Deckregister datieren von 1706.

Die Hoffnungen auf eine Verbesserung der lippischen Pferdezucht durch das Landgestüt erfüllten sich zunächst nicht, im Gegenteil: Das Widerstreben der Landbewohner gegen die verordnete Benutzung der aufgestellten herrschaftlichen Beschäler sowie die das Land berührenden Kriege in der Mitte des 18. Jahrhunderts - vor allem der Siebenjährige Krieg - führten zu einem Niedergang der Landespferdezucht.

Mit der Einstellung von Johann Gottfried Prizelius (1736-1784) als Stallmeister für das Senner- und das Landgestüt 1768 änderte sich das Bild, wenn auch nur für kurze Zeit. Prizelius, ein Schüler des seinerzeit berühmten Göttinger Stallmeisters J. Ayrer, verstärkte die Überwachung des Einsatzes der Landbeschäler und des Brennens der Fohlen. Er gab die Stelle jedoch bereits 1774 wieder auf und seine Nachfolger Stivarius, Lorenz und Wülcker ließen die Zügel eher schleifen. Ab 1776 konnten auch zugelassene Privatbeschäler benutzt werden. So fielen 1788 von herrschaftlichen Hengsten 99, von Privathengsten aber 194 Fohlen. Die Besichtigung der Hengste geschah ab 1789 nur noch alle drei Jahre.

Erst der Stallmeister Friedrich August Knoch (1790-1850), ein Enkel des Archivrats Johann Ludwig Knoch, setzte sich ab 1825 dafür ein, nur noch herrschaftliche Beschäler des Landgestüts und approbierte Stuten zuzulassen.1841 folgte die Regierung diesem Vorschlag, nur um 1850 wiederum Privatbeschäler zuzulassen. Auch der ab 1851 amtierende Stallmeister Ferdinand Friedrich von Unger (1817-1893) konnte den Niedergang des Landgestüts nicht aufhalten. Bis 1861 gingen infolge der geringen Benutzung herrschaftlicher Beschäler die Beschälstationen Heerse, Lemgo und Varenholz ein, so dass nur noch 16 Beschäler auf den verbleibenden Stationen Detmold, Alverdissen, Weißenfeld, Meinberg und Hohenhausen standen. Angesichts dessen bat Hofstallmeister von Unger am 21. Dezember 1861 die Regierung, den Vertrag über das Landgestüt zum 31. Dezember 1862 zu kündigen. Ein Ministerialerlass vom 13. Dezember 1862 bezeichnet das Landgestüt bereits als aufgelöst.


Hinweise zur Verzeichnung des Bestandes

Der erste Zugang von Akten des Land- und des Sennergestüts erfolgte im Jahr 1920. Sie wurden im älteren (undatierten) Repertorium L 99 A und L 99 B erfasst.
Die neue Verzeichnung wurde im Oktober 2004 durchgeführt. Grundlage für die Bildung der Aktentitel war das bisher benutzte Repertorium. Die vorhandene Klassifikation ist weitgehend übernommen worden, nur die bisherigen Titel 10 und 11 wurden zu einer Einheit zusammengefasst. Bewusst wurde darauf verzichtet, die im Verlaufszeitraum in der Pferdezucht gebräuchlichen Ausdrücke dem heutigen Sprachgebrauch anzugleichen, da sie sich im Allgemeinen gut erschließen lassen. Eine Ausnahme bildet vielleicht der Terminus „gefallene Fohlen, damit sind geborene Fohlen gemeint.
Einen Schwerpunkt des Bestandes bilden Decklisten und Fohlenverzeichnisse. Sie reichen von 1706 bis 1863. Insgesamt umfasst der Bestand 202 Nummern mit einer Laufzeit von 1705-1896. Die letzte vergebene Nummer ist 202.

Der Bestand ist zu zitieren L 99 A Nr. …

Dr. Claudia Puschmann