Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1. Staatsarchiv Detmold
1.1. Land Lippe (bis 1947)
1.1.2. Verwaltung, Justiz
1.1.2.2. Allgemeine und innere Verwaltung
1.1.2.2.4. Städte und Ämter
Amt Sternberg
L 26 Amt Sternberg (Akten)
Permalink des Findbuchs


Signatur : L 26

Name : Amt Sternberg (Akten)

Beschreibung :
Ortsakten

In der zweiten Hälfte des 15. Jh. wurde Detmold ständiger Sitz der lippischen Regierung, nachdem der regierende Graf bis dahin zeitweise auch in Brake bei Lemgo, Blomberg und an anderen Orten residiert hatte. Dort gab es eine "schriverigge", bei sich nach und nach ein umfangreiches, aber chaotisch geordnetes und unter ungünstigen räumlichen Bedingungen aufbewahrtes Archiv entwickelte, das im Laufe der Zeit immer mehr verwahrloste; es enthielt Unterlagen verschiedenster Behörden, die - auch infolge diverser Ordnungsversuche - vielfach durcheinander gerieten.

Erst dem 1762 eingestellten erfahrenen Archivar Johann Ludwig Knoch gelang es in jahrelanger Arbeit, Abhilfe zu schaffen und die unübersichtliche Archivalienmenge zu verschiedenen "Registraturen" (Beständen) zu ordnen, deren Bestandteile er "aus hundert Ecken" (Kiewning, S. 300) zusammensuchen musste.

Eine besondere Vorliebe muss Knoch für seine Ortsakten gehabt haben, also Registraturen über die Städte und Ämter des Landes, deren Schriftgut hauptsächlich bei der Regierung entstanden war (vgl. dazu den Abschnitt "Ämter und Städte" im Bestand L 77 A / Regierung, Ältere Registratur); er sah sie wohl als Fundament des ganzen Archivs an. Allerdings "stopfte" (Kiewning, S. 303) Knoch in seine Ortsakten "mit Vorliebe" auch Prozessakten, weil er meinte, dass man dort eher nach Familien und Gütern nachforschen würde als anderwärts.

Das Findbuch zum vorliegenden Bestand "Registratura und Repertorium über die Acta archivalia des Amts STERNBERG " wurde von Knoch "Anno 1775" beendet. Es enthält, anders als die Bände zu L 17 - L 25, 27, 30, 33 und 34, keine historischen oder sonstigen Abhandlungen oder Anmerkungen, auch "Remissoria" (Verweise auf andere Bestände) fehlen fast völlig; gelegentlich wurden - von Knoch und Anderen - Nachträge eingefügt.

Der Bestand enthält auch einen schmalen Faszikel "Flecken Alverdissen n. m." (nullius momenti = ohne Bedeutung), der hier belassen wurde, da Alverdissen ursprünglich zur Grafschaft Sternberg gehörte und erst im 16. Jh. ein eigenes Amt wurde (siehe Vorbemerkung im Findbuch L 95 III); "Ortsakten" betr. das Amt Alverdissen befinden sich im Bestand L 7.

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Die Übertragung des Knochschen Findbuchs nach VERA erfolgte im Rahmen der Konvertierung analoger Findmittel. - Für die vorliegende Datei wurden auf Grundlage der Knochschen Repertorien modernen Verzeichnungsgrundsätzen entsprechende Klassifikationsbezeichnungen und Aktentitel gebildet (*), dabei neue fortlaufende Signaturen vergeben; erforderlichenfalls wurden kleinere Knochsche Verzeichnungseinheiten zusammengefasst, umfangreichere Konvolute aufgeteilt. Die ursprüngliche Gliederung wurde nicht verändert. 20 Archivkartons "Inserenda" (von Knoch nachgefundene und größtenteils inhaltlich erschlossene, aber nicht mehr eingeordnete Vorgänge) wurden an passender Stelle eingefügt.

Auf die Prüfung jedes einzelnen Vorgangs (wie bei L 17 - L 25 und L 27) sowie auf sachliche Korrekturen, ob etwa ein Hof von Knoch einer falschen Bauerschaft oder einem falschen Amt zugeordnet wurde oder ob ein Aktenbetreff besser zu einem anderen Gliederungspunkt passt, wurde verzichtet; dies ist im Rahmen einer einigermaßen zügigen digitalen Erschließung der Knochschen Bestände nicht zu leisten. Bei der Laufzeit wurden aus demselben Grund außer dem Anfangs- und dem Endjahr nur größere Lücken angegeben; die Angaben bei den Inserenda sind unter Vorbehalt zu betrachten, da nicht jedes Schriftstück überprüft werden konnte. - Die Bearbeitung des Bestandes wie L 17 - L 25 / L 27 wurde 1974/75 von Rohtraut Müller-König begonnen, aber nicht zu Ende geführt.

Eine Erschließung des Akteninhalts wie vor über 200 Jahren ist unter heutigen Umständen nicht mehr möglich (siehe dazu auch Bender). Zusätzlich werden deshalb die Knochschen Repertorien als "Images" ins Intranet und ins Internet gestellt. Ihre Benutzung bleibt für eine detaillierte Recherche weiterhin unverzichtbar.

(*) Der von Knoch häufig verwendete Begriff "Privata" wurde mit "Kolonatssachen" wiedergegeben in Anlehnung an die im Landesarchiv/Staatsarchiv Detmold seit langem geläufige Bezeichnung des Bestands L 92 T 1 (Kolonate/Kolonatsakten - alte Bezeichnung: Privata Incolarum, Privatsachen). Bei Ortsnamen wurde möglichst die heutige Schreibweise benutzt, bei Personennamen die heute gebräuchliche Form (Meier zu ... statt Meyer, Schalk statt Schalck, Barkhausen statt Barckhausen u.ä.; s.a. die genealogische Sammlung D 77 Brenker).


Detmold, im Februar/März 2012
gez. Arno Schwinger





Literatur :
Wolfgang Bender, Archivar aus Leidenschaft - Johann Ludwig Knoch, in: Lippische Mitteilungen 75 (2006), S. 15-36.Hans Kiewning, Das Lippische Landesarchiv in Detmold, in: Archivalische Zeitschrift Bd. 42/43 (1934), S. 282-321.