Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1. Staatsarchiv Detmold
1.1. Land Lippe (bis 1947)
1.1.2. Verwaltung, Justiz
1.1.2.2. Allgemeine und innere Verwaltung
1.1.2.2.4. Städte und Ämter
Stadt Lemgo
L 28 Stadt Lemgo (Akten)
Permalink des Findbuchs


Signatur : L 28

Name : Stadt Lemgo (Akten)

Beschreibung :
Ortsakten

In der zweiten Hälfte des 15. Jh. wurde Detmold ständiger Sitz der lippischen Regierung, nachdem der regierende Graf bis dahin zeitweise auch in Brake bei Lemgo, Blomberg und an anderen Orten residiert hatte. Dort gab es eine "schriverigge", bei sich nach und nach ein umfangreiches, aber chaotisch geordnetes und unter ungünstigen räumlichen Bedingungen aufbewahrtes Archiv entwickelte, das im Laufe der Zeit immer mehr verwahrloste; es enthielt Unterlagen verschiedenster Behörden, die - auch infolge diverser Ordnungsversuche - vielfach durcheinander gerieten.

Erst dem 1762 eingestellten erfahrenen Archivar Johann Ludwig Knoch gelang es in jahrelanger Arbeit, Abhilfe zu schaffen und die unübersichtliche Archivalienmenge zu verschiedenen "Registraturen" (Beständen) zu ordnen, deren Bestandteile er "aus hundert Ecken" (Kiewning, S. 300) zusammensuchen musste.

Eine besondere Vorliebe muss Knoch für seine Ortsakten gehabt haben, also Registraturen über die Städte und Ämter des Landes, deren Schriftgut hauptsächlich bei der Regierung entstanden war (vgl. dazu den Abschnitt "Ämter und Städte" im Bestand L 77 A / Regierung, Ältere Registratur); er sah sie wohl als Fundament des ganzen Archivs an. Allerdings "stopfte" (Kiewning, S. 303) Knoch in seine Ortsakten "mit Vorliebe" auch Prozessakten, weil er meinte, dass man dort eher nach Familien und Gütern nachforschen würde als anderwärts.

Die Findbücher zu den Ortsakten versah Knoch in der Regel mit historischen oder rechtsgeschichtlichen Abhandlungen [Remarquen], eventuell auch mit Landesbeschreibungen sowie Nachrichten über "merckwürdige Orthe und Gegenstände" oder mit genealogischen Informationen über bedeutende Familien und was ihm sonst noch mitteilenswert erschien; leider ist dies für die Lemgoer "Civil Registratur" nicht der Fall. Das Findbuch enthält auch relativ wenige "Remissoria" (Hinweise auf andere Bestände oder auf Stellen innerhalb des Bestandes).

Das Findbuch zum vorliegenden Bestand "Registratura Archivalis Actorum Civilium der Stadt LEMGO" wurde von Knoch "wegen der seith 24 Jahren her vorgefundenen vielen Nachrichten nochmahls von neuem ordinirt und vermehret" und Ende September 1791 fertiggestellt. Das Repertorium (nebst Indexband, eventuell auch das "1791" beendete Repertorium "Remissoriale Ecclesiasticum Lemgoviense" / L 29) lieferte Knoch "nach Inhalt meiner Instruction und bißherigen unausgesetzten Observantz" am 4. Januar beim (Regierungs-) Präsidenten von Hoffmann ab. Bitter vermerkt er, dass auf sein mitübersandtes Promemoria (Denkschrift) "keine Resolution oder Approbation, wie seit 27 Jahren allezeit geschehen" erfolgt sei, sondern die Bände schon 6 Tage später vom Kanzleiboten wieder zurückgebracht worden seien (zu den Hintergründen siehe die Vorbemerkung zum Bestand L 65). Im Mai 1803, "in dem 91ten Jahr meines schwachen Alters" erstellte Knoch "zum Zeit Vertreib" noch einen Anhang über "so viele nachgefundene Objecta".

* * *

Die Übertragung des Knochschen Findbuchs nach VERA erfolgte im Rahmen der Konvertierung analoger Findmittel. - Für die vorliegende Datei wurden auf Grundlage der Knochschen Repertorien modernen Verzeichnungsgrundsätzen entsprechende Klassifikationsbezeichnungen und Aktentitel gebildet, dabei neue fortlaufende Signaturen vergeben; erforderlichenfalls wurden kleinere Knochsche Verzeichnungseinheiten zusammengefasst, umfangreichere Konvolute aufgeteilt. Die ursprüngliche Gliederung wurde nicht verändert. Die im Anhang aufgeführten, in der Regel von Knoch bereits mit Signaturen versehenen Stücke wurden forlaufend verzeichnet, die Verzeichnungseinheiten in der VERA-Datei an entsprechender Stelle eingefügt, ebenso 3 Archivkartons "Inserenda" (von Knoch nachgefundene und größtenteils inhaltlich erschlossene, aber nicht mehr eingeordnete Vorgänge).

Auf die Prüfung jedes einzelnen Vorgangs (wie bei L 17 - L 25 und L 27) sowie auf sachliche Korrekturen, ob etwa ein Aktenbetreff besser zu einem anderen Gliederungspunkt passt oder ein Vorgang in einen anderen Aktenband, wurde verzichtet; dies ist im Rahmen einer einigermaßen zügigen digitalen Erschließung der Knochschen Bestände nicht zu leisten. Bei der Laufzeit wurden aus demselben Grund außer dem Anfangs- und dem Endjahr nur größere Lücken angegeben; die Angaben bei den Inserenda sind unter Vorbehalt zu betrachten, da nicht jedes Schriftstück überprüft werden konnte; auch kann ein umfangreicher Aktenband durchaus noch frühere oder spätere Schriftstücke enthalten.

Eine Erschließung des Akteninhalts wie vor über 200 Jahren ist unter heutigen Umständen nicht mehr möglich (siehe dazu auch Bender). Zusätzlich werden deshalb die Knochschen Repertorien als "Images" ins Intranet und ins Internet gestellt. Ihre Benutzung bleibt für eine detaillierte Recherche weiterhin unverzichtbar.



Detmold, im August 2012
gez. Arno Schwinger





Literatur :
Wolfgang Bender, Archivar aus Leidenschaft - Johann Ludwig Knoch, in: Lippische Mitteilungen 75 (2006), S. 15-36.Hans Kiewning, Das Lippische Landesarchiv in Detmold, in: Archivalische Zeitschrift Bd. 42/43 (1934), S. 282-321.

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