Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1.1. Land Lippe (bis 1947)
1.1.2. Verwaltung, Justiz
1.1.2.5. Wirtschafts-, Kataster- und Bauverwaltung
1.1.2.5.1. Wirtschaft und Finanzen
Rentkammer
Lippische Rentkammer - Eigentumsakten
L 92 V Rentkammer - Prozessmanualakten
Permalink des Findbuchs


Signatur : L 92 V

Name : Rentkammer - Prozessmanualakten

Beschreibung :
Vorbemerkung

Der vorliegende Bestand L 92 V gehört zu jenen Beständen, die aus dem Schriftverkehr der Rentkammer erwuchsen.
Die Rentkammer wurde um 1610 eingerichtet. Sie verwaltete den Domanial- und Dominalbesitz des regierenden Hauses.
Erst 1868 wurden Staats- und Domanialhaushalt getrennt. (siehe Vorbemerkung zum Bestand L 100)

Bei dem genannten Bestand handelt es sich um Akten, die aus Prozessen über strittige Rentenberechtigungen und Besitzansprüche (im engeren Sinne), an denen die Rentkammer als Klägerin/Beklagte beteiligt ist, entstanden. Diese "Prozeß-Manual-Akten" enthalten auch die Handakten der Anwälte der Rentkammer. Sie umfassen den Zeitraum vom 18. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts.1)

Die Akten wurden Ende des 19. Jahrhunderts mit mehreren späteren Zusätzen alphabetisch nach dem Anfangsbuchstaben des Namens (Personenname, Ortsname, Hofname usw.) des Kontrahenten der Rentkammer geordnet mit Hinzufügen des Streit gegen standes. Innerhalb der Buchstaben herrscht keine alphabetische Ordnung mehr. Hinter der Angabe des Streit gegen standes steht das Anfangsjahr der Laufzeit der Akte. Die Jahresangabe stimmt nicht immer mit dem Akteninhalt überein. Die Aufeinanderbezogenheit verschiedener Einzelprozesse geht aus dem Findbuch nicht hervor. Die Kontrahenten der Rentkammer sind oft nur unvollständig aufgeführt.

Unter den Streit gegen ständen zeigen sich Schwerpunkte auf den Gebieten Forstwirtschaft, persönliche Dienste, insbesondere Fuhrdienste, Zehnten (-ablösungen, Zehntgeld), Mühlen.

Bzgl. der Forstwirtschaft ist des öfteren die Bepflanzung von gemeinen Viehhuden und Schafweiden durch die fürstliche Forstverwaltung, vor allem ab der Mitte des 19. Jahrhunderts Streitsache. Jagdfrevel und Holzwirtschaft treten ebenfalls als Konfliktherde, oft auch mit Gemeinden, hervor.

Persönliche Dienste, insbesondere Spanndienste/Fuhrdienste, haben im Verlauf des 19. Jahrhunderts häufig Anlass für Prozesse geboten. Sie scheinen in dieser Zeit stärker in Anspruch genommen worden zu sein.

Freie Gewerbeausübung, Gewerbemonopol, hauptsächlich bei Mühlen, sind bemerkenswert häufig Streit gegen stände.

Ganz allgemein zeugen die Akten von einer für das 19. Jahrhundert im Vergleich zu anderen Landschaften rückständigen Ökonomie. Der noch stark dominierende Agrarsektor zeigt Formen der Grundherrschaft, die wohl schon im Spätmittelalter bestanden haben: persönliche Dienste, wenn auch auf den Boden reduziert, Mühlenwesen, Forst- und Jagdwirtschaft, Ausmaß der Produktrente usw. Die erst 1868 vollzogene Teilung des Staats- vom Domanialhaushalt spricht in diesem Zusammenhang für sich selbst.


Detmold, April 1982

gez. H. Maulhardt


1) Ins Landesarchiv gelangten die Akten wohl mit einer großen Abgabe der Domänendirektion Mitte September 1921.

* * *

Die Verzeichnung des Bestandes wurde durch Referendare des Jahrgangs 1982 begonnen und durch nachfolgende Referendarinnen und
Referendare fortgesetzt:
- Maulhardt 1-150
- NN 151-206 / 207-221 / 222-255 / 256-283 / 284-326 / 327-342 (wohl Strauß, Ecker, Burmeister? u.a.)
- Bischoff 343-366
- Dorfey 367-405
- Schulte 406-441
- Keitel 442-499
2007 wurden die Karteikarten der Nrn. 1 - 499 durch die Angestellte Katja Weimer als VERA-Datei abgeschrieben.

Ab Nr. 500 wurde die Verzeichnung im Jahre 2006 vom unten Genannten fortgesetzt und der gesamte Bestand mit einem Auswahl-Index der Orte und Personen versehen; insbesondere Kläger sind in der Regel nicht erfasst, sondern unter dem entsprechenen Buchstaben der Gliederung zu suchen. Da die bisherige Reihenfolge der Akten beibehalten wurde, konnte auf Konkordanzen verzichtet werden.


Detmold, im Mai 2007

gez. Arno Schwinger





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