Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1. Staatsarchiv Detmold
1.2. Regierungsbezirk Minden (1816-1947), Regierungsbezirk Detmold (seit 1947)
1.2.1. Verwaltung
1.2.1.1. Regierung Minden
Regierung Minden, Bauwesen
M 1 I F Regierung Minden, Bauwesen
Permalink des Findbuchs


Signatur : M 1 I F

Name : Regierung Minden, Bauwesen

Beschreibung :
Alle staatlichen Bau-Angelegenheiten wurden bei der Regierung Minden nach dem Gründungspatent vom 15.07.1816 bei der 2. Sektion (Abteilung) bearbeitet und zwar von zwei Bauräten, von denen der eine die Landbausachen, der andere die Wasserbausachen beaufsichtigte. Seit der Mitte der zwanziger Jahre (1824/28) gehörten beide Räte aber auch zur 1. Sektion, da auch dort Bausachen anfielen (Gemeindebauten, Festungsbau Minden). Registraturmäßig wurden die Akten der Bauverwaltung (zunächst als eigene Abteilung (4) in der Registratur II behandelt (zusammen mit den Kassensachen, weil - bis 1818 - der 1. Baurat auch mit ihrer Verwaltung bedacht war). Aber spätestens seit 1826 wurden die Landbau-Angelegenheiten des 1. Baurates mit 1 F und entsprechend die Wasserbau-Angelegenheiten des 2. Baurates mit I G ausgezeichnet. Dabei ist es bis zum Jahre 1877, in dem die 2. Bauratsstelle einging, geblieben. Eine stets gleichbleibende Verteilung der Aufgaben auf die beiden Bauräte hat es zunächst nicht gegeben. Nach dem (neufestgesetzten) Arbeitsplan vom 01.01.1853 bearbeitete der eine u. a. alle Wasserbauten und alle Staatsbauten in den Kreisen Minden, Lübbecke, Herford, Bielefeld, Halle, Höxer und Warburg, der andere die Staatsbauten in den restlichen Kreisen Wiedenbrück, Paderborn und Büren, alle Chaussee- und Wegebausachen, die Bauten des Bades Oeynhausen und die Eisenbahnbauten in landespolizeilicher Hinsicht. 1865 bearbeitete I F u. a. alle Wasserbauten, die Staatsbauten in den Kreisen Minden, Herford, Paderborn und Büren, die Personalien der Bauabteilung, die Prüfung der Landmesser sowie die Patentanträge, I G dagegen alle Chaussee- und Wegebausachen, die Eisenbahnbauten in landespolizeilicher Hinsicht und alle Staatsbauten in den Kreisen Lübbecke, Bielefeld, Halle, Wiedenbrück, Warburg und Höxter. 1869 übernahm I F von I G die Eisenbahnbauten und gab dafür die Staatsbauten ab. Seit 1871 bearbeitete I F nur noch die Personalien, die Wasserbausachen und Chausseen, alles andere fiel I G zu.

Nach dem Dotationsgesetz für die Provinz vom 15.07.1875 fiel (ab 01.01.1877) das gesamte Straßenbauwesen an die Provinzialverwaltung.
Das hatte den Fortfall der 2. Bauratsstelle zum 01.04.1877 zur Folge. Seitdem behielt das Dezernat nur die Bezeichnung I F bei.
Die von dem neu eingestellten technischen Hilfsarbeiter (Bauinspektor) zu bearbeitenden Sachen wurden mit I F a ausgezeichnet. Es waren dies die Baustatistiken, die Kirchen- und Schulbauten, die Eisenbahnbauten (1886 an I F abgegeben) und Straßen, soweit daran noch staatliche Interessen wahrzunehmen waren, die Prüfung der gewerblichen Anlagen und die Baupolizei.
Der Baurat bearbeitete die übrigen Staatsbauten, die Personalia, dann alle Wasserbausachen, seit 1886 auch die Eisenbahnbauten und schliesslich die Angelegenheiten der Baugewerkschule in Höxter. Da die meisten Bausachen zusammen mit anderen Dezernaten bearbeitet wurden, sind den Auszeichnungen der entsprechenden Akten stets die Buchstaben derselben beigefügt, z. B. I R F a bzw. I Q Fa für Schul- bzw. Kirchenbausachen, I D Fa für Eisenbahnbauten usw. Je nach Besetzung der Bauratsstelle verschoben sich die Arbeitsgebiete zwischen I F und I Fa. 1897 wurden die Aufgaben des Dezernates nochmals neu verteilt. Die Generalia, Personalia, Staatsbauten, Statistik und die Prüfung der gewerblichen Anlagen fielen jetzt I F (Hochbau) zu, alles andere, vor allem alle wasserbautechnischen Sachen, die Eisenbahnen und Straßen an I Fa (ingenieurbautechnische Sachen).
Am 01.04.1901 wurde wegen der Zunahme der Geschäfte die Hilfsarbeiterstelle wieder in eine Bauratsstelle (des Ingenieurbaufachs) umgewandelt. 1898 bei der Neuordnung des Dezernatwesens bei der Regierung Minden fügte man den Abt. I F und I Fa noch ein I Fb für Medizinalia und I Fc für gewerbetechnische Sachen an, doch wurden beide Sachgruppen 1900 an die Dezernate I M bzw. I G abgegeben. 1904 wurden die Aufgaben dann endgültig derartig geteilt, daß I F alle Hochbausachen übernahm und I Fa die allgemeine Bauverwaltung und die Wasserbausachen. Der Geschäftsverteilungsplan der Regierung Minden von 1930 sezialisiert die Aufgaben des Dezernates genauer.
I F: Hochbau, Personalien, Regierungsbauten, Denkmalpflege, dazu im Plan von 1927 noch: Landesplanung und Naturschutz.
I Fa: Ingenieurbautechnische Sachen, elektrotechnische Anlagen, Telegraphie, Wasserstraßen und Landesmeliorationen. Soweit letztere die Landeskultur betrafen, wurden sie 1912 einer neu gegründeten landesmeliorationstechnischen Reg.-Bauratsstelle für Westfalen (mit dem Sitz in Münster) übertragen, der auch das neugegründete Meliorationsbauamt in Minden unterstellt wurde. Bei der Regierung in Minden wurde dieser Baurat dem Dezernat I S (Landeskultur) als Dezernat I Sa angegliedert.
Auch für die Landesplanung wurde um 1930 eine eigene Abteilung geschaffen. Nachdem die Betreuung der Weser 1895 an die neugegründete Weserstrom-Bauverwaltung in Hannover (1921 dann auf das Reich) übergegangen war, wurden die restlichen Wasserbau-Angelegenheiten 1927/30 an das Dezernat I D abgegeben. Auch die Telegraphie- und elektrotechnischen Anlagen sind um die gleiche Zeit dem Dezernat I D überlassen worden.

Der Geschäftsverteilungsplan der Regierung von 1939 hat für das Dezernat I F nur noch folgende Arbeitsgebiete:
1. Personal und Verwaltung
2. Staats- und Reichsbauten
3. Denkmalspflege und Heimatschutz
4. Naturschutz (18.03.1936) von III S 1 (Landeskulturamt) übernommen
5. Denkmalsschutz
6. Grundstücksverwaltung.

Die Unterabteilung bzw. Bezeichnung I Fa ist in Wegfall gekommen.

Die Überlieferung der Akten des Dezernates I F (I Fa) ist, soweit sie an das Staatsarchiv abgegeben worden sind (Zgg.?) denkbar schlecht und trümmerhaft. Soweit Zuständigkeiten des Dezernates an andere Abteilungen abgegeben worden sind, sind die entsprechenden Akten meist mitgewandert. Das gilt für die Straßenbauakten, die 1877, allerdings nur zum Teil, an die Provinzialverwaltung gelangten, das gilt ebenso für die Weserbauakten, die 1896 an die neue Weserstrom-Bauverwaltung in Hannover ausgeliefert wurden. Die restlichen (umfangreichen) Wegebau- und Wasserstraßen-Akten sind an das Dezernat I D gekommen.
Die Akten über die nach dem 1. Weltkrieg als Notstandsarbeiten durchgeführten Bauten befinden sich beim Dezernat I S (s. d.)

Anhang

I. Die Landbau-Inspektionen.

Der Regierungsbezirk Minden war in folgende vier Landbaukreise aufgeteilt:

1. für die Kreise Höxter, Warburg und Brakel
2. für die Kreise Paderborn, Büren und Wiedenbrück
3. für die Kreise Minden, Rahden und Bünde
4. für die Kreise Bielefeld, Halle und Herford.

Der Kreis Bünde wurde 1819 von Minden an Herford abgegeben, desgleichen 1831 der Kreis Wiedenbrück von Paderborn an Herford.
Die Amtssitze der diesen Kreisen vorgesetzten Bau-Inspektoren waren Höxter, Paderborn, Minden und Bielefeld (vorübergehend Herford). Für die Wasserbauangelegenheiten war eine ähnliche Organisation geplant. In den ältesten Staatshandbüchern (bis 1824) wird ihrer noch nicht gedacht. Seit 1828 wird die Organisation als "vakant" bezeichnet, und ihre Aufgaben wurden immer noch von den Landbau-Inspektoren für ihren Bereich wahrgenommen. Seit 1851 (?) werden die beiden Bauinspektoren in Höxter und Minden als Wasserbau-Inspektoren bezeichnet, doch fällt dieser Sondertitel sei 1853 wieder fort.

Zum 1. Januar 1853 wurde die Bauverwaltung im Regierungsbezirk Minden neu gegliedert (vgl. Akten Präs.Reg.Nr. 181 und Amtsbl. der Reg. Minden 1852 Nr. 883 S. 452 ff.).

Die Kreise wurden wie folgt neu verteilt:

1. Minden I für die Kreise Minden (teilw.) und Herford (teilw.)
2. Minden II für die Kreise Minden (teilw.) und Lübbecke (teilw.) sowie Herford (teilw.)
3. Bielefeld für die Kreise Bielefeld, Halle und Wiedenbrück (ohne die Ämter Rietberg
und Verl), sowie Herford (teilw.)
4. Paderborn I für den Kreis Paderborn und die Ämter Rietberg und Verl des Kreises
Wiedenbrück)
5. Paderborn II für den Kreis Büren
6. Höxter für den Kreis Höxter
7. Warburg für den Kreis Warburg.

Ausser den Landbau-Angelegenheiten ihres Gebietes verwaltete jeder Bau-Inspektor (bzw. Baumeister) auch noch die darin gelegenen Chausseen. Der Land-, Wege- und Wasserbau-Inspektor in Minden besorgte außerdem noch die Wasserbausachen in den Kreisen Minden und Herford, d. h. die Weser und Werre. Ebenso betreute der Bezirksbaumeister in Paderborn, die in den Kreisen Paderborn, Büren und Wiedenbrück anfallenden Wasserbau-Angelegenheiten, d. h. besonders die Lippe (bis Lippstadt) und der Land-, Wege- und Wasserbau-Inspektor in Höxter die Weser im Kreise Höxter.

Auch diese Neuordnung blieb nicht lange intakt. Am 1. Februar 1873 wurde der Sitz des Landbaukreises Minden II nach Herford verlegt und ihm die Kreise Herford (ohne das Amt Vlotho) und Lübbecke zugewiesen, während Minden (I) auf den Kreis Minden und das Amt Vlotho (Kr. Herford) beschränkt blieb. 1877 wurden dann die beiden Baukreise Büren und Warburg aufgehoben und an Paderborn bzw. Höxter überwiesen. Als im Jahre 1882 dem Landbau-Inspektor in Minden (I) die Verwaltung der Weser und Werre genommen wurde (s. u.), vereinigte man den Baukreis Minden mit Herford, dessen Amtssitz 1895 nach Minden verlegt wurde. Die seitdem wieder auf 4 reduzierten Baukreise teilten den Regierungsbezirk wie folgt unter sich:
1. Bielefeld für die Kreise Bielefeld, Halle und Wiedenbrück
2. Höxter für die Kreise Höxter und Warburg
3. Minden für die Kreise Minden und Lübbecke
4. Paderborn für die Kreise Paderborn und Büren.

1910 erhielten die Baukreise die Bezeichnung "Hochbauamt", was 1932/33 zu "Staatshochbauamt" erweitert wurde.

Die Bau-Inspektionen führten eigene Registraturen, von denen einzelne Aktenbände im Bestand I F überkommen und als solche provenienzmäßig nachgewiesen sind. Ein grosser Teil der Akten ging 1877 an die Strassenbau-Kommission der Provinzialverwaltung über (Abgabeverzeichnisse vorhanden: I D 908).

II. Die Wasserbau-Inspektionen.

Die bei der Neuordnung der Baukreise im Reg. Bezirk Minden (01.01.1853) getroffene Regelung, dass die Wasserbau-Angelegenheiten der Weser im Kreise Höxter von dem dortigen Bau-Inspektor, bei der Weser und Werre im Kreise Minden und Herford von dem Inspektor in Minden (I) und die der Lippe usw. in den Kreisen Paderborn und Wiedenbrück von dem Paderborner Bezirksbaumeister wahrgenommen werden sollten, blieb bis in die 70er Jahre in Kraft. 1873 wurde ein eigener Wasserbau-Inspektor für die Weser (in den Kreisen Minden und Herford) bestellt, während die Wasserbausachen der Werre seinem Kollegen in Herford überlassen blieben, 1883 wurde aber beiden die Betreuung der Weser und Werre genommen und der Bauinspektion Rinteln überwiesen.
Am 1. Mai 1884 gingen dann die Befugnisse der Wasserbau-Inspektion Höxter betreffend die Weser an die Inspektion Hameln über.
Im Jahre 1892 wurde die Inspektion der Weser und Werre noch einmal für kurze Zeit neu ins Leben gerufen bzw. von Rinteln nach Minden wieder abgegeben und war jetzt dem Dez. I S (Landeskulturabt.) angegliedert, doch ging die Betreuung der Weser 1896 endgültig an die neugegründete Weserstrom-Bauverwaltung in Hannover über. Die restlichen Wasserbausachen wurden dann 1904 an das Dez. I D abgegeben.

Die Akten der Wasserbau-Inspektion Hameln sind 1884 vertragsgemäss an die Inspektion Hameln übergeben worden, ebenso 1896 und in den nachfolgenden Jahren ein Großteil der Weserakten der Regierung und der Mindener Inspektion an die Nachfolgebehörde in Hannover. Vereinzelte versprengte Aktenbände sind in den Besitz des Dezernates I D geraten und dort nachgewiesen.

Quellen: Akte I F 6, Präs.Reg., I D 908/09, Staatshandbuch, Amtsblatt der Regierung Minden.

Nachtrag: Zugang 32/1967 - Nr. 125-137



Das vorliegende V.E.R.A.-Findbuch ist eine Abschrift von einer älteren Vorlage.

Detmold, 2003

Hampe


Zitierweise: "M 1 I F Nr. ..."


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