Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1. Staatsarchiv Detmold
1.1. Land Lippe (bis 1947)
1.1.2. Verwaltung, Justiz
1.1.2.2. Allgemeine und innere Verwaltung
1.1.2.2.4. Städte und Ämter
Amt Lipperode und Stift Cappel
L 35 Amt Lipperode und Stift Cappel
Permalink des Findbuchs


Signatur : L 35

Name : Amt Lipperode und Stift Cappel

Beschreibung :

Einleitung :

In der zweiten Hälfte des 15. Jh. wurde Detmold ständiger Sitz der lippischen Regierung, nachdem der regierende Graf bis dahin zeitweise auch in Brake bei Lemgo, Blomberg und an anderen Orten residiert hatte. Dort gab es eine "schriverigge", bei der sich nach und nach ein umfangreiches, aber chaotisch geordnetes und unter ungünstigen räumlichen Bedingungen aufbewahrtes Archiv entwickelte, das im Laufe der Zeit immer mehr verwahrloste; es enthielt Unterlagen verschiedenster Behörden, die - auch infolge diverser Ordnungsversuche - vielfach durcheinander gerieten.

Erst dem 1762 eingestellten erfahrenen Archivar Johann Ludwig Knoch gelang es in jahrelanger Arbeit, Abhilfe zu schaffen und die unübersichtliche Archivalienmenge zu verschiedenen "Registraturen" (Beständen) zu ordnen, deren Bestandteile er "aus hundert Ecken" (Kiewning, S. 300) zusammensuchen musste.

Eine besondere Vorliebe muss Knoch für seine Ortsakten gehabt haben, also Registraturen über die Städte und Ämter des Landes, deren Schriftgut hauptsächlich bei der Regierung entstanden war (vgl. dazu den Abschnitt "Ämter und Städte" im Bestand L 77 A / Regierung, Ältere Registratur); er sah sie wohl als Fundament des ganzen Archivs an. Allerdings "stopfte" (Kiewning, S. 303) Knoch in seine Ortsakten "mit Vorliebe" auch Prozessakten, weil er meinte, dass man dort eher nach Familien und Gütern nachforschen würde als anderwärts.

Geschichte des Amtes Lipperode:

Der Ort Lipperode gehört zu den Stammländereien der aus der Umgebung der heutigen Stadt Lippstadt (ehemals "Lippe") stammenden und seit 1123 in diesem Gebiet nachweisbaren Edelherren zur Lippe. Erstmals urkundlich erwähnt wird Lipperode in einer Urkunde des Klosters Liesborn aus dem Jahr 1248. Nach dem Tod des Edelherrn Bernhard III. zur Lippe um 1265 wurde dessen Herrschaftsgebiet aufgrund von Streitigkeiten unter seinen beiden ältesten Söhnen aufgeteilt. Der erstgeborene Sohn Bernhard IV. erhielt den östlichen Teil der Herrschaft Lippe im heutigen Lipperland und der zweitgeborene Hermann III. den westlichen Teil mit Lippstadt, Lipperode und Rheda. Nachdem Hermann III. 1274 kinderlos verstorben war, erbte sein Neffe Simon I. seine Besitzungen, was zur Folge hatte, dass die Herrschaft Lippe kurzzeitig wieder vereint werden konnte. Dieser Zustand hielt jedoch nur bis zum Tode Simons im Jahr 1344 an, da auch dessen Söhne Otto und Bernhard V. die Herrschaft unter sich aufteilten. Lipperode fiel in dieser sogenannten Zweiten Lippischen Teilung zusammen mit Lippstadt und Rheda an den jüngeren Sohn Bernhard V. zur Lippe. Da auch dieser bei seinem Tod um 1365 keinen männlichen Erben hinterließ, erhob sein Neffe Simon III. Ansprüche auf sein Erbe. Bernhard Witwe Richarda übergab die Besitzungen jedoch zunächst an den Mann ihrer ältesten Tochter, Graf Otto VI. von Tecklenburg, was eine Fehde zwischen diesem und Simon III. auslöste. Im Verlauf dieser sogenannten Tecklenburger Fehde, in der letztendlich die Herrschaft Rheda auf die Grafen von Tecklenburg überging, besetzte Otto von Tecklenburg Lipperode und verpfändete es zunächst an den Paderborner Bischof. Durch die Gefangennahme Simons III. zur Lippe und Einnahme des durch Freilassung desselben im Jahr 1376 erhalten Lösegelds konnte er Lipperode jedoch wieder aus der Pfandschaft lösen (Simon III. war dies in einem ähnlichen Fall nicht gelungen. Im Rahmen der Zahlung des geforderten Lösegelds verpfändete er die Hälfte der Stadt Lippstadt an die Grafen von Mark. Eine Wiedereinlösung gelang nicht. Vielmehr musste man 1445 vor der sogenannten Soester Fehde vollständig auf die bis dahin verpfändete Hälfte der Stadt verzichten und in eine Samtherrschaft mit den nunmehrigen Herzögen von Kleve-Mark einwilligen, deren Besitzrechte an Lippstadt wiederum 1666 durch den Vertrag von Kleve auf die Kurfürsten von Brandenburg übergingen). Nach der Tecklenburger Fehde gelangte Lipperode um 1400 wieder in lippischen Besitz, wohingegen Rheda ganz und Lippstadt zumindest anteilig verloren blieben. Zwecks Verwaltung ihrer Ländereien in Lipperode und Umgebung übergaben die Edelherren zur Lippe 1439 das Lipperoder Schloss - vermutlich als Burgvogtei - an den Grafen Conrad von Rietberg und führten einen Amtmann in Lipperode ein. Ein eigenständiges "Amt Lipperode" mit eigener Gerichtsbarkeit (Femgericht) wird erstmalig 1454 erwähnt. 1559 hingegen ist die Rede von Haus (Burg) und Amt Lipperode. Die Burgvogtei über Lipperode endete im Jahr 1589. Die Verwaltung des Amtes übernahmen von nun an allein die eingesetzten Amtmänner. Nach dem Tod des Grafen Simon VI. zur Lippe im Jahr 1613 erhielt dessen jüngster Sohn Philipp I. (1601-1681) die lippischen Ämter Lipperode und Alverdissen als Apanage. Er begründete die Seitenlinie Lippe-Alverdissen des Hauses Lippe, erbte 1640 nach dem kinderlosen Tod des Grafen Otto V. von Schaumburg, einem Sohn seiner Schwester Elisabeth zur Lippe und ihres Ehemanns Georg Hermann von Holstein-Schaumburg, einen Teil der Grafschaft Schaumburg und regierte diesen nach Aufteilung der gesamten Grafschaft im Jahr 1647 als selbstständige Grafschaft Schaumburg-Lippe. Zu dieser gehörte das Amt Lipperode fortan als Paragialamt. Den Grafen zu Schaumburg-Lippe standen jedoch lediglich die Nutzungsrechte im Amt zu. Die Hoheitsrechte lagen weiterhin bei den Grafen zur Lippe-Detmold. Im Stadthagener Vergleich von 1748 wurden die lippischen Paragialämter anlässlich des Aussterbens der Linie der Grafen zur Lippe-Brake 1709 neu aufgeteilt. Die Grafen zu Schaumburg-Lippe traten das Amt Lipperode an die regierende Linie der Grafen zur Lippe-Detmold ab. Mit Gesetz vom 23. Juli 1879 wurden Justiz und Verwaltung auf der unteren Verwaltungsebene des Landes Lippe voneinander getrennt und das Verwaltungsamt Lipperode Cappel als Nachfolgebehörde des Amtes Lipperode eingerichtet. Die Justizaufgaben des vormaligen Amtes übernahm das Königlich Preußische Amtsgericht in Lippstadt. Zur weiteren Geschichte des Verwaltungsamtes Lipperode siehe Einleitung des Findbuchs L 109 Lipperode-Cappel (Verwaltungsamt Lipperode-Cappel).

Geschichte des Klosters und Stifts Cappel:

”Aufgrund der schlechten Quellenlage für das Mittelalter (s.u.) liegt die Gründungsgeschichte im Dunkeln. Es ist wohl davon auszugehen, das Cappel eine Stiftung der lippischen Edelherren ist, die das Kloster begüterten und auch bevogteten, und um 1140 von Prämonstratenserinnen mit einem Propst an der Spitze besiedelt wurde. Das Kloster bzw. nachmalige Stift liegt 3 km westlich von Lippstadt nördlich der Lippe am Schnittpunkt vierer Diözesangrenzen. Mit landesherrlicher Verordnung vom 3. November 1588 wurde das Prämonstratenserinnenkloster in ein evangelisches Damenstift umgewandelt. Doch der Prämenstratenserorden leistete rund ein halbes Jahrhundert (bis 1639) hinhaltenden Widerstand, u.a. mit kurzzeitiger Besetzung des Stifts mit kath. Nonnen (1624). Cappel konnte sich jedoch als evangelisches Damenstift halten. Es musste allerdings den fast vollständigen Verlust seines alten Klosterarchivs (s.u.), seines Kirchenschatzes und nicht zuletzt eines Teils seiner Güter und Einkünfte hinnehmen. Die weitere Geschichte des säkularisierten Stiftes, abgesehen von der Zeit des Siebenjährigen Krieges, verlief dann für Cappel in ruhigen Bahnen. So überdauerte es auch die Säkularisation 1803 und verblieb beim Fürstentum Lippe.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts konnte die Zahl Präbenden der in Cappel und auswärts residierenden Stiftsdamen vorübergehend auf 21 und mehr Stiftsstellen erhöht werden; ein augenfälliger Beleg für die positive Finanz- und Wirtschaftslage des Damenstiftes in jener Zeit, die im starken Kontrast zur ökonomischen Situation des Stiftes in der Frühneuzeit steht, als man Höfe verkaufen und zahlreiche Kredite aufnehmen musste.

Seit der Reformation stammten die Stiftsdamen vornehmlich aus protestantischen Adelsfamilien des nord- und mitteldeutschen Raumes. Ab dem 17. Jahrhundert kamen die Äbtissinnen ausschließlich aus dem Hause Lippe (vertraglich festgelegt 1655), die seit dem 18. Säkulum in Personalunion auch Äbtissinnen von St. Marien/Lemgo waren und dort bzw. im Schloss Brake residierten.

Das Stift wurde aufgehoben durch das Gesetz vom 5. Oktober 1971, als es mit dem Damenstift St. Marien/Lemgo vereinigt wurde. Die Cappeler und Lemgoer Stiftsdamen bezogen einen Neubau in Lemgo, und die Cappeler Stiftsgebäude wurden von der evangelischen Landeskirche übernommen. Das Vermögen des Stifts Cappel ging mit allen Rechten und Pflichten auf das neufundierte "Lippische Damenstift St. Marien in Lemgo", einer Stiftung öffentlichen Rechts, als Gesamtrechtsnachfolger über."

(Vorbemerkungen von Dr. Wolfgang Bender zum Findbuch L 110 A - Stift Cappel)Die Übertragung des Knochschen Findbuchs nach VERA erfolgte im Rahmen der Konvertierung analoger Findmittel. - Für die vorliegende Datei wurden auf Grundlage der Knochschen Repertorien modernen Verzeichnungsgrundsätzen entsprechende Klassifikationsbezeichnungen und Aktentitel gebildet (*), dabei neue fortlaufende Signaturen vergeben; erforderlichenfalls wurden kleinere Knochsche Verzeichnungseinheiten zusammengefasst, umfangreichere Konvolute aufgeteilt. Die ursprüngliche Gliederung wurde nicht verändert. 7,5 Archivkartons "Inserenda" (von Knoch nachgefundene, aber nicht mehr erschlossene oder eingeordnete Vorgänge) wurden an passender Stelle eingefügt.

Auf die Prüfung jedes einzelnen Vorgangs (wie bei L 17 - L 25 und L 27) sowie auf sachliche Korrekturen, ob etwa ein Aktenbetreff besser zu einem anderen Gliederungspunkt passt oder ein Vorgang in einen anderen Aktenband, wurde größtenteils verzichtet; dies ist im Rahmen einer einigermaßen zügigen digitalen Erschließung der Knochschen Bestände nicht zu leisten. Die Angaben bei den Inserenda sind unter Vorbehalt zu betrachten, da nicht jedes Schriftstück überprüft werden konnte.

Eine Erschließung des Akteninhalts wie vor über 200 Jahren ist unter heutigen Umständen nicht mehr möglich (siehe dazu auch Bender). Zusätzlich werden deshalb die Knochschen Repertorien als "Images" ins Intranet und ins Internet gestellt. Ihre Benutzung bleibt für eine detaillierte Recherche weiterhin unverzichtbar.

Detmold im Januar 2015

gez. Ralf Schumacher

(*) Bei Ortsnamen wurde möglichst die heutige Schreibweise benutzt, bei Personennamen die heute gebräuchliche Form (Meier statt Meyer, Schalk statt Schalck, Barkhausen statt Barckhausen u.ä.; s.a. die genealogische Sammlung D 77 Brenker).

Umfang : 45 Kartons = 82 Archivbände (1139-1438) 1439-1809. - Findbuch: L 35.

Verweise :

Bender, Wolfgang: Archivar aus Leidenschaft - Johann Ludwig Knoch, in: Lippische Mitteilungen 75 (2006), S. 15-36.

Bongartz, Josef und Klüsener, Wilhelm: Schulen in Lipperode, Lipperode 1995;Bongartz, Josef und Klüsener, Wilhelm: 750 Jahre Lipperode, Lippeorode 1998;Eickhoff, Paul: Cappel, das westfälische Kulturkleinod - eine Kirchen- und Klostergründung des Prämonstratenserordens in der bedeutsamen Stauferzeit des 12. Jahrhunderts, Lippstadt-Cappel 1977;

Gaul, Otto: Lipperode. Zur Geschichte von Burg, Festung und Dorf, in: Lippische Mitteilungen, 44 (1975), S. 5-18;

Kiewning, Hans: Das Lippische Landesarchiv in Detmold, in: Archivalische Zeitschrift Bd. 42/43 (1934), S. 282-321.

Kittel, Ingeborg: Das Stift Cappel im dreissigjährigen Krieg - die Auseinandersetzung mit der Abtei Knechtsteden, in: Lippische Mitteilungen, Bd. 41 (1972), S. 108-143;

Prasse, Werner: Cappel - Chronik eines alten Kirchdorfes. Abschriften und Kopien alter Dokumente aus der Zeit vor 1900, Blomberg 1994;

Schelhasse: Stift Cappel und Probstei Eikeloh, in: Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde, Bd. 63, Abt. 2 (1905), S. 63-81;

Schneider, Manfred: Cappel, in: Westfälisches Klosterbuch, Band 1, S. 167-172; Stegmann, R.: Urkunden des Stiftes Cappel, in: Lippische Mitteilungen, Bd. 4 (1906), S. 190-192;Stöwer, Herbert: Die lippische Kommunalverfassung, in: Archivpflege in Westfalen und Lippe Nr. 8, Juli 1976, S. 3-14.



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