Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1. Staatsarchiv Detmold
1.3. Organisationen, Güter, Familien, Personen
1.3.5. Nachlässe
Nachlass Familie Gevekot
Nachlass Familie Gevekot - Urkunden
L 4 T Nachlass Familie Gevekot, Urkunden
Permalink des Findbuchs


Signatur : L 4 T

Name : Nachlass Familie Gevekot - Urkunden

Beschreibung :

Einleitung :

Der Nachlass Gevekot wurde im Juli 1984 als Zugang 32/1984 ins Archiv übernommen. Hierbei handelt es sich nicht um den Nachlass eines Einzelnen, sondern um Material einer Familie über mehrere Generationen hinweg. Der größte Teil des Bestandes, dessen ältestes Stück aus dem Jahre 1498 stammt und der bis 1940 reicht, war ungeordnet und ohne thematische Ordnung, lose oder provisorisch in Aktendeckel zusammengelegt. Die Dokumente umfassen persönliche Papiere einzelner Familienmitglieder, Unterlagen zur Familiengeschichte und zu den Vermögensverhältnissen der Familie, Druckschriften, in erster Linie zum Lippischen Thronstreit, sowie neun Urkunden.

Die wenigen fadengehefteten Akten wurden bei der Ordnung und Verzeichnung des Nachlasses in ihrem Zusammenhang belassen. Die übrigen Stücke wurden nach inhaltlichen und zeitlichen Kriterien zu neuen Einheiten zusammengefasst. Dabei entstanden insgesamt fünf Gruppen: Urkunden, Familiengeschichte, einzelne Familienmitglieder, Vermögensangelegenheiten und Druckschriften.

Bei den Urkunden aus der Zeit zwischen 1498 und 1782 handelt es sich im Wesentlichen um zwei Gruppen. Zum einen beziehen sie sich auf ein im 19. Jahrhundert von der Familie Gevekot erworbenes Grundstück in Bad Salzuflen (L 4 T Nr. 2-4; vgl. auch Nr. 40), zum anderen sind es Belehnungen an Mitglieder der Familie Gevekot durch Herforder Äbtissinnen (L 4 T Nr. 6-9). Hinzu kommen ein Zunftbrief der Salzufler Schuhmacher (L 4 T Nr. 5) und eine nur teilweise lesbare Urkunde des Edelherrn Bernhard VII. zur Lippe, ebenfalls Salzuflen betreffend (L 4 T Nr. 1).

Den Hauptteil des Bestandes bilden die Unterlagen des 1905 in den Freiherrnstand erhobenen lippischen Staatsministers Max Gevekot. Hierzu gehören schulische und berufliche Unterlagen, Dokumente zu seinen politischen und repräsentativen Aufgaben sowie eine Vielzahl persönlicher Schriftstücke. Zu dieser Gruppe zählen auch Papiere seines Vaters Herm. Phil. August und seines Sohnes Hans.

Grundstücks- und Erbschaftsangelegenheiten, sowie einzelne Steuer- und Stiftungssachen finden sich in der Gruppe ”Vermögen“.

So bietet der Nachlass Gevekot interessante Dokumente zur Geschichte einer bedeutenden, spätestens seit dem 17. Jahrhundert in Lippe ansässigen Familie. Darüber hinaus finden sich, vor allem in den Unterlagen des Staatsministers Gevekot, wertvolle Stücke zur allgemeinen lippischen Geschichte. Dies gilt in erster Linie für die Jahre des Thronstreites, in dem Gevekot, gerade im Hinblick auf seine Beilegung, eine nicht unwesentliche Rolle spielte.

Die Familie Gevekot

Der erste namentlich fassbare Vertreter der Familie ist der Mindener Bürgermeister Johann Gevekot zu Beginn des 16. Jahrhunderts (1). Sein gleichnamiger Sohn war in dieser Zeit in die dortigen Reformationswirren verstrickt (2).

Bis ins 18. Jahrhundert hinein waren Teile der Familie in Minden ansässig, stellten mehrfach den Bürgermeister und saßen im Rat der Stadt (3). Dennoch taucht der Name in der Literatur nur noch einmal auf; im Jahre 1655 erschlug der einer Nebenlinie angehörende, in schwedischen Diensten stehende Leutnant Hans Jürgen Gevekot in Salzuflen den Jobst Wilhelm von Exterde (4). Letzterem gehörte übrigens ein Grundstück in Salzuflen, das im 19. Jahrhundert von den Gevekots erworben wurde (5).

Die ältesten, direkt die Familie betreffenden Stücke des Nachlasses beziehen sich auf Johann Daniel Gevekot, der sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Lemgo niederlässt. Sein drittältester Sohn Hermann Conrad geht als Apotheker nach Blomberg. Dessen Sohn, Dr. Hermann Adolf Daniel Gevekot, ist als Arzt in Salzuflen tätig. Hermann Philipp August, mit dem die Überlieferung auch persönlicher Unterlagen einsetzt, bekleidete als Jurist mehrere Posten in der gleichen Stadt. Wie schon erwähnt geht der Hauptteil des Bestandes auf dessen jüngstes Kind Max zurück. Jurist wie sein Vater, begann auch er seine Laufbahn in Salzuflen. Als Richter, Staatsanwalt und schließlich als Staatsminister stand er in Diensten des lippischen Staates.

Auch sein Sohn Hans, mit dem diese Linie der Familie Gevekot erlosch, wirkte als Richter zunächst im Fürstentum und dann im Freistaat Lippe.

Die vorstehende Tafel zeigt den Zweig der Familie Gevekot, der mit Johann Daniel um 1730 endgültig nach Lippe zog. Die Tafel enthält, soweit dies zu ermitteln war, sämtliche Personen, auf die in den Akten Bezug genommen wird. Wichtigste Quelle war auch hier D 77 Brenker, Nr. 63.

Bei der Schreibweise des Familiennamens wurde die einfachste und zunächst gültige Form ”Gevekot“ verwandt. Ältere Varianten wie ”Geveko(h)t(he)“ wurden bei der Titelaufnahme nicht berücksichtigt.

Zu zitieren ist bei den Urkunden: L 4 T Nr. …

Detmold, im April 1985

gez. Dr. Norbert Schloßmacher

Fußnoten:

1) vgl. Schroeder, Chronik des Bistums und der Stadt Minden, Minden 1886, S. 415

2) vgl. Martin Krieg, Die Einführung der Reformation in Minden, Bielefeld 1950, S. 17

3) vgl. hierzu den 1868 von Max Gevekot nach älteren Unterlagen gezeichneten Stammbaum der Familie (Nr. 2), sowie D 77 Nachlass Brenker, Nr. 63

4) vgl. Mitteilungen aus der lippischen Geschichte und Landeskunde, Bd. 2, 1904, S. 184 (Sitzungsbericht vom 6. Januar 1904)

5) vgl. Nr. 38, Schätzung der Güter des J. W. von Exterde vom 7. Juni 1658.

Hinweise:

Das analoge Findbuch zum Bestand D 72 Gevekot enthält eine Nachfahrentafel der Ehepaares Johann Daniel Gevekot (1706-1782) und Ernestine Margarethe Cothmann (1711-1765).

Die aus dem Nachlass Gevekot stammenden Akten wurden im Bestand D 72 Gevekot verzeichnet.

Detmold, im September 2015

gez. Ralf Schumacher

Umfang : 2 Mappen = 9 Urkunden 1498-1782. - Findbuch: D 72 Gevekot.



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