Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1.3. Organisationen, Güter, Familien, Personen
1.3.3. Guts-, Hofes- und Familienarchive
Hofesarchiv Betzemeier
L 114 Borries, von Eckendorf Gutsarchiv von Borries, Eckendorf
Permalink des Findbuchs


Signatur : L 114 Borries, von

Name : Gutsarchiv von Borries, Eckendorf

Beschreibung :

Einleitung :

Vorbemerkung

Die Familie von Borries geht auf ein altes Mindener Patriziergeschlecht zurück; ältester bekannter Vorfahr ist (nach Mooyer) der seit dem Ende des 14. Jahrhunderts bezeugte Bürger und Ratsherr der Stadt Minden Gerhard Borries. Aus der weit verzweigten Familie ging eine beachtliche Reihe von Beamten hervor, die in hannoverschen und preußischen Diensten standen. Von Interesse sind hier jedoch nur zwei Zweige der Familie, und zwar der von Friedrich (von) Borries (Direktor des Hofgerichts, der Justizkanzlei und des Konsistoriums in Stade) begründete Zweig und der von Christian Ludwig Borries begründete Rhadener Zweig. Während der Stader Zweig bereits 1733 in den erblichen Adelsstand erhoben wurde, erhielten die Rhadener das Adelsprädikat erst 1777.

Der Geheime Rat Franz Christian Borries, der während des Siebenjährigen Krieges englischer Beauftragter für die Abwicklung der Fouragelieferungen an die alliierten Armeen in Deutschland gewesen war, schuf durch den Erwerb der Güter Eckendorf, Ulenburg, Beck, Hovedissen, Schuckenmühle, Gohfeld, Milse und Steinlacke [Steinlake] die Grundlage für die spätere Bedeutung derer von Borries in Minden-Ravensberg und Lippe. Da seine Ehe mit Friederike Wilhelmine Schrader kinderlos geblieben war, stellte er in dem gemeinschaftlichen errichteten Testament von 1783 das gesamte Vermögen unter Fideikommissverwaltung. Nachdem mit dem Tode des Franz Christian von Borries der Rhadener Zweig erloschen war, fiel das Erbe an den Stader Zweig. Nach 1815 wurde die Fideikommissverwaltung aufgehoben und die Güter Eckendorf, Ulenburg, Beck, Hovedissen, Schuckenmühle und Gohfeld gingen in das Eigentum des Franz von Borries über, während Carl Philipp von Borries das Gut Steinlacke erhielt. Die in der Mitte des 19. Jahrhunderts von Franz von Borries an den russischen Fürsten Handjery verkauften Güter Ulenburg, Beck, Gohfeld und Schuckenmühle konnten nach kurzer Zeit von dem Steinlacker Zweig zurückerworben werden.

Die beiden Familien von Borries zu Eckendorf und von Borries zu Steinlacke spielten im öffentlichen Leben Westfalens und Lippes eine bedeutende Rolle, stellten sie doch zwei preußische Regierungspräsidenten in Minden und etliche Landräte - z.T. in ununterbrochener Reihenfolge - in den Kreisen Bünde, Lübbecke, Bielefeld und Herford.

Mit dem Tode des Hermann von Borries im Jahre 1939 erlosch der Eckendorfer Zweig; das Gut Eckendorf fiel an die Tochter Hall, verehelichte von Caprivi, das Gut Hovedissen an die Tochter Ida-Marie, verehelichte von der Schulenburg.

Als Depositum sind die Urkunden und Akten des Gutes Eckendorf dem Staatsarchiv Detmold 1973 von der Eigentümerin, Frau Hella von Caprivi, übergeben worden. Zwar sind Urkunden und Akten bereits um 1860 verzeichnet worden - die Findbücher sind erhalten -, doch hat nach 1860 eine Änderung der Signaturen stattgefunden, die allerdings nicht konsequent durchgeführt worden ist und auch in den Findbüchern keinen Niederschlag gefunden hat. Nach dem Verkauf der Güter Ulenburg, Beck und Schuckenmühle sind deren Akten nach einer Notiz im Findbuch 1884 ”ausrangiert“ worden, d. h. wohl, dass sie der Vernichtung anheim gefallen sind [Handschriftlicher Vermerk aus neuerer Zeit im analogen Findbuch: "Stimmt nicht. Archivalien im Stadtarchiv Bielefeld / Stadtarchiv Löhne"]. Seit der Abtrennung des Gutes Hovedissen sind dessen Akten abgegeben worden und befinden sich im Besitz des Grafen von der Schulenburg. Verluste an Akten und Urkunden hat es vermutlich in den Nachkriegswirren nach 1945 gegeben, sodass der 1973 übernommene Bestand in seinem Umfang nicht dem ursprünglichen Gutsarchiv Eckendorf entspricht. In Anbetracht dieser Sachlage ist bei der Neuverzeichnung von dem Verzeichnungsschema der alten Findbücher von etwa 1860 abgewichen und stattdessen ein nach heutigen Gesichtspunkten aufgebautes Schema zugrunde gelegt worden. Die Masse der Akten stammt aus der Zeit von 1770 bis 1850, nur wenige Stücke reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück; erstaunlich ist die Tatsache, dass verhältnismäßig wenige Akten aus der Zeit nach 1880 stammen. Bei etlichen Aktentiteln, vor allem aus der Zeit nach 1880, die nicht erschöpfend oder gar irreführend waren, mussten Änderungen vorgenommen werden.

Die Urkunden des Gutsarchivs Eckendorf sind aus lagerungstechnischen Gründen gesondert als Bestand L 4 S verzeichnet; die Akten tragen die Signatur L 114 Borries, von Nr. ...

Detmold, im November 1976

Literatur:

Mooyer, E. F.: Nachrichten von dem mindenschen Patriziergeschlecht der Borries, o. O. und o. D.

Genealogisches Handbuch des Adels, Adelige Häuser B, Band IV, Limburg/Lahn 1959.

Hinweise:

In der Handschriftensammlung des Staatsarchivs Detmold befindet sich in Fotokopie die Handschrift ”Mindensche privilegia und Erbverdrege…“ (D 71 Nr. 657), deren Original in der Bibliothek des Gutes Eckendorf verwahrt wird.

Die Bildersammlung des Staatsarchivs Detmold (D75) enthält Porträts von Mitgliedern der Familie von Borries, die Regierungspräsidenten und Landräte im Regierungsbezirk Minden waren.

Die Archivalien L 114 Borries, von Nr. 1, 3, 6, 7, 8, 21, 26, 57, 61, 65, 66, 67, 85, 90, 91, 92, 99, 100, 107, 125, 127, 129, 133, 141, 145, 164, 211, 212, 213, 217, 218, 262, 269, 270, 282, 328, 331, 336, 352, 353, 358, 372, 377, 419, 447 und 482 wurden zwischen 1988 und 1991 von Frau W. von Dallwitz vorübergehend wieder in den Besitz der Familie überführt.

Umfang : 70 Kartons = 501 Archivbände 1571-1933. - Findbuch: L 114 Borries, von.



Anfang  Erweiterte Suche
Warenkorb  Drucken