Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1. Staatsarchiv Detmold
1.1. Land Lippe (bis 1947)
1.1.2. Verwaltung, Justiz
1.1.2.7. Justiz
1.1.2.7.1. Zentrale Gerichtsbarkeit
Geistliches Gericht in Lippe
L 85 Geistliches Gericht in Lippe
Permalink des Findbuchs


Signatur : L 85

Name : Geistliches Gericht in Lippe

Beschreibung :

Einleitung :

Durch die im Jahre 1600 erlassene Konsistorialordnung wurde das 1556 ([?] Heidemann) bzw. 1571 (Arndt) geschaffene Konsistorium (siehe Bestand L 65) zu einer eigenständigen Gerichtsbehörde erhoben. Es war zuständig für alle aus den Kirchenvisitationen sich ergebenden Mängel und Streitigkeiten sowie für Ehesachen.

Das einfache ("ordinäre") Konsistorium tagte wöchentlich; es bestand aus dem Konsistorialpräsidenten, dem Generalsuperintendenten und dem - ursprünglich juristisch vorgebildeten - Konsistorialsekretär.

Anfangs viermal, später zweimal im Jahr trat das übergeordnete Generalkonsistorium zusammen, bestehend aus den drei Superintendenten, zwei landesherrlichen Räten, zwei Kommissaren in Ehesachen, einem Mitglied der Ritterschaft, zwei städtischen Vertretern und je einem erbherrlichen Abgeordneten. Dabei führte der regierende Herr den Vorsitz und besaß zwei Stimmen, die Erbherren (Nebenlinien) und die Stände für jeden ihrer Vertreter eine Stimme.

Als ständig tätige Behörde zog das ordinäre Konsistorium allmählich mehr und mehr die Aufgaben der übergeordneten Instanz an sich und bearbeitete seit 1684 fast alle kirchlichen Angelegenheiten ausschließlich. Zum Leidwesen der herrschaftlichen Nebenlinien ging das Generalkonsistorium schließlich ganz ein (Butterweck).

Die überwiegend lutherische Stadt Lemgo war der geistlichen Gerichtsbarkeit des Landesherrn nicht unterworfen. Sie besaß ein eigenes, dem landesherrlichen gleichgestelltes Konsistorium.

Durch das am 1. Januar 1876 in Kraft tretende Personenstandsgesetz wurde das Konsistorium von den Ehesachen ganz entlastet.

Das Gerichtsverfassungsgesetz von 1879 bedeutete auch das Ende des Geistlichen Gerichts.

* * *

Zum Bestand L 85 existiert eine handschriftliche Kartei, die noch als Findmittel dient. Sie enthält in alphabetischer Reihenfolge die Prozessparteien/Verfahrensbeteiligten, d.h. ein Prozess/Verfahren (eine Signatur) kommt in der Regel mehr als einmal vor.

Bei den Verfahren handelt es sich nicht nur um Ehe- und Familiensachen, sondern auch um zivilrechtliche Angelegenheiten von Geistlichen, Lehrern, Küstern, z.B. Forderungen (etwa von Buchhandlungen oder sonstigen Gläubigern), Grundstücksstreitigkeiten usw.; bei den Ehesachen geht es öfters auch um Scheidung infolge von Desertion (Verlassen), wohinter sich manchmal Auswanderung verbirgt.

Die vorgenannte Kartei wurde in den Jahren 2008 und 2009 von dem Genealogen Gunnar Haas aus Herford im Rahmen eines Werkvertrags nach VERA übertragen. Dabei wurde die Reihenfolge der Signaturen (L 85 Nr. 1 ff.) zugrunde gelegt.

Auf die Anfertigung von Indices wurde verzichtet, da in VERA und in der Word-Datei Recherchemöglichkeiten gegeben sind und die Kartei nach wie vor zur Verfügung steht. Dabei ist die nicht immer einheitliche und gerade in älterer Zeit oft von der heutigen abweichende Schreibweise der Namen zu beachten.

Öfter wurde beim Korrekturlesen eine geläufige Namensform [Kursiv] hinzugefügt, gelegentlich der im Kopf der Karteikarte angegebene Name in die heute übliche Schreibweise geändert (z.B. Volckhausen > Volkhausen, Schroder > Schröder, Holtz... > Holz...).

Im Februar 2011

gez. Arno Schwinger

Umfang : 330 Kartons = 4067 Archivbände 1510-1886. - Findbuch und Namenkartei: L 85.

Verweise :

Joachim Heidemann, Das lippische Gerichtswesen am Ausgang des 17. Jahrhunderts, in: Lippische Mitteilungen 31 (1962), S. 130-144 / v.a. S. 132-133.

Wilhelm Butterweck, Die Geschichte der Lippischen Landeskirche. Schötmar 1926 (bes. S. 253-254).

Heinz Schilling, Konfessionskonflikt und Staatsbildung. Eine Fallstudie über das Verhältnis von religiösem und sozialem Wandel in der Frühneuzeit am Beispiel der Grafschaft Lippe. Gütersloh : Mohn, 1981 [mit zahlreichen Verweisen auf das GG].

Johannes Arndt, Das Fürstentum Lippe im Zeitalter der Französischen Revolution. Diss. Münster 1990, mschr. Manuskript S. 335 - 364.

Bei elektronischer Recherche ist die mögliche unterschiedliche Schreibweise der Familiennamen zu beachten (k/ck, z/tz, t/th/ht, i/y/ie, Einfach-/Doppelkonsonant, ü/ö, o/au, s/ss/ß, t/d, g/k, eu/ö, p/pf u.a.); ...mann/...man. - Meier, -meier siehe auch Meyer, Mejer. - Hagencord auch Hagen Cord usw. - Wechsel Plattdeutsch/Hochdeutsch ...



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