Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1. Staatsarchiv Detmold
1.1. Land Lippe (bis 1947)
1.1.4. Außerlippische Bestände
Lippische Reichskammergerichtsakten
L 82 Reichskammergericht

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(1) W 996(2) Kläger: Die Grafen Friedrich Carl und Wilhelm Anthon von Wartenberg (3) Beklagter: Graf Simon Henrich Adolf zur Lippe (4) Prokuratoren (Kl.): Dr. Christian Hartmann von Gülich [1731] 1731 ( Subst.: Lic. A. J. Stephani Prokuratoren (Bekl.): Dr. Johann Friedrich Hofmann (sen.) [1719] 1731 ( Subst.: Dr. Georg Melchior Hofmann (5) Prozeßart: Mandati de solvendo litteras cambiales una cum usuris a tempore morae jam lapsis quam currentibus, damno et expensis sine clausula Streitgegenstand: Die Kläger hatten auf Abschlag einer Forderung gegen diesen von Graf Carl von Wied-Runkel, RKG-Präsident, einen Wechsel des Beklagten bekommen. Sie wenden sich an das RKG, nachdem die darin zugesagten Zahlungen trotz "Protestes" ausblieben. Das Mandat ist auf Auszahlung der 1500 Rtlr. und von rückständigen Zinsen gerichtet. Von Seiten des Beklagten nur Fristverlängerungsanträge, teilweise mit dem Hinweis, man sei mit einer Regelung, durch die alle Gläubiger zufriedengestellt werden sollten, beschäftigt. 27. März 1733 RKG-Einschärfung, über die Befolgung des Mandates zu berichten. (6) Instanzen: RKG 1731 - 1733 (1729 - 1732) (7) Beweismittel: Botenlohnquittung (Q 6). (8) Beschreibung: 24 Bl., lose; Q 1 - 10.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 783
Altsignatur : L 82 Nr. 907



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(1) W 1538(2) Kläger: Johann Weingarten, Kaufmann, Horn, und Konsorten, nämlich Ludwig Bremer namens seiner Frau als Witwe von Johann Schierenberg, Detmold; Justina, Witwe des Kaufmanns Henrich Arnold Hassen, Salzuflen, (3) Beklagter: Gräflich lipp. Rentkammer zu Detmold (4) Prokuratoren (Kl.): Lic. Simon Heinrich Gondela 1751 ( Subst.: Lic. Johann Franz Wolff ( für Weingarten und Witwe Hassen: Dr. Meckel 1756 ( Subst.: Dr. Johann Christoph von Brand Prokuratoren (Bekl.): Dr. Philipp Ludwig Meckel [1748] 1752 ( Subst.: Dr. Johann Paul Besserer (5) Prozeßart: Mandati de non contraveniendo proprio contractui locationis, conductionis, nec contra istum ex una parte adimpletum turbando, sed potius pariter adimplendo, ut et manutenendo cum clausula Streitgegenstand: Die Klage ist auf Einhaltung eines Pachtvertrages über den Weserzoll bei Erder gerichtet, den die Kläger 1747 mit der vormundschaftlichen Regentin, Gräfinwitwe Johannette Wilhelmine zur Lippe, zum Zeitpunkt des Ablaufs des damals noch laufenden Vertrages mit den Erben von Johann Hermann Hamm zu Neujahr 1752 geschlossen und darauf 1747 bereits den vereinbarten Weinkauf von 1400 Rtlr. bezahlt hatten. Die Klage wird eingereicht, nachdem der inzwischen volljährig gewordene Graf Simon August, bzw. dessen Rentkammer erklärt hatten, mit dem Auslaufen des Hammschen Pachtvertrages frei über eine Neuverpachtung entscheiden zu können. Die Kläger betonen dagegen die Verbindlichkeit des von beiden Seiten unterschriebenen und durch Entrichtung und Annahme des Weinkaufes bestätigten Pachtvertrages. Da der Vertrag von der in seinem Namen handelnden Regentin abgeschlossen worden sei, müsse nicht einmal auf die Pflicht von Nachfolgern im Amt, sich an die von den Vorgängern geschlossenen Verträge zu halten, erinnert werden, sondern es handele sich um einen bereits im Namen des jetzt regierenden Grafen abgeschlossenen Vertrag. Im übrigen seien in solchen Vertragsfällen auch Landesherren wie Privatpersonen zu sehen und an einmal geschlossene Verträge gebunden. Die Kläger hatten gegen die Rentkammer-Entscheidung zunächst appelliert, sich dann aber auf Grund der Schwere des Falles zur Betreibung des Mandatsverfahrens entschlossen. Die beklagte Rentkammer erklärt, Schierenberg und Hassen hätten den Zoll 5 Jahre lang als Vormünder der Hammschen Kinder innegehabt und in dieser Zeit die Pachtbedingung, wenn der Zoll mehr als die vereinbarte Pacht von 1200 Rtlr. einbringe, eine höhere Pacht zu entrichten, nicht erfüllt. Angesichts der Lukrativität des Zolls hätten sie die zu Gunsten ihrer Mündel lautende Zusage, bei einer Neuverpachtung solle der bisherige Pächter bevorzugt berücksichtigt werden, nicht realisiert, sondern bereits 1747 versucht, sich selbst den Zoll zu sichern. Angesichts der Nichtberücksichtigung von Vertragsbestimmungen wie der Mißachtung der Interessen ihrer Mündel sei dieser Vertrag aber nichtig. Da die Domanialeinkünfte einschließlich der Zölle zum Unterhalt des jeweiligen Landesherren gebraucht würden, sei ein Nachfolger sehr wohl berechtigt, Verträge seines Vorgängers zu widerrufen, wenn sie ihm schadeten. Dies sei der Fall, wie der 1751 mit einem anderen Pächter über eine deutlich höhere Pachtsumme abgeschlossene Vertrag belege. Sie unterstellen, daß die Quittung über die 1400 Rtlr. Weinkauf nur fingiert gewesen sei. 1756 erschien der nunmehr auch von 2 Klägern bevollmächtigte Prokurator der Beklagten mit der Mitteilung, der Fall sei verglichen. (6) Instanzen: RKG 1752 - 1757 (1739 - 1756) (7) Beweismittel: Pachtvertrag über den Weserzoll zu Erder 1752 - 1762 für Johann Weingarten, Henrich Arnold Hassen und Johann Christoph Schierenberg, 1747 (Q 4). Dgl. 1742 - 1752 für Johann Hermann Hamm, 1739 (Q 16). Dgl. 1752 - 1758 für Donnich und Stratmann, 1752 (Q 17). Extrakt aus dem Erderschen Zollmanual über die Einkünfte aus dem Zoll 1742 - 1751 (Q 24). (8) Beschreibung: 3,5 cm, 137 Bl., lose; Q 1 - 27, 3 Beil., davon 2 exhib. 28. November 1753.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 784
Altsignatur : L 82 Nr. 908



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(1) W 1793(2) Kläger: Franz Wellier und dessen Frau Anna Philippina, Grünstadt, arme Partei, 1774 François Conrad Willier, 1789 Saarlouis, (3) Beklagter: von Westphalen, das Mandat ist an die lipp. Kanzlei zu Detmold gerichtet (4) Prokuratoren (Kl.): Lic. Simon Heinrich Gondela 1740 ( Subst.: Lic. Christian Philipp Lang ( Lic. Ferdinand Wilhelm Brand 1774 ( Subst.: Lic. Heinrich Joseph Brack ( Dr. Konrad Gordian Seuter 1789 ( Subst.: Lic. Philipp Jakob Emerich Prokuratoren (Bekl.): Dr. Philipp Ludwig Meckel [1739] 1742 ( Subst.: Lic. Johann Werner (5) Prozeßart: Mandati de administranda justitia et exequendis sententiis in rem judicatam prolapsis cum clausula Streitgegenstand: Die Kläger erklären, sie hätten dem Hauptmann Henrich Carl von Westphalen auf einen Wechsel von 1736 115 Rtlr. geliehen, die aber nicht zur vereinbarten Zeit zurückgezahlt worden seien. Die Klage ist dagegen gerichtet, daß, obwohl sie auf ihre Klage hin von der lipp. Kanzlei Urteile zu ihren Gunsten erhalten hätten, darunter zuletzt ein solches, in dem von Westphalen auch die Erstattung der Kosten auferlegt wurde, das ihnen aber später mit List wieder abgenommen worden sei, diese Urteile von der Kanzlei nicht ausgeführt würden, obwohl sie als unvermögende Leute auf das ausgelegte Geld angewiesen seien. Die erst auf RKG-Rufen (15. März 1741) und nachdem ihnen eingeschärft worden war, über die Befolgung des Mandates zu berichten (8. Mai 1742), erscheinenden Kanzleiräte gehen davon aus, das Mandat soweit möglich ausgeführt zu haben, die Kläger aber hätten sich nach Erlaß des Mandates nicht mehr gemeldet, wie es zu dessen Ausführung notwendig gewesen wäre. Sie bestreiten, daß die vorgelegten Urteile rechtskräftig geworden seien. Nachdem ein Antrag von Westphalens, einen anderen als (eigentlichen) Gläubiger anzuerkennen, abgewiesen worden sei, habe dieser sich mit der Frau Welliers verglichen. Erst danach hätten die Kläger, ohne daß je ein entsprechendes Urteil ergangen sei, eine Forderung über Gerichtskosten in Höhe von 1081 Rtlr. geltend gemacht. Gegen ein Urteil, mit dem ihnen diese Erstattung abgelehnt worden sei, hätten die Kläger zunächst appelliert, diese Appellation dann aber nicht weiter betrieben, sondern, den Vorgang verschweigend, die Klage eingereicht, obwohl sie nie ein Urteil über eine Kostenerstattung erhalten hätten. (6) Instanzen: RKG 1740 - 1789 (1740 - 1789) (7) Beweismittel: Aufstellung über Zinsen und Gerichtsgebühren (Q 12). (8) Beschreibung: 1,5 cm, 46 Bl., lose; Q 1 - 16.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 785
Altsignatur : L 82 Nr. 909



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(1) W 1841(2) Kläger: Margarete von Saldern, Reineke de Wendts Witwe und Erbin; 1562 als deren Erben für sich und ihre Konsorten Fritz von der Schulenburg; Melchior von Steinberg; die Brüder Heinrich und Burckhard von Saldern (3) Beklagter: Graf Bernhard zur Lippe und dessen Drost zu Varenholz, Christoph von Donop; 1563 als dessen Erbe Christoph von Donop für sich und seine minderjährigen Brüder (4) Prokuratoren (Kl.): Dr. Wolfgang Breuning 1550 ( Dr. Paul Haffner 1562 Prokuratoren (Bekl.): für den Grafen: Lic. Mauritius Breunlin 1550, [1550] 1562 ( für von Donop: Lic. Mauritius Breunlin 1550 ( Dr. Melchior Schwartzenberg 1563 (5) Prozeßart: Mandati de restituendo, relaxando et non offendendo Streitgegenstand: Die Klägerin, die darauf verweist, daß für Familie und Besitz ein kaiserlicher Schutz- und Schirmbrief ausgestellt worden sei, akzeptiert, daß nach dem Tode ihres Mannes und des gemeinsamen Sohnes, Simon de Wendt, die lipp. Lehen an den beklagten Grafen zurückgefallen seien. Sie beansprucht aber Leibzuchtrechte sowie Rechte als Erbin ihres Sohnes an dessen Eigen- und Erbgütern sowie an Stücken, die als sächsische Lehen bezeichnet werden. Auch diese suche der beklagte Graf ihr mit Hilfe des Drosten unter dem Vorwand, es handle sich bei allem um lipp. Lehen, abzunehmen. Die Klage ist gegen einzeln aufgeführte, als landfriedensbrüchige bzw. gewaltsame Übergriffe bezeichnete Fälle gerichtet, in denen auf dem strittigen Besitz lebende Eigenbehörige wegen (des Beharrens auf) dieser Zugehörigkeit gepfändet, von Land, das sie im Rahmen von Diensten für die Klägerin bearbeitet hatten, ebenso wie aus Holzungen der Klägerin verjagt worden waren, und ihre Angestellten gefangengenommen und unter Druck gesetzt worden waren sowie ihr die Nutzung von Holzungen und Fischgewässern untersagt worden war. Sie ist auf Abstellung dieser Übergriffe, Rückgabe des Abgepfändeten und Freilassung der Gefangenen gerichtet. Die Beklagten erklären, die Gefangennahmen seien zur Wahrung anderer Rechte erfolgt, die nicht im Zusammenhang mit dem vorliegenden Streit stünden. Für einige als mindische und weitere als sächsische Lehen bezeichnete Besitzungen sehen sie den Grafen zur Lippe als nach dem Aussterben des Hauses de Wendt neu Belehnten, wobei bezüglich der sächsischen Lehen nicht näher bezeichnete Rechte der Klägerin anerkannt werden, die aber durch die zur Sicherung des Besitzes erfolgten Maßnahmen nicht beeinträchtigt worden seien. Einzelne von der Klägerin als Eigenbesitz bezeichnete Stücke sehen sie als lipp. Besitz, das Gut Haddenhausen im Gegensatz zur Klägerin nicht als sächsisches, sondern als lipp. Lehen. Insbesondere in der Gegenklage von Donops, der im übrigen darauf verweist, daß er alle beklagten Handlungen nicht im eigenen Interesse, sondern im Namen und Auftrag des Grafen durchgeführt habe, so daß er nicht als RKG-Prozeßpartei zu verstehen sei, wird darauf hingewiesen, daß die de Wendt das gesamte Amt Varenholz als Pfandbesitz innegehabt hätten, der aber nach dem Tode von Reineken und Simon de Wendt (in großzügiger Weise) wieder eingelöst worden sei; der Klägerin stünden daran keine Rechte, erst recht keine Erbrechte als Eigengut, zu. 30. Januar 1562 vom Grafen erwirkte Citatio ad reassumendum gegen die (in Ladung und Botenrelation unterschiedlich benannten) Erben der Klägerin. 15. Februar 1563 von den Erben erwirkte Citatio ad reassumendum gegen von Donops Erben. Siehe auch L 82 Nr. 787 (W 1842), 790 (W 1931). (6) Instanzen: RKG 1550 - 1563 (1550 - 1768) (8) Beschreibung: 4 cm, 150 Bl., lose; Q 1 - 23, 2 Beil., prod. 17. Dezember 1563 und 11. Januar 1768 (!) (Einwände, die Gegenseite müsse sich vor Wiederaufnahme "dieser vor einigen Seculis abgethanen Sache" besser als geschehen dazu legitimieren); Deckblatt des Protokolls fehlt. Lit.: Wilhelm Süvern, Die Ritter de Wend zu Varenholz, in: Lippischer Dorfkalender NF 3 (1951), S. 34-40.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 786
Altsignatur : L 82 Nr. 910



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(1) W 1842(2) Kläger: Margarete von Saldern, Reineke de Wendts Witwe; 1562 als deren Erben für sich und ihre Konsorten Fritz von der Schulenburg; Melchior von Steinberg; die Brüder Heinrich und Burckhard von Saldern; 1752 Franz Arnold de Wendt zu Krassenstein und Holtfeld; Wilhelm Adolf de Wendt; 1766 Franz Arnold de Wendt allein (3) Beklagter: Graf Bernhard zur Lippe und dessen Drost zu Varenholz, Christoph von Donop; 1563 als dessen Erbe Christoph von Donop für sich und seine minderjährigen Brüder; 1749 Graf Simon August zur Lippe (4) Prokuratoren (Kl.): Dr. Wolfgang Breuning [1550] 1550 ( Dr. Paul Haffner [1562] 1562 ( Dr. Johann Albert Ruland (1749), 1752, 1766 ( Subst.: Lic. Caesar Scheurer 1752 ( Subst.: Lic. Johann Friedrich Lange 1766 Prokuratoren (Bekl.): für den Grafen: Lic. Mauritius Breunle [1550] 1550 ( Dr. Philipp Ludwig Meckel [1748] 1749 ( Subst.: Dr. Johann Paul Besserer ( für von Donop: Dr. Mauritius Breunlin [1550] 1550 ( Dr. Melchior Schwartzenberg [1563] 1563 (5) Prozeßart: Mandati secundi de restituendo, relaxando et non offendendo Streitgegenstand: Zum Zusammenhang und der Argumentation vgl. L 82 Nr. 786 (W 1841), s. auch L 82 Nr. 790 (W 1931). Die Klage richtet sich gegen weitere einzeln aufgeführte Übergriffe der Beklagten, die der Klägerin an verschiedenen Stellen das Getreide vom Feld hatten wegnehmen, ihren Untertanen Getreide und Vieh hatten abpfänden, ihnen die Leistung von Abgaben an die Klägerin untersagt, das Gericht Talle gehalten und die damit verbundenen Rechte (u.a. Marktstättengelderhebung) ausgeübt hatten. Die Klägerin verweist insbesondere darauf, daß die Grafen zur Lippe das vormals von ihnen besessene Gericht Talle den de Wendt im Tausch gegen das Gericht St. Johann vor Lemgo überlassen hätten und daß die anderen Maßnahmen sich (teilweise) auf einem de Wendtschen Erbgut abgespielt hätten, das diese bereits lange, ehe sie das Haus Varenholz zu Pfand bekommen hätten, innegehabt hätten. Seitens der Beklagten erneuter Verweis, der nur im Namen des Grafen handelnde von Donop sei keine Prozeßpartei. Argumentation, die implizit darauf hinausläuft, der gesamte de Wendtsche Besitz sei entweder heimgefallener Lehens- oder eingelöster Pfandbesitz, in den die Klägerin sich gewaltsam zu drängen versuche. Sie bestreiten die Zuständigkeit des RKG in Fällen derartiger Streitigkeiten zwischen Landesherren und einem Untertanen zugunsten eines vorgängig zu versuchenden Austrages vor Deputierten der Landschaft, den die Klägerin abgelehnt habe. 15. November 1562 Citatio ad reassumendum an von Donops Erben. 1563 Antrag des Grafen, seine alten und teilweise kranken Zeugen durch RKG-Kommissare (die er benennt) zu verhören. 1564 - 1748 keine Handlungen protokolliert. 1749 Versuch zur Wiederaufnahme des Verfahrens durch de Wendt zu Krassenstein. Seitens des Grafen zur Lippe Zweifel, ob dieser eine Berechtigung zur Wiederaufnahme des Verfahrens belegen könne. (6) Instanzen: RKG 1550 - 1766 (1550 - 1767) (7) Beweismittel: De Wendtsches Abstammungsschema (Bl. 114). (8) Beschreibung: 3,5 cm, 116 Bl., lose; Q 1 - 29, es fehlen Q 9* - 12*, 22 - 24 (im Protokoll nicht genannt), 27*, 2 Beil. prod. 19. Januar und 5. Oktober 1767. Lit.: Süvern, de Wend (wie Nr. 786).


Bestellsignatur : L 82 Nr. 787
Altsignatur : L 82 Nr. 911



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(1) W 1875(2) Kläger: Franz Egon de Wendt zu Krassenstein und Holtfeld (3) Beklagter: J. H. de Wendt zu Papenhausen, Osnabrück, (4) Prokuratoren (Kl.): Lic. Johann Melchior Deuren 1728 ( Subst.: Dr. Christian Hartmann von Gülich Prokuratoren (Bekl.): Lic. Johann Justus von Faber 1728 ( Subst.: Dr. J. H. Scheurer (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Streit um das Recht zur Verwaltung des überwiegend in der Grafschaft Lippe liegenden de Wendtschen Lehensbesitzes. Der Appellant erklärt, dieser sei immer vom Familienältesten (senior familiae) seiner Linie der Familie de Wendt ausgeübt worden und damit nach dem Tode seines Vetters an ihn gefallen, der er daraufhin auch von den Lehen habe Possession ergreifen lassen. Die RKG-Appellation richtet sich dagegen, daß, nachdem er auf Schutz in dieser Possession geklagt habe, die Kanzlei allein auf den Bericht des Appellaten hin, ohne seine Stellungnahme dazu einzuholen, diesen als derzeitigen Familienältesten im Recht zur Ausübung der Verwaltung bestätigt und diese Entscheidung auf die Einwände des Appellanten bestätigt hatte. Der Appellant erhebt verfahrensrechtliche Einwände gegen die, ohne seine Stellungnahme einzuholen, ergangene Entscheidung und dagegen, daß, da er sich eindeutig in der Possession des Rechtes befunden habe, der Appellat in der Possession nicht hätte bestätigt werden dürfen, sondern auf ein petitorisches Verfahren hätte verwiesen werden müssen. Er begründet sein Recht, gegen ein Possessionsurteil zu appellieren, damit, daß, indem durch das Urteil, mit dem der Appellat, obwohl er weder bewiesen habe, daß seine Vorfahren das Recht je ausgeübt hätten, noch, daß er von der Linie der Familie abstamme, aus der die Lehen stammten, als berechtigter Familienältester anerkannt worden sei, dieses kein rein possessorisches sei, sondern eine gemischte Entscheidung (mixta causa), gegen die Appellationen zulässig seien. Der Appellat geht dagegen davon aus, den Beweis seiner Abstammung von der entsprechenden Linie wie einer Ausübung des Rechtes durch seine Vorfahren erbracht zu haben. Er bestreitet, daß das Seniorat auf eine Linie der Familie beschränkt sei, und sieht diesen Anspruch durch 1674 in Detmold und später an der Rietberger Lehenskammer ergangene Urteile bereits anerkannt an. (6) Instanzen: 1. Lipp. Kanzlei zu Detmold ( 2. RKG 1727 - 1730 (1440 - 1730) (7) Beweismittel: Botenlohnquittung (Q 28). De Wendtsches Abstammungsschema (Q 31A, 31B). Urteil der Rietberger Lehenskammer mit Rationes decidendi der Juristenfakultät der Universität Gießen, 1712 (Q 32). Dgl. mit Rat der Helmstedter Juristenfakultät, 1715 (Q 33). Extrakt aus den Rietberger Akten (Q 56). Lehensbriefe und andere die Ausübung der Verwaltung der Lehen betr. Urkunden, ab 1440 (Q 34 - 45, 47, 48). (8) Beschreibung: 5,5 cm, 186 Bl., lose; Q 1 - 56. Lit.: Franz Ignaz Pieler, Nachrichten über die ritterlichen Familien von Wendt im Mittelalter und im Anfange der neueren Zeit, in: Westf. Adelsblatt, Jg. 4 (1927), S. 115-168 u. S. 191-222, hier: S. 197ff.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 788
Altsignatur : L 82 Nr. 912



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(1) W 1885(2) Kläger: Franz Wilhelm de Wendt zu Krassenstein und Holtfeld, (Kl.) (3) Beklagter: Simon Henrich de Wendt zu Papenhausen, kurkölnischer Geheimer Rat, (Bekl.) (4) Prokuratoren (Kl.): Dr. Johann Ulrich von Gülchen 1714 ( Subst.: Dr. Christian Hartmann von Gülchen (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Streit um Lehensbesitz des Ende 1710 verstorbenen Franz Egon de Wendt zu Krassenstein. Strittig waren Fragen nach der Generationenfolge und der Zuordnung von Personen in weiter zurückliegenden Zeiten im Hinblick auf die Nähe zum Verstorbenen und dem damit begründeten Anspruch auf die Lehen. Der Appellant sieht die de-Wendt-zu-Möhlerschen Kinder als nächste Lehenserben und daher die im Rahmen eines unter Mitwirkung von münsterschen Kommissaren zustandegekommenen Vergleichs mit deren Vormündern erfolgte Übertragung u.a. der strittigen Lehen an ihn für rechtens an. Er bestreitet inhaltlich wie formal den vom Appellaten geltend gemachten Anspruch, als gegenüber ihm (= Appellanten) näher Berechtigter nach Retraktrecht in diese Übergabevereinbarung eintreten zu können. Streit um Zulässigkeit und Notwendigkeit einer RKG-Kommission (Aufgabenstellung nicht ersichtlich). Das vorinstanzliche Urteil hatte u.a. auch festgestellt, der Appellant müsse sich auf eine vom Appellaten eingeleitete Appellation nicht einlassen. (6) Instanzen: 1. Lipp. Hofgericht zu Detmold mit Rat der Juristenfakultät der Universität Leipzig 1710 - 1714 ( 2. RKG ? - ? (1609 - 1737) (7) Beweismittel: Acta priora (Bd. 2), mit Rationes decidendi (ebd. Bl. 444 - 445). De Wendtsches Abstammungsschema (Bd. 1 Bl. 24). Vergleich zwischen den Vormündern der Kinder des Wilhelm Moritz Diederich de Wendt zu Möhler und den Freiherren Jakob Friedrich von Ketteler und Franz Wilhelm de Wendt, die, respektive deren Söhne von dem verstorbenen Franz Egon de Wendt dessen Besitz doniert bekommen hatten, 1711 (Bd. 1 Bl. 26 - 29). Testament der Eheleute Wilhelm und Justina de Wendt, 1609 (Bd. 1 Bl. 41 - 43). Vom münsterschen Gogreven zu Stromberg ausgefertigtes Instrument einer Schuldverschreibung, durch die Franz de Wendt sein Gut Möhler dem Rittmeister Friedrich Sack auf 12 Jahre als Nutzungspfand überläßt zur Tilgung von 4833 Rtlr., die dieser ihm zur Begleichung der Begräbnisschulden seiner Frau und zur Schuldentilgung geliehen hat, 1643 (Bd. 1 Bl. 46 - 54). Lehensbrief der Herforder Äbtissin zugunsten von Franz Wilhelm de Wendt zu Krassenstein über die einzeln benannten de Wendtschen Lehen, 1713 (Bd. 3 Bl. 75 - 77). (8) Beschreibung: 3 Bde., 12 cm; Bd. 1: 2,5 cm, 99 Bl., lose; Protokoll ohne Einträge, 30 unquadrangulierte Aktenstücke, prod. zwischen 26. August 1715 (19) und 25. Oktober 1737, 1 Aktenstück (Vollmacht), dem Dorsalvermerk nach aus einem Verfahren Wendt ./. von Blumencron, prod. 18. April 1763; Bd. 2: 7,5 cm, Bl. 107 - 445, geb.; unquadranguliert und undatiert; Akten des Hofgerichtsverfahrens, 1710 - 1714, gegen dessen Entscheid appellierten beide Parteien; Bd. 3: 2 cm, 105 Bl., geb.; unquadranguliert, prod. 27. August 1714; Akten eines vor der Osnabrücker Kanzlei geführten Verfahrens, ausgelöst durch ein Gesuch des Simon Henrich de Wendt um ein Mandatum manutenentiae et de non turbando ./. von Wendt zu Papenhausen, 1711 - 1713, das mit einer RKG-Appellation von Wendt zu Papenhausens endete gegen einen Spruch dieser Kanzlei, mit dem ihm eine Frist zur Einbringung von Einwänden gesetzt wurde, vom 31. Oktober 1713 und zugleich gegen die ohne daß er vorgängig gehört worden wäre am 18. Februar 1713 erfolgte Belehnung des Franz Wilhelm de Wendt zu Krassenstein mit den Herforder de Wendtschen Lehen; die RKG-Ladung zu diesem Appellationsverfahren erging am 28. April 1714.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 789
Altsignatur : L 82 Nr. 913



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(1) W 1931(2) Kläger: Margarete von Saldern, Witwe von Reineke de Wendt; 1562 als deren Erben für sich und ihre Konsorten Fritz von der Schulenburg; Melchior von Steinberg; die Brüder Heinrich und Burckhard von Saldern (3) Beklagter: Graf Bernhard zur Lippe und Konsorten, nämlich sein Landdrost, Christoph von Donop; 1563 als dessen Erben Christoph von Donop für sich und seine minderjährigen Brüder (4) Prokuratoren (Kl.): Dr. Wolfgang Breyning (1558) ( Dr. Paul Haffner [1562] 1562 Prokuratoren (Bekl.): für den Grafen: Dr. Melchior Schwarzenberger [1556] 1558 ( für von Donop: Lic. Mauritius Breunle [1550] 1558 ( Dr. Melchior Schwarzenberger [1563] 1563 (5) Prozeßart: Tertii mandati Streitgegenstand: Zum Zusammenhang und der Argumentation vgl. L 82 Nr. 786 (W 1841), 787 (W 1842). Die wiederum gegen jeweils einzelne Handlungen gerichteten Beschwerden wenden sich gegen die Neueinrichtung von Schäfereien auf dem Land, das die Klägerin als Erbbesitz oder Leibzucht für sich beansprucht; Eingriffe in die Nutzung des Eichberg genannten Holzes, insbesondere, indem sie wie Holzkäufer gehindert wurden, das Holz zur Weser zu schaffen, um es von dort zu flößen; gegen Eingriffe in das Gericht Talle und Übernahme von mit diesem Gericht verbundenen Hoheitsrechten; dagegen, daß Eigenbehörige und Dienstpflichtige daran gehindert wurden, ihr Dienste zu leisten und diese von den Beklagten angefordert wurden; gegen Genehmigung und Durchsetzung der Errichtung neuer Rott- und Hausstätten und erneut gegen die Wegnahme und Eigennutzung von Ländereien. Der beklagte Graf gesteht der Klägerin Leibzuchtrechte an den sächsischen und mindischen, aber nur an einigen lipp. Lehen. Er erklärt, der Tausch des Gerichtes Talle habe sich allein auf das Gogericht bezogen, während die anderen die "hohe und niedere Obrigkeit" betreffenden Rechte von den de Wendt als Inhaber des inzwischen wieder eingelösten Amtes Varenholz ausgeübt worden seien. Auch die Holzungsrechte sieht er als Teil des eingelösten Pfandes. Gräflicher Antrag auf ein Zeugenverhör ad rei memoriam (zur Sicherung des Wissens). Nach letzten protokollierten Handlungen von 1564 das Protokoll abschließender Visum-Vermerk vom 30. Dezember 1766. (6) Instanzen: RKG 1558 - 1766 (1558 - 1564) (8) Beschreibung: 1,5 cm, 58 Bl., lose; Q 1 - 10, Q 4 doppelt, es fehlt Q 6* (Vollmacht Haffner), 1 undatierte Beil. Lit.: Süvern, de Wend (wie Nr. 786).


Bestellsignatur : L 82 Nr. 790
Altsignatur : L 82 Nr. 914



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(1) W 1936(2) Kläger: Die Eingesessenen zu Wendlinghausen (3) Beklagter: Hedwig, Witwe des Hauptmanns von Reden, geb. von Gustedt; 1767 Johann Friedrich von Reden (4) Prokuratoren (Kl.): Lic. Simon Heinrich Gondela 1752 ( Subst.: Dr. Ernst Karl Christian Fischer ( Dr. Johann Philipp Gottfried von Gülich 1764 ( Subst.: Dr. Gress Prokuratoren (Bekl.): Lic. Caesar Scheurer 1752, 1767 ( Subst.: Lic. Johann Jakob Duill 1752 ( Subst.: Lic. Johann Werner 1767 (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Hintergrund des Verfahrens ist ein Streit um Huderechte im bzw. angrenzend an das Sporkholz im Bereich Schiereneichen und Anger. Die Appellanten erklären, Anfang des Jahrhunderts habe der damalige Besitzer des Gutes Wendlinghausen, von Münchhausen, sich ein uneingeschränktes Huderecht angemaßt, während ihm nur das Recht, an 3 Tagen die Woche 12 Rinder oder die Schweine hüten lassen zu dürfen, zustünde. In dem folgenden Rechtsstreit sei von Münchhausen immer nur das von ihnen anerkannte Huderecht zugestanden worden, bis er den Beweis eines weitergehenden Rechtes erbracht haben würde. Nachdem das Verfahren dann lange Zeit geruht habe, habe die Appellatin sich wiederum weitergehende Rechte angemaßt. Vom Hofgericht sei dies 1749 erneut bis zu einem anderen Beweis abgewiesen worden. Die RKG-Appellation richtet sich dagegen, daß die Helmstedter Juristenfakultät ihr 1750 die Hude zugestanden hatten, falls die Appellanten nicht binnen Frist beweisen würden, daß sie ihr nicht zustünde. Die Appellanten sehen diese von den Erfurter Juristen bestätigte, die Beweislast umkehrende Entscheidung im Gegensatz zu allen bisherigen und der Sache nach gerechtfertigten Urteilen, die angesichts des bestehenden Status eines beschränkten Huderechtes der Appellatin den Beweis ausgedehnterer Rechte auferlegt hatten. Die diesem Urteil zugrundeliegende Vermutung, Schiereneichen und Anger gehörten der Appellatin, so daß ein umfangreicheres dort bestehendes Recht zu unterstellen sei, sei nie belegt worden und treffe nicht zu. Vielmehr seien beide Gebiete Allmendbesitz. Die Appellanten wenden sich zudem dagegen, daß im Erfurter Urteil der ihnen im Helmstedter Urteil noch vorbehaltene Beweis eines anderen Rechtes nicht mehr erwähnt wurde. Mündlicher Antrag des appellatischen Prokuratoren, das Verfahren für desert zu erklären, da die Appellanten sich nicht hinreichend um eine regelgerechte Beibringung der Acta priora gekümmert hätten. Vorbehaltlich der Entscheidung über diesen Antrag bestreitet die Appellatin die Zulässigkeit der RKG-Appellation wegen Fehlens einer Beeinträchtigung der Appellanten durch das Urteil (exceptio deficientium gravaminum). Sie geht davon aus, daß die Vermutung eines bestehenden umfassenden Huderechtes für sie als Besitzerin des Gutes spreche, so daß richtigerweise die Appellanten zum Beweis eines anderen aufgefordert worden seien. Die Tatsache, daß sie Besitzerin der strittigen Holzungen sei, sei im bisherigen Verfahren nie bestritten worden und damit als gegeben anerkannt. 1. März 1755 gegen Einwände der Appellatin RKG-Kommission an die lipp. Kanzlei zu einem Zeugenverhör ad rei memoriam (zur Sicherung des Wissens). 18. November 1766 RKG-Attentatsmandat sine clausula, da die Appellatin trotz des laufenden Verfahrens einen Teil des strittigen Landes habe umpflügen und die angrenzende Hecke ausreißen lassen. 23. September 1767 Einschärfung, über die Befolgung dieses Mandates zu berichten. (6) Instanzen: 1. Lipp. Hofgericht zu Detmold mit Rat der Juristenfakultäten der Universitäten Duisburg (1702), Wittenberg (1719), Kiel (1721), Helmstedt (1750) und Erfurt (1751) 1702 - 1751 ( 2. RKG 1752 - 1769 (1702 - 1767) (7) Beweismittel: Acta priora (Q 14). Rationes decidendi der Erfurter Juristen (Q 6). Kommissarisches Zeugenvernehmungsprotokoll, 1755 (Q 22). Vollmacht mit Namen bzw. Unterschrift von 21 Appellanten, 1752 (Q 8, 9), von 11 Appellanten, 1764 (Q 24). Botenlohnquittung (Q 10). Farbige Karte des Sporkholzes mit Schiereneichen und Anger (darin Weg nach Alverdissen und zur Töpferei), eingereicht 1767 (Q 44). (8) Beschreibung: 4 Bde., 20 cm; Bd. 1: 1,5 cm, 30 Bl., geb.; Protokoll; Bd. 2: 6,5 cm, 300 Bl. (ohne Bl. 293), überwiegend geb.; Q 1 - 13, 15 - 44, von Q 22 nur der Umschlag, 2 Beil.; Bd. 3: 11 cm, 571 Bl., geb.; Q 14; Bd. 4: 30 Bl., geb.; Q 22.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 791
Altsignatur : L 82 Nr. 915, 916



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(1) W 1999(2) Kläger: David Wentorps Erben, nämlich Dr. Johann Victor Warnesius, Paderborner Hofrichter und Syndikus des Domkapitels, namens seiner Frau Anna Maria und von deren Bruder Hieronymus Wentorp (3) Beklagter: Hilmar und Claus von Münchhausen (4) Prokuratoren (Kl.): Eiling (1632) Prokuratoren (Bekl.): Dr. Georg Goll (1632) ( Dr. Johann Konrad Albrecht von Lauterburg 1646 (5) Prozeßart: Mandati de solvendo et tradendis actis Streitgegenstand: Mandat oder Klage liegen nicht vor. Den vorliegenden Schriften nach war die Klage auf Erfüllung einer Bürgschaft, die Hilmar und Claus von Münchhausen über eine Summe von 5000 Rtlr. zugunsten von Stats von Münchhausen eingegangen waren, gerichtet. In den zunächst nur im Namen einiger Erben von Hilmar von Münchhausen, dann im Namen aller Münchhausenschen Erben und als Intervenienten der braunschweig-lüneburgischen, Paderborner und schaumburgischen Regierungen eingereichten Einwände gegen das Mandat wird darauf verwiesen, daß die beiden Beklagten zum Zeitpunkt der Klageerhebung schon lange (Claus 1616, Hilmar 1617) verstorben seien, was den Klägern bekannt gewesen sei. Mandate gegen Verstorbene aber seien nicht zulässig. Hilmar von Münchhausen habe 4 Söhne und 9 Töchter hinterlassen, dennoch sei das Mandat nur Börries von Münchhausen zu Rinteln zugestellt worden. Die Erben bemängeln, daß sie die väterliche Bürgschaft, der nach sie zur Zahlung angewiesen werden sollten, nie gesehen, geschweige denn anerkannt hätten. Die angeblich einige Jahre lang erfolgte Zahlung durch ihren Vater sei nicht bewiesen worden. Hinweis auf die reichsrechtswidrige Verzinsung von 6 % und die Tatsache, daß die Regelung des Stats von Münchhausen betreffenden Schuldenwesens als kaiserlichen Kommissaren dem Kölner Kurfürsten und dem Grafen zur Lippe aufgetragen worden und daß in der Kommission ausdrücklich bestimmt worden sei, die Münchhausenschen Bürgen vorerst nicht heranzuziehen. (6) Instanzen: RKG 1632 - 1636 (1614 - 1648) (8) Beschreibung: 1,5 cm, 37 Bl., lose; Q 1 - 4, es fehlen Q 1, 2, 3* (Vollmacht Goll), 6 Beil., prod. zwischen 1. Juni 1646 und 26. Oktober 1648. Lit.: Gebhard v. Lenthe und Hans Mahrenholtz, Stammtafeln der Familie von Münchhausen, Teil II (Schaumburger Studien 36), S. 101f., 114, 140f.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 792
Altsignatur : L 82 Nr. 917



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(1) W 2236(2) Kläger: Henrich Wessel, arme Partei, (3) Beklagter: Prälaten und Konvent des Klosters Marienmünster in Westfalen (4) Prokuratoren (Kl.): Dr. Johann Roleman 1668 ( Subst.: Lic. Johannn Eichroth Prokuratoren (Bekl.): Lic. Bernhard Henningh 1667 ( Subst.: Lic. Johann Eichroth ( für die Paderborner Kanzlei: Lic. Bernhard Henningh [1662] 1668 ( Subst.: Lic. Johann Eichroth (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Auf Antrag des Klosters hatte das Amt Schwalenberg den Appellanten wegen alter Schulden seines Hofes im Amt Born für verlustig erklärt. Der Appellant erklärt dagegen, dem Kloster für diese Schulden 14 Morgen Land zur Nutzung überlassen zu haben, und verweist auf andere Fälle, in denen derartige Schulden in Verhandlungen ermäßigt worden seien. Er bestreitet dem Kloster die behauptete weitgehende Abhängigkeit der Borner Höfe und das Recht, Bauern ohne Mitwirkung des wegen Schatz, Diensten und Burgfesten mitinteressierten Landesherren ihres Hofes entsetzen zu können. Die Unterlagen der im Sinne dieser letzten Einwände erfolgten Intervention der gesamten Dorfschaft seien bei der Aktenversendung ausgesondert und nicht mit versandt worden. Er habe gegen das Urteil an die lipp. wie die Paderborner Kanzlei als nächsthöhere Instanz appelliert. Die RKG-Appellation richtet sich dagegen, daß die Paderborner Kanzlei diese Appellation mit der vom Appellanten bestrittenen Begründung, das Schwalenberger Urteil sei rechtskräftig, nicht angenommen, sondern ihren Schwalenberger Drosten zu dessen Ausführung angewiesen hatte. Der Appellant verweist darauf, daß diese Ausführung nur im Zusammenwirken mit den lipp. Beamten in Schwalenberg hätte vorgenommen werden können, was aber, da die lipp. Kanzlei seine Appellation angenommen habe, nicht der Fall gewesen sei. Zum Reproduktionstermin am 7. Januar 1668 wurden Compulsoriales vom 23. Juli 1662, Ulteriores compulsoriales vom 12. Februar 1664 und Ulteriores compulsoriales cum extensione ad edendum rationes decidendi vom 1. Mai 1667 reproduziert. Die Paderborner Kanzleiräte sehen in dem Fall das Paderborner Interesse betroffen. Wessel habe seine Appellation gegen das Schwalenberger Urteil nicht nur bei ihnen, sondern gegen Gewohnheitsrecht und Zuständigkeit (contra observantiam et competentiam) auch an der lipp. Kanzlei eingereicht. Bereits im Februar 1661 habe man dieser lipp. Anmaßung in aller Form widersprochen und reiche nunmehr die Akten und Rationes decidendi ein, um zu belegen, daß die Appellation gegen das Schwalenberger Urteil durch die gleichzeitige Wendung nach Detmold nichtig geworden und daher auch die RKG-Appellation unzulässig sei. Sie betonen ausdrücklich, sich durch die eingereichten Unterlagen nicht auf ein Verfahren um ihre Kompetenzen einlassen zu wollen. Die Appellaten erklären, der Appellant habe bereits bei der Urteilsverkündung gegen das Schwalenberger Urteil an das RKG appellieren wollen und durch diese Übergehung der nächsthöheren Instanz seine Appellation hinfällig gemacht. Das Dorf Born liege im Amt Oldenburg, das wie Schwalenberg Samtamt sei; in ersterem aber oblägen die Territorialrechte allein Paderborn, im zweiteren allein Lippe. Indem er sich dennoch nichtigerweise appellierend auch an die lipp. Kanzlei gewandt habe, sei seine Appellation endgültig hinfällig und eine weitere Appellation an das RKG daher unzulässig geworden. Sie ziehen zudem die in den Appellationsinstrumenten genannten Daten in Zweifel und plädieren auf Fristversäumnis. Zudem habe der Appellant sich nach der angeblichen RKG-Appellation erneut an die Paderborner Kanzlei gewandt und auch damit die Appellation desert werden lassen. (6) Instanzen: 1. Fürstlich Paderborner und gräflich lipp. Drosten und Beamte zu Schwalenberg mit Rat der Juristenfakultät der Universität Marburg 1659 - (1661) ( 2. Paderborner Kanzlei 1661 - 1662 ( 3. RKG 1668 - 1669 (1544 - 1669) (7) Beweismittel: (Möglicherweise Original-) Acta priora des Schwalenberger Verfahrens, 1659 - (1661) (Q 28). Acta und Protocollum der Paderborner Kanzlei, 1661 - 1662 (Q 32). Rationes decidendi der Paderborner Kanzlei (Q 28b). Protokoll-Extrakt über Verhandlungen, nachdem die Mönche ("Mönneke") von Marienmünster "in Meggerstadt" statt die Ländereien "tom Borne" weiter durch die Schwalenberger nutzen zu lassen, "dat dorp besetten wollen", über Streitigkeiten bezüglich der Räumung des Landes durch die Schwalenberger und über die von dem Land geforderten Dienste, 1544 (Q 16). "Specificatio der ermangelden Stücke bey den actis" (Q 21). (8) Beschreibung: 2 Bde., 6 cm; Bd. 1: 3 cm, Bl. 1 - 65, 176 - 233, lose; Q 1 - 27, 28b - 47, es fehlt Q 35, 2 Beil., exhib. 9. November 1669; Bd. 2: 3 cm, Bl. 66 - 175, geb.; Q 28.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 793
Altsignatur : L 82 Nr. 918



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(1) W 2484(2) Kläger: Gebrüder und Vettern Westphalen, nämlich Wilhelm im Bußdorfstift zu Paderborn; Philipp von Meschede; Propst Moritz Raban; Friedrich und Raban Brüder und Vettern Westphalen; an anderer Stelle: Wilhelm, Philipp, Moritz Raban, Friedrich und Raban Westphalen (3) Beklagter: Befehlshaber und Verwalter der Grafschaft Lippe, nämlich Christoph und Anthon von Donop; Hermann von Mengersen; Simon de Wendt; Arnold von Kerßenbrock; Georg von Hörde; Iggenhausen von Exter; Bürgermeister und Räte der Städte Lemgo und Horn (4) Prokuratoren (Kl.): Ludwig Ziegler 1542 ( Lukas Lantstraiss ( Adam Wernher ( Jakob Huckell Prokuratoren (Bekl.): Lic. Johann Helffman 1544, 1544, 1544 (5) Prozeßart: Citationsverfahren Streitgegenstand: Streitgegenstand sind Güter und Rechte (einschließlich Herrlichkeit und Obrigkeit) insbesondere in den beiden Dörfern Ostlangen und Kohlstädt, die den Vorfahren der Kläger von früheren Grafen zur Lippe wiederkäuflich verkauft worden waren und die die Beklagten für die Grafschaft wieder eingelöst hatten. Während die Beklagten erklären, nachdem ihnen in einem Rechtsstreit vor dem Kölner Erzbischof (bzw. dessen Räten), der als Administrator des Stiftes Paderborn für die unter der dortigen Botmäßigkeit lebenden Kläger zuständiger Richter sei, das Recht zur Einlösung der verpfändeten Dörfer zugesprochen worden sei, sei der Streit abschließend entschieden, werfen die Kläger ihnen vor, bei der Loskündigung nicht ordnungsgemäß die einzelnen einzulösenden Güter und Rechte benannt und schließlich die ganzen Dörfer einschließlich von Besitz und Rechten, die ihnen (= Klägern) darin als Lehens- oder Eigenbesitz zustünden, gewaltsam eingenommen zu haben. Sie wenden sich an das RKG, da alle ihre Beschwerden, wie der Versuch, durch Vermittlung des Paderborner Domstiftes die Beklagten zu einer vorläufigen Restitution und zur Benennung von Richtern, vor denen sie den Streit um die Trennung des Pfand- vom Eigenbesitz austragen wollten, zu bewegen, keinen Erfolg gehabt hatten, worin sie den Versuch, ihnen das Recht zu verweigern und abzuschlagen, sehen. Die Beklagten bestreiten die Zulässigkeit der Wendung an das RKG. Gemäß der Reichsordnung über Klagen von Adligen gegen Grafen hätten die Kläger sich mit ihrer Beschwerde mindestens dreimal an die Grafen zur Lippe oder an Fürsten des Reiches wenden müssen. Hinweis (ohne nähere Erläuterung), die Grafschaft Lippe sei nicht reichsunmittelbar. (6) Instanzen: RKG 1544 (1544 - 1544) (8) Beschreibung: 1,5 cm, 34 Bl., lose; Q 1 - 10, 1 Beil. (= Vollmacht von Dr. Landstraß für alle RKG-Prokuratoren, ihn in seinen Fällen zu vertreten, 1544 (Bl. 3).


Bestellsignatur : L 82 Nr. 794
Altsignatur : L 82 Nr. 919



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(1) W 2496(2) Kläger: Lucia von Donop, Witwe von Friedrich Westphalen zu Heidelbeck für sich und als Vormünderin ihrer Kinder, (Bekl. 1. Inst. Friedrich Westphalen) (3) Beklagter: Dietrich Welschen, Heidelbeck, (Kl.) (4) Prokuratoren (Kl.): Dr. Johann Jakob Kremer 1588 (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Streitgegenstand ist der Besitz eines Scheuenberg (auch: Scheuerberg) genannten Hofes vor dem Dorf Heidelbeck. Die Appellantin erklärt, nach dem Tode des letzten Inhabers, Hermann Krüger, habe ihr Mann von diesem alten Westphalenschen Lehensgut vor allen anderen und auch vor dem Appellaten Besitz ergriffen für sich und seinen Neffen Joachim Westphalen. Die RKG-Appellation richtet sich dagegen, daß auf die Klage des Appellaten, obwohl dieser sich nach Angaben der Appellantin nachträglich und gewaltsam in den Besitz gedrängt hatte, die Vorinstanz ihn in diesem Besitz bestätigt hatte, bis die Appellantin ihr Recht in petitorio besser als geschehen beweisen würde. 9. Dezember 1588 RKG-Rufen gegen den nicht erschienenen Appellaten. 17. Januar 1589 Litiskontestation von amtswegen für erfolgt angenommen. Der appellantische Prokurator bezog sich daraufhin statt einer Klageschrift allein auf die Acta priora. Danach außer Completum-Vermerken vom 22. September 1589, 5. Februar 1599 und einem Expeditum-Vermerk vom 16. Januar 1600 keine Handlungen protokolliert. Die danach eingereichten Schriften beziehen sich auf ein im Januar 1600 auf Antrag des Appellaten in contumatiam (Ungehorsam gegenüber dem Gericht) der Appellantin ergangenes RKG-Urteil, mit dem das Urteil der Vorinstanz bestätigt wurde. Es handelt sich um ein Intercessionsschreiben der lipp. Hofrichter an das RKG, in dem diese die Argumente der Appellantin aus dem beiliegenden Gesuch unterstützen. Sie wendet gegen das Urteil ein, vom Fortgang des Verfahrens nichts gewußt zu haben, und sich "aus frawlicher blödigkeitt, unwißenheitt und einfaltt" sowie im Vertrauen auf ihren mit dem Fall befaßten, aber inzwischen verstorbenen Sekretär nicht darum gekümmert zu haben, und bittet um Erlaß der verhängten Strafe. Einem Vermerk auf dem Deckblatt des Protokolls nach wurde die Appellantin wegen frivoler Appellation in 10 Mark Silber Strafe genommen. (6) Instanzen: 1. Gräflich lipp. Räte in der gewöhnlichen Audienz zu Lemgo 1586 - 1587 ( 2. RKG 1588 - 1600 (1586 - 1600) (7) Beweismittel: Protokoll des vorinstanzlichen Verfahrens (Bl. 47 - 48). (8) Beschreibung: 4 cm, 135 Bl., lose; Q 1 - 6, es fehlt Q 5 (Acta priora), 8 Beil., davon 2 praes. 5. bzw. 21. November 1600.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 795
Altsignatur : L 82 Nr. 920



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(1) W 2506(2) Kläger: Christoph Friedrich Westphalen zu Heidelbeck, (Kl.) (3) Beklagter: Lucia von Donop, Langenholzhausen, (Bekl.) (4) Prokuratoren (Kl.): Dr. Valentin Leüsser 1608 Prokuratoren (Bekl.): Dr. Johann Philipp Hirter (1607) (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Der Appellant wirft seiner Mutter, einer 67jährigen Frau, ein öffentlich und heimlich geführtes "unzüchtiges Hurenleben" vor, da sie mit einem "losen, leichtfertigen Gesellen", dem ehemaligen Paderborner Chorschüler Johann Schenckenbringk, von einem Ort zum anderen "zu eußerstem Schimpff und unableslicher Verkleinerung" der Familienehre herumgezogen sei. Nachdem Warnungen nichts gefruchtet hätten, sei sie auf seine Beschwerde hin vom Grafen zur Lippe fast 1 Jahr lang in Haft gehalten worden. Der Appellant geht davon aus, daß sie sich mit diesem Verhalten aller Ansprüche aus der von ihr in die Ehe eingebrachten Dos und an der ihr ausgesetzten Leibzucht verlustig gemacht habe. Die RKG-Appellation richtet sich dagegen, daß, während er gefordert hatte, ihr alle Ansprüche abzuerkennen, und versprochen hatte, für ihren Lebensunterhalt zu sorgen, wenn sie für den Rest ihres Lebens in Varenholz in Haft gehalten werde, die Vorinstanz sie freigelassen und ihm aufgegeben hatte, ihr die zugesagten Leistungen weiter zukommen zu lassen. Hinweis der Appellatin, daß der Entzug aller Lebensgrundlagen durch Kinder ihren leiblichen Eltern gegenüber gegen das Naturrecht wie das gesetzte Recht und im vorliegenden Falle zudem gegen den mit ihrem Sohn geschlossenen Vertrag verstieße, so daß eine Appellation gegen ein Urteil, mit dem ihr dieser Unterhalt zugesprochen werde, nichtig sei, in keinem Falle aber eine aufschiebende Wirkung haben könne. Schließlich appellatisches Gesuch um ein RKG-Mandat sine clausula gegen ihren Sohn zur Auszahlung der zugesagten Leibzucht, zumindest aber eines angemessenen Unterhaltes. Dieser bestreitet unter Verweis auf einen in Bückeburg mit seiner Mutter geschlossenen Vergleich die Berechtigung dieses Antrages, da daraus ihr Unterhalt gesichert sei. (6) Instanzen: 1. Graf Simon zur Lippe und dessen Kanzler und Räte (das Urteil ist auf dem gräflichen Hause Varenholz ergangen) 1607 ( 2. RKG 1607 - 1609 (1602 - 1608) (7) Beweismittel: Protokoll über Verhandlungen in Varenholz, 1607, möglicherweise die Acta priora (Bl. 38 - 52, ggf. = Q 9*). Vertrag über die Übergabe des Besitzes anläßlich der Heirat des Sohnes, Christoph Friedrich Westphalen, mit Regelung der Leibzucht für die Mutter, Lucia von Donop, Witwe des Friedrich Westphalen, 1602 (Q 7). Vergleich zwischen Lucia von Donop und ihrem Sohn, geschlossen vor der schaumburgischen Kanzlei in Bückeburg, in dem sie zusagt, sich baldmöglichst zu ihrer Tochter in den Harz oder sonstwohin zu begeben und dort ein zurückgezogenes Leben zu führen, wogegen ihr Sohn ihr für den im Schaumburgischen gelegenen Besitz jährlich 100 Rtlr. Unterhalt zusagt, den er in Aussicht stellt, zu erhöhen, wenn sie sich angemessen verhält, oder ihn nicht auszuzahlen, wenn sie sich nicht angemessen verhält, 1608 (Q 11). (8) Beschreibung: 2,5 cm, 62 Bl., lose; Q 1 - 13*, Q 12 irrtümlich ein zweites Mal als Q 11 bezeichnet, 3 Beil., davon 1 = Q 13*, eine möglicherweise = Q 9* (Acta priora).


Bestellsignatur : L 82 Nr. 796
Altsignatur : L 82 Nr. 921



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(1) W 2507(2) Kläger: Christoph Friedrich (sächsischer Marschall) und Joachim (zu Rinteln) Westphalen zu Heidelbeck, (Bekl. 1. Inst. Lucia von Donop, Witwe des Friedrich Westphalen) (3) Beklagter: Caspar Greiff Westphalen zu Fürstenberg, (Kl.) (4) Prokuratoren (Kl.): Kremer (1614) Prokuratoren (Bekl.): Lic. Christoph Rieckher [1609] 1615 (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Die RKG-Appellation richtet sich gegen einen Bescheid, mit dem dem Antrag des Appellaten auf Inaugenscheinnahme des Heidelbecker Holzes entsprochen wurde. Die Appellanten wenden dagegen ein, daß bei der brüderlichen Erbteilung Caspar, Vater des Appellaten, das Gut Fürstenberg, ihrem Großvater Johann Westphalen aber das Gut Heidelbeck zugefallen sei. Beide Brüder und deren Nachkommen hätten jeweils ihre Güter samt den zugehörigen Waldungen genutzt. Der Appellat, der sich bereits seit einiger Zeit Eingriffe in ihren Besitz erlaube, habe vor einiger Zeit am lipp. Hofgericht bereits unberechtigt ein Mandat gegen sie erwirkt, die Waldungen nicht zu übernutzen und zu verwüsten (mandatum de non vastando), obwohl er an dem Heidelbecker Holz ebenso wenig Rechte habe wie an den anderen darin genannten, außerhalb von Heidelbeck gelegenen Waldungen. Indem seinem Antrag auf Inaugenscheinnahme entsprochen werde, werde implizit sein unberechtigter Anspruch, Rechte an diesen Waldungen zu haben, anerkannt. Hinweis darauf, daß angesichts eines großen Sturms und Windbruchs vor einigen Jahren, bei dem mehrere hundert Bäume gefallen seien, die Inaugenscheinnahme keinen Aufschluß über ihre Waldbewirtschaftung liefern könne. Die Acta priora beziehen sich auf einen bereits längerwährenden Streit, offenbar um die Trennung des im Lippischen gelegenen, den Appellanten und deren Vorfahren gehörenden Besitzes von dem im Schaumburgischen gelegenen, auf den offenbar beide Seiten Ansprüche erhoben. Die Acta priora beginnen mit einer Ladung zur Fortsetzung des Verfahrens vor dem Hofgericht, die der Appellat gegen Lucia von Donop, Witwe des Friedrich Westphalen, erwirkte, nachdem diese am Audienzgericht eine Diffamationsklage gegen ihn eingebracht hatte, wo das Verfahren nach einem gescheiterten Güteversuch vor lipp. und schaumburgischen Räten zum Stillstand gekommen war. Nach letzten Handlungen von 1605 schließt die Protokollabschrift mit dem Hinweis, "daß in diesem Puncto Mandati inhibitorii, wie auch in nachfolgenden Acten spolii et executionis auff beschehene Verschickung zwei verschiedene Urtheile ... eingeholt und ahm 6. Octobris Anno 1613 publicirt und abgesprochen worden" seien. Mit dem anderen, am gleichen Tag und ebenfalls durch die Gießener Juristen ergangenen Urteil wurden im Hinblick auf ein beantragtes Mandat hin, nichts vom Heidelbecker Gehölz zu verkaufen, beide Seiten zu weiteren Beweisen ihrer Rechte zugelassen. Zum Zusammenhang vgl. auch L 82 Nr. 801 (W 2514). (6) Instanzen: 1. Gräflich lipp. Hofgericht mit Rat der Juristenfakultät der Universität Gießen 1596 - 1605, 1613 ( 2. RKG 1614 (1596 - 1615) (7) Beweismittel: Acta priora (Bd. 2). (8) Beschreibung: 2 Bde., 9 cm; Bd. 1: 27 Bl., lose; Q 1 - 4, 4 Beil., davon 1 undatiert, 3 prod. zwischen 16. August 1614 und 17. April 1615; Bd. 2: 8 cm, 548 Bl., geb.; undatiert und unquadranguliert.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 797
Altsignatur : L 82 Nr. 922



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(1) W 2508(2) Kläger: Christoph Friedrich Westphalen zu Rinteln und Heidelbeck, (Bekl.) (3) Beklagter: Wilhelm von Schilder zu Dreckburg, (Kl.) (4) Prokuratoren (Kl.): Dr. Johann Philipp Hirter 1616 ( Moses (1624) Prokuratoren (Bekl.): Dr. Johann Agricola 1615 (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Die RKG-Appellation richtet sich gegen eine Anweisung der Vorinstanz zur Immission des Appellaten in Güter des Appellanten für eine Forderung über 300 Rtlr. Der Appellant erklärt, der Appellat, damals noch Domherr in Paderborn, habe ihm eine in seinen Turnus gefallene Präbende für einen seiner Brüder angeboten und auf sein Zögern hin darauf verwiesen, daß der Bruder nach 2 Jahren für die Dauer seines Studiums jährlich 100 Kronentaler Studiengeld bekommen werde. Er habe sich daraufhin zu dem Geschäft bereiterklärt, 1700 Rtlr. bezahlt und 300 Rtlr. vereinbarungsgemäß zurückbehalten, bis sein Bruder die 100 Kronentaler bekommen werde. Sein Bruder Friedrich habe das Studium in Mainz begonnen und insgesamt 8 Jahre lang studiert, aber kein Geld bekommen, da, wie sich gezeigt habe, nach den Paderborner Statuten Studiengelder nicht für das Studium, sondern nur für Auslandsreisen vergeben würden, wie auch die Zulassung zur Präbende erst nach Abschluß des Studiums und Erreichen des Mindestalters von 24 Jahren erfolge, so daß gegen die Zusage des Appellaten seine Mutter und er das gesamte Studium des Bruders hätten finanzieren müssen. Während der Appellat an der Vorinstanz offenbar eingewandt hatte, der Bruder des Appellanten habe durch sein langes Studium selbst die verspätete Nutzung der Präbende verschuldet, geht der Appellant davon aus, daß mit der nichterfüllten Zusage der Finanzierung des Studiums eine wichtige Bestimmung der Vereinbarung nicht erfüllt worden sei (exceptio tu non implevisti a parte tua), so daß die Forderung, die anerkanntermaßen einen anderen als den niedergeschriebenen Hintergrund (Obligation für ausgezahlte 1000 Rtlr.) habe (aliter esse actum quam scriptum), hinfällig sei. Er erhebt Einwände gegen die Vorinstanz, die, wiewohl dies in anderen Fällen geschehen sei, seinem Antrag auf schriftliche Verfahrensführung nicht entsprochen habe und, nachdem er einem Termin habe fernbleiben müssen und für einen zweiten um Verlegung gebeten hatte, diesem Gesuch nicht entsprochen, sondern, ohne ihn zu hören entschieden habe. Er sieht das Urteil damit als ohne hinreichende Untersuchung in der Hauptsache ergangen und daher nichtig an. Der appellatische Prokurator bezog sich, da nichts Neues vorgebracht worden sei, statt einer Gegenklage in einem mündlichen Antrag allein auf die Acta priora. Das Protokoll abschließender Completum-Vermerk vom 8. Mai 1634. (6) Instanzen: 1. Lipp. Hofgericht zu Detmold mit Rat der Juristenfakultät der Universität Marburg 1613 - 1615 ( 2. RKG 1615 - 1634 (1598 - 1621) (7) Beweismittel: Acta priora (Bd. 2). (8) Beschreibung: 3 Bde., 4,5 cm; Bd. 1: 2 cm, 27 Bl., lose; Q 1 - 4, 6 - 8, 2 Beil., davon 1 = Bitte von Dr. Agricola um Ausfertigung eines Urteils von 1621, 1 = Fragment des Deckblattes von Acta priora in Sachen Westphal(en) ./. (von) Schilder, prod. 3. Oktober 1644; Bd. 2: 1,5 cm, Bl. 4 - 43, geb.; unquadranguliert, prod. 16. November 1615, = Q 5*; Bd. 3: Bl. 70 - 101, geb.; unquadranguliert und undatiert; Acta priora eines zugunsten des Klägers, Hermann Bernd von Schilder zu Himmighausen, ausgegangenen Schuldverfahrens vor dem Paderborner Hofgericht gegen die Erben von Caspar Westphalen zu Fürstenberg, 1639 - 1642.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 798
Altsignatur : L 82 Nr. 923



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(1) W 2509(2) Kläger: Christoph Friedrich Westphalen und Konsortin, nämlich Sophia, geb. von Alten, Joachim Westphalens Witwe, als Vormünderin ihrer Kinder, (Bekl.) (3) Beklagter: Die Eingesessenen der Dorfschaft Heidelbeck, (Kl.) (4) Prokuratoren (Kl.): Dr. Johann Leonhard Gerhardi 1626 (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Die Appellanten bemängeln, daß die Appellaten für ihre Klage kein förmliches, artikuliertes (= in Artikeln abgefaßtes) Klagelibell herausgegeben, sondern sich mit Probationes begnügt hätten. Da die Vorinstanz dies reichs- wie landesrechtswidrige Vorgehen zugelassen habe, plädieren sie auf Nichtigkeit des vorinstanzlichen Verfahrens und damit auch des Urteils. Mit dem Urteil, gegen das sich diese Kritik richtet, war festgestellt worden, die Appellanten hätten ohne Konsens des Landesherren und der Appellaten als Mitinteressierten keine Haus- und Gartenstellen (in der Heidelbecker Mark) ausweisen, keine Flächen in Zuschlag legen (einzäunen und der teils Eigen-, teils gemeinschaftlichen Nutzung im dörflichen Ablauf entziehen), die allgemeine Hude nicht durch fremde Schafe schmälern und das Recht der Appellaten, ihren Brennholzbedarf aus dem Wald zu decken, nicht beeinträchtigen dürfen. Die Appellanten bestreiten den Appellaten Interesse (= eigene Rechte) an Heidelbecker Besitz, da sie (= Appellanten) das gesamte Dorf Heidelbeck als dominium utile vom Kloster Möllenbeck zu Lehen hätten, es also auch insgesamt nach ihren Wünschen nutzen könnten. Wie sie den Appellaten ihre Stätten nach Meierrecht ausgegeben hätten, könnten sie es nach Belieben auch bei Weiteren tun. Entsprechend könnten sie auch beliebig viele Schafe halten oder fremde Schafe hinzunehmen, zumal in Heidelbeck die Schafe als letzte hinter Pferden, Kühen und Schweinen gehütet würden und also ohnehin nur das Übriggebliebene bekämen. Den Appellaten stehe nur eine "vergünstigte Mithude", aber kein eigenes Huderecht zu, wie sich auch daran zeige, daß sie (= Appellanten) Hudestreitigkeiten mit Benachbarten immer allein, ohne Zutun der Appellaten ausgefochten hätten. An den Holzungen stehe ihnen überhaupt kein Recht zu. Appellantischer Antrag auf Rufen gegen die nicht erschienenen Appellaten. Die Acta priora umfassen den Zeitraum 1618 - 1623, das Urteil, gegen das sich die Appellation richtet, erging 1626. (6) Instanzen: 1. Graf Simon zur Lippe ( 2. RKG 1627 (1618 - 1628) (7) Beweismittel: Acta priora (Bd. 2). (8) Beschreibung: 2 Bde., 9 cm; Bd. 1: 2 cm, 25 Bl., lose; Q 1 - 6, 2 Beil., prod. 4. April und 2. Mai 1628; Bd. 2: 7 cm, Bl. 27 - 378, geb.; unquadranguliert und undatiert.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 799
Altsignatur : L 82 Nr. 924



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(1) W 2511(2) Kläger: Heinrich Westphalen, fürstlich Paderborner Rat und Hofmeister, und Konsorten, nämlich dessen Vetter Wilhelm Westphalen (3) Beklagter: Lampert gen. Cording, Lockhausen, (4) Prokuratoren (Kl.): Streit (1617) Prokuratoren (Bekl.): Stockheimer (1617) (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Die Appellanten erklären, nachdem der vorige Inhaber (= Meier) ihres Cording Hofes in Lockhausen wegen Verfehlungen des Hofes entsetzt worden sei, hätten sie den Hof in Zeitpacht ausgegeben. Nach dem Tode des Pächters habe dessen Frau den Appellaten geheiratet. Obwohl ihr und ihrem 2. Mann über das Pachtende hinaus an dem Hof keine Rechte zustünden, hätten sie, die zudem in den Pachtzahlungen säumig gewesen seien, diesen nicht geräumt und in dem daraufhin von ihnen (= Appellanten) eingeleiteten Verfahren erklärt, nach Ende der Pachtzeit von Bernhard Friedrich Westphalen mit dem Hof bemeiert worden zu sein. Die Appellanten bestreiten ihrem Vetter Bernhard Friedrich das Recht, als Miteigentümer des in gemeinschaftlichem Besitz stehenden Hofes allein ohne Zustimmung der übrigen Miteigentümer eine rechtsgültige Bemeierung vornehmen zu können. Die RKG-Appellation richtet sich dagegen, daß ihrem Antrag auf Teilung des Hofes, so daß Bernhard Friedrich ein separater Teil, in dem seine Bemeierung gültig sei, zugeteilt werden sollte, unter Verweis auf Landesrecht und -brauch abgewiesen und sie angewiesen worden waren, den Appellaten zu bemeiern. Sie betonen, dem Wunsch von Eigentümern auf Teilung eines bisher gemeinschaftlichen Eigentums müsse zwingend entsprochen werden, zumal durch diese Regelung keine landesherrlichen oder sonstigen Rechte beeinträchtigt würden. Durch das Urteil aber werde ihr Eigentumsrecht an dem Hof mit dem Recht, diesen in Zeitpacht ausgeben und sich gegen den Appellaten als Inhaber entscheiden zu können, beschnitten. Mündlicher Hinweis des appellatischen Prokuratoren auf die Gründung des Urteils im Provinzialrecht, die eine RKG-Appellation ausschließe. Nach 1618 keine Handlungen protokolliert. (6) Instanzen: 1. Graf Simon zur Lippe in dessen Audienz 1616 ( 2. RKG 1617 - 1623 (1616 - 1618) (7) Beweismittel: Acta priora (Bd. 2). (8) Beschreibung: 2 Bde., 3 cm; Bd. 1: 14 Bl., lose; Q 1, 2*, 4 - 6, es fehlen Q 2* (Vollmacht Streit), 6*, 1 Beil. = Q 5*; Bd. 2: 2 cm, Bl. 15 - 61, geb.; unquadranguliert und undatiert, = Q 3*.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 800
Altsignatur : L 82 Nr. 925



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(1) W 2514(2) Kläger: Caspar Greiff Westphalen zu Fürstenberg, (Kl.) (3) Beklagter: Christoph Friedrich (zu Heidelbeck) und Joachim (Rinteln) Westphalen, Vettern, (Bekl. 1. Inst. Lucia von Donop, Witwe des Friedrich Westphalen) (4) Prokuratoren (Kl.): Lic. Christoph Rieckher [1609] 1619 Prokuratoren (Bekl.): Dr. Johann Philipp Hirter [1616] 1619 (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Hintergrund des Verfahrens ist ein Besitzstreit zwischen den Linien des Hauses Westphalen, der bereits von den Vormündern von Caspar Greiff Westphalen um dessen Erbteil gegen dessen Vettern, die Brüder Friedrich und Johann Stats Westphalen, vor der schaumburgischen, später auch der lipp. Kanzlei eingeleitet worden war mit der Begründung, da der dem Vater der Brüder, Johann Westphalen, mit dem Gut Heidelbeck zugefallene Erbteil deutlich größer gewesen sei als der seines Bruders Caspar mit dem Gut Fürstenberg, habe Johann seinem Bruder Caspar zum Ausgleich Mitbesitzrechte an einigen Heidelbecker Güterteilen, insbesondere den in der Grafschaft Schaumburg gelegenen, zugestanden, die Caspars Sohn nunmehr vorenthalten werden sollten. Daraus folgend wurde im vorliegenden RKG-Verfahren appellantischerseits der Vorwurf erhoben, Caspar Greiff sei ihm zustehender Besitz entzogen worden (spolium), wogegen er auf exekutive Einweisung in diesen ihm zustehenden Besitz klagte. Da der Umfang des ihm (möglicherweise) mit zustehenden Besitzkomplexes strittig war, hatte er ferner ein Mandat, mit dem seinen Gegnern Eingriffe in die strittigen Besitzteile und deren Verkauf untersagt wurde, erwirkt. Die teilweise als 1. und 2. Appellation bezeichnete RKG-Appellation richtet sich gegen 2 am gleichen Tag und mit Rat der gleichen Juristenfakultät ergangene Urteile. In dem einen wurde in puncto spolii et executionis festgestellt, der Kläger (= Appellant) habe seine Klage nicht erwiesen, so daß die Beklagten (= Appellaten) von der Klage absolviert wurden. In dem anderen wurde in puncto mandati inhibitorii et praescripti de non alienando das Gesuch des Klägers (= Appellanten) um Zulassung zu einem (den Beweis ergänzenden) juramentum suppletorium abgeschlagen und das ergangene Mandat kassiert. Zum Zusammenhang siehe auch L 82 Nr. 797 (W 2507). Der appellantische Prokurator bezog sich für die Position seiner Partei in einem mündlichen Antrag allein auf die Acta priora. Der appellatische Prokurator verwies, ebenfalls in einem mündlichen Beitrag, summarisch auf die Ansicht, die Appellation sei nicht an das RKG erwachsen und desert geworden. Nach 1619 sind außer einem abschließenden Completum-Vermerk vom 29. Juli 1626 keine Handlungen protokolliert. (6) Instanzen: 1. Gräflich lipp. Hofgericht mit Rat der Juristenfakultät im kurfürstlichen Universalstudium zu Heidelberg ( 2. RKG 1619 - 1626 (1575 - 1619) (7) Beweismittel: Acta priora (Bd. 2 - 4). (8) Beschreibung: 4 Bde., 27,5 cm; Bd. 1: 9 Bl., lose; Q 1 - 5, 7*, 1 Beil. = Q 7*; Bd. 2: 10,5 cm, 632 Bl., geb.; ein Band von Q 6*, Akten des Hofgerichtsverfahrens Caspar Greiff Westphalen ./. Witwe Westphalen, nun Christoph Friedrich und Joachim Westphalen, in puncto mandati inhibitorii et implorationis, 1596 - 1618; enthält die Akten des Diffamationsverfahrens (Citatio ex lege diffamari) Witwe Westphalen ./. Caspar Greiff Westphalen vor dem gräflichen Audienzgericht, 1588 - 1589 (Bl. 59 - 177); Bd. 3: 11,5 cm, 655 Bl., geb.; Beginn des archivseits abgetrennten anderen Bandes von Q 6*; Akten des Hofgerichtsverfahrens Caspar Greiff Westphalen ./. Christoph Friedrich und Joachim Westphalen, in puncto spolii et executionis 1604 - 1618; Bd. 4: 4,5 cm, Bl. 656 - 925, geb.; archivseits abgetrennte Fortsetzung von Bd. 3.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 801
Altsignatur : L 82 Nr. 926 - 928



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(1) W 2516(2) Kläger: Bernhard Westphalen zu Herbram; 1600 als Curator ad litem für dessen Witwe Anna und den minderjährigen Sohn Bernhard Friedrich Westphalen Eitel Wolf von Rodenberg; 1606 die beiden selbst; 1609 der Sohn allein (3) Beklagter: Friedrich Westphalen zu Heidelbeck (1588 dessen Witwe Lucia von Donop); Caspar Greiff Westphalen zu Fürstenberg; Witwe und Kinder von Johann Stats Westphalen, Rinteln; Elsa Westphalen, Ehefrau von Joachim Post, Rinteln; Anna Westphalen, Lippstadt, Geschwister (4) Prokuratoren (Kl.): Dr. Sebastian Link [1579] 1583 ( Lic. Jakob Streitt 1584 ( Dr. Leonhard Wolff [1596] 1596, [1599] 1600, [1606] 1606 ( Dr. Sebastian Wolff [1607] 1609 Prokuratoren (Bekl.): Dr. Johann Jakob Kremer 1583, 1584, [1588] 1588 (5) Prozeßart: Mandati de restituendo Streitgegenstand: Der Kläger sieht sich als Erbe seines kinderlos und intestat verstorbenen Bruders Lubbert Westphalen zu Lippspringe, dessen Besitz um das Haus Lippspringe, ein Lehen, er selbst bzw., da er in Dringenberg in "Haft und Verstrickung" gewesen sei, in seinem Namen seine Frau sowohl nach dessen Tod 1581 wie nach dem von dessen Witwe Margarethe 1582 eingenommen habe und mit dem er bereits belehnt sei. Die Klage ist dagegen gerichtet, daß die Beklagten dessen ungeachtet sich mehrere Wochen im Haus Lippspringe einquartiert, aus den dortigen Vorräten gelebt und die Hochzeit von Elsa Westphalen ausgerichtet hätten, anschließend den gesamten beweglichen (Vieh, Hausrat, Geschirr, Schmuck, Vorräte, Unterlagen) und den "nagelfesten" Besitz (Tresuren und Bänke) sowie die eisernen Öfen an sich genommen und ebenso unter sich verteilt hätten wie das auf seine (= Klägers) Kosten gemähte und aufgesetzte Getreide. Der Kläger wendet sich gegen Raub und Entsetzung aus seinem Besitz und verweist darauf, daß bei der Verteilung seine Frau, die als Tochter des Bruders von Margarethe, Lubbert Westphalens Witwe, mit den Beklagten in gleichem Grad kognatisch verwandt sei, übermäßig zurückgesetzt worden sei. Er wendet sich an das RKG, da die Beklagten unter verschiedenen Herrschaften leben und da ihm ohnehin durch die Paderborner Regierung die Justiz verweigert werde. Die Beklagten bestreiten die erstinstanzliche Zuständigkeit des RKG zugunsten derjenigen des Grafen Adolf von Schaumburg, unter dessen Botmäßigkeit die meisten von ihnen lebten. Sie bestreiten die Zulässigkeit der Spolienklage, da diese nur zulässig sei, wenn der Kläger zum Zeitpunkt des angeblichen Raubes Besitzer des strittigen Besitzes gewesen sei. Das aber sei der Kläger nie gewesen. Vielmehr seien nach dem Tode von Lubbert Westphalen dessen Witwe und nach deren Tod sie als deren Erben gemäß Retensionsrecht (Rückhalterecht bis zur Begleichung von Ansprüchen) Besitzer des Gutes gewesen. Margarethe habe aus 2 früheren Ehe 2 bedeutende Leibzuchten in die Ehe mit Lubbert Westphalen eingebracht, aus denen dieser seinen Besitz verbessert und das Haus Lippspringe neu erbaut habe. Als Gegenleistung sei ihr mit Zustimmung des Lehensherren Lubberts Besitz als Leibzucht verschrieben worden, während sie nach Paderborner Landrecht Erbin des gesamten Hausrates, Viehs und Vorrates geworden sei. Sie aber seien neben der mit ihr in gleichem Grad verwandten Frau des Klägers, die diesem Anspruch zugestimmt habe und sich als Miterbin, nicht stellvertretend für ihren Mann auf Haus Lippspringe aufgehalten habe, als deren nächste Verwandte Margarethes Erben. 20. Januar 1590 behielt sich das RKG gegen beide Prokuratoren wegen "zu lang, überflüßig und vergeblich" gehaltener wechselseitiger Rezesse beim letzten Termin die Strafe vor. 14. März 1593 neben weiteren prozeßleitenden Entscheidungen Einsetzung einer Kommission zur Inaugenscheinnahme. Nach 1601 nur noch wenige Termine protokolliert mit Streit um Vollmachten. Abschließender Completum-Vermerk vom 27. Oktober 1612. (6) Instanzen: RKG 1583 - 1612 (1579 - 1609) (7) Beweismittel: Westphalensches Abstammungsschema (Bd. 1 Bl. 13). Nominatio commissariorum (Q 13). Lehensbrief des Paderborner Dompropstes Friedrich von Fürstenberg für Lubbert Westphalen und weitere Mitberechtigte über das Burglehen zu Lippspringe, 1579 (Q 25). Dgl. des Dompropstes Walter von Brabeck für Berend Westphalen, 1591 (Q 26). Notarielles Instrument einer Zeugenbefragung, 1596 (Q 37). RKG-Kommissionsprotokoll mit Zeugenvernehmung, 1594 (Bd. 2). (8) Beschreibung: 2 Bde. 7,5 cm; Bd. 1: 5 cm, 188 Bl., lose; Q 1 - 20, 22 - 41, 4 Beil., davon 1 (aus Münster abgegeben) mit "Tenor Ma[n]dati No 2" überschriebene, unquadrangulierte und undatierte Abschrift des Mandates, ohne Botenrelation (Bd. 1 Bl. 184 - 188); Bd. 2: 2,5 cm, 110 Bl., geb.; unquadranguliert; Ledereinband mit Messingbeschlag; = Q 21.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 802
Altsignatur : L 82 Nr. 929



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(1) W 2530(2) Kläger: Caspar Joachim (ehem. kaiserlicher Obristlieutenant) und Johann Philipp Westphalen zu Heidelbeck, Vater und Sohn, (3) Beklagter: Anne Agnes von Post, Witwe des Rittmeisters Johann von Peitz, zu Gröpperhof; 1679 deren Kinder Hermann Friedrich, Wilhelm Simon und Guda Margaretha von Peitz (Unterschrift: Peitsch), (Kl. 1. Inst. Johann von Peitz namens seiner Frau) (4) Prokuratoren (Kl.): Dr. Moritz Wilhelm von Gülchen 1676 ( Subst.: Dr. Johann Marx Giesenbier Prokuratoren (Bekl.): Dr. Gotthard Johann Marquard 1679 ( Subst.: Dr. Gülich (5) Prozeßart: Appellationis et mandati attentatorum revocatorii sine clausula Streitgegenstand: Hintergrund des Verfahrens ist ein Streit um den Rest (1000 Gfl.) einer Schuld von zunächst mehr als 3000 Rtlr., die Christoph Friedrich Westphalen gegenüber Adolf Post eingegangen war und über deren Rückzahlungsmodalitäten Caspar Joachim Westphalen für sich und seine Miterben 1650 mit Arnold Ludwig von Post einen Vergleich geschlossen hatte. Er verweist darauf, Post habe die Vergleichsbestimmungen nicht eingehalten und den Vergleich damit hinfällig gemacht. Die RKG-Appellation richtet sich gegen einen auf Grund dieser Schuld erfolgten Immissionsbescheid zugunsten der Appellatin in die Heidelbecker Güter. Während die Appellanten darauf verweisen, daß Caspar Joachim Westphalen den Besitz bereits 1671 an seinen Sohn übertragen habe, der aber nicht sein Erbe, sondern nur Nachfolger im Lehensbesitz geworden sei und daher von der Schuld nicht betroffen sei, weshalb er auch in 2 rechtskräftig gewordenen Urteilen (1674, 1675), zu denen das jetzige im direkten Widerspruch stehe, von der Klage absolviert worden sei, bestreiten die Appellaten die Zulässigkeit dieser zum Nachteil Dritter gereichenden Übertragung und verweisen darauf, daß die Immission lediglich die bereits 1650 grundsätzlich anerkannte Immission erneuere. Sie bestreiten auf Grund von Formfehlern bei deren Einleitung die Rechtsgültigkeit der RKG-Appellation und des Attentatsmandates. Letzteres richtet sich gegen die trotz eingelegter Appellation durchgeführte Immission. (6) Instanzen: 1. Lipp. Kanzlei zu Detmold mit Rat des Leipziger Schöppenstuhls (1674) und der Juristenfakultät der Universität Erfurt (1675) 1672 - 1676 ( 2. RKG ? - ? (1650 - 1681) (7) Beweismittel: Acta priora (Bd. 2). Vergleich über die Rückzahlungsmodalitäten einer Schuld zwischen Arnold Ludwig von Post und Caspar Joachim Westphalen, 1650 (Bd. 1 Bl. 51 - 52). (8) Beschreibung: 2 Bde., 6 cm; Bd. 1: 2 cm, 52 Bl., lose; Protokoll ohne Einträge, 22 unquadrangulierte Aktenstücke, prod. zwischen 20. September 1676 (16) und 4 März 1681; Bd. 2: 4 cm, Bl. 53 - 227, geb.; unquadranguliert, prod. 20. September 1676.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 803
Altsignatur : L 82 Nr. 930



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(1) W 2532(2) Kläger: Caspar Henrich von Westphalen zu Fürstenberg; als Intervenient Caspar Henrich von Westphalen sen. (3) Beklagter: von Post, Witwe von Peitz, die Vollmacht stammt von Hermann Friedrich von Peitsch (4) Prokuratoren (Kl.): Dr. Johann Friedrich Hofmann 1694, 1699 ( Subst.: Dr. Johann Ulrich von Gülchen 1694 ( Subst.: Dr. Ludwig Ziegler 1699 ( für den Intervenienten: Dr. Johann Philipp Pulian 1701 ( Subst.: Lic. Heinrich Schriels Prokuratoren (Bekl.): Lic. Gotthard Johann Marquard 1694 ( Subst.: Dr. Johann Paul Fuchs (5) Prozeßart: Appellationis nunc citationis ad reassumendum et redintegrandum acta Streitgegenstand: Es handelt sich um die auf Antrag der Appellaten nach der französischen Eroberung Speyers und des dadurch bedingten Verlustes der RKG-Akten erfolgte Wiederaufnahme und Fortführung des Verfahrens L 82 Nr. 803 (W 2530). Der Prokurator von Caspar Henrich von Westphalen bestritt in einem mündlichen Vortrag die Berechtigung der Ladung, da dieser nicht Possessor des strittigen Gutes Heidelbeck sei. Streit über die Zulässigkeit der appellantischen Fristverlängerungsanträge. Am 27. Oktober 1700 bestätigte das RKG mit Beschränkung der Verzinsung auf 5 % das Urteil der Vorinstanz und setzte dem Appellanten eine Frist zu dessen Befolgung. Intervention von Caspar Henrich von Westphalen (sen.), der erklärt, der verurteilte Schuldner (debitor condemnatus) besitze die strittigen Heidelbecker Güter gar nicht. Diese seien vielmehr nach einem mehr als 100jährigen Erbstreit (zu diesem Zusammenhang s. offenbar L 82 Nr. 797 (W 2507), 801 (W 2514)) 1688 durch einen Vergleich ihm zugefallen. Er bestreitet daher die Zulässigkeit der Immission, mit der er seine Rechte beeinträchtigt sieht durch den Ausgang eines Verfahrens zwischen anderen, zu dem er nicht geladen und in dem er nicht gehört worden sei. Mit Urteil vom 17. Juli 1702 wurde der Antrag des Intervenienten auf Restitutio in integrum abgewiesen, das Urteil von 1700 bestätigt und dem Intervenienten eine Frist gesetzt, um über dessen Befolgung zu berichten. 27. Oktober 1702 RKG-Exekutionsmandat an den Grafen zur Lippe. (6) Instanzen: 1. Lipp. Kanzlei zu Detmold mit Rat des Leipziger Schöppenstuhls (1674) und der Juristenfakultät der Universität Erfurt (1675) 1672 - 1676 ( 2. RKG 1694 - 1702 (1687 - 1702) (7) Beweismittel: Acta priora (Q 7). Rationes decidendi (Bd. 1 Bl. 226 - 229). Westphalensches Abstammungsschema (Q 29). Vergleich zwischen Caspar Henrich Westphalen sen., Nachfahre des Caspar Greiff Westphalen, und Caspar Henrich Westphalen jun., Rechtsfolger der Brüder Friedrich und Johann Stats Westphalen, mit Aufstellungen über den gesamten strittigen Besitz, 1688 (Q 35). (8) Beschreibung: 2 Bde., 7 cm; Bd. 1: 4 cm, Bl. 1 - 24, 173 - 295, lose; Q 1 - 6, 8 - 60, es fehlen Q 19*, 20*, 1 Beil.; Q 7 - 16 die von appellatischer Seite zur Redintegration beigesteuerten Akten; Bd. 2: 3 cm, Bl. 25 - 172, geb.; Q 7.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 804
Altsignatur : L 82 Nr. 931



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(1) W 2547(2) Kläger: Franz Jobst Gottfried von Westphalen zu Heidelbeck (3) Beklagter: Die Dorfschaft Heidelbeck und Konsorten, nämlich der dortige Schulmeister Johann Henrich Knöner (4) Prokuratoren (Kl.): Lic. Caesar Scheurer 1748 ( Subst.: Lic. Johann Jakob Duill ( Lic. Johann Christoph von Brand 1753 ( Subst.: Lic. Lukas Andreas von Bostell Prokuratoren (Bekl.): Lic. Simon Heinrich Gondela 1748 ( Subst.: Lic. Johann Franz Wolff (5) Prozeßart: Appellationis una cum mandato attentatorum cassatorio, revocatorio et inhibitorio sine clausula Streitgegenstand: Ausgangspunkt des Verfahrens ist der Anspruch des Heidelbecker Schulmeisters, wie die anderen Einwohner des Ortes gegen Entrichtung des Stammgeldes Brennholz aus den Holzungen des Appellanten beziehen zu können. Der Appellant bestreitet ihm dieses Recht mit dem Hinweis, 1626, als dies Recht den Dorfbewohnern zugesprochen worden sei, habe es noch keine Schule und keinen Schulmeister im Ort gegeben. Da er sich im bestehenden Recht, dem Lehrer kein Holz geben zu müssen, fühlt, hatte er sich mit seinen Dienern dem Lehrer und ihn begleitenden Dorfbewohnern entgegengestellt, die Holz für den Lehrer abtransportieren wollten. Dabei war es zu einem tumultuarischen Auftritt gekommen, bei dem ein Jäger des Appellanten eines der vor den Holzwagen gespannten Pferde erschossen hatte. Der Appellant betont, es habe sich um eine nach gemeinem deutschen Gewohnheitsrecht (ex communi consuetudine germaniae) erlaubte Pfändung zur Wahrung seines bestehenden Rechtes gehandelt, und bestreitet die Einschätzung der Vorinstanz, die ihn wegen "frevelmüthigen und eigenrichterlichen Verfahrens" in Strafe genommen und die bereits erfolgte Entschädigung des Pferdebesitzers bestätigt hatte, deren Rechtmäßigkeit der Appellant als ohne Untersuchung auf eine Kabinettsentscheidung erfolgt bestreitet. Er wendet sich in einer 2. Appellation ferner dagegen, daß in der Ablehnung seiner 1. Appellation die Vorinstanz das Urteil von 1626, ohne daß deren Holzrecht je Gegenstand des Verfahrens gewesen sei, auch für die später angesiedelten Neubürger als gegeben unterstellt hatte. Er bestreitet die Berechtigung der Argumentation, der Lehrer sei als nützliches Mitglied der Gemeinde auch dem Dorfrecht (und den daraus fließenden Rechten) unterstellt. Die Einrichtung einer eigenen Schule im Dorf sei von den Dorfbewohnern zu deren Bequemlichkeit betrieben worden, nachdem die Kinder früher nach Tevenhausen zur Schule gegangen seien. Eine Notwendigkeit der Anwesenheit eines Lehrers bestehe nicht. Seine Zugehörigkeit zum Dorfrecht sei zudem fraglich, da er die daraus fließenden Pflichten (Wachen, Jagden, Bauerdienste u.ä.) nicht wahrnehme. Die Appellaten bestreiten die Rechtmäßigkeit der RKG-Appellation, da die Frage des Holzrechtes für die gesamte Dorfschaft, d.h. unabhängig davon, wann die Bewohner zugezogen seien, bereits 1626 entschieden worden sei. Da sie seither das Holzrecht hätten, seien nicht sie, wenn sie das Holz holten, die Aggressoren, sondern der Appellant, wenn er dies unterbinde, so daß das Attentatsmandat sich gegen ihn, nicht aber gegen sie richten müsse. (6) Instanzen: 1. Lipp. Kanzlei (Regierungs-Kanzlei) zu Detmold 1743 - 1744, 1747 ( 2. RKG 1748 (1626 - 1753) (7) Beweismittel: Acta priora (Bd. 2). Rationes decidendi (Bd. 1 Bl. 79 - 85). Botenlohnquittung (Q 16). Vollmacht mit Unterschriften von 9 Appellaten, 1748 (Q 18). "Specificatio derjenigen Haußgesessenen in der Dorfschaft Heidelbeck, denen das Brennholtz auff Anzeige ... abgefolgt wird", mit 24 Namen (Bd. 1 Bl. 102). (8) Beschreibung: 2 Bde., 7,5 cm; Bd. 1: 4,5 cm, 163 Bl., lose; Q 1 - 19, 10 Beil., davon 9 prod. zwischen 11. September 1748 und 31. Januar 1753; Bd. 2: 3 cm, Bl. 162 - 292, geb.; = Q 20*.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 805
Altsignatur : L 82 Nr. 932



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(1) W 2806(2) Kläger: Rudolf August de Wrede, kurhannoverscher Rat; 1738 C.M/W. de Wrede zu Georgbrücken (3) Beklagter: Johann Henrich von Loßberg zu Sylbach, sachsen-gothaischer Capitain; 1729 dessen Witwe, Eva Elisabeth, geb. von Graeffendorff, für ihre unmündigen Söhne, (4) Prokuratoren (Kl.): Dr. Christian Hartmann von Gülich [1716] 1717 ( Subst.: Lic. Johann Jakob Wahl ( Lic. Johann Wilhelm Weylach 1738 ( Subst.: Dr. Johann Paul Besserer Prokuratoren (Bekl.): Dr. Johann Meyer 1717 ( Subst.: Lic. Christoph Dimpfel ( Dr. Johann Ludwig Pfeiffer 1729 ( Subst.: Dr. Johann Wilhelm Ludolf (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Der Appellant erklärt, als der Appellat ihm 1714 das Gut Sylbach abgekauft habe, sei vereinbart worden, daß auf den Kaufpreis 6000 Rtlr. sofort bezahlt, über die restlichen 2750 Rtlr. aber ein Wechsel auf die Frankfurter/M. Ostermesse 1715 ausgestellt und die Summe mit 4 % verzinst werden solle. Zur Messe habe der Appellat aber nur 108 Rtlr. Zinsen bezahlt und einen neuen Wechsel auf die nächste Ostermesse ausgestellt und dies auch im folgenden Jahr wiederholt. Daraufhin habe er (= Appellant) den Wechsel in Frankfurt "protestiert" und in Detmold die exekutive Eintreibung eingeklagt. Die RKG-Appellation richtet sich dagegen, daß die Vorinstanz die Einwände des Appellaten, der Wechsel sei nur pro forma ausgestellt, tatsächlich aber sei vereinbart worden, daß nach Zahlung der 6000 Rtlr., solange die Zinsen pünktlich bezahlt würden, die Restschuld mit jährlich 100 - 200 Rtlr., wie sie zu erübrigen seien, bezahlt werden könne, insoweit berücksichtigt hatte, daß sie dessen Angebot zu einem Eid darüber angenommen hatte. Der Appellant wendet sich gegen den seiner Meinung nach damit gegebenen Verstoß gegen das Wechselrecht, das unmittelbare Eintreibung der Schuld verlange, während Rekonventionsforderungen auf ein gesondertes Verfahren verwiesen werden müßten. Er belegt seine Ansicht, daß es sich bei den Einwänden des Appellaten um eine Rekonventionsklage handle. Der Appellat betont die Gültigkeit der mündlichen Vereinbarung über die Zahlung der Restschuld und sieht als einzigen Grund für die plötzliche Zahlungsforderung die Tatsache, daß er inzwischen Mängel an dem Gut festgestellt habe, die eine Verringerung des Kaufpreises erforderten. Der Appellant habe noch nach dem Wechsel, den er protestiert habe, einen neuen angenommen, so daß die Beitreibungsklage gegen den guten Glauben (bona fide) verstoße. Während der Appellant die Gegenargumente des Appellaten als Versuch sieht, die Auszahlung der liquiden und umgehend einzutreibenden Wechselschuld auf das Ende eines langwierigen Rechtsstreites zu verschieben, fühlt der Appellat sich nicht verpflichtet, die Restsumme auszuzahlen, während seine Ansprüche auf einen langdauernden Rechtsstreit verwiesen werden sollten und anschließend ggf. nicht zu realisieren seien. Mündliche Auseinandersetzung unter Einbeziehung des gräflich lipp. Prokuratoren (Dr. Hofmann sen.) über die Herausgabe der Acta priora. 1720 - 1728 außer einem Visum-Vermerk vom 10. Januar 1724 keine Handlungen protokolliert. 24. Oktober 1729 Citatio ad reassumendum an die Witwe des Appellaten. Das Protokoll abschließende Completum- (5. Juli 1730) und Visum- (20. Dezember 1735) Vermerke. (6) Instanzen: 1. Lipp. Kanzlei zu Detmold 1716 ( 2. RKG 1717 - 1735 (1714 - 1738) (7) Beweismittel: Acta priora (Q 24). Rationes decidendi (Bd. 1 Bl. 221 - 224). Kaufvertrag über das Gut Sylbach zwischen Rudolf August de Wrede und Johann Henrich von Loßberg, 1714 (Q 7). Aufstellung de Wredes über die Un- und Folgekosten der Nichtzahlung (Q 12). Botenlohnschein, 1729 (Q 26). (8) Beschreibung: 2 Bde., 5 cm; Bd. 1: 4 cm, Bl. 1 - 121, 190 - 236, lose; Q 1 - 23, 25 - 28, 9 Beil., davon 1 prod. 5. Mai 1738; eine als Q 2 bezeichnete Ladung (datiert 24. November 1716) eines Appellationsverfahrens in Sachen Rudolf August de Wrede ./. Ernst Quirin von Gräffendorf gegen ein Urteil der hessischen Regierung, prod. 15. Februar 1717 (Bd. 1 Bl. 18 - 24); Bd. 2: Bl. 122 - 189, geb.; Q 24.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 806
Altsignatur : L 82 Nr. 933



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(1) W 3162(2) Kläger: Henrich Christoph Wiemann, Hiddentrup, (3) Beklagter: Anna Katharina, Witwe Beining, Hiddentrup, (4) Prokuratoren (Kl.): Lic. Simon Heinrich Gondela 1757 ( Subst.: Lic. Gotthard Johann Gress Prokuratoren (Bekl.): Lic. Caesar Scheurer 1757 ( Subst.: Lic. Johann Eberhard Greineisen (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Wegerechtsstreit. Der Appellant erklärt, während früher ein Fahr- und Viehtriftweg von seinem Hof zum Hörster Busch am sog. Amelkamp des Beiningshofes vorbei geführt habe, sei dieser von den früheren Besitzern des Hofes im Tausch gegen die Mitnutzung des zum Beiningshofes gehörenden Weges durch dessen Möllensiek aufgegeben und der Weg zum Amelkamp eingezogen worden. Der Weg durch den Möllensiek sei dann rund 50 Jahre vom Wiemannshof mit benutzt worden, ehe die Appellatin 1740 mit Versuchen, dies zu unterbinden, begonnen habe. Dieser erste Versuch sei, nachdem der damalige Mitvormund, Graf Christoph Ludwig zur Lippe, den Ort selbst in Augenschein genommen habe, abgeschlagen und sein Recht zur Mitnutzung rechtskräftig ebenso bestätigt worden wie 2 Jahre später, als die Appellatin die den Weg säumende Hecke und Kopfbuchen habe schlagen und den Weg mit beackern lassen. Er verweist auf diese rechtskräftig gewordenen Urteile und darauf, daß auch in dem 1752 begonnenen neuen Verfahren, als die Appellatin im Möllensiek einen Fischteich habe anlegen und die Wasserrinne quer über den Weg geleitet habe, mehrere Urteile zu seinen Gunsten ergangen seien, ehe die Appellatin, bzw. deren neuer Rechtsbeistand und "Vorsprecher" verfahrenswidrig nach bereits erfolgter Submission eine erneute Inaugenscheinnahme, die im petitorischen Verfahren nicht zulässig sei, durchgesetzt habe und, noch ehe ihm der Kommissionsbericht mitgeteilt worden sei und er Gelegenheit zu einer Stellungnahme gehabt habe, der Vorschlag des Kommissars, er solle den Weg weiter als Fahrweg nutzen, sein Vieh aber über den öffentlichen Weg treiben, von amtswegen angenommen wurde. Der Appellant verweist auf die zahlreichen zu seinen Gunsten ergangenen Urteile und darauf, den Beweis seines Rechtes, durch Urteil bestätigt, erbracht zu haben und zu einem weiteren Beweis, den die Appellatin mit Verfahrenstricks verhindert habe, bereit gewesen zu sein, und macht Verfahrensmängel im letzten Teil des vorinstanzlichen Verfahrens geltend. Die erst nach Rufen (1. Juli 1757) und nachdem die Litiskontestation von amtswegen für erfolgt angenommen worden war (12. September 1757) erscheinende Appellatin erklärt, da der Appellant das dem Gütevorschlag folgende Urteil nicht akzeptieren wolle, selbst ebenfalls der RKG-Appellation dagegen folgen und appellieren zu wollen. Sie sieht den Weg am Amelkamp als Bestandteil des Beiningshofes, der von den damaligen Inhabern des Hofes nach eigenem Recht eingezogen worden sei. Die Nutzung des Weges am Möllensiek sei den Inhabern des Wiemannshofes nur aus Gefälligkeit und da der Möllensiek damals nicht genutzt worden und der Schaden daher gering gewesen sei, gestattet worden. Ein Wegerecht sei daraus nicht abzuleiten. Sie sieht den Spruch des Vormundes als zugunsten des Appellanten erlassenen "Machtspruch" an und meint, der Appellant habe lediglich die Wegnutzung, nicht aber ein Wegerecht bewiesen. Streit in mündlichen Anträgen um Fristverlängerungsanträge beider Seiten angesichts von kriegsbedingt nicht eingehenden Schriften. (6) Instanzen: 1. Lipp. Kanzlei zu Detmold mit mehrfacher kommissarischer Tätigkeit und Rat der Juristenfakultät der Universität Wittenberg (1753) 1741 - 1756 ( 2. RKG 1757 - 1759 (1740 - 1760) (7) Beweismittel: Acta priora (Bd. 2). (8) Beschreibung: 2 Bde., 11,5 cm; Bd. 1: 5,5 cm, 194 Bl., lose; Q 1 - 24, 26, 4 Beil., davon 1 = im Protokoll liegender Zettel mit dem Vermerk: "Submittirt" (Bd.1 Bl. 11a), 3 prod. 3. Oktober 1759 und 6. Oktober 1760; Bd. 2: 6 cm, Bl. 194 - 550, geb.; unquadranguliert und undatiert; = Q 25*.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 807
Altsignatur : L 82 Nr. 934



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(1) W 3671(2) Kläger: Willmanns, Bürgermeister in Bielefeld, (3) Beklagter: Lipp. Kanzlei und Konsorten, nämlich Rat Hartog, Herford; (Frau) Redeker, Brackwede; Witwe Wermann, Versmold, (4) Prokuratoren (Kl.): Lic. Caesar Scheurer 1748 ( Subst.: Lic. Johann Jakob Duill Prokuratoren (Bekl.): Lic. Gondela (1749) (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Hintergrund des Verfahrens ist ein Lehensstreit. Der Appellant erklärt, sein Großvater, der Bielefelder Bürgermeister Dr. Johann Christoph Plöger, habe 1733 2 lipp. Lehen, Beldsen/Beltzhof und Eickhoff, als auch in der weiblichen Erbfolge weiterzugebende Lehen (feuda feminae) mit der Zusage, über deren Weitergabe disponieren zu können, übertragen bekommen. Er habe dann ihn als ältesten Sohn seiner ältesten Tochter zum Lehensnachfolger bestimmt und 1746 zu seinen Gunsten auf die Lehen verzichtet, so daß diese ihm (= Appellant) durch die Lehenskammer zur Nutzung übertragen worden seien, und im gleichen Jahr in einer väterlichen Willensverfügung die Abgabe an ihn mit der Anordnung, die beiden Lehen sollten auch künftig unzerteilt weitergegeben werden, verfügt. Zu Lebzeiten seines Großvaters sei er (= Appellant) ebenso im unbestrittenen Besitz dieser Lehen gewesen wie in der ersten Zeit nach dessen Tod. Dann erst hätten dessen übrige Töchter, die Appellat(inn)en Teilhabe an den Lehen oder jedenfalls an den Einnahmen daraus verlangt. Er habe daraufhin noch unter den altgedienten und über die Sache informierten Räten eine Interpretation des Lehensbriefes eingeholt, die seine Ansicht bestätigt habe. Das Verfahren sei dann aber von den Appellaten fortgesetzt und unter dem neuen Leiter aller Kollegien, dem Rat von Hillensberg, der als ehemalig abteilich Herforder Rat Kollege eines der Appellaten und mit diesem so freundschaftlich verbunden sei, daß letzterer sich aus diesem Grunde, durch Zeugenaussagen belegt, eines sicheren positiven Ausgangs des Verfahrens öffentlich gerühmt habe, parteiisch und mit zahlreichen Verfahrensnichtigkeiten geführt und gegen ihn zu Ende gebracht worden. Der Appellant hatte unter ausführlicher Darlegung dieser Verfahrensmängel ein Mandat gegen die Kanzlei, künftig legal und unter Beachtung des Landes- und Verfahrensrechtes vorzugehen, alles dagegen Ergangene aufzuheben und die Akten zur Entscheidung an eine Juristenfakultät zu verschicken, beantragt. Das RKG nahm dagegen die hilfsweise nachgesuchte Appellation an. Die erst nach Rufen (17. Dezember 1748) erscheinenden Appellaten bezweifeln die Zuständigkeit des RKG, da die meisten von ihnen in der Grafschaft Ravensberg wohnten, eines der Lehen, Beltzhof, ebenfalls in dieser Grafschaft liege und der gesamte Streit am Stadtgericht Bielefeld als für die Erbschaft zuständigem Gericht anhängig und am Detmolder Lehenshof kein eigentlicher Prozeß geführt, sondern nur eine "authentische Declaration" eingeholt worden sei. Sie bestreiten den Vorwurf einer parteiischen Verfahrensführung als unbegründete Beleidigung von Hillensbergs. Hätte ein berechtigter Verdacht auf Parteilichkeit bestanden, hätte dieser an der Vor- und nicht erst in der Appellationsinstanz vorgebracht und um Abhilfe nachgesucht werden müssen. Sie gehen davon aus, der (Groß-)Vater habe einen Tausch erreicht, demnach das bisherige lipp. Lehensgut, der Beltzhof, zum Allodialgut, sein bis dahin freies Allodialgut Eickhoff in der Grafschaft Lippe dagegen zum lipp. Lehen erklärt worden seien. Erst 1733, als er diesen in eine Familienstiftung habe einbringen wollen, habe er den Beltzhof dem Grafen zur Lippe wieder als Lehen derart aufgetragen, daß die Einkünfte aus beiden Lehen vom jeweiligen, alle Interessenten vertretenden Lehensträger in die Stiftung eingebracht werden müßten. 21. März, 4. Juli 1749 jeweils geschärfte Compulsoriales zur Herausgabe der Acta priora. (6) Instanzen: 1. Lipp. Kanzlei und gräflich lipp. Lehenskammer ( 2. RKG 1748 - 1751 (1687 - 1750) (7) Beweismittel: Acta priora (Bd. 2 - 4). Rationes decidendi (Bd. 1 Bl. 250 - 264). Botenlohnquittung (Q 14). Revers mit inseriertem Lehensbrief des Grafen Friedrich Adolf zur Lippe, der auf Wunsch von Dr. Johann Christoph Plöger dessen "Osthauses Hof in der Sennen Kirchspiels Brackwede und den Beltzmeyers Hof, Kirchspiel Jöllenbeck", beide in der Grafschaft Ravensberg, zu allodialem Erbgut erklärt, wogegen der Eickmeyers Hof, Kirchspiel Schötmar, bisher Erbgut, zum Lehen genommen wird, 1705 (in Q 18 Bl. 186 - 187). (8) Beschreibung: 4 Bde., 18 cm; Bd. 1: 6 cm, 264 Bl., lose; Q 1 - 25, es fehlt Q 15 (Vollmacht Gondela), 1 Beil; Bd. 2: 4 cm, Bl. 265 - 426, geb.; archivseits abgetrennter 1. Teil des lipp. Kanzleiverfahrens Willmanns ./. Hartog und Konsorten, 1747 - 1749; Bd. 3: 5 cm, 178 Bl., geb.; archivseits abgetrennter 2. Teil des Kanzleiverfahrens; Bd. 4: 3 cm, Bl. 181 - 331, geb.; "des von Quernheim modo (= dann) Doct. Plögers Lehns-Verfolg, modo Bürgerm[ei]st[e]r Willmanns", verhandelt vor der gräflich lipp. Lehenskammer, 1687 - 1747.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 808
Altsignatur : L 82 Nr. 935, 936



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(1) W 3792(2) Kläger: Johann Jürgen Windmeyer, Lage, (Bekl.) (3) Beklagter: Jost Hermann Hasselmann, Lage, (Kl.) (4) Prokuratoren (Kl.): Lic. Simon Heinrich Gondela 1753 ( Subst.: Dr. Ernst Karl Christian Fischer Prokuratoren (Bekl.): Lic. Caesar Scheurer 1754 ( Subst.: Lic. Johann Eberhard Greineisen (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Die RKG-Appellation resultiert aus einem Nachbarschaftsstreit um Schafhude- und Schaftriftrechte. Der Appellant beruft sich auf eine rechtskräftige Entscheidung, mit der ein zwischen den Parteien ausgehandelter Vergleich, demnach der Appellat dem Appellanten Triftrechte durch die Hasselheide, der Appellant dem Appellaten aber das Recht, neben dem Hornvieh auch seine Schafe durch die Windheide treiben zu dürfen, falls er das Recht, Schafe halten zu dürfen, belegen würde, dahin ausgelegt wurde, daß der Appellat diesen Beweis erbringen müsse. Er wirft dem Appellaten vor, mit der falschen Angabe, die Klausel gelte, wenn er entweder sein bestehendes Recht zur Schafhaltung beweisen oder ein solches Recht erwerben würde, vom Grafen das Recht zur Schafhaltung erwirkt zu haben, bestreitet aber, daß mit diesem Neuerwerb die Bestimmung des Vergleichs und des diesen interpretierenden Spruchs erfüllt sei. Er wendet sich dagegen, daß dessen ungeachtet die Kanzlei ihn angewiesen hatte, dem Appellaten gemäß dem Vergleich das Triftrecht durch die Windheide zuzugestehen, und sein Rechtsmittel dagegen mit der Begründung, der gesamte Streit beruhe auf Bosheit und Eigensinn von beiden Seiten und müsse nunmehr beendet werden, abgewiesen hatte. Er bemängelt die Abweisung des Rechtsmittels und die Tatsache, daß dem Appellaten das Triftrecht zugesprochen worden war, statt diesen Anspruch kostenpflichtig abzuweisen. 15. September 1753 Attentatsmandat sine clausula dagegen, daß, nachdem der Appellat trotz eingeleiteter Appellation Schafe durch die Windheide getrieben und der Appellant ihn deshalb gepfändet hatte, die Vorinstanz die Rückgabe der gepfändeten Schafe angeordnet hatte. 31. Oktober 1753 Ulteriores compulsoriales zur Herausgabe der Acta priora. Der erst nach Rufen (25. Januar 1754) erscheinende Appellat betont, Ziel des Vergleiches sei die Herstellung gleicher Verhältnisse gewesen, nachdem dem Appellanten die Schaftrift durch sein (= Appellaten) Land gestattet worden sei, so daß im Grunde nur das Recht, Schafe zu halten, aber nicht die Frage, wann und wie er dies Recht erworben habe, relevant sei. Zweifel an der Rechtsgültigkeit der RKG-Appellation auf Grund von Formfehlern. (6) Instanzen: 1. Lipp. Kanzlei (Regierungs-Kanzlei) zu Detmold 1746 - 1753 ( 2. RKG 1753 - 1756 (1746 - 1756) (7) Beweismittel: Acta priora (Bd. 2). Rationes decidendi (Bd. 1 Bl. 167 - 184). Botenlohnquittung (Q 14, 25). (8) Beschreibung: 2 Bde., 13 cm; Bd. 1: 4,5 cm, 184 Bl., lose; Q 1 - 25, 27 - 32, 1 Beil.; Bd. 2: 8,5 cm, Bl. 185 - 665, geb.; = Q 26*.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 809
Altsignatur : L 82 Nr. 937



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(1) W 3995(2) Kläger: Johann Ernst Winter, Glasermeister, Rinteln, (Kl.) (3) Beklagter: Anna Margarethe Elisabeth, nunmehr verehelichte Grupe(n), als Witwe des Bäckers August Puls, Detmold, kann nicht schreiben, (Bekl. 1. Inst. August Puls) (4) Prokuratoren (Kl.): Dr. Georg Melchior Hofmann 1766 ( Subst.: Dr. Johann Hermann Scheurer ( Dr. Kaspar Friedrich Hofmann (jun.) 1769 ( Subst.: Dr. Franz Karl von Sachs Prokuratoren (Bekl.): Lic. Johann Paul Besserer 1767 ( Subst.: Lic. J. J. E. Pfeiffer (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Streit um die Gültigkeit des Testamentes des herrschaftlichen Lakaien Hermann Friedrich Winter, das dieser auf dem Totenbett unter Ausschluß seines Bruders August zugunsten seines Schwiegersohnes, des Ehemannes der Appellatin, gemacht hatte. Mit dem vorinstanzlichen Urteil war das Testament als rechtsgültig anerkannt worden. Der Appellant erklärt dagegen, er habe durch Zeugen belegt, daß der Testator vor, während und nach dem angeblichen Rechtsakt im Delirium gelegen habe, und so die Aussage der beiden das Testament Aufnehmenden, sie hätten ihn bei klarem Verstand angetroffen, widerlegt. Er bemängelt ferner, daß neben dem Gerichtsschreiber nur ein, statt der vorgeschriebenen zwei Ratsmitglieder bei dem Akt zugegen gewesen sei und daß es sich bei diesem, dem Kämmerer Hancke, um den Schwager des Begünstigten gehandelt habe. Er erbietet sich zu einem durch Zeugenaussagen zu führenden Beweis über die Wünsche (voluntas) des Erblassers. Das RKG-Verfahren wurde erst nach Schreiben um Bericht eingeleitet. Die erst nach Rufen (18. Mai 1767) erscheinende Appellatin bestreitet die Rechtmäßigkeit des RKG-Verfahrens auf Grund von Formfehlern und Fristversäumnis bei dessen Einleitung. Sie betont, das Testament sei formgerecht und nach dem Willen des bei vollem Bewußtsein befindlichen Testators erstellt worden. Sie sieht die von der Gegenseite vorgebrachten Zeugenaussagen als durch den Appellanten einseitig, ohne Mitwirkung des Gerichtes oder von ihr, eingeholt und daher nicht beweiskräftig an. Zudem sei damit ein Beweis, daß der Testator während der Aufnahme des Testamentes nicht bei vollem Bewußtsein gewesen sei, nicht erbracht worden. (6) Instanzen: 1. Lipp. Kanzlei (Regierungs-Kanzlei) zu Detmold mit Rat der Juristenfakultät der Universität Göttingen 1760 - 1765 ( 2. RKG 1767 - 1773 (1593 - 1769) (7) Beweismittel: Acta priora (Bd. 2). (Abschrift der) Rationes decidendi (in Q 27 Bl. 113 - 128). Botenlohnquittung (Q 20). Articuli probatoriales mit Benennung der Zeugen (Q 24, 25). (8) Beschreibung: 3 Bde., 16 cm; Bd. 1: 2 cm, 8 Bl., geb.; Protokoll; Bd. 2: 3,5 cm, 188 Bl., überwiegend geb.; Q 1 - 31, 33 - 36; Bd. 3: 10,5 cm, 488 Bl., geb.; unquadranguliert und undatiert, = Q 32*.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 810
Altsignatur : L 82 Nr. 938, 939



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(1) W 4053(2) Kläger: Johann von der Wipper (ganz selten steht statt dessen: Wippermann), Lemgo, Prokurator des gräflich lipp. Geistlichen Konsistoriums und der gräflich lipp. Audienz, (Kl. zusammen mit seinem Bruder Ernst) (3) Beklagter: Anna von der Wipper, Witwe Heidmann, Tochter des Hermann von der Wipper, jetzt Lübeck, und Konsorten, nämlich Hartwig von der Wipper, Salzschreiber der Stadt Lüneburg; und dessen Schwestern Gertrud, Ehefrau von Euricius Dedekinck, Pastor an St. Lambertus in Lüneburg; Magdalena, Ehefrau von Mauritius Waltersdorf, Pastor in der Stadt Lüchow, (Bekl.) (4) Prokuratoren (Kl.): Dr. Konrad Fabri 1606 (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Der Appellant beansprucht auf Grund verschiedener, jeweils vor mehreren Zeugen erfolgter Anweisungen des Cord von der Wipper dessen gesamten Nachlaß abzüglich von Legaten, zu deren Herausgabe ihn Cord vor den Zeugen verpflichtet habe, für sich. Er sieht Cord, der bezeugt habe, seinen gesamten Besitz erworben und nicht ererbt zu haben, zu einer solchen Verfügung zu Lebzeiten berechtigt und die Tatsache, daß eine solche gegeben wurde, als hinreichend bewiesen an. Er bestreitet ein grundsätzlich gegebenes Erbrecht von Kollateralerben (Erben, deren Erbrecht sich nicht auf die Abstammung vom Erblasser, sondern auf die Abstammung von einem gemeinsamen Vorfahren gründet), wenn der Erblasser Verfügungen getroffen habe, und daher den Appellaten das von diesen als im gleichen Grade wie er selbst mit Cord von der Wipper verwandt beanspruchte Miterbrecht. Bürgermeister und Rat der Stadt Lemgo hatten 1601 für Anna von der Wipper ein solches Miterbrecht anerkannt und den anderen Appellaten Zeit gegeben, ein entsprechendes Recht zu beweisen. Der Appellant sah und sieht diese Entscheidung durch parteiisches Vorgehen, da der Sohn des regierenden Bürgermeisters Anwalt der Gegenseite war und weitere Personen, die aus anderen Gründen mit ihm (= Appellant) verfeindet seien, mit dem Verfahren befaßt waren, begründet. Die RKG-Appellation richtet sich dagegen, daß das Hofgericht sein Gesuch, aus diesem Grunde die Ausführung des Lemgoer Urteils zu unterbinden und Mandate gegen die Beteiligten zu erlassen, abwies und insofern dieses Urteil bestätigte. (6) Instanzen: 1. Lipp. Hofgericht mit Rat der Juristenfakultät der Universität Heidelberg 1601 - 1603 ( 2. RKG 1606 - 1607 (1601 - 1607) (7) Beweismittel: Acta priora (Bd. 2). (8) Beschreibung: 2 Bde., 9 cm; Bd. 1: 1,5 cm, 60 Bl., lose; Q - 5, 7 - 11, 1 Beil. = Q 7; Aktenstücke teilweise mit Wasserschaden; Bd. 2: 7,5 cm, 345 Bl., geb.; = Q 6*. Lit.: Karl Brenker/Felix Meyer, Stammtafel der Familie Wippermann etwa 1450-1850 in: Lipp. Mitt. 25 (1956), S. 218-247.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 811
Altsignatur : L 82 Nr. 940



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(1) W 4058(2) Kläger: Jobst Wippermann, Bürger in Herford, und Konsorten, nämlich Anna Cothmann, Dr. Bernhard Höckers Witwe, (3) Beklagter: Geschwister Dreckmeyer, nämlich Johann, Cord, Grete (verheiratet mit Johann Chuedigen, Lockhausen), Anneken (verheiratet mit Conrad Albering, Lockhausen), Ermgard, Katharina und abermals Anneken Dreckmeyer; die Vollmacht wird ausgestellt von Curt Nedderhoff; Jobst Bredenbeck namens Joachim Behrens Witwe; Henrich Dreckmeyer; Barthold Funcke; Katharina im Schaeffstalle; Ilse in der Leibzucht; Felix Hollmann; Henrich Dreckmeyer; Nolte Prick als Anneken Dreckmeyers Bräutigam; Cordt Dreckmeyer; Cordt Alberings Frau Anna Dreckmeyer; Ermgard und Trienke Dreckmeyer; Johann Dreckmeyer; die Ladung ist außerdem an Graf Simon zur Lippe und eine größere Zahl einzeln benannter Dreckmeyerscher Kreditoren gerichtet (4) Prokuratoren (Kl.): Dr. Christoph Stauber 1617 Prokuratoren (Bekl.): für den Grafen zur Lippe: Dr. Eobaldus Stockhammer (1617) ( für die Geschwister Dreckmeyer: Dr. Eobaldus Stockhammer 1618 (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Ausgangspunkt des Verfahrens ist ein Äußerungsverfahren gegen den Meier Heinrich des Dreckhofes (Kirchspiel Schötmar). Letzterer war bei einem Verkauf 1367 in 4 Teile zerteilt worden, die der Appellant seit 1613 gekauft, bzw. den von Anna Cothmann stammenden Teil 1617 eingetauscht hatte. Nach Angaben des Appellanten waren, nachdem die Entsetzung Heinrich Dreckmeyers vom Hof durch den lipp. Landgogreven erkannt worden war, zugleich die - damals noch 2 - Gutsherren aufgefordert worden, sich als solche zu legitimieren, wobei sie in weiteren Formulierungen ihre Rechte beeinträchtigt gesehen und deshalb ein erläuterndes Urteil (Declaratoria sententia) erwirkt hätten. Gegen dieses und den Inhalt einer weiteren erläuternden Entscheidung richtet sich die RKG-Appellation. Der Appellant bemängelt, daß darin von einem entscheidenden Mitwirkungsrecht des Landesherren bei der Neubesetzung des Hofes ausgegangen werde, während er dies als Recht des Gutsherren sieht und sich dagegen wendet, "dasselbige [= Gut] einem Wildfrembden, sonderlich einem Baurßman .. überlaßen" zu müssen, da er es an seine Kinder ausgeben wolle und eine Selbstbewirtschaftung nach Entäußerung vielfach vorgenommen werde. Er wendet sich dagegen, daß er einzelne Landstücke, die ein früherer Eigentümer auf Grund von Schulden des Meiers an sich genommen und dagegen Gläubiger befriedigt hatte und die er beim Kauf mit übernommen hatte, zurückgeben und unter die Verwaltung eines (wohl Konkurs-) Curatoren stellen sollte, der ihm nicht einmal Rechnung lege. Er bemängelt die vorgesehene bevorzugte Berücksichtigung der Gläubiger, die eine landesherrliche Genehmigung für ihre Sicherheiten an dem Hof hätten, während er die Genehmigung des Gutsherren für entscheidend hält. Er bestreitet den von der Vorinstanz festgelegten Anspruch der Geschwister Dreckmeyer, aus dem Hof bei einer Heirat eine Abfindung zu erhalten, da mit der Äußerung des Meiers alle Ansprüche auch seiner Geschwister erloschen seien. Graf Simon zur Lippe bestreitet die Berechtigung der gegen ihn gerichteten Ladung. Von allen in seinem Namen Recht sprechenden Gerichten präsidiere er nur der Kanzlei-Audienz selbst und lasse die anderen Gerichte durch bestellte Richter ausüben, so daß im vorliegenden Fall die Ladung an den Landgogreven hätte gerichtet werden müsse, der über die Rechte und Pflichten bezüglich Meierhöfen und deren Besetzung aus seiner langjährigen Erfahrung auch am besten Bescheid wisse. Die Geschwister Dreckmeyer stellen die Prokuratorenvollmacht mit dem Hinweis aus, nicht Gegenpartei des Appellanten zu sein. Appellantischer Attentatsvorwurf, da ihm noch nach Zustellung der RKG-Ladung Wiesen abgenommen und auf Befehl der Beamten gemäht worden seien. 22. April 1618 Simplices compulsoriales dagegen. (6) Instanzen: 1. Lipp. Landgogreve ( 2. RKG 1617 - 1619 (1367 - 1621) (7) Beweismittel: Acta priora (Bd. 2), bezeichnet als Verfahren Jobst Wippermann ./. die Dreckmeyersche Kreditoren, 1615 - 1617. Angaben zur Geschichtes des Dreckhofes seit 1367 (Bd. 1 Bl. 92 - 93). Kaufvertrag über ihr aus dem Dreckhus und Johanns Hueß uppe dem Hove bestehendes Gut zu Groninckhusen zwischen Cordt von Beghe und dessen Söhnen Helmbert und Johann als Verkäufern und Johann Giseler, Bürger zu Lemgo, und dessen Frau Grete als Käufern, 1367 (Bd. 1 Bl. 39 - 40). Kaufvertrag über deren 3/8 ausmachenden Rechte an Gronemeyers und Dreckmeyers Höfen, dem Zehnt zu Ehrdissen und weiteren einzeln benannten Stücken und Nutzungen im Kirchspiel Schötmar zwischen Friedrich Mentze, Albert Cothmann und Jost Niebuhr für sich und ihre Ehefrauen Anne Cruwell, Anne Lindemanns und Katharina Obergs als Verkäufer und Jobst Wippermann als Käufer, 1613 (Bd. 1 Bl. 41 - 44). Kaufvertrag über dessen Erbgerechtigkeiten an Dreck- und Gronemeyers Höfen und dem Zehnt zu Ehrdissen zwischen Philipp Eberhard de Wrede und Jobst Wippermann, 1614 (Bd. 1 Bl. 45 - 46). (8) Beschreibung: 2 Bde., 5 cm; Bd. 1: 4 cm, 90 Bl., lose; Q 1 - 15, 17 Beil., davon 1 = Bitte um Ausfertigung der Compulsoriales, 12 prod. zwischen 25. Februar 1619 und 26. Oktober 1621, 4 undatiert = Triplik in Sachen Mainz ./. Würzburg, 2. - 5. Mandati auf die Pfandung; Bd. 2: 44 Bl., geb.; unquadranguliert und undatiert.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 812
Altsignatur : L 82 Nr. 941



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(1) W 4060(2) Kläger: Justus Friedrich Wippermann als Advokat für sich und die übrigen Wippermannschen Erben, die Vollmacht ist von ihm und (Paul) Christian Wippermann (Amtmann in Obernkirchen) unterschrieben (3) Beklagter: Walter Mordian Busch, die Ladung wird ihm auf dem Meierhof zu Freismissen (Frisch Meißne) zugestellt; 1693 dessen Witwe Amalia Philippina Theopold, Blomberg, (4) Prokuratoren (Kl.): Lic. Johann Konrad Albrecht 1687 ( Subst.: Dr. Johann Hermann Schaffer Prokuratoren (Bekl.): Dr. Johann Georg Erhard (jun.) 1687, 1698 ( Subst.: Dr. Johann Friedrich Stieber 1687 ( Subst.: Lic. Roleman 1698 ( Dr. Johann Friedrich Hofmann 1702 ( Subst.: Dr. Ulrich von Gülchen (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Die RKG-Appellation richtet sich gegen ein Urteil, mit dem ein Arrest, den der Appellat auf ein Wippermannsches Kapital von 600 Rtlr. in Lemgo erwirkt hatte, gemäß einem Urteil von 1670 bestätigt wurde, falls die Wippermannschen Erben nicht belegen würden, daß das Kapital nach 1670 durch Bezahlung oder aus den Einnahmen getilgt worden sei. Der Appellant wendet sich dagegen, daß der Arrest verhängt wurde, ohne daß er zu einer Verhandlung geladen, darin gehört oder durch einen Prokurator vertreten gewesen wäre. Er bestreitet die Berechtigung des Arrestes auf das Kapital, da die Forderung des Appellaten sich auf Land beziehe und da dieser für seine Forderung bereits vor mehr als 30 Jahren eigenmächtig Wippermannschen Erb- wie Lehensbesitz an sich genommen und genutzt hätte. In dieser Zeit sei nicht nur das Kapital getilgt worden, sondern ihm ein zu begleichender Überschuß entstanden. In dem Urteil von 1670 sei das Kapital der 600 Rtlr. überhaupt nicht erwähnt; der Appellat habe unberechtigt verschiedene Zusammenhänge vermischt. Der Appellant fordert Aufhebung des Arrestes und eine Anweisung an den Appellaten, sich wegen der genutzten Ländereien mit ihm (= Appellant) wegen der Übernutzung zu vergleichen und die Ländereien umgehend herauszugeben. Der Appellat bestreitet, da mit dem vorinstanzlichen Urteil lediglich dasjenige von 1670 bestätigt worden sei und der Appellant keine neuen Beschwerden vorgebracht habe, die Zulässigkeit der RKG-Appellation. Er bestreitet eine Beeinträchtigung des Appellanten, da diesem die Möglichkeit eines Beweises, daß die Forderung getilgt worden sei, vorbehalten worden sei. Er bestreitet, daß der Appellant von dem Verfahren nichts gewußt habe. Die Wippermannschen Erben hätten bewußt nicht um die Erneuerung der Belehnung mit den Lehensstücken nachgesucht, in die er seiner Forderung wegen - nicht eigentätlich, sondern gemäß Urteil von 1655 - immittiert worden sei, so daß der Freiherr de Wendt als Lehensherr auf deren Räumung geklagt und diese durchgesetzt habe. Da sie außerhalb Lippes ansässig seien, habe er, um das Verfahren nicht ausufern zu lassen, zur Befriedigung seiner Forderung auf deren einzigen weiteren Besitzstand in der Grafschaft, das bei der Stadt Lemgo stehende Kapital, zurückgreifen müssen. Seinen Angaben nach umfaßte die Forderung 1670 bereits 800 Rtlr. Kapital und 229 Rtlr. rückständiger Zinsen. Einem Protokollvermerk nach wurden die Aktenstücke Q 5, 11, 12, 14, 16 1693 zum Zweck der Redintegration der Akten von appellantischer Seite erneut vorgelegt. (6) Instanzen: 1. Lipp. Kanzlei zu Detmold 1680 - 1687 ( 2. RKG 1687 - 1703 (1670 - 1702) (7) Beweismittel: Acta priora (Q 5), mit der Aufschrift "Nochmahlige Copiirte prioris instantiae Acta". Rationes decidendi (Bd. 1 Bl. 220 - 221). (8) Beschreibung: 2 Bde., 5,5 cm; Bd. 1: 3 cm, Bl. 1 - 12, 127 - 227, lose; Q 1 - 4, 6 - 23, 14 Beil., davon 6 = Q 9*, 10*, 13*, 15*, 17*, 18*, 2 = Doppel zu Q 11, 12; Bd. 2: 2,5 cm, Bl. 13 - 126, geb.; Q 5.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 813
Altsignatur : L 82 Nr. 942



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(1) W 4062(2) Kläger: Johann Henrich Wippermann, Kämmerer in Lemgo, (Kl.) (3) Beklagter: Jost Henrich Culemann, Hörstmar, (Bekl.) (4) Prokuratoren (Kl.): Dr. Christian Hartmann von Gülich 1722 ( Subst.: Lic. C. C. Dimpfel Prokuratoren (Bekl.): Dr. Johann Goy 1722 ( Subst.: Dr. Ludwig Ernst Hert (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Der Appellant hatte bezüglich einer Wiese des Appellaten, die früher Bürgerland gewesen war, das Einlöserecht des Stadtbürgers (jus retractus civium) wahrnehmen wollen. Die RKG-Appellation richtet sich dagegen, daß dieser Anspruch von beiden Vorinstanzen abgewiesen wurde. Der Appellant betont die Gültigkeit dieses Rechtes in fast ganz Deutschland und verweist darauf, daß es in den Lemgoer Statuten festgeschrieben sei. Diese seien gültig, da Lemgo das Statuarrecht besitze, sie vom Landesherren bestätigt seien, der Lemgoer Richter darauf vereidigt werde und auch die lipp. Kanzlei sich daran halte (mit Belegen). Er wendet sich gegen die vorinstanzliche Argumentation des Appellaten, der die Gültigkeit bestritten hatte, da die Lemgoer Statuten nicht vom (jetzt regierenden) Landesherren bestätigt seien, die fragliche Passage, da die darin benannten Strafen nicht eingetrieben würden, offensichtlich nicht in Übung sei, ein solcher Anspruch im allgemeinen Zivilrecht (jus civile) nicht begründet sei, und eine Gültigkeit des Anspruchs nur für Ländereien, die während des Krieges verkauft worden seien, anerkannt hatte sowie darauf verwiesen hatte, daß ihm der Lemgoer Magistrat die Kontributionsfreiheit für die Wiese verkauft, also von dem Besitzwechsel an einen Nichtbürger gewußt und ihn anerkannt habe. Der Appellant betont dagegen die allgemeine wie spezielle Gültigkeit des Einlöserechtes und erhebt Einwände gegen das vorinstanzliche Verfahren auf Grund von Formfehlern bei der Urteilsverkündung. (6) Instanzen: 1. Gogericht zu St. Johann mit Rat der Juristenfakultät der Universität Duisburg 1717 - 1718 ( 2. Lipp. Kanzlei zu Detmold mit Rat der Juristenfakultät der Universität Gießen 1718 - 1721 ( 3. RKG ? - ? (1586 - 1722) (7) Beweismittel: Acta priora (Bd. 2), mit Akten 1. Instanz (ebd. Bl. 144 - 221). Rationes decidendi (Bd. 1 Bl. 81 - 93). Extrakt aus den 1586 revidierten Lemgoer Statuten, Über Käufe und Verkäufe der Erbgüter (Bd. 1 Bl. 7, 41 - 42). Lemgoer Richter-Eid (Bd. 1 Bl. 9, 51). (8) Beschreibung: 2 Bde., 8 cm; Bd. 1: 3 cm, 93 Bl., lose; Protokoll ohne Einträge, 35 unquadrangulierte Aktenstücke, davon 34 prod. zwischen 28. August (29) und 14. September 1722, 1 undatiert; Bd. 2: 5 cm, Bl. 94 - 407, geb.; unquadranguliert und undatiert.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 814
Altsignatur : L 82 Nr. 943



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(1) W 4187(2) Kläger: Der Amtsmeier zu Wistinghausen allein, (Kl. 1. Inst. sämtliche Amtsmeier zu Menkhausen) (3) Beklagter: Gräflich lipp. Advocatus fisci, (Bekl.) (4) Prokuratoren (Kl.): Lic. Johann Georg Karl Vergenius 1786, 1787 ( Subst.: Lic. Philipp Jakob Emerich 1786 ( Subst.: Dr. Kaspar Friedrich Hofmann 1787 Prokuratoren (Bekl.): Dr. Johann Jakob Wickh [1782] 1786, [1789] 1789 (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Der Appellant erklärt, seit einer Verordnung von 1665 müßten, wie in der Verordnung ausdrücklich aufgezählt werde, die Voll- und Halbspänner, Groß-, Mittel- und Kleinkötter jeweils zum Petri-Tag (22. Februar) eine bestimmte Anzahl an Raben-, Krähen-, Elstern- und Sperlingsköpfen abliefern. Dies habe sich, da die Bauern keine Schußwaffen haben dürften, zum Nebeneinkommen für die Forstbediensteten entwickelt, die ihnen die benötigten Köpfe verkauften, und, da die überprüfenden Forstbeamten an den Ersatz- oder Strafzahlungen beteiligt würden, zu verschiedenen Schikanen bei der Ablieferung geführt. Von den Amtsmeiern, die in der Verordnung nicht genannt seien und die selbst die Jagdgerechtigkeit bei ihren Höfen hätten und die Vogelzahl bei Bedarf aus eigenem Interesse reduzierten, seien die Vogelköpfe vor 1778 nie gefordert worden. Die Einwände der Amtsmeier gegen diese Forderung sei abgewiesen und, nachdem sie dagegen Rechtsmittel eingelegt hätten, mit Rat beider Juristenfakultäten ihr Einwand abgewiesen worden. Er bemängelt, daß dies vor dem Erfurter Spruch auf Grund eines Berichtes des Amtes Oerlinghausen geschehen sei, der ihnen nie vorgelegen hätte, und daß vor und in dem Leipziger Urteil sein Angebot, die Tatsache, daß von ihnen nie Vogelköpfe gefordert worden seien, durch Zeugenaussagen zu beweisen, unberücksichtigt geblieben sei. Er wendet sich gegen die Argumentation der Vorinstanz, die die Appellation mit der Begründung, es seien bereits 3 gleichlautende Urteile ergangen, so daß gemäß dem lipp. Appellationsprivileg eine RKG-Appellation nicht mehr zulässig sei, abgewiesen (refutiert) hatte. Der Appellant bestreitet dagegen, daß der erste Ablehnungsbescheid der Kanzlei 1778, der ohne vorgängiges Verfahren und Untersuchung der Sache ergangen sei, als Urteil gewertet werden könne, bestreitet, daß die Regelung der Inappellabilität bei 3 gleichlautenden Urteilen auch für die Reichsobergerichte gelte, und verweist darauf, daß das lipp. Appellationsprivileg dem RKG nie offiziell zugestellt (insinuiert) worden sei. Das RKG hatte die Appellation erst nach Schreiben um Bericht und Gegenbericht angenommen. Der erst auf Rufen (27. September 1786) erscheinende Appellat betont die Bedeutung des Streites für das herrschaftliche Interesse, da der Appellant versuche, sich einer allgemeinnützigen Pflicht zu entziehen, und dies bei Erfolg auf weitere Bereiche ausdehnen werde. Er bezieht sich in seiner Entgegnung nicht auf die Klageschrift, sondern auf den Gegenbericht und betont, die 1665, 1691 und 1766 ergangenen Verordnungen seien eindeutig allgemeingültig und schlössen nur bestimmte, ausdrücklich genannte Ausnahmen aus. Er bestreitet eine solch herausgehobene Stellung der Amtsmeier, wie sie der Appellant behauptet habe. Diese seien wie andere Freimeier verpflichtet, die allgemeinen Lasten zu tragen. Er bestreitet Schikanen bei der Ablieferung der Vögel und verweist auf die Möglichkeit der Bauern, die Vögel, zwar nicht im Feld aber im Umkreis des Hofes schießen zu können. (6) Instanzen: 1. Lipp. Kanzlei (Regierungs-Kanzlei) zu Detmold mit Rat der Juristenfakultäten der Universitäten Erfurt (1780) und Leipzig (1782) 1778 - 1782 ( 2. RKG 1786 - 1790 (1524 - 1789) (7) Beweismittel: Acta priora (Bd. 2). Rationes decidendi der Erfurter Juristen (Bd. 1 Bl. 138 - 143). Rationes dubitandi et decidendi der Leipziger Juristen (Bd. 1 Bl. 146 - 151). Botenlohnschein (Q 31). Vergleich über die strittigen lipp. Frei- und Gogerichte in den Städten und Dörfern Steinheim, Eichholz, Bergheim, Himmighausen, Erpentrup, Langeland, Sandebeck, Wintrup, Vinsebeck und Oeynhausen zwischen dem Paderborner Bischof Dietrich und Graf Simon zur Lippe, 1607 (in Q 36 Bl. 249 - 251). Jahrrentenbrief des Edelherren Simon zur Lippe für Wilhelm von Greste und dessen Frau Ilse über 20 Gfl. jährlich, niederdeutsch, 1524 (in Q 36 Bl. 254). Extrakt aus dem Salbuch des Amtes Oerlinghausen von 1617 über den Meierhof zu Menkhausen (in Q 36 Bl. 256). Dgl. eines späteren Salbuches mit differenzierter Aufstellung des Besitzes und der Abgaben (ebd. Bl. 257 - 260). (8) Beschreibung: 2 Bde., 8 cm; Bd. 1: 5,5 cm, 270 Bl., lose; Q 1 - 36, 38 - 40 (Q 39, 40 = Bl. 8 - 11), 23 undatierte Beil. = Aktenstücke aus dem vorinstanzlichen Verfahren; Bd. 2: 2,5 cm, Bl. 271 - 399, geb.; unquadranguliert und undatiert, = Q 37*. Lit.: Führer, Meyerrechtliche Verfassung, S. 266f.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 815
Altsignatur : L 82 Nr. 944



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(1) W 4209(2) Kläger: Dietrich Witte, Vogt zu Schötmar; ab 1634 dessen Erben, (Bekl.) (3) Beklagter: Adolf von Hanxleden zu Hagen, (Kl.) (4) Prokuratoren (Kl.): Dr. Christoph Stauber [1625] 1626 ( Giesenbier (1634) Prokuratoren (Bekl.): Lic. Sebastian Augspurger 1625 ( Dr. Heinrich Eylinck 1635 ( Walraff (1645) (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Dem Appellationsinstrument nach hatte der Appellant dem Appellaten 1617 Haus und Hof in Iggenhausen verkauft. Als er die zunächst auf Zinsen stehengebliebene Restkaufsumme von 376 Rtlr. gekündigt habe, habe der Appellat sich auf ein angebliches Angebot, den Kauf rückgängig zu machen, berufen. Der Appellant hält die Zulässigkeit eines solchen Anspruches (actio redhibitoria) bei Immobiliarbesitz für zweifelhaft. Er verweist darauf, daß das zum Beweis seines angeblichen Einverständnisses vorgelegte Exzerpt kein Glaubwürdigkeit verdienendes komplettes Schriftstück (integra scriptura) sei und von ihm nicht anerkannt (agnosziert) worden sei. Ein angeblich 1618 oder 1619 gemachtes Angebot, von dem der Appellat erst 1624 Gebrauch mache, sei unglaubwürdig. Es sei zudem, selbst wenn es bestanden hätte, nach dieser Zeit verjährt. Die Vorinstanz hatte Rückzahlung und Verzinsung der 1617 bezahlten 800 Rtlr. Kaufpreis gegen Rückgabe des Gutes und Erstattung der daraus in der Zwischenzeit zu erzielen gewesenen Einnahmen angeordnet. Es liegen weder Klage noch Gegenklage vor. Der Prokurator des erst nach Rufen (10. Februar 1625) erscheinenden Appellaten plädierte mündlich auf Desertwerden des Verfahrens wegen nicht fristgerecht beigebrachter Acta priora. 1627, 1628 und 1634 nur je 1, in den anderen Jahren keine Handlung protokolliert. 1636, 1637 je 1, 1638 mehrere Termine, an denen der appellantische Prokurator die Notwendigkeit weiterer Handlungen verneint, da der Streit verglichen sei, was der appellatische Prokurator bestreitet, der wegen Fristversäumnis und ungenügender Bemühungen um die Acta priora ein Urteil, mit dem seine Partei von der Ladung absolviert werden sollte, fordert. Dies erging nach wenigen weiteren Handlungen 1645 (Completum 23. Mai, Expeditum 9. Oktober 1645). (6) Instanzen: 1. Graf Simon zur Lippe, wahrscheinlich in seinem Audienzgericht, 1624 ( 2. RKG 1624 - 1645 (1618 - 1637) (7) Beweismittel: Acta priora (Bd. 2). (8) Beschreibung: 2 Bde., 3 cm; Bd. 1: 2 cm, 17 Bl., lose; Q 1 - 5, 7 - 9, 1 Beil. = Zettel mit Bitte um Ausfertigung des Urteils; Bd. 2: Bl. 17 - 57, geb.; unquadranguliert, prod. 4. Mai 1626, = Q 6*.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 816
Altsignatur : L 82 Nr. 945



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(1) W 4211(2) Kläger: Dr. med. Gerhard Witte für sich und seine Geschwister Dietrich, Johann, Kurt, Jobst und Katharina; 1634 Gerhard, Dietrich, Johannes, ein Bevollmächtigter für Jobst ( Jodocus) Witte, Katharina Witte für ihren Mann, Johann Kröger; Nikolaus Neuhaus, (Bekl.) (3) Beklagter: Eleasar (auch: Le(i)ser) Hirsch, Jude in Rinteln, (Kl.) (4) Prokuratoren (Kl.): Stauber (1631) ( Dr. Barthold Giesenbier 1634 Prokuratoren (Bekl.): Lic. Arnold Nagel 1630 ( Lic. Goll (1633) ( Dr. Lukas Goll 1639 (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Hintergrund des Verfahrens ist offenbar ein Streit um die Abwicklung einer durch den Appellaten vermittelten größeren Silberlieferung für die Münze. Dieser hatte 1618 einen Rückstand in seiner Bezahlung von fast 3000 Rtlr. eingeklagt. Die RKG-Appellation richtet sich gegen ein Urteil, mit dem dem Appellanten und seinen Geschwistern als Erben des Vogtes Dietrich Witte aufgegeben wurde, auf die Klage Hirschs einzugehen und seine auf Nichtigkeit (wohl des vorausgegangenen Verfahrens) gerichteten Klageartikel (articules nullitates) zu beantworten, wie dieser die Rekonventionsklage der Wittes litiskontestieren sollte, wonach letzteres Verfahren aber bis zur Entscheidung des Konventionsverfahrens ruhen sollte. Der Appellant wendet dagegen ein, sein Vater sei bereits durch ein 1622 mit Rat der Marburger Juristenfakultät ergangenes Urteil des Audienzgerichtes von der (auch gegen den Münzmeister Jakob Pfaler und Valentin Römers Erben gerichteten) Klage Hirschs absolviert, dieser zur Begleichung der Gerichtskosten verurteilt und seinem Vater die Rekonventionsklage (weil Hirsch ihn der Falschaussage und des Mordes (falsi et assassini) bezichtigt haben sollte) ausdrücklich vorbehalten worden. Dies Urteil sei, da die RKG-Appellation Hirschs dagegen vom (Audienz-) Gericht abgewiesen und von ihm in der Zwischenzeit nicht betrieben worden sei, hinfällig und das Urteil damit rechtskräftig geworden. Er sieht sich durch das Urteil, gegen das sich die jetzige RKG-Appellation richtet, der Wirkung des rechtskräftigen Urteils von 1622, insbesondere der Erstattung der sich auf mehr als 500 Rtlr. belaufenden Gerichtskosten, aber auch der Betreibung des Rekonventionsverfahrens, dessen Führung dem Vater ausdrücklich zugestanden worden sei, das aber nun ausgesetzt werde, beraubt. 27. September 1633 auf Antrag des Appellaten RKG-Citatio edictalis ad reassumendum gegen Bernhard Witte, Jakob Pfaler und Valentin Römers Erben. Der appellatische Prokurator beantragte in mündlichen Vorträgen Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils, hilfsweise eine Entscheidung in der Hauptsache, so daß ihm die anerkannte Schuld abzüglich beweislich erfolgter Zahlungen ausgezahlt werden sollte, betonte gegen einen entsprechenden mündlichen Antrag des appellantischen Prokuratoren die Gültigkeit der Appellation gegen das Urteil von 1622 und die sich aus den Acta priora ergebende Nichtigkeiten dieses Verfahrens. Mit Urteil vom 4. Juli 1639 erkannte das RKG auf Rufen gegen die Mitcitierten. (6) Instanzen: 1. Gräflich lipp. Räte (teils als lipp. Audienzgericht und teils als lipp. Kanzlei bezeichnet) mit Rat der Juristenfakultät der Universität Marburg (1622) 1618 - 1630 ( 2. RKG 1631 - 1640 (1614 - 1640) (7) Beweismittel: Acta priora (Q 7b). (Möglicherweise Partei-) "Register uber die Acta prioris instantiae, und sonderlich in deßelben protocoll angezogenen beylagen in Sachen Doctor Witte ./. Eleasaruus Juden, praet[ensae] Ap[pe]l[ati]o[n]is", die darin angegebenen Seitenzahlen stimmen nicht mit denjenigen der Acta priora überein, (Bd. 1 Bl. 6 - 17). (Möglicherweise Partei-) "Protocollum In Sachen Eleasar Juden zu Rinteln ./. Jacob Pfalern & Consortes", 1622 (Q 3). Zeugenverhöre, 1619 (Bd. 2 Bl. 380 - 584). (8) Beschreibung: 2 Bde., 17 cm; Bd. 1: 2 cm, 60 Bl., lose; Q 1 - 7, 8 - 12, 2 Beil.; Protokoll, Q 1 - 7 Bd. 2: 10,5 cm, 611, geb.; archivseits abgetrennter 1. Teil von Q 7b; Bd. 3: 5 cm, Bl. 612 - 889, geb.; archivseits abgetrennter und am Schluß unvollständiger 2. Teil von Q 7b.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 817
Altsignatur : L 82 Nr. 946, 947



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(1) W 4212(2) Kläger: Dr. med. Gerhard Witte und Konsorten, die Vollmacht unterschreiben Gerhard, Johann, Jobst (Obristwachtmeister) sowie Dietrich Witte für sich und seinen abwesenden Bruder Konrad (Obristlieutenant), 1651 auch Johannes Kröger; 1661 als Ehemänner von Dietrich Wittes Töchtern Nikolaus Neuhaus und Johann Bracht, Vogt zu Oerlinghausen, (Bekl.) (3) Beklagter: Simon Lehmann, Vogt zu Schötmar, 1661 dessen Witwe Maria Engering, (Kl.) (4) Prokuratoren (Kl.): Dr. Barthold Giesenbier 1647, 1651 ( Dr. Jakob Friedrich Küehorn 1661 ( Subst.: Dr. Moritz Wilhelm von Gülchen Prokuratoren (Bekl.): Dr. Jonas Eucharius Erhard 1648, 1661 ( Subst.: Dr. Johann Friedrich Erhardt 1661 (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Der Vater der Appellanten, der Schötmarer Vogt Dietrich Witte, hatte wegen seiner Verdienste im Amt von Graf Simon d.J. zur Lippe einen Krug geschenkt bekommen, wobei er neben dem Neuaufbau des wüst liegenden Krughauses auch die Verpflichtung übernommen hatte, zur Nutzung für seinen Nachfolger ein Haus in Retzen abreißen und in Schötmar wieder aufbauen zu lassen. Die Appellanten erklären, bei seinem Tode sei der Wiederaufbau so weit gediehen gewesen, daß das Haus gedeckt und die Schornsteine aufgemauert gewesen seien. Sie werfen dem Appellaten, Amtsnachfolger des Vaters, vor, statt der Fertigstellung dieses Aufbaus einen übermäßig kostenträchtigen Aus- und Neubau (u.a. einer Scheune) betrieben zu haben. Laut gutachtlicher Feststellung hätte die Fertigstellung 150 bis maximal 200 Rtlr. kosten sollen. Die RKG-Appellation richtet sich dagegen, daß ihnen die Erstattung von 404 Rtlr. auferlegt worden war, nachdem laut Abrechnung ihrer Vormünder in der Zeit von deren Tätigkeit bereits über 600 Rtlr. für den Bau bezahlt worden seien. Sie erheben Einwände gegen das vorinstanzliche Verfahren, da die Zahlungsanweisung gegen sie, eine weit auseinander und teilweise weit entfernt wohnende Erbengemeinschaft, ohne hinreichende Untersuchung der Sache und Begründung des Anspruches erging, wobei die Einwände ihres Rechtsbeistandes, der u.a. gefordert habe, es müsse geprüft und könne wahrscheinlich, wenn er die vormundschaftlichen Unterlagen eingesehen habe, belegt werden, daß die geforderten Gelder bereits bezahlt worden seien, nicht berücksichtigt wurden. 1650 - 1653, 1655 - 1658, 1660 keine Handlungen protokolliert. 1661 beantragte die Witwe des Appellaten, da die RKG-Appellation von der Gegenseite nicht hinreichend betrieben und daher desert geworden sei, Bestätigung und Ausführung des vorinstanzlichen Urteils. Sie verweist darauf, daß die eingeklagten Baukosten durch Unterschrift eines der Witteschen Vormünder anerkannt worden seien, und daß ihr Mann, da er nicht Wittes unmittelbarer, sondern 2. Amtsnachfolger gewesen sei, die Gelder nicht in dieser Funktion und zu seinem Nutzen, sondern auf Wunsch vorgeschossen habe. Sie sieht angesichts der Funktionen eines Vogthauses die als Luxus kritisierten Ausbauten als eine notwendige Mindestausstattung an. Sie bestreitet als Erbin die Pflicht, auf jeden Punkt der artikulierten (in einzelnen Behauptungen, die von der Gegenseite bestätigt oder widerlegt werden mußten, gefaßte) Klage der Appellaten einzeln eingehen zu müssen. (6) Instanzen: 1. Gräflich lipp. Audienzgericht mit Rat der Juristenfakultäten der Universitäten Rinteln (1644) und Helmstedt (1646) 1642 - 1647 ( 2. RKG 1648 - 1663 (1642 - 1662) (7) Beweismittel: Acta priora (Q 10). (8) Beschreibung: 2 Bde., 8 cm; Bd. 1: 2 cm, 44 Bl., lose; Q 1 - 9, 11 - 13, 1 Beil.; Bd. 2: 6 cm, Bl. 45 - 399, geb.; Q 10.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 818
Altsignatur : L 82 Nr. 948



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(1) W 4238(2) Kläger: Henrich Julius, Gabriel und Ernst von Wietersheim, Brüder, (3) Beklagter: Graf Simon Ludwig zur Lippe (1637 dessen Witwe Katharina und deren Vater, Graf Christian von Waldeck; 1638 Gräfinwitwe Elisabeth zur Lippe; es wird auch eine Vollmachtkopie der Grafen Bernhard, Otto Henrich und Hermann Adolf zur Lippe eingereicht), das Mandat ist außerdem gerichtet an Berend Simon von Oeynhausen; Adolf Schwartz zu Braunenbruch; Philipp, Moritz, Christoph und Hans Christian von Donop; Bürgermeister und Rat der Städte Lemgo, Horn und Salzuflen; Wienand Reinecken, Amtmann zu Varenholz, (4) Prokuratoren (Kl.): Dr. Johann Ulrich Stieber 1634 Prokuratoren (Bekl.): für Graf Christian von Waldeck und Gräfinwitwe Katharina zur Lippe: Dr. Eucharius Erhard 1637 ( für Gräfinwitwe Elisabeth zur Lippe: Dr. Barthold Giesenbier 1638 ( für die Revision: Notar Abraham Röderer 1643 ( für die Grafen Bernhard, Otto Heinrich, Hermann Adolf zur Lippe: Dr. Barthold Gießenbier [1637] 1637 ( für Moritz von Donop: Dr. Barthold Gießenbier [1634] 1635 ( für Schwartz: Dr. Barthold Giesenbier 1638 ( für die lipp. ritterschaftlichen Landstände: Dr. Barthold Gießenbier [1638] 1638 ( für die lipp. Städte: Dr. Barthold Gießenbier [1638] 1638 ( für Johann Christian von Donop: Dr. Georg Goll [1639] 1642 (5) Prozeßart: Mandati de solvendo vel dimittendo hypothecam Streitgegenstand: Das Mandat ist auf Rückzahlung eines sich ursprünglich auf 22000 Rtlr. belaufenden Kapitals gerichtet, von dem 5000 Rtlr. zurückgezahlt waren, nachdem die Zinsen seit 4 Jahren nicht bezahlt worden waren. Die Klage wendet sich auch gegen die Mitbeklagten, da sie, bzw. ihre Vorfahren die Obligation als selbstschuldnerische erbliche Bürgen mit unterzeichnet hatten. In der Obligation sei festgehalten, daß die Nichtzahlung als Kündigung des Kapitals zu werten sei, woraufhin nach Vorlage eines Transumpts der Vereinbarung ohne weiteres Verfahren ein RKG-Mandat ergehen sollte. Die Zuständigkeit des RKG ergebe sich außer aus dieser Klausel auch durch den teils reichsmittel- und teils reichsunmittelbaren Rechtsstand der durch die Sache verbundenen (ex continentia personarum et causae) Beklagten. Die Obligation war durch Zession an den Vater der Kläger gekommen, die sie von ihm geerbt hatten. Von Donops Prokurator bestreitet in einem mündlichen Antrag die Berechtigung der Ladung gegenüber der Heranziehung des regierenden Grafen zur Lippe als Hauptschuldner. 6. Juli 1635 RKG-Einschärfung, über die Befolgung des Mandates zu berichten. 19. Mai 1637 wurden die Beklagten wegen Nichtbefolgung des Mandates in Strafe genommen (in diesem Zusammenhang Erscheinen des kaiserlichen Fiskals) und Exekutoriales erkannt. 22. August 1637 geschärftes Mandat gegen die überwiegend nicht erschienenen Mitbeklagten. Graf Christian von Waldeck verweist darauf, daß ihm von den jüngeren Brüdern seines verstorbenen Schwiegersohnes der Zugang zum Archiv verwehrt werde, so daß er die Berechtigung der Klage nicht überprüfen könne. Er vermutet, daß die Gelder von Graf Simon in seiner Funktion als Kreisoberst aufgenommen worden seien und daher auch durch den Reichskreis erstattet werden müßten. Schwartz verweist darauf, kriegsbedingt seiner Unterlagen nicht habhaft werden zu können und daher zur Klage nicht Stellung nehmen zu können. Er wendet sich dagegen, zur exekutiven Beitreibung der Schuld herangezogen werden zu können, da sein derzeitiges Vermögen zum allergrößten Teil nicht von seinem Vater, der die Bürgschaft eingegangen war, sondern von seiner Mutter und Stiefmutter stamme, deren Vermögen er für diesen Zweck nicht einsetzen müsse. 1643 Revision der Gräfinwitwe Elisabeth zur Lippe gegen ein RKG-Urteil vom 26. Mai 1642, mit dem sie, Adolf Schwartz, Moritz von Donop und die Städte Lemgo, Horn und Salzuflen in den Stand vor dem Urteil vom 19. Mai 1637 restituiert und ihnen (erneut) aufgegeben wurde, über die Befolgung des Mandates zu berichten. Sie verweist wiederum darauf, durch ihre Gegner an der angemessenen Verfolgung ihrer Interessen und damit auch dieses Falles gehindert worden zu sein und zu werden. 7. Juli 1642 Rufen gegen Philipp und Christoph von Donop. Am 13. Dezember 1643 wurde auch Johann Christian von Donop in den Stand vor dem Urteil vom 19. Mai 1637 restituiert und der Einwände und den Beklagten "vorgewanter nichtiger Revision ohngehindert" aufgegeben, über die Befolgung des Mandates zu berichten. Nach 1647 außer einem abschließenden Visum-Vermerk vom 5. Dezember 1655 keine Handlungen protokolliert. (6) Instanzen: RKG 1635 - 1655 (1608 - 1647) (7) Beweismittel: Obligation mit dem Verkauf einer Jahrrente von 1320 Rtlr. aus den Einnahmen des Amtes Varenholz, das mit aller Hoheit, Rechten, Nutzungen und Einnahmen als Sicherheit gesetzt wird, zwischen Graf Simon zur Lippe und Dr. Ludwig Pincier, Domdechant zu Lübeck und fürstlich holsteinischer Rat, für 22000 Rtlr., 1608 (Q 3). Bescheinigung von Bürgermeister und Rat der Stadt Gronau mit Aussagen von Anna Post, Witwe des Jost von Steinberg, über die (teils in Einzelposten benannte) Aussteuer ihrer Schwester, Katharina Post, zur Ehe mit Adolf Schwartz, 1629 (Q 16b). Inventar des Schwartzschen adligen Hofes in Detmold, 1629 (Q 18). Kanzlerbestallung für Dr. Anton Wietersheim, 1608 (Q 10, Bl. 159 - 162). (8) Beschreibung: 7 cm, 164 Bl., lose; Q 1 - 40, Q 7 = Q 13, es fehlen Q 33* - 35* (im Protokoll mit dem Vermerk: "31. May [1]638 prod[uctum]" (in diesem Protokoll nicht erwähnter Termin)), 12 Beil., davon 2 = Doppel zu Q 10, 16a, 2 = Bitten um Ausfertigung von Urteil bzw. Prozeßschriften.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 819
Altsignatur : L 82 Nr. 949



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(1) W 5759(2) Kläger: Stats von Wulffen, lipp. Drost zu Barntrup, (3) Beklagter: Bürgermeister, Rat und Gemeinheit der Städte Lemgo, Salzuflen und Detmold; als Intervenient: Stats Bernhard von Wulffen zu Obernfelde (4) Prokuratoren (Kl.): Dr. Jakob Friedrich Küehorn [1651] 1655 Prokuratoren (Bekl.): für die Städte: Dr. Johann Georg von Gülchen (1655) ( für den Intervenienten: Dr. Paul Gambs 1654 (5) Prozeßart: Mandati de solvendo vel dimittendo hypothecam sine clausula Streitgegenstand: Die Klage ist auf Begleichung einer Schuld von 25000 Rtlr. gerichtet, die Graf Simon (d.Ä.) zur Lippe 1602 aufgenommen und für die die 3 mitbeklagten Städte als selbstschuldnerische Bürgen gutgesagt hatten. Sie wird eingeleitet, nachdem der Kläger trotz Kündigung des Kapitals (denunciatio) dieses und die Zinsen seit mehreren Jahren nicht bekommen hatte. Das Mandat ordnet Auszahlung von Kapital und Zinsen, hilfsweise die Herausgabe des Besitzes der Beklagten, soweit es zur Begleichung der Schuld nötig ist, speziell der Kontributions- und Akziseeinnahmen der Stadt Lemgo, des Salzwerkes der Stadt Salzuflen und von Ratskeller und Braupfannenakzise der Stadt Detmold, zur Nutzung durch den Kläger bis zur Begleichung der Schuld an. Die Städte bestreiten die Berechtigung des Mandates, das nur durch ungenügende Information des RKG habe erschlichen werden können. Die Gesamtheit einer Stadtgemeinde (civitas) sei nur, wenn die Stadt auch den Nutzen davon gehabt habe, zur Begleichung einer Schuld verpflichtet, sonst seien es nur diejenigen, die die Schuld eingegangen seien; wie ohnehin größere Geschäfte, zu denen auch solche Bürgschaften gehörten, nur mit Zustimmung der gesamten Bürgerschaft getätigt werden dürften. Es läge aber kein Anhaltspunkt vor, daß diese der Bürgschaft zugestimmt habe. Hinweis auf den kriegsbedingten Rückgang der Wirtschaftskraft der Städte. Die Kriegslasten habe man den Bürgern abpressen müssen, "Aber der vonn Wülffen wirdt den Tag nicht erleben, daß Seinenthalben eine Newe Contributio aufkomme". Das Salzuflener Salzwerk sei im übrigen kein Stadtgut, sondern Eigentum von Privatpersonen. Der Intervenient erklärt, die 1602 ausgeliehenen Gelder seien solche, die der Obrist Stats von Wulffen seinen Neffen Balthasar (10000 Rtlr.) und Carl (15000 Rtlr.) mit der Bedingung, daß diese auf Zinsen angelegt und die nächsten männlichen Erben nur diese Zinsen haben sollten, vermacht habe. Carls Anteil sei an den Kläger als seinen Sohn, der Anteil seines Großvaters Balthasar aber an ihn gefallen. Sein Anteil sei immer ordnungsgemäß verzinst worden. Er bestreitet dem Kläger das Recht, das ihn (= Intervenient) mit interessierende Kapital ohne sein Wissen und seine Zustimmung und gegen die Bestimmungen des Testamentes zur festen Anlage des Geldes zu kündigen und ihn durch diese Kündigung und das jetzige RKG-Verfahren in der ruhigen Hebung der Zinsen von seinem Anteil zu beeinträchtigen. Nach 1655 außer Completum- (5. Mai 1657), (Re-) Visum- (21. November 1659, 24. März 1660) und Expeditum- (15. April 1560) Vermerken keine Handlungen protokolliert. (6) Instanzen: RKG 1655 - 1660 (1602 - 1655) (7) Beweismittel: Obligation über den Verkauf einer Jahrrente von 1500 Rtlr. für 25000 Rtlr. zwischen Graf Simon zur Lippe einer- und Balthasar von Wulffen und den Vormündern des Erben von dessen verstorbenem Bruder Carl von Wulffen, Sohn und Enkel des verstorbenen Obristen Balthasar von Wulffen, andererseits, 1602 (Q 2, 12). Auf Antrag des Lemgoer Magistrats zur Dokumentation der kriegsbedingten Schäden erstelltes notarielles Instrument über die wüsten und verfallenen Häuser in den einzelnen Bauerschaften (St. Nikolai 74, Heiliggeist 162, Marien 29, Rampendahler 97, Slager 98, Tröger 59), 1638 (Q 7). Extrakt aus dem Testament des Stats von Wulffen zu Coburg (Stift Magdeburg), o.D. (Q 11). Von Wulffensches Abstammungsschema (Q 13). (8) Beschreibung: 2 cm, 58 Bl., lose; Q 1 - 14.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 820
Altsignatur : L 82 Nr. 950



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(1) W 5783(2) Kläger: Anna Maria Wulffkuhlen oder Wulken seu (= oder) in deren Namen ihr Ehemann, der Leibzüchter Hermann Brockmann, in der Müssen, beide können nicht schreiben, arme Partei, (3) Beklagter: Hoppenplöcker und Bauerrichter Wulken auf Nr. 43 zu Kohlstädt (4) Prokuratoren (Kl.): Lic. Jakob Abel 1797 ( Subst.: Dr. C. T. Tils Prokuratoren (Bekl.): Dr. Wilhelm Christian Rotberg 1797 ( Subst.: Dr. Johann Gotthart Hert ( Dr. Johann Gotthard Hert 1801 ( Subst.: Dr. Johann Sebastian Frech (5) Prozeßart: Appellationis Streitgegenstand: Die Appellantin hatte die Kötterstätte Nr. 43 eingeklagt, da diese der Frau des Appellaten nur auf 25 Jahre zur Nutzung ausgegeben worden sei, wonach sie diese an den Anerben der Stätte zurückgeben sollte. Der Anerbe, Johann Friedrich Wulken, sei bald nach des Appellaten Einheirat verstorben, so daß sie als dessen einzige Schwester nunmehr dessen Anspruch auf die Stätte als dessen Erbin einklagte. Der Appellat hatte dagegen darauf verwiesen, bei der Ausgabe der Stätte sei der Appellantin ein Brautschatz ausgesetzt worden, mit dessen Annahme bei ihrer Heirat sie mit allen Ansprüchen an die Stätte abgefunden worden sei. Die RKG-Appellation richtet sich dagegen, daß, nachdem ihre Forderung unter Verweis auf die Zahlung durch das Amt wie an der Kanzlei abgewiesen worden war, schließlich durch das vorinstanzliche Urteil festgestellt wurde, daß (nachdem sie an der Kanzlei bereits zweimal Rechtsmittel eingelegt hatte) alle Rechtsmittel ausgeschöpft und kein weiteres zulässig sei. Sie betont die Unrichtigkeit dieser Behauptung, insbesondere da alle vorausgegangenen Urteile von der falschen Voraussetzung ausgegangen seien, daß ihr Bruder zum Zeitpunkt ihrer Verheiratung noch gelebt habe, so daß ihr Antrag auf Restitutio in integrum angesichts dieser falschen Entscheidungsgrundlage zulässig und zu gewähren sei. Sie verweist darauf, die Ausgabe an die Frau des Appellaten sei, wie das Amtsprotokoll zeige, ausdrücklich auf Zeit und nicht erblich erfolgt, so daß ihr Erbanspruch, von dem sie erst nach der Annahme des Brautschatzes erfahren habe, berechtigt sei. Der Appellat betont dagegen die Richtigkeit der Abweisung weiterer Rechtsmittel und betont die Verbindlichkeit der mit der Annahme des erhöhten Brautschatzes verbundenen Verzichtserklärung der Appellantin. 1804 Antrag des appellatischen Prokuratoren auf Einstellung des Verfahrens, da die Appellantin kürzlich ohne Kinder zu hinterlassen verstorben sei, so daß niemand da sei, der ihren Anspruch weiter verfolgen könne. (6) Instanzen: 1. Amt Horn (? - 1793) ( 2. Lipp. Regierungskanzlei zu Detmold mit Rat der Juristenfakultät der Universität Rinteln (1795) 1793 - 1796 ( 3. RKG 1797 - 1804 (1768 - 1802) (7) Beweismittel: Acta priora (Q 33). Rationes decidendi der Rintelner Juristen (Q 19, in Q 33 Bl. 284 - 287). Protokoll des Amtes Horn über die Ausgabe der verfallenen ehemaligen Kleinkötterstelle von Philipp Wulken auf 25 Jahre an Ernestine Bauerkämper und deren künftigen Ehemann gegen bestimmte Bedingungen, zu denen gehört, daß sie den Anerben der Stelle wie ihr Kind aufnehmen und erziehen und ihm die Stelle nach Ablauf der Zeit übertragen und sich auf die Leibzucht zurückziehen werden, 1768 (Q 14). Eheverschreibungsprotokoll des Amtes Horn zur Ehe zwischen Leibzüchter Hermann Brockmann und Anna Maria Elisabeth, hinterlassene Tochter des Kleinkötters Henrich Wul(f)kuhlen auf Nr. 43 in Kohlstädt, 1781 (Q 15). (8) Beschreibung: 2 Bde., 7,5 cm; Bd. 1: 4,5 cm, Bl.1 - 147, 332 - 374, lose; Q 1 - 32, 34 - 42, 1 Beil.; Bd. 2: 3 cm, Bl. 149 - 331, geb.; Q 33. Lit.: Führer, Meyerrechtliche Verfassung, S. 59f.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 821
Altsignatur : L 82 Nr. 951



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(1) W 5947(2) Kläger: Wolfgang (zumeist : Wulff) Wichar(d)ts, (Bekl.) (3) Beklagter: Hermann von Mengersen, schaumburgischer Drost zu Rodenberg, (Kl.) (5) Prozeßart: Appellationsverfahren Streitgegenstand: Acta priora eines Verfahrens, in dem von Mengersen gegen den Pächter seines adligen Gutes in Reelkirchen, Wichar(d)ts, auf Räumung wegen seit 2 Jahren rückständiger Pacht und weil der Hof nicht ordnungsgemäß bewirtschaftet werde, geklagt und sich zugleich beschwert hatte, daß, obwohl er einem gräflichen Mandat, das in gleicher Sache beim Paderborner Bischof eingeleitete Verfahren nicht fortzusetzen, befolgt habe, er auf Betreiben Wichar(d)ts in 2000 T. Strafe genommen und sein Besitz in Reelkirchen in Arrest gelegt worden war. Im vorliegenden Verfahren war und blieb strittig, ob von Mengersen, der sich in Paderborn um die Immission in Wichar(d)ts gehörende Ländereien vor Steinheim, die im Pachtvertrag als Sicherheit gesetzt waren, bemüht hatte, dort die Einsetzung einer Kommission nur vor oder noch nach der Zustellung des lipp. Verbotsmandates betrieben hatte. Im ersten Marburger Urteil wurde von ihm der Beweis, daß von Mengersen sich noch nach Zustellung des Verbotes darum bemüht habe, verlangt und von Mengersen aufgefordert, seine bisher nur mündlich vorgebrachte Klage schriftlich einzubringen. Im Anschluß an dieses Urteil wurden beide Parteien zu Güteverhandlungen geladen. Nachdem diese erfolglos blieben, erging ein 2. Marburger Urteil, in dem Wichar(d)ts die Rückgabe des gesamten Hofes und Inventars aufgegeben und im übrigen das 1. Urteil bestätigt wurde. Gegen dies Urteil richtet sich Wichar(d)ts RKG-Appellation, der sich durch den Räumungsbefehl in der Hauptsache präjudiziert und, da ihm damit das Retensionsrecht (Recht, Besitz bis zur Begleichung von Forderungen einzubehalten) abgesprochen werde, faktisch der Möglichkeit zur Betreibung seiner Rekonventionsforderung beraubt sieht. Er hatte von Mengersen vorgeworfen, in den Pachtvertrag nicht abgesprochene und ihn stark beeinträchtigende Bestimmungen aufgenommen zu haben. Die RKG-Ladung ist mit dem 12. Oktober 1611 datiert. (6) Instanzen: 1. Gräflich lipp. Audienzgericht zu Brake mit parallel geschalteten und teilweise mit protokollierten Güteverhandlungen und Rat der Juristenfakultät der Universität Marburg (1610, 1611) 1608 - 1611 ( 2. RKG ? - ? (1605 - 1612) (7) Beweismittel: Pachtvertrag über das von Mengersensche adlige Gut außer der Schäferei zwischen Hermann von Mengersen und Wulff Wichar(d)ts, 1605 (Bl. 10 - 14). (8) Beschreibung: 4,5 cm, 186 Bl., geb.; unquadranguliert, prod. 12. Mai 1612. Lit.: Johannes Meyer, Geschichte des Geschlechts v. Mengersen (Beiträge zur Deutschen Familiengeschichte 15), Leipzig 1937, S. 10f.


Bestellsignatur : L 82 Nr. 822
Altsignatur : L 82 Nr. 952


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