Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
1.1. Land Lippe (bis 1947)
1.1.2. Verwaltung, Justiz
1.1.2.5. Wirtschafts-, Kataster- und Bauverwaltung
1.1.2.5.2. Forst
Ältere Forst-, Jagd- und Fischereiakten aus Lippe
L 93 Forstverwaltung und Forstgericht
Permalink des Findbuchs


Signatur : L 93

Name : Forstverwaltung und Forstgericht

Beschreibung :
[Repertorium über die in der Rentkammer-Registratur bis 1855 geführten Forstakten]

Das ansonsten rohstoffarme Lippe war zu allen Zeiten eine der waldreichsten Gegenden Deutschlands. Bereits Ende des 16. Jh. wurde Holz exportiert. Noch Ende des 19. Jh. waren fast 30 % des Landes bewaldet (Schäfer, S. 11). Holz war in der Frühen Neuzeit der wichtigste Rohstoff und Energieträger. Man spricht gleichsam vom "hölzernen Zeitalter".

Die Entwicklung einer Forstwirtschaft im modernen Sinne setzt in Lippe verhältnismäßig spät ein. Die ersten lippischen Forstbediensteten hatten vor allem mit der Jagd und dem Grenzschutz zu tun (Schmidt, S. 89 f.), sie sollten die Schädigung der Wälder verhindern und die Mast beaufsichtigen. Eine "verordnete" Forstwirtschaft gab es schon im 16. Jh., allerdings erfolgte erst noch dem 30j. Krieg eine endgültlige Neureglung aller Aufgaben der Förster mit gleichzeitiger Umwandlung der alten Wachbezirke oder Horsten in Wahrschaften (Schmidt, S. 101).

Erste Anfänge einer geregelten Forstwirtschaft in Lippe fallen in die Zeit Simons VI. zum Ende des 16. Jh. Überall begannen um diese Zeit die Landesherren, ihre Territorien zu ordnen, wozu auch der Eingriff in den Wald gehörte. Die freizügige Waldnutzung durch die Landbewohner wurde drastisch eingeschränkt. Über verkauftes Holz wurden nun Forstregister geführt (Schäfer S. 53, 54). Während der Regierungszeit Graf Simon Augusts (1748-1782) suchte die Rentkammer nach forstlichen Verbesserungen, die die fiskalischen Nutzen des Landesherrn steigerten. Der lippische Domanialwald bot die besten Voraussetzungen dafür, die steigenden Finanzbedürfnisse zu befriedigen. Die Landbevölkerung dagegen hatte weniger Interesse am finanziellen Gewinn als als vielmehr an der alltäglichen Nutzung des Waldes: er lieferte Brenn-, Bau- und Nutzholz; die Waldweide blieb bis zur Einführung der Stallfütterung für die bäuerliche Viehhaltung unverzichtbar (Schäfer, S. 12). Der Forst spielte auch für die herrschaftliche Jagd eine wichtige Rolle. Besonders im 17. Jh. erwuchs daraus für das Land eine erheblich Belastung (Schäfer, S. 56, Schmidt, S. 145 ff.)

Mitte des 18. Jh. wurde die wissenschaftliche Forstwirtschaft entwickelt, deren Grundgedanken Ökonomisierung, Effektivierung und Menagierung der Holzressourcen waren. Bisher waren die Forstbeamten in erster Linie Jäger, nun brauchten sie eine wissenschaftliche Ausbildung (Schäfer, S. 59). In Lippe führte die Rentkammer die wissenschaftliche Forstwirtschaft um das Jahr 1790 ein (ebd. S. 60ff.), die naturnahe Waldwirtschaft wurde zurückgedrängt.

Einen wesentlichen Schritt in Richtung auf eine moderne Forstwirtschaft (Übergang von der Verwaltung zum Betrieb) ermöglichte schließlich die Selbständigmachung der Forstverwaltung im Jahre 1855 bei Berufung des Oberforstmeisters Feye (Drake, Die lippische Landesverwaltung in der Nachkriegszeit, S. 282), siehe auch Bestand L 94 / Forstdirektion).

Die Verwaltung der Domänen und Forsten war in Lippe "seit alter Zeit ein Attribut der Fürstlichen Cammer" (Rohdewald, S. 3). Für die Forsten war ein Forstmeister angestellt, der in Forstsachen Sitz und Stimme im Rentkammerkollegium hatte. Die Forstdirektion stand der Rentkammer zu, die das Forstpersonal anstellte, alle Anordnungen für die Forsten erließ, die Kultur- und Hauungspläne genehmigte, Holzpreise, Art der Verwertung der Forstprodukte und über die Nutzung der Forstliegenschaften bestimmte (Ro. ebd.).

Eine besondere Forstkanzlei hatte seit etwa 1560 bestanden. Zusätzlich wurde 1713 ein eigenes Forstgericht eingesetzt (auch für Verwaltungssachen) (Schmidt S. 101). 1748 wurde die Forstkanzlei in ein Forstdirektorium umgewandelt, das Teil der Rentkammer wurde und (lt. Schmidt, S. 102) mehrfach unter deren Bevormundung zu leiden hatte (ganz anders dagegen Rohdewald).

1855 bestanden im Lande 11 Forsten (Administrationsbezirke): Lopshorn; Kohlstädt; Schwalenberg; Varenholz einschließlich Heidelbecker Holz; Sternberg einschl. Alverdisser Gehölze; Barntrup; Schieder; Diestelbruch; Brake; Bexten mit Heerse und Dahlhausen; Falkenhagen (Ro. S. 6 - 7, mit Angaben über Größe und Ertrag). Lopshorn und Kohlstädt waren in zwei Administrationsbezirke unterteilt (Lopshorn/Berlebeck, Kohlstädt/Horn), Sternberg und Barntrup zu einem Bezirk zusammengefasst; ab 1856 führt das Staatshandbuch die Reviere mit ihren Verwaltern auf (bis 1855 die Forstbeamten mit Angabe des Forsts).

Jeder Administrationsbezirk unterstand einem Oberförster oder Förster. Unterteilt waren die Bezirke in Wahrschaften oder Schutzreviere unter je einem Waldschütz, außerdem waren noch einige Holzaufseher angestellt. Den Waldschützen oblag der Schutz ihrer Wahrschaft, der Holzverkauf, die Anstellung und Beaufsichtigung der Holzhauer und die Ausführung der Forstkulturen (Ro. S. 8 - 9).


* * *

Die vorliegende Datei ist die Übertragung eines handschriftlichen Behördenrepertoriums des 19. Jahrhunderts. Der Abschnitt über Forst- und Jagddienste wurde 1794 vom ehemaligen Oerlinghausener Amtsrats *Meyer verfasst (*siehe Vorbemerkung zum Findbuch L 92 T 1). Der Bestand umfasst im Prinzip die Forstakten der lippischen Rentkammer bis zur Bildung einer Forstdirektion als eigene Behörde im Jahre 1855; einige Akten wurden jedoch - mitunter sogar bis nach 1900 - weitergeführt; letztere wurden dem Bestand L 94 zugeordnet, siehe Vermerk im alten Repertorium.

Der Zeitpunkt der Aktenabgabe an das Landesarchiv ist nicht eindeutig zu belegen. Im September 1921 erfolgte ein offenbar umfangreicher Zugang von der Domänendirektion, der u.a. Forst-, Jagd- und Fischereiakten sowie "Alte Repertorien" umfasste; Ende November 1935 gab die Landesregierung/Forstabteilung "Forstakten ab ca. 1850 mit Repertorien (2 Bde)" ab. Außerdem verzeichnet das Zugangsbuch noch mehrere kleine Zugänge von Forstakten.

Die Erstellung der vorliegenden VERA-Datei erfolgte September-Dezember 2007 durch den Berufsgenealogen Gunnar Haas aus Herford im Rahmen eines Werkvertrags. Die Formulierung der Aktentitel wurde dem heutigen Sprachgebrauch angenähert. Bei Personen- und Ortsnamen (auch Flurnamen) wurde die heutige Form, soweit feststellbar, verwendet (oder hinzugesetzt). Der Namenszusatz -meyer wurde in der Regel durch -meier ersetzt. Alle Namen wurden in den Nominativ gesetzt (z.B. Huneke, Meise, Gnade statt Huneken usw., auch Witwe Meise statt Witwe Meisen).

Betreuung/Korrekturlesung und gelegentliche leichte Überarbeitung sowie Verfassung der Vorbemerkung erfolgte durch den Unterzeichneten.

gez. Schwinger, Juni 2008


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