Historisches Archiv des Erzbistums Köln
D. - Sonstige katholische Organisationen, Institutionen, Vereine und Verbände (Auswahl)
1. Archiv der Deutschen Bischofskonferenz (DBK)
Kath Filmarbeit - Kath. Lichtspielverband Düsseldorf (Muckermann/Marschall)
Katholische Filmarbeit -Kath. Lichtspielverband (Marschall/Muckermann)
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Signatur :

Name : Katholische Filmarbeit -Kath. Lichtspielverband (Marschall/Muckermann)

Beschreibung :


A. Einleitung

1. Geschichte der katholischen Filmarbeit

Aufgrund der großen Entwicklungssprünge der deutschen Filmindustrie nach dem Ersten Weltkrieg entstanden in der Folge seit den 1920er Jahren katholische Filmorganisationen, die 1926 den Dachverband Filmarbeitsgemeinschaft der deutschen Katholiken (FdK) gründeten. Die Arbeitsgemeinschaft gehörte zum Zentralbildungsausschuss der katholischen Verbände Deutschlands (ZBA). Auf internationaler Ebene schlossen sich die europäischen Dachverbände katholischer Filmarbeit nach dem I. Internationalen Katholischen Filmkongress in Den Haag (1928) zum Office Catholique International du Cinématographique (OCIC) zusammen. Dabei entspann sich in der Zwischenkriegszeit vor allem die Diskussion über Filmzensur und den Umgang mit als moralisch minderwertig empfundenen Filmen.


Der vom 17. bis 20. Juni 1929 stattfindende II. Internationale Katholische Filmkongress in München wird als eines der „bedeutendsten Ereignisse der katholischen Filmbewegung“1 gewertet. Hervorgehoben wurde auf dieser internationalen Zusammenkunft besonders die Forderung nach Einsatz des Films als Lehr- und Unterhaltungsmittel durch kirchliche Institutionen, was sich insbesondere der Zentrumspolitiker Richard Muckermann zur Aufgabe machte.Schon unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg hatte er die Leitung einer eigenständigen katholischen Filmfirma, der Stella-Maris-Filmgesellschaft, zwecks Aus- und Wiederaufbau der katholischen Filmarbeit übernommen. Dieses Unternehmen betreute künftig vor allem die erfolgreichen Pfarr- und Vereinskinos. Nach Liquidierung der Stella-Maris-Filmgesellschaft nahm sich dieser Aufgabe der zu diesem Zweck im Jahr 1930 gegründete Lichtspielverband e.V. als Dachverband der Pfarr- und Vereinskinos an. Seit 1933 trug die Organisation den Namen Katholischer Lichtspiel-Verband (KLV), dem Richard Muckermann von 1933 bis 1938 vorstand. Die von Richard und dessen Bruder Friedrich Muckermann herausgegebene Zeitschrift „Film-Rundschau“ erschien von 1924 bis 1941 wöchentlich und erlangte große Bedeutung, sodass darin erscheinende Filmkritiken regelmäßig in diversen Tageszeitungen abgedruckt wurden.


Den wirtschaftlichen Niedergang einer der wichtigsten katholischen Filmgesellschaften, der Leo-Film AG, nutzten in den 30er Jahren die Nationalsozialisten für Angriffe auf kirchliche Einrichtungen. Durch den Zwang, jede einzelne Filmproduktion durch die Prüfstelle der Reichsfilmkammer genehmigen zu lassen, wurde die katholische Filmarbeit zunehmend erschwert bis hin zum faktischen Erliegen. In den Pfarr- und Vereinskinos konnte sie am längsten erfolgreich fortgesetzt werden.Zum Schutz vor Einmischungen des nationalsozialistischen Regimes wurde der Zentralbildungsausschuss samt seiner Einzelverbände unter unmittelbare Zuständigkeit des Episkopats gestellt. Auf diese Weise wurde auch die Stellung des KLV gestärkt. Ab 1933 fungierte der dem Verband vorsitzende Richard Muckermann als Verbindungsmann zwischen den verschiedenen katholischen Spielstellen und der Reichsfilmkammer. Es gelang Kaplan Anton Kochs (für den KLV), Prälat Bernhard Marschall (für die FdK) und Bischof Wilhelm Berning von Osnabrück wichtige vertragliche Vereinbarungen mit der Reichsfilmkammer zu treffen, die im sogenannten Osnabrücker Protokoll von 1935 festgehalten wurden. So konnte der KLV seine Arbeit bis zu seiner endgültigen Auflösung durch die Gestapo 1940 weiterführen.Prälat Bernhard Marschall setzte die katholische Filmarbeit unter großen Schwierigkeiten fort, bis nach Streichung aller finanziellen Mittel für die katholische Filmarbeit selbige in den letzten eineinhalb Kriegsjahren zunehmend an Bedeutung verlor und letztendlich eingestellt wurde.Nach dem zweiten Weltkrieg bemühte man sich, den durch die päpstliche Enzyklika Vigilanti cura (1936) festgelegten Richtlinien zu folgen und die gegen diese verstoßenden Filme als moralisch bedenklich einzustufen. Die durch den Krieg unterbrochene katholische Filmarbeit wurde ab 1946 von der neu gegründeten Kirchlichen Hauptstelle für Bild- und Filmarbeit fortgesetzt.


2. Zur Verzeichnung des Bestandes

Im September 2001 gelangten die vorliegenden Unterlagen zusammen mit weiteren Beständen aus dem Archiv der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn als Zugang 1192/01 in das Historische Archiv des Erzbistums Köln. Hintergrund war, dass im Zuge von Neubaumaßnahmen für das Dienstgebäude die „Deutsche Bischofskonferenz“ den Beschluss fasste, sich von älteren Aktenbeständen zu trennen und diese als Depositum ins Historische Archiv des Erzbistums Köln zu überführen.Der Zugang hatte insgesamt einen Umfang von 500 lfm. Eine erste Sichtung und Sortierung erfolgte durch Herrn Thomas Müller. Im Zuge dieses Arbeitsschrittes wurde auf diese Weise der nun bearbeitete Teilbestand der Akten zum Thema „Katholische Filmarbeit“ formiert. Die Unterlagen bestanden sämtlich aus ungeordnetem und unformierten Material, welches die Vorprovenienz der „Katholische Hauptstelle für Bild“, welche nach dem Krieg 1946 gegründet wurde, darstellt. Dieses konnte durch eine weitere Aktenabgabe (Zug. 1578), in der sich noch einige wenige, diesem Bestand zugehörige Akten und Unterlagen befanden, ergänzt werden. Im Rahmen eines vierwöchigen Praktikums im Historischen Archiv des Erzbistums Köln begann Dominique Corneillie im Sommer 2011 mit der endgültigen Verzeichnung des Aktenbestands. Während der Verzeichnung wurde das Schriftgut nochmals auf etwaige Redundanzen überprüft. Mehrfach- und Doppelüberlieferungen wurden kassiert, so dass der Bestand innerhalb des Gesamtarchivs der DBK nun 3,5 Regalmeter archivwürdiges Schriftgut umfasst.Die Verzeichnung des Bestands erfolgte mit dem Archivprogramm Augias-Archiv 8.2.


3. Charakteristik und Zitierweise des Bestands

Der nun vorliegende Bestand „Katholische Filmarbeit (Marshall/Muckermann) – Kath. Lichtspielverband Düsseldorf (Muckermann)“ Enthält umfassendes Material zum Thema „Katholische Filmarbeit“, vornehmlich für den Zeitraum der 1920er bis 1940er Jahre. Insbesondere die zunehmende Erschwerung der (katholischen) Filmarbeit zur Zeit des nationalsozialistischen Regimes wird aus den Korrespondenzen und Unterlagen des Richard Muckermann in seiner Funktion als Verbindungsmann zwischen KLV und Reichsfilmkammer deutlich.


Insgesamt bietet der Bestand interessante und wichtige Informationen sowohl zu den Neuanfangs- als auch Krisenzeiten der katholischen Filmarbeit nach dem Ersten Weltkrieg.

Zu zitieren ist dieser Bestand: AEK, Archiv der DBK, Katholische Filmarbeit (Marshall/Muckermann) – Kath. Lichtspielverband Düsseldorf (Muckermann).


4. Ergänzende Überlieferung

Ergänzende Quellen zu diesem Bestand befinden sich insbesondere in folgenden Beständen des Historischen Archivs des Erzbistums Köln:Katholische Hauptstelle für Bild und Film (Teilbestand Anton Kochs und der noch zu erschließende Teilbestand Wilhelm Schätzler), Cabinetts-Registratur I (CR I) und Generalia I (Gen. I) des Kölner Generalvikariats sowie der Bestand „Redaktion ‚film-dienst‘/Katholische Filmkommission für Deutschland“.




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