Historisches Archiv des Erzbistums Köln
C. - Dekanate und Pfarreien
Pfarr-, Stifts- und Klosterarchive der Kölner Innenstadt (inkl. altes Domarchiv)
Pfarrarchiv Groß St. Martin
Bestand Pfarrei Groß St. Martin
Bestand Groß St. Martin
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1627 - 1846
Permalink der Verzeichnungseinheit

Armen-, Anniversarien und Meßstiftung der Katharina Ulrich, Witwe des Heribert Wipperfürth aus dem Jahre 1635 (1627-1641), 17. Jh. -[um 1846]


Enthält :
- Obliegenheit und Vermögen der Stiftung (Auflistung), [um 1846] - Urkunde: Vor dem Offizial des Kurfürstlichen Hofgerichts zu Köln bekunden Christian Lindlaer, Bürger und Ratsverwandter der Stadt Köln und Bernhard Lepper, Notar des kurfürstlichen Hofgerichts als Testamentsvollstrecker der Katharina Ulrich, Witwe Herberts von Wipperfürth, daß die Verstorbene testamentarisch verfügt hat, zwei Memorien, am St. Heribertstag [16. März] und am St. Katharinentag, oder bei Verhinderung jeweils einen Tag davor oder danach, in der Pfarrkirche St. Brigida sowie eine Singmesse mit zwei Kaplänen oder Priestern und drei Lesemessen zu stiften; dabei sollen auch die an den Messen teilnehmenden Armen versorgt werden (Präsenz erhalten). Da ihr Mann wünschte, daß ihr beider Grab in der Pfarrkirche St. Brigida nach ihrem Tod nicht mehr geöffnet wird, hat sie folgendes verfügt: Da die Kapläne an St. Brigida keine eigene Wohnung haben, sondern sich neben dem Pfarrer im Pfarrhaus aufhalten müssen, soll ihre Behausung an der Neugasse, genannt zum eisernen Hondt, durch die Testamentsvollstrecker verkauft und dafür ein näher bei der Kirche gelegenes Haus erworben und den Kaplänen als Wohnung zugeteilt werden, unter der Bedingung, daß der Pfarrer samt den Kirchmeistern die beiden Memorien (die sie Zeit ihres Lebens schon halten ließ) ordnungsgemäß halten, dazu Licht, Wein und Brot beschaffen und die Grabstätte nicht mehr öffnen lassen; außerdem sollen von ihrer genannten Behausung 500 Taler in Form einer jährlichen Rente angelegt werden, von der die Armen zu versorgen sind. Des weiteren hat sie angeordnet, den Pfarrer oder einen der Kirchmeister zu bestimmen, der die jährlichen Erträge von den 500 Talern Kapital erhebt und bei der Memorie austeilt; er soll dafür je Memorie ¿ Rtlr erhalten. Dem Inspektteur der Memorie, den die Exekutoren aus den benachbarten Pfarrern auswählen, soll ebenfalls bei jeder Memorie ¿ Rtlr zugeteilt werden; der restliche Ertrag aber soll unter 12 oder mehr Hausarme aus der Pfarrei oder der Stadt verteilt werden, wobei ihren Freunden oder Verwandten bei Bedürftigkeit der Vorrang zu geben ist, und zwar je Memorie der halbe Jahresertrag. Wenn ein Armer stirbt, soll der Ernannte einen Neuen an dessen Stelle setzen und ihn in ein besonderes Verzeichnis einschreiben. Wenn Pfarrer und Kirchmeister in diese Bedingungen nicht einwilligen, sollen die Testamentsvollstrecker die Behausung verkaufen, das Geld in eine sichere Rente anlegen und neben der Stiftung der Memorien nach besonderer Prüfung der Angelegenheit Inspekteure ernennen und ihre Entlohnung besorgen, den restlichen Ertrag zur Zeit der beiden Memorien an die Armen verteilen. Bei Versäumnissen bzgl. der Abhaltung der Memorien sollen diese zusammen mit dem an St. Brigida übertragenen Haus an die Pfarrkirche, deren Pfarrer die Testamentsvollstrecker zu Inspekteuren ernannt haben, transferiert und dort gehalten werden; neuer Inspekteur wird dann der Pfarrer von St. Brigida. Bei erneutem Versäumnis wechselt die Abhaltung wieder an St. Brigida u. s. f. Inzwischen haben die Testamentsvollstrecker das Haus zum eisernen Hondt im Beisein des Pfarrers von St. Brigida für 1300 Taler kölnisch verkauft. Davon wurden 500 Taler auf dem Haus belassen, zu 3 Prozent jährlich, zahlbar jeweils zu St. Johannis [24. Juni] und für die Armen zu Verwenden; die übrigen 880 Taler werden für die Memorie zu 4 Prozent jährlich beim Rat der Stadt Köln angelegt, zahlbar jeweils am 29. August (decollatio Sti. Johannis). Jedoch ergeben sich beim Ankauf des Hauses für die Kapläne Schwierigkeiten. Daher haben sich beide Testamentsvollstrecker mit dem Pfarrer von St. Brigida, Jakob Horns, Doktor der Biblischen Schrift, unter Zustimmung des Abts und Konvents von Groß St. Martin abgestimmt und die beiden Memorien, die Messen mit gewöhnlichen Vigilien an obengenannten Terminen und eine wöchentliche Lesemesse samstags zwischen 9 und 10 Uhr, oder wann es dem Pfarrer genehm ist, so gestiftet, daß dafür vorbehaltlich des weltlichen Patronatsrechts (salvo iure patronatus laicalis), das sich die Testamentsvollstrecker (Exekutoren) für sich und ihre Erben vorbehalten ein geeigneter Priester ernannt wird, der die Messen liest und jeweils anschließend auf dem Grab der Stifterin und ihrer Kinder in näher bezeichneter Weise für die Verstorbenen betet. Bei der Auswahl sind qualifizierte Verwandte der Stifterin vorzuziehen. Der Priester soll von den genannten jährlichen Renten aus den 800 Talern Kapital jedes Jahr 24 Taler kölnisch erhalten und daraus dem Pfarrer die iura altaris entrichten. Es folgen Bestimmungen über die Auszahlung weiterer Beträge an Anwesende, Pfarrer, Ministranten, Schulmeister, Offermann. Es verbleiben noch 12 Taler kölnisch, die je zur Hälfte bei den Memorien an die Armen zu verteilen sind. Entsprechend dem Testament sind 24 Hausarme ausgewählt, die in ein Register einzutragen sind; beim Besuch der Messe erhalten sie je 12 Albus Kölnisch. Die Rente wird vom Pfarrer erhoben, ihr Empfang quittiert und entsprechend verteilt. Falls der Pfarrer für die Kapläne eine eigene Wohnung findet woran der Pfarrer und die Kirche, nicht aber die Kirchmeister und Gemeinde geschrieben werden sollen dann soll die wöchentliche Messe aufgehoben und nach der ursprünglichen Anordnung verfahren werden. Die Testamentsvollstrecker bestimmen den Pfarrer von St. Alban zu Köln zum Inspekteur, der genannte Pflichten zu erfüllen hat. Siegelankündigung: Abt und Konvent des Klosters Groß St. Martin; die Urkunde wird dreifach ausgefertigt und dem Pfarrer von St. Alban als Inspekteur und dem Pfarrer von St. Brigida übergeben. Siegler der Aussteller; 1635 Dezember 7; Vermerk des Notars Konrad Faust, Siegel des Offizials (Offizialatssiegel), Abteisiegel u. Konventssiegel von Groß St. Martin, mehrere Kopien, 18. Jh. - Auszug aus dem Testament der Katharina Ulrich, (1627) [17. Jh. ] - Verwendung der bei der Stadt angelegten Rente von 800 Talern für den Umbau des Pfarrhauses zu St. Brigida, 1789-1790 - Ablösung einer Rente von 18 ¿ Talern der Katharina durch die Testamentsvollstrecker (Schreinsbuchauszug), (1641) - Verwendung einer Rente von 14 Talern der Stifterin, um 1734


Altsignatur : GSM264


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