Vereinigte Westfälische Adelsarchive e.V.
Abb.A.Ak - Archiv Abbenburg, Altes Archiv, Akten


Signatur : C.Abb.A.Ak -

Name : Archiv Abbenburg, Altes Archiv, Akten

Beschreibung :
Eine spezielle Familiengeschichte der westfälischen Adelsfamilie von Haxthausen liegt bisher nicht vor. Kurzgefaßte Zusammenfassungen zu einer solchen Geschichte liegen seit Alters vor. Zu nennen ist neben den Lexika (Zedier etc. ) vor allem das Adelslexikon von Kneschke (Ernst Heinrich Kneschke, Neues allgemeines Adels-Lexicon 1859-1870) und aus neuerer Zeit die über das Internet erreichbaren Zusammenstellungen (Wikipedia etc. ). Ausführlicher, wenn auch unter einem eingeschränkteren Blickwinkel (Geschichte des Hauses Lippspringe) ist der Aufsatz von Rainer Decker, Adelsfamilien im Raum Lippspringe (in M Pavlicic, Lippspringe - Beiträge zur Geschichte. 1995 S. 173ff). Die unterschiedlichen Ausarbeitungen zur Familiengeschichte von Haxthausen gehen davon aus, daß die ersten Namensträger dieses Ministerialengeschlechts des Bistums Paderborn seit 1315 urkundlich erwähnt werden und sich nach dem Gutshof Haxthausen südlich von Paderborn benannten. Sie führten dasselbe Wappenbild wie die seit dem ausgehenden 12. Jahrhundert nachweisbare Familie von Vlechten (Flechten). Es kam daher die bisher nicht erwiesene Lhese auf, daß die von Haxthausen aus diesem Geschlecht hervorgegangen wären. Die Familie von Haxthausen stand im Dienst der Bischöfe und des Domkapitels von Paderborn, trat aber im 14. Jahrhundert nicht besonders hervor. Erst im 15. Jahrhundert, als sie durch Erbschaften mehrerer ausgestorbener Rittergeschlechter (von Eimeringhausen, von Heerse) ihren Lehn- und Allodialbesitz diesseits wie jenseits des Waldes (der Egge) bedeutend vermehrt hatten, nicht zuletzt auch durch den für die Geschichte des Bistums Paderborn wichtigen Dompropst Dr. jur. Heinrich von Haxthausen (+1479), stieg das Ansehen derart, daß sie seither zu den maßgeblichen Adelsfamilien des Ilochstifts zählten und neben den von Brenken, Krevet und von Stapel zu den „vier Säulen" bzw. den edlen Meiern des Fürstbistums gerechnet wurden. Diese Bedeutung erhellt auch aus dem bis ins 20. Jahrhundert behaltenen Titel eines Erbhofmeisters des Stifts, der ihnen als Lehen zugestanden worden war. Die Standesverhältnisse des Paderborner Ministerialengeschlechts von Haxthausen waren seit dem 17. Jahrhundert durch die gewohnheitsrechtliche Übernahme des Freiherrntitels gekennzeichnet. Dieser Stand wurde den einzelnen Zweigen der Familie u. a. 1811 und 1845 zuerkannt bzw. bestätigt. Der dänische Zweig des Hauses (erloschen in männlicher Linie 1842) erhielt 1736 den dänischen Grafenstand. Dem Freiherrn Werner von Haxthausen, später zu Neuhaus in Bayern, wurde 1839 das bayrische Grafendiplom zuteil. Für einige Abkömmlinge des Gesamthauses wurde der einfache Adelstand im 19. Jahrhundert anerkannt.
Die Erbschaften sowie die Bedeutungszunahme der Familie hingen auch damit zusammen, daß sich der Besitz des Gesamthauses Haxthausen, der bisher vorwiegend westlich der Egge - diesseits des Waldes - befunden hatte, nunmehr vor allem in das Gebiet östlich des Waldes ausdehnte. Auch infolge dieser Besitzerweiterung der Familie ging um 1500 die wichtigste Teilung des Stammes zwischen den Brüdern Gottschalk und Johann von Haxthausen in die sogenannte weiße (Abbenburger) Linie und die schwarze (Thienhauser, sp. Dedinghauser) Linie. Der Zusammenhalt beider Zweige des Hauses blieb in den folgenden Jahrhunderten durch den gemeinsamen Lehnbesitz gewahrt, da jeweils der Senior der Familien mit den Samtlehen für das ganze Haus belehnt wurde und die Afterlehnsleute belehnte. Dies spiegelt sich auch teilweise im gemeinsamen Lehnarchiv (Passiv- wie Aktivlehen) wieder.
Die Besitzgeschichte der beiden Linien des Hauses mit ihren zahlreichen Zweigen ist durch Erwerb, Verkauf, Tausch und ständige, teilweise oder ganze Gutsverpfändungen sehr unübersichtlich. Die Linie Abbenburg-Welda - Ausgangspunkt waren Besitzungen in Abbenburg, Welda, Bökendorf und bei Brakel erwarb später das Haus Lippspringe, das aber zu Ende des18. Jahrhunderts aufgegeben bzw. verkauft wurde. Die schwarze Linie des Hauses Haxthausen hatte sich seit dem 16. Jahrhundert mit den Rittersitzen in Dedinghausen und Marienloh begnügen müssen, erwarb aber 1523/1526 das Gut Thienhausen im Kreis Höxter. Letzteres gelangte 1843 durch Erbverträge an die weiße Linie zu Abbenburg, wurde aber nicht mit den Abbenburger Gütern vereinigt, sondern als Familienstiftung gesondert.
Der wesentliche Besitz der Abbenburger Linie bestand seit 1465 im Gut Abbenburg, seit 1469 im Gut Welda, seit 1479 im Gut Bökendorf und seit der Ablösung der verpfändeten Ämter Bredenborn und Vörden 1582 im Gut Vörden. Die Einkünfte in Abbenburg, Vörden und Welda waren zeitweise ganz oder teilweise an die Familien von Niehausen, von Görz und von Brakel versetzt. Gut Welda fiel 1788, wenn auch erst nach langen Prozeß- und Vergleichsverhandlungen an die von Brakel. Die Reste des wiedereingelösten Gutes Vörden blieben bei Gut Abbenburg. Auf weitere Besitzungen des Hauses Haxthausen, die auch in diesem Archivbestand erwähnt werden, sei nur hingewiesen. Neben den bereits erwähnten Gütern und Rittersitzen im Fürstbistum Paderborn sind es die Güter Aussel (Kr. Gütersloh), Georgenhausen in der Wet- terau bis 1836, Eisborn im Sauerland bis 1754, die Besitzungen der dänischen Linie sowie in Franken das reichsritterschaftliche Gut Bellersheim.
Das vorliegende Aktenarchiv - die erhaltenen Urkunden sind gesondert verzeichnet - umfaßt nur die Reste eines ursprünglich größeren Archivs, das durch die verwickelte Besitz- und Familiengeschichte, Verpfändungen und Abtretungen recht große Lücken aufweist. Im Gegenzug sind andere Archivsplitter hinzugekommen (von Mylendonck, Amtsbuch Salza, von Quitzow), was sich nur teilweise durch Erbschaften erklärt. Auch das Lehnarchiv sowohl der Passiv- wie der Aktivlehen weist einige Lücken auf Grund des ständigen Wechsels im Seniorat auf. Eine wesentliche Minderung des Archivbestandes ist durch die Bildung der Familienstiftung in Thienhausen verursacht worden, die nach dem Tode des Freiherrn August von Haxthausen entstand. Das durch einen Brand 1905 verminderte Archiv der von Haxthausen zu Thienhausen liegt inzwischen als Depositum beim LWL Archivamt in Münster. Im Zuge der Regelung des Nachlasses des Freiherrn August von Haxthausen nach 1866 verblieb der größte Teil all seiner Papiere, seiner Bibliothek und seiner Kartensammlung in Thienhausen, wurde aber von dort 1965 an die ULB Münster zur Aufbewahrung abgegeben. Ein kleiner Teil der Nachlaßpapiere war aber 1866 in Abbenburg und damit in diesem Archivbestand verblieben.
Eine Verzeichnung des Abbenburger und Thienhauser Archivs aus rechtlichen Gründen hatte bereits im 17. und frühen 19. Jahrhundert stattgefunden. Es wurde später durch Baron Kanne versucht, den seit dem 19. Jahrhundert durcheinandergeratenen Archivbestand diesen alten Verzeichnissen (vor allem Nr. 1021) anzugleichen - wenn auch vergeblich, so daß die alten Archivverzeichnisse nun als eigenständige Quellen zur Besitz- und Familiengeschichte herangezogen werden müssen.
Vor 1937 hat Baron Bernd von Kanne zu Breitenhaupt das Archiv summarisch verzeichnet. Dieses Verzeichnis ist von Heinrich Glasmeier im Westfälischen Adelsblatt 9. Jg. 1937 S. 49ff veröffentlicht worden. Das vorliegende Findbuch nimmt durch Verweis auf die von Kanneschen Gruppensignaturen Bezug auf dies gedruckte Verzeichnis. Die Systematik von Kannes konnte aber bei dieser detaillierteren Erschließung nicht übernommen werden.
Das vorliegende Findbuch ist bemüht, den Inhalt der zum Großteil neu gebildeten Akteneinheiten weitgehend durch Aktentitel und sogenannte Enthältvermerke (erläuternde und erweiternde Inhaltsangaben) zu erschließen. Es ist dabei unvermeidlich, daß alt formierte Sachakten unter einem Sachtitel eventuell mit erweiterten Inhaltsangaben nicht so sehr in die Einzelheiten gehen wie Sammelakten, in denen z. B. die Korrespondenten oder Sachbetreffe gesondert aufgeführt werden. Die Systematik des Gesamtbestandes ergab sich aus den vorliegenden Sachbereichen, wobei die Zusammenstellungen von Kannes nur zum Teil hilfreich waren. Eine Besonderheit machen neben den umfangreichen Familiennachrichten (Stammtafeln, Materialsammlung) und Besitz- wie Pfandschaftssachen, die Archivalien fremder Provenienz aus (Abschnitt 5) die durch Erbschaft, Heirat oder Amtsausübung in dies Archiv gelangt sind. Wegen der Bedeutung des Archivales wurde das Amtsbuch der Ämter Salza (Langensalza) und Thamsbrück (Nr. 597) im Anhang intensiver erschlossen.
Das Register erfaßt die im Verzeichnis vorkommenden Orts- und Personennamen, die zum Großteil durch Sachhinweise erweitert wurden. Bei der unterschiedlichen Schreibweise und Vergabe von Titeln und Vornamen in den Archivalien war es nicht möglich, die Angaben zu einer Person immer zusammenzuführen und dann auch mit den Lebensdaten Einzelner anzugeben. Es blieb daher zumeist bei der Angabe der Jahreszahlen im Aktentitel oder Enthältvermerk. Die Ortsnamen sind im Register, soweit nicht der Lautbestand eine gesonderte Aufnahme erforderte, nach der heutigen Schreibweise zusammengefaßt.
Die Numerierung des Registers bezieht sich auf die laufende Nummer des Findbuchs. Die Bestell- bzw. Lagerungsnummer ist jeder Akte vorangestellt.
Es ist zu bestellen: Archiv Abbenburg, A, Akte Nr. ...


Dr. Martin Sagebiel
Münster im September 2008


Literatur:
Ernst Heinrich Kneschke, Neues allgemeines Adels-Lexicon 1859-1870
Wikipedia Haxthausen (Adelsgeschlecht), Stand 2008
Rainer Decker, Adelsfamilien Im Raum Lippspringe (in M. Pavlicic, Lippspringe - Beiträge zur Geschichte. 1995 S. 173 ff)
Günter Tiggesbaumker: Der Kartennachlaß des Freiherrn August von Haxthausen in der Universitätsbibliothek Münster. In: Kartographische Nachrichten, 28, 1978. S. 183-184.
[zusammen mit Bertram Haller] Die Kartensammlung des Freiherrn August von Haxthausen in der Universitätsbibliothek Münster. (Westfälische Geographische Studien, Beiheft. 2.) Münster: Geographische Kommission für Westfalen, 1978.
Die Karten im Nachlaß des Freiherrn von Haxthausen. In: Westfälische Forschungen, 29, 1978/79. S. 223-234.
Cornelia Czach: Die Bibliothek der Freiherrn von Haxthausen. - In: Bibliothek in vier Jahrhunderten. Jesuitenbibliothek - Bibliotheca Paulina - Universitätsbibliothek in Münster 1588-1988. Münster 1988. S. 195-221
Zu berücksichtigen ist auch die umfangreiche Literatur zu den Arbeiten Augusts von Haxthausen und zum Bökendorfer Kreis



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