Vereinigte Westfälische Adelsarchive e.V.
Bru Bruchhausen
Bru.Vw20 - Verwaltungsarchiv des 20. Jahrhunderts
Cap.C.I - Archiv Cappenberg, Nachlass Freiherr vom Stein
Permalink des Findbuchs


Signatur : Cap.C.I

Name : Nachlass Freiherr vom Stein

Beschreibung :




Schabkunstblatt von P. F. Lützenkirchen, aus: Hans Wahl, Anton Kippenberg: Goethe und seine Welt, Insel-Verlag, Leipzig 1932, S.196



EINLEITUNG

Der schriftliche Nachlass des Reichsfreiherrn Heinrich Friedrich KARL vom und zum STEIN ist wie wohl kein anderer Nachlass eines seiner Wegbegleiter auf der politischen Bühne seiner Zeit durch die Forschung ausgewertet worden. Im Gegensatz zu Stein wurde etwa für Karl August von Hardenberg, mit Stein in Zusammenhang mit den Preußischen Reformen in einem Atemzug genannt, erst in jüngster Zeit eine Edition der Tagebücher und autobiographischen Aufzeichnungen vorgelegt.

Bereits Steins erster Biograph, Georg Heinrich Pertz, konnte für sein Mitte des 19. Jahrhunderts erschienenes sechsbändiges Werk auf wichtige Teile des Nachlasses zurückgreifen. In den 1930er Jahren entstand die siebenbändige Edition von Steins Schriftwerken durch Erich Botzenhart , der von 1957-1974 eine vollständig überarbeitete, mit zehn Bänden noch umfassendere Neuausgabe durch Walther Hubatsch folgte . Beide Ausgaben basieren über weite Strecken auf Steins persönlichem Nachlass. Obwohl also die Forschung den Nachlass Steins mehrfach umgewälzt und wichtige Teile daraus über die Editionen einem großen Kreis zugänglich gemacht hatte, war der Stand der archivischen Erschließung von Steins schriftlichen Hinterlassenschaften höchst unzureichend. Es bestand ein grobes Missverhältnis zwischen Bedeutung des Nachlasses und seiner archivischen Aufbereitung. Das maschinenschriftliche Findbuch existierte in nur einem einzigen aktuellen Exemplar voller Nachträge und handschriftlicher Ergänzungen. Register, die etwa den direkten Zugriff auf Personennamen ermöglicht hätten, fehlten.

Der Nachlass des Freiherrn vom Stein befindet sich in Privatbesitz, bei den Nachfahren Steins auf Schloss Cappenberg (Westfalen); er bildet dort einen Teilbestand innerhalb des Archivs des Grafen von Kanitz. Die Betreuung des Archivs auf Cappenberg zählt zu den Aufgaben des LWL-Archivamts für Westfalen in Münster, der Einrichtung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe für die Pflege der nichtstaatlichen Archive in Westfalen und Lippe, und ist dessen jeweiligem Leiter übertragen. Der vom Standpunkt des Archivars aus schlechte Erschließungszustand des wertvollen Bestandes war bereits Dr. Herberhold und Dr. Helmut Richtering, den Leitern des Archivamtes von 1957 bis 1987 bewusst. Beide hatten geplant, nach ihrer Pensionierung diesem Zustand ein Ende zu bereiten und bereits mit einer Neubearbeitung begonnen. Ihr früher Tod verhinderte jedoch, dass diese über erste Ansätze hinaus führten. Auch für ihren Nachfolger, Prof. Dr. Norbert Reimann, blieb eine verbesserte Erschließung des Stein-Nachlasses ein dringendes Anliegen. Da ein solches Projekt im laufenden Dienstalltag nicht zu bewältigen war, reichte er einen Förderungsantrag bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft ein. Dank der Übernahme der Personalkosten für eine wissenschaftliche Mitarbeiterin durch die Forschungsgemeinschaft für insgesamt zweieinhalb Jahre war es endlich möglich, von Mai 1999 bis Dezember 2001 die Neuerschließung des Stein-Nachlasses zu realisieren. Ziel des Projektes war eine Erfassung sämtlicher auf Cappenberg vorhandener Nachlassmaterialien des Freiherrn vom Stein und deren archivfachliche Ordnung und Verzeichnung in gleichmäßiger, der Bedeutung des Bestandes angemessener Tiefe.

Wichtige Teile des Nachlasses haben Eingang in die beiden großen Quellenpublikationen Botzenharts und Hubatschs gefunden. Jedoch haben diese gedruckten Stein-Ausgaben naturgemäß nur eine Auswahl aus dem vorhandenen Material getroffen, das insgesamt sehr viel umfangreicher ist. So enthalten die Editionen weitgehend nur Schriftstücke von der Hand Steins, die Gegenstücke der Korrespondenz fehlen meist. Ein der wissenschaftlichen Öffentlichkeit allgemein zugängliches ist daher notwendig, um gegenüber der Auswahl der gedruckten Ausgabe den Nachlass in seiner Gesamtheit vorzustellen und zugänglich zu machen. In Form eines gedruckten Findbuches und über die Möglichkeit zur Bestandsrecherche im Internet sollte ein allgemeiner, überregionaler Zugang zu dem Quellenmaterial hergestellt werden, wie er bisher nicht gegeben war. Schließlich ist beabsichtigt, als wichtige Maßnahme zur Bestandserhaltung und zur Erleichterung der Zugänglichkeit eine Arbeitsverfilmung für die Benutzung des Bestandes durchzuführen.

Über den persönlichen Nachlass Steins hinaus sollte die Einbeziehung der Bestände der Gutsverwaltung Cappenberg und der Bestände des Archiv des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (Archiv LWL) beim LWL-Archivamt für Westfalen zum Westfälischen Provinziallandtag den Blick auf die hier vorhandenen Quellen zu Stein als Verwalter seiner Güter bzw. als Landtagsmarschall in Westfalen richten.

Editionen zum Lebenswerk bedeutender Persönlichkeiten, wissenschaftlich-kritische Dichterausgaben oder die Publikation der Schriften und Briefwechsel von Staatsmännern sind zweifelsfrei ein großes Verdienst und einer unverzichtbare Grundlage für die wissenschaftliche Arbeit. Zugleich ist auf den zweiten Blick eine Gefahr damit verbunden: Die Person ist kanonisiert, ein für allemal in der Ruhmeshalle der Geschichte auf einen Sockel gestellt, in einer Schublade des kollektiven Gedächtnisarchivs abgelegt - und sie verliert dabei gleichsam ihre Lebendigkeit, erschlagen von der Wucht des so sorgsam bis ins Detail ausgebreiteten schriftlichen Niederschlags des eigenen Lebens. Der Rückgang der Forschung in den letzten Jahrzehnten ließe dies auch für den Freiherrn vom Stein nahelegen. Aber Stein ist eine historische Figur, die - hier ist er vergleichbar mit Johann Wolfgang v. Goethe - ob ihrer Bedeutung und der Vielschichtigkeit ihres Lebenswerks breiten Raum für immer neue Interpretationen und Forschungsansätze bietet und für die Wissenschaft immer aktuell bleibt. Dafür den Zugang zu den Quellen zu ebnen, ist Aufgabe der Archive und Ziel dieser Publikation.


Ein ausführliches Vorwort mit den folgenden Inhalten finden Sie hier als
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Einleitung
Zum Bestandsbildner Friedrich Karl vom und zum Stein
Bestandsgeschichte
Bestandsbearbeitung
- Ordnung
- Verzeichnung
- Erschließungstiefe
- Index
Perspektiven für die Benutzung
- politische Akten
- Monumenta Germaniae Historica
- Korrespondenzen
- persönliches Archivgut von Familienangehörigen
- Rezeptionsgeschichte
Gutsverwaltung
Stein-Archivalien im Archiv des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe
Auswahlbibliographie
Zeittabelle zur Biographie Steins
Abkürzungs- und Quellenverzeichnis

Der Bestand wurde im Rahmen eines DFG-geförderten Projekts durch Dr. Annekatrin Schaller neu erschlossen.
Eine Überarbeitung erfolgte durch Norbert Reimann in der Vorbereitung der Drucklegung 2007-2009.
In gedruckter Form ist das Findbuch als Band 18 der Reihe "Inventare nichtstaatlicher Archive Westfalens – Neue Folge" im Frühjahr 2010 erschienen:
Der Nachlass des Freiherrn vom Stein im Archiv des Grafen von Kanitz auf Schloss Cappenberg / hrsg. von Norbert Reimann, bearbeitet von Annekatrin Schaller und Norbert Reimann. - 2 Teilbände. - Münster, 2009. - 1324 S. + Ill. - ISBN 978-3-936258-11-0 / 68 €

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