Vereinigte Westfälische Adelsarchive e.V.
Ber Berleburg, Fürstliches Archiv
Ber.D - Hofverwalter Krämer
Ber.D - Fürstliches Archiv Berleburg, Hofverwalter Krämer
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Signatur : Ber.D - Hofverwalter Krämer

Name : Hofverwalter Krämer

Beschreibung :

Einleitung :

Der Bestand Ber. D umfasst die Registratur des Hofverwalters und Domänenaufsehers Johann Daniel Krämer (1803-1875), der knapp 50 Jahre lang für die Bewirtschaftung des Burgguts (Vorwerks) und die gesamte Verwaltung und Versorgung des fürstlichen Hofes verantwortlich war. Die Stelle als Hofverwalter hatte er mit Wirkung vom 13. September 1826 übernommen (Ber. C 1496). In der Rentei lässt er sich noch am 29. August 1875 nachweisen (Ber. D 856), also nur wenige Monate vor seinem Tod am 5. November desselben Jahres. Bald darauf wurde Christian Backhaus zum Hofverwalter ernannt, der bereits am 2. Februar 1876 von der Berufung des früheren Kommandanten des Magdeburgischen Feldartillerieregiments Nr. 4, Oberst a. D. Otto Karl von Gontard, zum Chef der Fürstlichen Gesamtverwaltung Kenntnis genommen hat (Ber. C 1655).

Im Bestand finden sich Aktenserien zum Betrieb des Vorwerks bzw. Burgguts (Viehhaltung, Futter, Holz- und Schmiedearbeiten, Spanndienste etc.), aber auch Kuriosa wie Rechnungen zur Illumination anlässlich von Feierlichkeiten des Fürstenhauses oder Korrespondenz mit einem Marburger Musikalienhändler - kurz: die Akten veranschaulichen den Alltag der fürstlichen Hofhaltung im 19. Jh. und halten en passant eine Fülle von Informationen zu Bediensteten, Handwerkern, Bauern und allgemein Bürgern aus Berleburg und den umliegenden Ortschaften bereit.

Die Gegenüberlieferung ist im Bestand Ber. C unter dem Klassifikationspunkt "Ökonomie" (Nrn.: 794 - 884 und 6580 - 6645) zu finden.

Welche Verwaltungs- und Aufsichtsfunktionen der Hofverwalter am Berleburger Hof innehatte, lässt sich in den Akten gut fassen. Krämer benennt die Aufgaben selbst wie folgt (vgl. Ber. C 1496, Bl. 86r-87r):

- Verwaltung und Rechnungslegung der Zehnten: Getreide, Klee und Gras, Kartoffeln

- Verwaltung und Rechnungslegung der Frondienste: Heu- und Grummeternte, Holzhau, Fuhrdienste

- Wiesenbewirtschaftung: Verpachtung und Kulturmaßnahmen

- Bewirtschaftung der nicht verpachteten zum Burggut gehörenden Äcker

- Wildschadensabschätzung auf den zum Burggut gehörenden Nutzflächen

- Aufsicht über die Hofhaltung im Schloss, Back- und Waschhaus, Holzmagazin, Küche, Vorratskeller und -speicher und Tiergarten

- Personalverantwortung über das Gesinde, Flurschützen und Gärtner

- Jährliche Kontrolle der Inventare

- Bauliche Instandhaltung und -setzung der Schlossgebäude, der Nebengebäude und sämtlicher verpachteter Immobilien (Forsthäuser, Pachthöfe, Mühlen und Hämmer)

- Wegebau und Kommissionsarbeiten

- Aufsicht über die Schneidmühlen und Wehre

- Verwaltung und Rechnungslegung der Ernteeinnahmen aus dem Burggut und der Ausgaben für ergänzenden Lieferungen

Das Aufgabenspektrum des Hofverwalters und seine sich in der Renteiüberlieferung widerspiegelnde organisatorische Anbindung an die Rentkammer lassen sich in der für Krämers Nachfolger Christian Backhaus im Jahr 1876 erlassenen Instruktion präzise nachvollziehen (Ber. C 1658, Bl. 9r-12v):

Instruktion für den Fürstlichen Oeconomie-Verwalter Herrn Backhaus:

§ 1 Der Oeconomie-Verwalter Backhaus hat seine Wohnung im Wohngebäude des Fürstlichen Vorwerks und liegt ihm zunächst die specielle Aufsicht über Haus und Hof, Scheune und Stallungen, die darin befindlichen Vorräthe resp. das darin untergebrachte Vieh, ob. Sein Augenmerk ist, unter Anderem, dabei auch auf Dach und Fach und die Vermeidung der Feuersgefahr zu richten.

§ 2 Er hat die Bestellung der auf Herrschaftliche Rechnung betrieben werdenden Felder zu besorgen und die Einscheuerung und Einkellerung der Erträge von Wiesen und Feld, nach rationellen Grundsätzen, zu veranlassen, auch das Ausdreschen lassen der Körnerfrüchte hiernach besorgen zu lassen.

§ 3 Ueber Alles hat er selbstständige Rechnung zu legen und diese über das geschlossene Verwaltungsjahr zu Anfang des neuen Etatsjahres im Monat Maerz jeden Jahres dem Chef der Fürstlichen Gesamt-Verwaltung resp. der Fürstlichen Rentkammer einzureichen, zum ersten Mal Anfang Maerz 1878.So lange der Oeconomie-Verwalter keine bestimmten Instructionen über die Form dieser Rechnungslegung erhält, wird ihm dieselbe für diese Verwaltungs-Rechnung überlassen und dabei nur bemerkt:

1. Das dieser Verwaltungs-Rechnung der Werth der aus dem Vorjahre überkommenen lebenden und todten Vorräthe (mit Ausnahme der Gebäulichkeiten und deren Zubehör sowie der Utensilien) nach den laufenden Marktpreisen vorgetragen werden muss;

2. Alle Einnahmen und alle Ausgabe Titelweise nachgewiesen, und zwar mit Zusetzung ihres Geldwerthes, gebucht werden müssen; die einzunehmenden Gelder aber wie die auszugebenden der Fürstlichen Renterei stets direct per Anweisung resp. Attestirung überkommen müssen, worauf die Quittungsleistung stattfindet.

3. Alle von der Oeconomie-Verwaltung ins Fürstliche Schloß gelieferten Vorräthe, sei es an Fleisch resp. Geflügel, Korn und Milch und dergl. oder an Hafer, Heu und Stroh für den Marstall und ebenso die geleisteten Fuhren für die Herrschaft oder für Privaten im Geldwerthe übertragen und als Einnahme in Ansatz kommen müssen. Nur auf diese Weise - nach vorher zu den Ausgaben addirten Besoldung der resp. Beamten, Knechte, Mägde und Taglöhner und ihrer resp. vom Schlosse aus bewirkten Verpflegung etc. - die eigentlichen Kosten der Oeconomie-Verwaltung annähernd bestimmt werden können.Der nächste Cameral-Etat wird in dieser Beziehung der Oecomomie-Verwaltung Gelegenheit geben, dort selbstständiger wie bisher in Betracht zu kommen und wird der Herr Oecomomie-Verwalter ersucht schon jetzt auf das Material für die Rechnungslegung des nächsten Etatjahres bedacht zu nehmen.

§ 4 Was die Aufbewahrung speciell der Bestände und jährlichen Erträge anbelangt, so hat er alles gewonnene Winterfutter, Heu, Stroh, Grummet etc. in guter Verwahrung und Aufsicht zu halten.

§ 5 In Betreff der speciellen Beaufsichtigung des Viehs hat der Herr Verwalter das Gesinde dahin zu controliren, ob sie das Vieh gut behandeln und richtig verpflegen, und die Milch reinlich gewinnen und behandeln. Die Milchrechnung muss so aufgestellt sein, dass die Quantität der Gewinnung und ihr Consum in den Details Aufstellungen ersichtlich ist; in der einzureichenden jährlichen Rechnung soll dies monatlich ersichtlich sein.

§ 6 Zur Winterzeit muss das dürre Futter den Knechten zugetheilt und zur Sommerzeit das grüne Futter von denselben aus dem Thiergarten geholt werden, dessen Menge er überwacht, auch der Abfall aus der Küche pp. und event. dem herrschaftlichen Garten täglich von einem Knechte abgeholt und verwendet werden, wozu der Esel mit seinem Gefähr benutzt werden kann.

§ 7 Der Unterhaltung und Mästung der Schweine ist überall die größte Ordnung und Reinlichkeit fürsorglich zukommen zu lassen - die speciellen Gewichte sind stets sorgfältig zu notiren.

§ 8 Ueber das ganze Burggut nebst Allem was dazu gehörig ist, in Folge dessen er sich mit dem Ganzen genau bekannt zu machen hat, hat er durch Unterhaltung der Malsteine und sonstigen Malzeichen gewissenhaft Controle zu führen und stets darauf zu achten, dass Ueberschreitungen der Grenzen so nicht gedultet und Eingriffe in die standesherrlichen Gerechtsame nicht gelitten werden.

§ 9 Er hat die Aufsicht über die Ordnung im Schloßhofe und seiner Umgebung, dem Thiergarten und namentlich auf allen Wegen zu führen, welche zum Schloßpolizeibezirk gehören, damit sie ordentlich und reine erhalten werden, und hat er die hierfür angestellten Personen nur zur Erfüllung ihrer Pflicht anzuhalten. Nach Schneefall im Winter sorgt er für die Herstellung gangbarer Wege im und zum Schloßhofe und im Thiergarten. In außergewöhnlichen Fällen hat er Hülfe an Arbeitskräften bei der Rentkammer zu requiriren. Auch die innere Ordnung im Schlosse soweit solche in Betreff der Ofenheizer zur Sprache kommt, darf er controliren und ist speciell für die Ordnung und Behandlung des Holzes im Holzhofe und Holzmagazin und dessen zweckmäßigen Verbrauch verantwortlich. Ihm steht die Controle über den rechtzeitigen Verschluß von den zum Schloßpolizei-Bezirk gehörigen Thore und Thüren zu. Nähere Instruction kann er sich auf der Rentkammer holen.

§ 10 Das Schloß und seine herrschaftlichen Nebengebäude incl. des Burgfeldhäuschen[s], die Mahlmühle, das Ober- und Nieder-Wiesenhammerwerks-Gebäude stehen insofern unter seiner Controle, als er die an ihnen bemerkten Uebelstände behufs deren Beseitigung dem Etat der Fürstlichen Gesammtverwaltung zur Kenntnis zu bringen hat, welcher darauf die weiteren Anträge stellen wird. in Betreff des Vorwerks bringt er dieselben jedoch alljährlich, in die bis zum 20. Dezember spätestens 1. Januar a. f. jeden Jahres einzureichenden Voranschläge für den Cameral-Etat.

§ 11 Er ist der unmittelbare Vorgesetzte nicht nur des gesammten Dienstpersonals im Vorwerk, auf dessen moralischen und ordentlichen Lebenswandel und deren Gehorsam und anständige Maniren einzuwirken er sich angelegen sein läßt, ferner des Gartenaufsehers und der Holzhauer und Ofenheizer, sondern er ist auch dem Oeconomie-Scribenten direct überstellt, dem er für seine Bureaustunden die nöthige Beschäftigung auf dem Bureau anweißt oder ihn in seiner unbeschäftigten Arbeitszeit der Fürstlichen Rentkammer zur Verfügung stellt.

§ 12 Er hat für das von ihm anzukaufende Vieh, soweit es nicht den bis auf Weiteres feststehenden Etat der Gegenwart in Kopfzahl übersteigt, zwar die freie Wahl, hat aber dabei wie auch bei dem Verkauf das Fürstliche Interesse so viel wie möglich wahr zu nehmen und beim Einkauf für Posten über 500 Mark die Genehmigung der Rentkammer einzuholen.

§ 13 Er hat mit Unterstützung des Rentmeisters die Grasverkäufe alljährlich zu leiten; vor der Publication derselben aber der Rentkammer Anzeige zu machen und gleichzeitig das Concept davon vorzulegen. Nach den stattgehabten Heu, Gras- und Grummet Verkäufen sind die Protokolle einzureichen.

§ 14 Für alle von ihm auf die Rentereikasse ausgestellte Überweisungen ist er in Betreff ihrer Berechtigung verantwortlich, und hat er sich zu hüten Vorschüsse anzuweisen, weil er für die Deckung event. allein aufzukommen hat.

§ 15 Im Anfang November jeden Jahres findet eine vom Etat der Gesammtverwaltung vorzunehmende Revision des Inventars statt. Zu dieser hat der Oeconomie-Verwalter Alles vorzubereiten und die dabei aufzunehmende Verhandlung mit zu unterschreiben.

§ 16 Er hat das Recht lässigen Knechten und Mägden mit Einhaltung der vorgeschriebenen Kündigungsfrist zu kündigen, darf dieselben aber nicht ohne Weiteres sofort entlassen, sondern ist hierzu bei vorkommender Gelegenheit, die Genehmigung der Rentkammer einzuholen, so wie auch neu zu engagierende Knechte oder Mägde und durch letztere Serenissimo zum Vorschlag gebracht werden müssen.

§ 17 Den von Seiten der Fürstlichen Rentkammer ihm event. aufgetragenen Abschätzungen des Wildschadens hat sich der Herr Oeconomie-Verwalter, ohne Diäten zu beanspruchen, zu unterziehen.

§ 18 In allen schwierigen Fällen hat er nicht eigenmächtig zu handeln, sondern den Rath der Rentkammer, den er sich event. schriftlich geben lassen kann, um sich später verantworten zu können, einzuholen.

Berleburg, den 31. October 1876

Fürstlich Wittgensteinische Rentkammer

gez. v. Gontard

Der Bestand ist zu zitieren: Fürstl. Archiv Berleburg, Hofverwalter Krämer + lfd. Nr. oder Fürstl. Archiv Berleburg, Ber. D + lfd. Nr.

Umfang : 8,20



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