Vereinigte Westfälische Adelsarchive e.V.
Mels Melschede (AD)
Mels.Ak - Altes Archiv, Akten
Mels.Ak - Archiv Melschede, Altes Archiv, Akten
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Signatur : Mels.Ak - Altes Archiv, Akten

Name : Altes Archiv, Akten

Beschreibung :

Einleitung :

In dem teils zum kurkölnischen Kirchspiel Balve teils zu Enkhausen gezählten Ort Melschede bestanden ehedem 2 Rittergüter, die um das Jahr 1560 als das oberste und das niederste Haus Melschede begegnen. Das niederste Haus ging in seinem Ursprung auf Vogteirechte zurück, die der Dienstmann der Arnsberger Grafen Hermann Vlecke zwischen den Jahren 1280 und 1285 über eine Manse zu Melschede erhielt. Um das Jahr 1300 ist auf diesem Besitz die Familie von Benkamp nachzuweisen, die sich seit ca. 1340 auch von Melschede nannte. Als letzter der Familie von Melschede zu Melschede tritt Hermann auf. Seine Erbtochter, die vermutlich den Namen Margaretha trug, heiratete vor dem Jahre 1506 Johann von Kobbenrode. Johann von Kobbenrode verließ gegen das Jahr 1527 das niederste Haus Melschede und wurde Drost des Amtes Eversberg. Der Melscheder Besitz wurde zwischen den Jahren 1527 und 1558 von Jürgen Schulte aus Beckum bewirtschaftet. Durch die Heirat der Margaretha Kobbenrode, einer Tochter des Johann Kobbenrode mit Dietrich Wrede zu Amecke kam das niederste Haus Melschede in den Besitz der zu Amecke ansässigen Familie von Wrede. Nach dem vor 1540 erfolgten Tod des Dietrich Wrede erhielt seine Witwe Margaretha im Jahre 1553 Melschede als Leibzucht. Ein Jahr später teilten ihre Söhne Hennich, Henrich und Johann den elterlichen Besitz in 3 Teile. Hennich als der älteste erhielt Haus Amecke, der mittlere Sohn Henrich umfangreichen Landbesitz und Berechtigungen bei Werl, der jüngste den Bispinkhoff bei Westönnen nebst weiterem Landbesitz. Melschede blieb zunächst ungeteilter Leibzuchtsbesitz der Margaretha von Wrede. Nach deren Tode im Jahre 1556 einigen sich die beiden Brüder Hennich und Johann über die Amecker und Melscheder Anteile. Johann erhielt hierbei Melschede. Er übernahm das Gut im Jahre 1550 von dem bisherigen Pächter Jürgen Schulte aus Beckum. Zwischen den Jahren 1558 und 1560 baute er das als ruinös geschilderte niederste Haus Melschede wieder auf. Im Jahre 1572 trug er Melschede zusammen mit dem Bispinkhoff in Westönnen den Kurfürsten von Köln als Lehen an; seitdem war Melschede ein kurkölnisches Lehnsgut. Johann Wrede, der im Jahre 1600 starb, war der Stammvater der heute noch auf Melschede lebenden Familie von Wrede.

Das sogenannte oberste Haus Melschede ist ebenfalls eng mit der Geschichte der Familie von Wrede verbunden. Als frühester Besitzer konnte bisher Albert Wrede in den Jahren nach 1364 ermittelt werden. Die in den Jahren danach bis zum Jahre 1558 als von Wrede zu Melschede bezeichneten Namensträger gehören eindeutig zu dieser Linie. Zur Zeit als Johann Wrede das niederste Haus Melschede übernahm, war sein Vetter Cordt Wrede Besitzer des obersten Hauses. Das oberste Haus war ebenfalls einem Schulten namens Lentze Morinckhuisen zur Bewirtschaftung übergeben. Nach dem Wiederaufbau des niedersten Nauses einigten sich Johann und Cordt Wrede im Jahre 1560 über die beiderseitigen Grenzen der Häuser. Das im Gegensatz zum niedersten Haus Melschede freiadelig gebliebene oberste Haus verblieb bis zum Jahre 1609 im Besitz der Vetterlinie des Johann. In diesem Jahr kauft Stephan Wrede, Sohn des Johann Wrede aus dem niedersten Haus das oberste Haus Melschede von dem minderjährigen Dietrich Wrede, Sohn des verstorbenen Heinrich Wrede und dessen Frau Anna, geborene von Plettenberg. Seit dem Jahre 1609 war in Melschede nur noch die Familie von Wrede, die auf den Stammvater Johann zurückging, anzutreffen. In der kurkölnischen Ritterschaftsmatrikel wurden jedoch weiterhin beide Häuser Melschede getrennt aufgeführt. Durch den zwischen den Jahren 1659 und 1669 erfolgten Neubau des Hauses im Bereich des alten obersten Hauses bestand faktisch nur noch ein adeliges Haus zu Melschede.

Durch das Testament des im Jahre 1722 verstorbenen Ferdinand Stephan von Wrede wurde Melschede Fideikommissgut. Zum Fideikommissbesitz gehörte auch das Rittergut Langenholthausen. Das Haus Langenholthausen war im Jahre 1559 durch Henrich von Plettenberg seinem Sohn Caspar übertragen worden.

Dieser veräußerte den Besitz 1565 an Henrich von Melschede. Bereits im folgenden Jahr veräußerte dieser das Gut an Hermann von Wenninghausen. Von der Familie Wenninghausen gelangte Langenholthausen an die Familie von Wrede zu Frönspert und von dieser im Rahmen einer Schuldenregulierung an die Familie von Wrede zu Melschede. Das lange zwischen den Familien von Werminghaus und von Plettenberg umstrittene Gut Langenholthausen wurde bei der Erbteilung der beiden Brüder Ferdinand und Johann Heinrich im Jahre 1653 noch gemeinschaftlich verwaltet. Nach dem im Jahre 1683 ergangenen Urteil des Reichskammergerichts war das Gut im Besitz der Linie von Wrede zu Melschede. Das Gut Brüninghausen bei Plettenberg-Ohle ging 1653 in den Besitz des Johann Henrich von Wrede über und fiel dann an die Linie von Wrede zu Amecke. In Amecke beruht auch der Hauptteil des Archivs. Archivalien der Herforder Lehnsherrschaft Müllenbach bei Koblenz kamen über die Erbberechtigungen der Wilhelma Dorothea von Rolshausen, der zweiten Ehefrau des Stephan Wrede (1570-1628) nach Melschede. Ihr Vater, Otto von Rolshausen, besaß Anrechte auf Müllenbach seit dem Jahre 1588. Im Verlauf der obigen Erbteilung des Jahres 1653 ging Müllenbach ebenfalls an die Linie von Wrede zu Brüninghausen und Amecke über. Das freiadelige Rittergut Beulerhof (Niedersorpe) bei Estinghausen wurde im Jahre 1668 von Stephan Burghard Wrede zur Sorpe an Ferdinand von Wrede zu Melschede verkauft. Die Familie besaß das Gut bis es dem Bau des Sorpesees zum Opfer fiel. Das ebenfalls freiadelige Haus Sorpe bei Langscheid wurde im Jahre 1675 von der Familie Wrede zu Melschede angekauft, war aber nach 1709 - offenbar nur kurz - im Besitz der Linie zu Amecke.

Haus Wildshausen bei Freienohl wurde 1570 durch Thönis Schade dem Dietrich Wrede, einem Sohn seiner Schwester Anna und deren Ehemannes Johann Wrede testamentarisch übertragen. Dietrichs Vater mußte aber bereits 1572 zugunsten der Erzbischöfe von Köln auf das Erbe verzichten. Obwohl das Archiv des Hauses an die Erzbischöfe auszuliefern war, sind einige versprengte Archivalien in Melschede verblieben.

Zu diesen gehören auch die Urkunden der Familie von Padberg, da dem Johann von Padberg nach dem Verlust des neuen Hauses Padberg durch den Erzbischof von Köln das Haus Wildshausen um das Jahr 1483 als Wohnung zugewiesen worden war. Ebenfalls hat sich in Melschede ein Archivsplitter des Hauses Gladbach erhalten, der über Erbrechte der Maria Anna von Wrede geborene Palandt nach dort kam. Archivalien des Hauses Berge (Haus Niederberge) kamen über Erbansprüche der Wilhelma Dorothea von Roishausen nach Melschede, deren Schwester Anna Margaretha in erster Ehe mit dem Erbherrn auf Berge, Dietrich von Holdinghausen († 1608) verheiratet war. Bei den Archivalien zu den Häusern Eisborn, Mellen, Reigern, Frönspert und Padberg handelt es sich im Wesentlichen um Stücke, die im Rahmen von Schuldverschreibungen anfielen.

Die Melscheder Archivalien sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nie zu Akten formiert worden. Sie waren ehedem als lose Vorgänge in den Schubladen der heute noch vorhandenen Archivschränke hinterlegt worden. Die Zuweisung der Stücke erfolgte anhand einer Buchstabenklassifikation, die - soweit rekonstruierbar - von A - M, reichte. Abgesehen von wenigen Listen geringen Umfangs, ist offenbar nie ein Archivverzeichnis erstellt worden. Durch Verlagerungen und Fremdeinwirkungen alliierter Soldaten im Jahre 1945 waren die losen Blätter in den Archivladen in große Unordnung geraten. Die Ordnung des Archivs erzwang daher das Anlegen mehrerer tausend Karteikarten. Da ein Altverzeichnis nicht vorhanden und bisher wenig über die politische Geschichte der Familie von Wrede zu Melschede bekannt war, erwies sich die provenienzmäßige Zuweisung der Stücke als ungewöhnlich schwierig und dürfte in Einzelfällen nicht frei von Fehlern sein. Zur besseren Übersicht sei die Erbfolge der auf Johann Wrede zurückgehenden Linie zu Melschede angeführt:

1. Johann von Wrede (* um 1537, + 1600)

verheiratet mit Anna Schade zu Wildshausen

2. Stephan von Wrede (* 1570, + 1628), Sohn des Johann

Verheiratet: 1. mit Anna Spiegel von Peckelsheim, 2. mit Wilhelma Dorothea von Rolshausen

3. Vormundschaftsregierung durch Ludwig v. Schade und Anna Margaretha v. Roishausen für Ferdinand v. Wrede, Sohn des Stephan 1628-1641

4. Ferdinand v. Wrede (* 1619, + 1684)

Verheiratet: 1. mit Sibilla Elisabeth v.Plettenberg aus dem Hause Schwarzenberg, 2. mit Johanna Maria von der Horst

5. Ferdinand Stephan v. Wrede (* 1662, + 1722) Sohn des Johann Henrich v. Wrede zu Brüninghausen, Bruder des Ferdinand v. Wrede

Verheiratet: 1. mit Anna v. Palant aus dem Hause Gladbach, 2. mit Amalie Elisabeth v. Hochsteden zu Niederzier

6. Ferdinand Carl v. Wrede (* 1696, + 1778) Sohn des Ferdinand Stephan

Verheiratet: 1. Anna Isabella v. Boeselager, 2. Anna Clara Lucia v.d.Asseburg

7. Ferdinand Josef v. Wrede (* 1737, + 1813) Sohn des Ferdinand Carl

Verheiratet mit Maria Anna von Harff aus dem Hause Dreyborn

8. Ferdinand Friedrich v. Wrede (* I787, + 1869) Sohn des Ferdinand Josef

Verheiratet mit Philippine v. Fürstenberg-Herdringen

9. Friedrich Ferdinand (* 1813, + 1875), Sohn des Ferdinand Friedrich

Verheiratet mit Anna Heereman v. Zuydtwyck-Surenburg

Zur politischen Geschichte der Familie waren folgende Daten zu ermitteln:

vor 1600 Johann Wrede wird kurkölnischer Statthalter in der Grafschaft Limburg und kurkölnischer Hofmeister

1600 Stephan v. Wrede wird Drost des Amtes Balve. Er ist ebenfalls Statthalter zu Limburg

1605 Stephan v. Wrede wird kurkölnischer Hofmeister

1607 Stephan v. Wrede wird Rat im Herzogtum Westfalen

1627 Ferdinand v. Wrede erhält die Expektanz auf das Amt Balve

1641 Ferdinand v. Wrede wird Drost des Amtes Balve

1647 Ferdinand v. Wrede wird Rat im Herzogtum Westfalen

1659 Ferdinand v. Wrede wird kurkölnischer Hofmeister

1668 Ferdinand v. Wrede wird kurkölnischer Obriststallmeister

um 1669 Ferdinand v. Wrede wird kurkölnischer Berghauptmann im Herzogtum Westfalen

1672 Ferdinand v. Wrede wird stellvertretender Landdrost im Herzogtum Westfalen

1682 Ferdinand Stephan v. Wrede wird Kapitän im Leibregiment König Christian V. von Dänemark

1684 Ferdinand v. Wrede wird westfälischer Landdrost

1695 Ferdinand Stephan v. Wrede wird kurkölnischer Kämmerer

1703 Ferdinand Stephan erhält die domkapitularische Ratsstelle in Arnsberg

1715 Ferdinand Stephan v. Wrede wird adliger Rat im Herzogtum Westfalen

1722 Ferdinand Carl v. Wrede wird Rat im Herzogtum Westfalen

1766 Ferdinand Josef v. Wrede wird westfälischer Landhauptmann

um 1766 Ferdinand Josef v. Wrede wird Oberhofmeister des Fürstbischofs zu Paderborn

1761 Engelbert Anton v. Wrede wird Domkapitular in Hildesheim

1769 Christian Maria Anton v. Wrede wird Domkapitular in Osnabrück

1775 Engelbert Anton v. Wrede wird Domkapitular in Münster

1791 Christian Maria Anton v. Wrede wird Domkapitular in Münster

1792 Engelbert Anton v. Wrede wird Geheimer Kriegsrat des Fürstbischofs von Münster

1800 Engelbert Anton v. Wrede wird Dompropst zu Münster

1810 Ferdinand Josef. v. Wrede wird hessischer Regierungsrat in Arnsberg

1817 Ferdinand Friedrich v. Wrede wird Landrat des Kreises Iserlohn

Zu zitieren ist der Bestand: Archiv Melschede, Bestand: Altes Archiv, Akten [Nr.] oder kurz: Mels.Ak.[Nr.]

Westfälisches Archivamt (heute LWL-Archivamt für Westfalen) zu Münster im Winter 1980

(Dr. Conrad)

Ergänzung zum Vorwort:

Nachträge zum alten Aktenbestand des Archivs Melschede wurden nötig, nachdem beim Umzug des Archivs von seinen angestammten Räumlichkeiten in einen Raum im Tiefparterre des Schlosses Melschede in einem alten Aktenschrank ein Fach mit unverzeichneten Unterlagen auftauchte. Weitere Akten zur Zeit vor 1900 fanden sich in einer Dachkammer, in der die Altregistratur bis ca. 1970 verwahrt wurde.

Die 91 im Sommer 2008 angelegten Verzeichnungseinheiten umfassen ca. einen lfd. Meter Archivgut (9 Kartons) und tragen die Nummern 4500-4590. Zeitlich stammt die Mehrzahl der Stücke aus dem 17.-19. Jh., doch finden sich ältere Stücke des 16. und sogar 15. Jh. als Teile jüngerer Aktenüberlieferung. Inhaltlich bieten die Nachträge Informationen zu den Ehe- und Erbschaftsfällen des 17./18. Jh. (Erbfall v.d. Asseburg zu Hinnenburg) und des 19. Jh. innerhalb der Familie Wrede. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Rechtsstreite zwischen den verschiedenen Zweigen der Familie Wrede und der anderen ansässigen Adeligen (u.a. Landsberg-Velen) und Nichtadeligen (Markengenossenschaften) um die Jagd-, Hude- und Holzrechte in den Markenwäldern um Balve, Sundern und Arnsberg.

Die Archivalien waren oft mit Kordel zu Paketen geschnürt; diese alte Ordnung wurde dort bewahrt, wo es ging. Wenn Pakete aufgeteilt und neu geordnet wurden, wurde die alte Zugehörigkeit durch den Hinweis "Alte Signatur P [Nr.]" vermerkt. Dort finden sich auch die Ende des 19. Jh. in Melschede eingeführten Lokaturen, wie sie auf den in preußischer Manier gehefteten Akten zu finden sind. Die in Aktendeckel zusammengelegten, nicht vernähten Archivalien wurden in säurefreie Mappen umgebettet. Die alten Deckel aus nicht säurefreiem Material waren zum größten Teil sehr verdreckt und teilweise schimmelkontaminiert, so dass sie in diesen Fällen vernichtet, und nur die Titelbereiche und Aktenschwänze nach einer Reinigung abgetrennt und der Mappe beigelegt wurden.

Die Abschrift der von Dr. Conrad erstellten Findbücher besorgte dankenswerter Weise Frau Buttanri im Frühjahr 2011. Im Zuge des Umzugs des Melscheder Archivs ins Depot der Vereinigten Westfälischen Adelsarchive im LWL-Archivamt kamen auch unverzeichnete Karten, Pläne und Zeichnungen in unser Haus; diese wurden im Februar 2012 verzeichnet und ins bisherige Findbuch integriert.

Münster, im Februar 2012

Peter Worm

Umfang : 27,00



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