Vereinigte Westfälische Adelsarchive e.V.
Für Fürstenberg
IV Gutsarchive
Für.IV.Sal - Saline Salzkotten
Für.IV.Sal - Archiv Fürstenberg, Saline Salzkotten
Permalink des Findbuchs


Signatur : Für.IV.Sal - Saline Salzkotten

Name : Saline Salzkotten

Beschreibung :

Einleitung :

Der Bestand Saline Salzkotten ist Teil des Familienarchivs der Gräflichen Familie von Westphalen.

Die Saline war vermutlich bereits im 11. Jahrhundert in Salzkotten im ehemaligen Fürstbistum Paderborn gegründet worden. Die erste quellenkundliche Erwähnung der Solquelle stammt aus dem Jahr 1011 anlässlich der Schenkung der Grafschaft Haholt durch Kaiser Heinrich II. (HRR) an Bischof Meinwerk von Paderborn. Der älteste urkundlich belegte Hinweis auf die gewerbliche Salzgewinnung in Salzkotten geht auf das Jahr 1160 zurück. In diesem Jahr schenkte Bischof Bernhard I. von Oesede dem Zisterzienserkloster Hardehausen drei Siedehütten in Salzkotten. Für das Jahr 1294 ist ein Salzkottener Sälzerverein belegt, der bereits bestimmte Anteilsrechte am gemeinschaftlichen Solebrunnen von Salzkotten besaß. Von diesem Zeitpunkt an betrug die Anzahl der in Salzkotten ansässigen Salzwerke immer 24.

Im Laufe der Zeit zersplitterte die Besitzstruktur der Salzkottener Saline durch Weiterverschenkungen und Verpfändungen immer mehr. Wie an anderen Salinenorten auch gab es in Salzkotten zahlreiche Anteilseigner. Dabei bezogen sich die Besitzerrechte in Salzkotten ausschließlich auf die Solen, während die technischen Geräte - wie etwa Siedepfannen - und die Gebäude - z. B. die Siedehütten - in der Hand der Salzgewerken bzw. Sälzer waren. Die Obereigentümer hatten ihre Anteile somit an die Sälzer weitervermeiert. Die Produktion des Salzes wurde also nicht von den Besitzern selbst, sondern von den Sälzern, die verpflichtet waren, die Gebäude und Gerätschaften in tauglichem Zustand zu halten, vorgenommen. Als Gegenleistung für das Recht zur Salzgewinnung mussten die Sälzer jährlich eine bestimmte Menge Salz an den Lehnsherrn liefern und bei der Übernahme den Weinkauf bezahlen.

Der Bischof behielt stets erheblichen Einfluss auf das Salzkottener Salinenwesen, zum einen über sein Recht zur Bestätigung der Betriebsverfassung der Sälzer, zum anderen über die wirtschaftspolitischen Interventionen, die den Salzhandel direkt betrafen. Die Sälzer von Salzkotten schlossen sich, nachdem ihre alten Urkunden durch einen Brand zerstört worden waren, im Jahre 1526 zunftmäßig zu einem neuen Sälzerkollegium zusammen. Die neu errichteten Sälzervereinigungen erhielten in aller Regel vom zuständigen Landesherren Statuten, die ihre Betriebsverfassung, die Einzelheiten über die Siedeberechtigung und häufig auch eine eigene Gerichtsbarkeit regelten. So bestätigte in diesem Jahr der Neugründung auch Bischof Erich von Braunschweig-Grubenhagen den Sälzern von Salzkotten die neuen Statuten. Das Gericht, das in Anwesenheit des Gografen und unter Vorsitz eines Werkmeisters tagte, verhandelte über Fälle, in denen es sich um Verstöße gegen die Statuten oder um andere Vergehen im Salinenbetrieb handelte. Als Beklagte kamen die Sälzer selbst, ihre Bediensteten, aber auch dritte Personen in Frage, wenn diese sich verschiedener Delikte gegen die Salinen schuldig gemacht hatten. Als Strafen wurden sowohl Gefängnisstrafen als auch Geldstrafen verhängt, auf deren Hälfte der bischöfliche Landesherr Anspruch hatte. An der Spitze des Kollegiums stand der bereits erwähnte Werkmeister, der jährlich neu aus den Reihen der Sälzer zu wählen war und selbständig den Gesamtbetrieb leitete und beaufsichtigte. Als Bedingungen für die Mitgliedschaft im Kollegium formulierten die Statuten, dass jeder Sälzer frei und ehelich geboren und Bürger und Einwohner der Stadt Salzkotten sein musste.

Den Sälzern wurde bereits im 16. Jahrhundert durch bischöfliche Intervention zumindest für die Stadt Salzkotten ein Monopolrecht auf den Salzhandel verliehen. Während für die Zeit bis zum Ende des 16. Jahrhunderts zu vermuten steht, dass die einzelnen Sälzer tatsächlich selbst den Siedeprozess und die Salzproduktion betrieben, ist seit 1610 belegt, dass sie auch über eigene Beschäftigte verfügten. Das abhängig beschäftigte Personal des Gesamtsalzwerkes bestand aus 24 Hütten- und Salzknechten und 16 Leckerknechten. Gemeinschaftliche Angestellte des Kollegiums waren der Protokollführer, dessen Aufgabe es war, sowohl die Kollegiumssitzungen zu protokollieren, als auch die gesamte betriebswirtschaftliche Schriftlichkeit des Werkes zu führen, sowie der Salzmesser, dem die Pflichten oblagen, die einzelnen Sälzer zu Sitzungen einzuladen, in den Siedehäusern in Vertretung des Werkmeisters die Aufsicht zu führen und das Salz bei der Ablieferung auszumessen.

Obwohl während des Dreißigjährigen Krieges der Ort Salzkotten weitgehend zerstört wurde, blieben die Salzwerke selbst von den Kriegsfolgen völlig verschont. Lediglich das Sälzerarchiv ging bei der Plünderung Salzkottens durch die Schweden verloren. Belegt ist, dass die Saline Salzkotten zu diesem Zeitpunkt bis nach Arolsen im Waldeckschen lieferte. Genauso gehörten die Städte Warburg, Brakel, Steinheim, Nieheim und Teile Ravensburgs zum Absatzmarkt des Salzwerkes im 17. Jahrhundert.

Zu bemerken ist, dass die Gruppe der Betriebseigentümer (Anteilseigner) nicht identisch mit der Gruppe der Betriebsbetreiber (Sälzer) war. Die verschiedenen Produktionsfaktoren lagen also in unterschiedlichen Händen: die Solen bei den Anteilseignern, die Betriebsmittel bei den Sälzern. Das Verfügungsrecht des Anteilseigners über das Salzwerk wurde im Laufe der Zeit faktisch eingeschränkt, weil die Betriebsinvestitionen der Sälzer nicht in des Besitzers Eigentum übergingen. Das bedeutete beim Tod eines Sälzers, dass erst der Wert der Einrichtungen an die Erben gezahlt werden musste, bevor eine Neuvermeierung überhaupt stattfinden konnte. Zwar war der Meier zeit seines Lebens verpflichtet, die Siedeanlagen in gutem, brauchbarem Zustand zu erhalten, doch technische Innovationen wie neue Gradier- und Leckwerke, die er bezahlt hatte, blieben rechtlich sein Eigentum.

Lag vor 1610 bisher sämtliches Eigentum an den Salzwerken zumindest ausschließlich in den vielen Händen der Salzherren, so entstanden später auch Anlagen, die zum Teil auch den Sälzern selbst gehörten. Dies hatte zur Folge, dass niemand ein Salzwerk übernehmen konnte, der nicht die Anteile seines Vorgängers an den Neuerungen mit übernahm. Schließlich kam es im Anschluss an den Dreißigjährigen Krieg dazu, dass neben den bisherigen Anteilseigner- und Betreiberebenen eine dritte Ebene hinzukam, die die Führung der Werke noch uneinheitlicher gestaltete: das in früheren Privilegien festgelegte Statut, nach dem nur Einwohner von Salzkotten Sälzer werden konnten wurde aufgehoben. Ursache dafür war, dass viele Sälzer nicht mehr in der Stadt wohnten, da bei der Zerstörung Salzkottens im Jahre 1633 viele Häusern vernichtet worden waren und dementsprechender Wohnraum fehlte. In der Folge ließen sich viele Sälzer - gedeckt durch ein entsprechendes fürstbischöfliches Dekret - durch die so genannten Salzschreiber vertreten, die zur betriebswirtschaftlichen und technischen Führung des Salzwerkes verpflichtet waren. Zwar mussten die Sälzer weiterhin den Bürgereid leisten, aber nicht so deren Salzschreiber, die bereits zudem über Sitz und Stimme im Sälzerkollegium verfügten, während die Sälzer selbst nur noch einmal im Jahr zur Kollegiumshauptversammlung erscheinen mussten. Angesichts solcher Strukturen, Neben- und Gegeneinander von Salzherren (Anteilseigner), Sälzern (Anteilseigner und De-jure-Betreiber) und Salzschreibern (De-facto-Betreibern), nimmt es nicht Wunder, dass das Salzkottener Salinenwesen zu Beginn des 18. Jahrhunderts bis in die 30er Jahre ein einziger Torso war. Eine Konzentration von Rechten an Besitz und Führung der Saline, wie dies etwa bei den Unnaer Salinen der Fall gewesen ist, ist somit in Salzkotten ausgeblieben. Die 24 Kleinunternehmen erwiesen sich als unvorteilhaft für die Einführung von technischen Neuerungen, insbesondere von Grenadier- und Leckwerken, welche eine größere betriebliche Investition darstellten, die nur geschlossen von den Sälzern aufgebracht werden konnte.

Salzkotten blieb bis zum Ende des Jahrhunderts eine rein pfännerschaftlich organisierte Saline. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts befanden sich von den erwähnten 24 Anteilen nunmehr 18 in geistlichen und 6 in weltlichen Händen: Kloster Hardehausen (7 Anteile), Kloster Abdinghof (2 Anteile), Busdorfkapitel (2 Anteile), Jesuitenkolleg (2 Anteile), Kloster Willebadessen (1 Anteil), Kloster Brenkhausen (1 Anteil), Kloster Gehrden (1 Anteil), Gaukirche Paderborn (1 Anteil), Domkapitel Paderborn (1 Anteil), Graf von Westphalen (4 Anteile), Fürst von Waldeck (1 Anteil) und Familie von Spiegel in Klingenberg (1 Anteil). Dabei sah die Sälzerverordnung aus dem Jahre 1700 sogar vor, dass die Anzahl von 24 auch nicht vermindert werden durfte. Dennoch macht die oben beschriebene Anteilseigneraufzählung deutlich, dass sich der Besitz bereits immer mehr und in zunehmend ungleicher Verteilung auf einzelne vermögende Anteilseigner konzentrierte. Der Fürstbischof selbst besaß zu diesem Zeitpunkt noch keine eigenen Anteile. Der anteilige Besitz bezog sich weiterhin nur auf die Solequellen und nicht etwa auf Anlagen und Gerätschaften. Es bestand weiterhin das Nebeneinander von Anteilseignern, Sälzern und Salzschreibern. Das Sälzerkollegium ordnete vor allem die Produktions- und Absatzverhältnisse und hatte das - nicht immer erlangte - Ziel, für eine wirtschaftliche Ausgeglichenheit zwischen den einzelnen Mitgliedern Sorge zu tragen. Die Sälzer betrieben weiterhin in jeweils eigener Regie ihre Siedepfanne und verhandelten das gewonnene Salz auf eigene Rechnung und eigenes Risiko an die reisenden Salzhändler, die so genannten Salz-Entrepreneure.

In der Folge bedeutete dies, dass der Salzverkauf auf die nächste Hütte überging, wenn das Salzverkaufskontingent der vorherigen Hütte erschöpft war. Wenn in einer Pfannhütte, die der Reihenfolge nach verkaufen durfte, nicht mehr genügend Salz vorrätig war, ging der Verkauf auf die nächste Pfannhütte in der Reihenfolge weiter. Derjenige Sälzer, dem das passierte, durfte erst dann wieder in den Verkauf einsteigen, wenn die Reihenfolge wieder an ihm war. Es gab also strenge Absatz- und Verkaufsregeln, die eine wirklich freie und unbeschränkte Absatzwirtschaft des einzelnen Sälzers ziemlich unmöglich machte. Das hatte Auswirkungen auch auf den eigentlichen Produktionsprozess. So war es die Aufgabe des Salzmessers, die zukünftigen Produktionsbegrenzungen zu überwachen. Er achtete darauf, dass kein Sälzer zuviel Salz herstellte und leitete den nach Reihenfolge festgelegten Verkauf.

Der ausbrechende siebenjährige Krieg (1756 - 1763) machte jedwede technische oder betriebswirtschaftliche Weiterentwicklung des Salzkottener Salinenwesens unmöglich. So wie die Stadt selbst wurde auch die Saline durch die Kriegseinwirkungen in schwere Mitleidenschaft gezogen. Im Zuge der zahlreichen Einquartierungen von feindlichen wie verbündeten Truppen des Paderborner Landesherrn wurden zahlreiche Salinenanlagen zerstört. Unter anderem wurde das Sälzerarchiv erneut erbrochen und die Akten geraubt. Der Antransport der für die Siedung notwendigen Brennstoffe unterblieb, da die Fuhrwerke für die Holzzufuhr zu den Bäckereien der Truppenteile und zu Befestigungsarbeiten bei Lippstadt abgezogen wurden. Auch die Salinenarbeiter sowie die im Dienste der Salinen stehenden Pferde wurden zu militärischen Aufgaben zwangsrekrutiert.

Die einheitliche Betriebsführung, die in Salzkotten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zustande kam, führte zu einer wesentlich höheren Rentabilität und Produktivität des Salzkottener Salinenwesens, getätigte Investitionen begannen sich auszuzahlen. Ein Problem stellten jedoch die weiten und schlechten Anfahrtswege dar, die den Salzpreis in die Höhe trieben.

Die wirtschaftliche Situation der Saline Salzkotten entwickelte sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts durch Intervention des Landesherrn und aufgrund der Verbesserungen des Straßennetzes im Hochstift Paderborn infolge der bischöflichen Infrastrukturpolitik so positiv, dass verstärkt Überschüsse aus der Salzproduktion für den Export zur Verfügung standen. In dieser Situation, angetrieben durch die technischen Neuerungen und begleitet durch die merkantilistisch-kameralistische Gewerbepolitik des Landesherrn, aber auch mit der Zielsetzung, den seit 1768 landesherrlich festgeschriebenen Salzpreis nicht mehr akzeptieren zu wollen, verzichteten die Sälzer im Jahre 1789 auf das Privileg des Salzverkaufsmonopols und Importverbots und suchten ihre Zukunft im freien Handelswettbewerb mit den anderen Salinen ihrer Zeit.

Die Entwicklung der Saline Salzkotten, vor allem im 18. und 19. Jahrhundert, läßt sich anhand des vorliegenden Bestandes recht gut nachvollziehen. Vor allem die geschäftliche Korrespondenz des Sälzerkollegiums aus jener Zeit ist umfangreich überliefert. Interne Beratungen und Beschlüsse, aber auch Handelsbeziehungen und Details zum Salinenbetrieb hält der Bestand ebenso bereit wie diverse Prozesse und Rechtsstreitigkeiten.

Der Bestand befand sich bis Ende 2008, vorgeordnet durch Friedrich Graf von Westphalen (1898-1992), auf dem Dachboden eines Stallgebäudes in Fürstenberg. Am 13. November 2007 wurde er gemeinsam von den Referenten des LWL-Archivamts für Westfalen Dr. Wolfgang Bockhorst und Dr. Gunnar Teske sowie den damaligen Praktikanten Dr. Thomas Notthoff und Markus Fugger bewertet. Die archivwürdig eingestuften Akten wurden in Umzugskartons verpackt und im ehemaligen Archivraum von Fürstenberg gelagert. Von dort wurden sie am 16. März 2009 von Dr. Gunnar Teske, Magazinleiter Michael Peren und dem Bearbeiter ins LWL-Archivamt für Westfalen nach Münster verbracht und 2009/2010 durch den Bearbeiter erschlossen und verzeichnet.Die Aktennummer 310 ist aus bearbeitungstechnischen Gründen nicht vergeben.

Der Bestand ist zu zitieren: "Für.IV.Sal, Akte Nr.:..."

Münster, 30.06.2010

Markus Fugger



Anfang  Erweiterte Suche
Warenkorb  Drucken