Vereinigte Westfälische Adelsarchive e.V.
HarKo Harkotten II (Korff) (AD)
HarKo.Stö.Ak - Altes Haus Störmede, Akten
HarKo.Stö.Ak - Archiv Harkotten II, Altes Haus Störmede, Akten
Permalink des Findbuchs


Signatur : HarKo.Stö.Ak - Altes Haus Störmede, Akten

Name : Altes Haus Störmede, Akten

Beschreibung :

Einleitung :

Die Familie Korff, zuerst (1241) mit einem Heinrich Corf in der Gegend von Soest vertreten, gelangte um die Mitte des 13. Jahrhundert in den Besitz von bedeutenden Gerichtsrechten im östlichen Münsterland, die sich um Telgte und Warendorf konzentrierten. Im Kirchspiel Füchtorf an der Grenze des Bistums Osnabrück ließ sie sich, wie der mit (altsächs.) hor- 'Sumpf' zusammengesetzte Name besagt, an einem damals vermutlich recht unwirtlichen, vielleicht nur mit dem namengebenden Kotten (Hor-Kotten) besetzten Platz nieder, der sich zur Anlage einer sicherlich mit einer Gräfte umgebenen und somit befestigten Wohnung für eine Familie der gehobenen, später adeligen bischöflichen Dienstmannschaft (Ministerialität) eignete. In ihrer Funktion als Richter (vrigreven) und Lehnsleute der Grafen von der Mark für die Freigrafschaft Vadrup (zu Telgte-Westbevern) und als bischöfliche Richter (gogreven) der Gografschaft Warendorf übten die Korff einen - für Familien des landsässigen Adels übliche Maß übersteigenden - Einfluss aus.

Das änderte sich nicht, als 1334 eine Teilung des Besitzes, d.h. des engeren, direkt bewirtschafteten Gutsbezirks und der eigenhörigen "Bauern" oder Pächter, unter den Brüdern Everhard und Heinrich Korff stattfand. Der Jüngere von beiden - oder seine Nachkommen - baute in unmittelbarer Nachbarschaft der hovesate 'Hofsitz' ein Haus, dessen Nachfolger heute als "Harkotten 2" gilt und heute noch den Korff gehört und von ihnen bewohnt wird. Das andere, wahrscheinlich ältere Haus Harkotten gelangte 1615 durch eine Erbtochter an die Familie Ketteler, die heute gleichfalls noch unter der Adresse "Harkotten 1" dort in einem Nebengebäude des durch einen Gewerbebetrieb genutzten Gutshauses lebt. Beide Häuser sind um und nach 1800 neu gebaut worden, das Haus Korff 1807-1815 durch den Architekten Vagedes.

Die Archive der beiden Familien auf Harkotten ergänzen sich. Aus dem Jahre 1925 datiert ein Bericht von Heinrich Glasmeier über den Zustand beider Archive unter dem Titel "Archivfahrten kreuz und quer durch Westfalen". Zu dem "Archiv der Freiherren von Korff zum Harkotten" schreibt er für "uns", d.h. für die Vereinigten westfälischen Adelsarchive:

Das Archiv der Freiherren von Korff befindet sich auf dem Schlosse Harkotten bei Füchtorf in einem gewölbten und durch Eisentür und Gitter geschützten Raume des untersten Stockwerkes. Es ist in den letzten Monaten von der Vereinsarchivarin Dr. Maria Hopmann einer gründlichen Reinigung und vollständigen Neuordnung unterzogen worden. Zur Zeit ist unser Buchbinder dort an der Arbeit, um sämtliche Akten auszubessern und in feste Umschläge zu heften. Die Archivalien sollen dann in dem neuhergerichteten Archivgewölbe (...) aufgestellt werden (...).

Der Inhalt des Archivs ist bereits im Jahre 1908 veröffentlicht worden in den Inventaren der nichtstaatlichen Archive des Kreises Warendorf (...). Dort ist auch (...) das Inventar des unmittelbar benachbarten Archivs der Freiherren von Ketteler abgedruckt worden. Bei dem eigenartigen, aber geschichtlich bedingten Verhältnis der beiden Schlösser zu einander ist ohne weiteres klar, dass auch die beiden Archive sich gegenseitig ergänzen und dass man die Urkunden, die man in dem einen nicht findet, in dem anderen zu suchen hat. Der Hauptwert der beiden Archive steckt neben dem familiengeschichtlichen Interesse in den Archivalien über das alter Korffsche Gogericht Warendorf.

Dieser hervorragende Zustand hat sich nach dem Krieg nicht aufrechterhalten lassen. Die nachfolgend durch langdauernde Lagerung in feuchten Räumen ungewöhnlich schwer geschädigten Akten wurden - nach Abschluss eines Depositalvertrags im Dezember 1970 - in zwei Fuhren im Mai und Oktober 1971 in das Westfälischen Archivamt gebracht. Sie wurden getrocknet, gereinigt, auf je erforderliche Weise restauratorisch behandelt und - so gut es möglich war - entsprechend ihrer vorgefundenen alten Ordnung zusammengelegt, zum Teil geheftet und provisorisch eingelagert.

Da auch die alten Findhilfsmittel weitgehend unbrauchbar geworden oder aus anderen Gründen nicht mehr gültig waren, wurden Anfang der 2000er Jahre mehrere Versuche unternommen, die Akten neu zu ordnen.

Der weitaus größte Teil des Aktenbestands wurden zuletzt gegen ein durch den Archiveigentümer unter Beihilfe der Stadt Sassenberg und der Vereinigten Westfälischen Adelsarchiven e.V. ausgelobtes Honorar in den Jahren 2011 und 2012 nach archivischen Gesichtspunkten mit dem Verzeichnungsprogramm "Augias" neu verzeichnet, soweit es die durch die Schäden eingetretene Einschränkung der Lesbarkeit zuließ. In das Findbuch sind die bereits vorliegenden Nummern 1 - 100 von der Hand von Herrn Glaser (bis auf wenige Korrekturen unverändert) aufgenommen worden.

Im Findbuch liegen nun 628 Verzeichnungseinheiten unter Aktennummern zwischen 1 und 1122 vor, mit denen für den Benutzer ein erster Zugang zu den Akten auch in fast allen den Fällen möglich ist, in denen die eingeschränkte Lesbarkeit keine präzise Verzeichnung zugelassen hat. Die im Westfälischen Adelsblatt 2 (1925), S. 90-92 abgedruckte Bestandsübersicht zeigt, was damals vorhanden war. Die neue Verzeichnung ist nur scheinbar nicht immer deckungsgleich: Bei einer intensiven Erforschung und Benutzung des Archivs in seiner jetzigen Gestalt werden sich die alte Übersicht und die neue Aufnahme trotz unterschiedlicher Gliederung ergänzen und gegenseitig erhellen. Immer sind auch die Urkunden des Korffschen Archivs und die zum großen Teil parallele Überlieferung des Archivs Ketteler zum Harkotten heranzuziehen.

Im Archiv Harkotten liegen auch die - hier im zweiten Teil des Findbuchs notierten - Akten des sogenannten "Alten Hauses" Störmede zusammen mit denen des Gutes Rixbeck. Beide im kölnischen Herzogtum Westfalen landtagsfähigen Güter gelangten im Jahre 1646 mit Rechten an dem Corveyer Lehen Mönninghausen und mit Gerichtsrechten durch Schenkung des Domherrn in Hildesheim, Wilhelm v. Hörde, an den Sohn seiner Schwester Gertrud, Jobst Bernhard Korff zum Harkotten. Sie wurden 1834 an die v. Bocholtz verkauft, die schon seit 1575 dort das sogenannte "Hohe Haus" - gleichfalls durch Heirat mit einer Tochter v. Hörde - besaßen.

Das "Alte" und das "Hohe Haus" waren zentraler Teil der allodialen, nicht lehnsabhängigen "Herrschaft Störmede", eines großen Besitzkomplexes, den um 1270 Friedrich v. Hörde mit Kunegund von Störmede, der Erbin ihres Vaters Albert erheiratet hatte.

Die Herren von Störmede waren als Edelherren Standesgenossen und Verwandte der Edelherren von Büren und der Edelherren, später Grafen und Fürsten zur Lippe. Erst Albert war Paderborner Ministerial geworden .

Die Archivalien der Güter Störmede und Rixbeck liegen ungetrennt im Archiv Harkotten und sind gleichfalls im Jahre 2010 mit 215 Nummern neu verzeichnet worden. Überblicke über den Bestand bieten Glasmeier 1925 und Bockhorst 2012 .

Der Bestand ist wie folgt zu zitieren: Archiv Harkotten II - Korff, Bestand: Harkotten, Akten, Nr. [...] oder als Kurzzitat: HarKo.Har.Ak, Nr. [...].

Leopold Schütte

Umfang : 3,90

Verweise :

Wolfgang Bockhorst (Bearb.), Adelsarchive in Westfalen (3. Auflage). Münster 2012, S. 161-163

Albert Brand, Die altsächsische Edelherrschaft Lippe-Störmede-Boke und das Corveyer Vitsamt Mönninghausen von ihren Anfänge bis zur preußischen Besitzergreifung. In: Westfälische Zeitschrift 74 II (1916), S. 1-132

Adolf Brennecke u. Ernst Müller (Bearb.), Inventare der nichtstaatlichen Archive des Kreises Warendorf. Münster 1908. Darin S. 81-95: Archiv des Hauses Harkotten - v. Korff.

Heinrich Glasmeier, Archivfahrten kreuz und quer durch Westfalen - 10 Das Archiv der Freiherren von Korff zum Harkotten. In: Westfälisches Adelsblatt 2 (1925), S. 89-92

Maria Hopmann, Einiges aus der Geschichte des Geschlechtes von Korff zu Harkotten. In: Westfälisches Adelsblatt 2 (1925), S. 64-67

Friedrich Philippi, Korffsches Gogericht Warendorf. In: Ders. (Bearb.), Die Landrechte des Münsterlandes. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen. Rechtsquellen. Westfälische Landrechte. I.). Münster 1907, S. 195-218 u. 238-244. (Quellen aus den Jahren 1448 -1541)



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