Vereinigte Westfälische Adelsarchive e.V.
Lem Lembeck
Lem.N.HHM - Nachlass Hanns Hubertus Graf von Merveldt (1901-1969)
Lem.N.HHM - Nachlass Hanns Hubertus Graf von Merveldt
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Signatur : Lem.N.HHM Nachlass Hanns Hubertus Graf von Merveldt (1901-1969)

Name : Nachlass Hanns Hubertus Graf von Merveldt (1901-1969)

Beschreibung :

Einleitung :

Zur Überlieferung

Die Nachlässe des Malers Hanns Hubertus Graf von Merveldt (HHM) und seiner Frau, der Journalistin Eka Gräfin von Merveldt geb. Müller wurden dem Unterzeichneten im Spätsommer 2008 von Ferdinand Graf von Merveldt zu Lembeck zur Verzeichnung übergeben.

Er bestand weitgehend aus kunsthistorischer Literatur, die seine Frau Eka († 24. Febr. 1997) gesammelt hatte, die aber nicht für den eigentlichen Nachlass übernommen wurde, der nach seiner Bewertung ca. 4 lfd. laufende Meter (oder 32 normale und einen größeren Archivkarton für Überformate sowie drei hölzerne Karteikästen) umfasst. Ausgesondert wurden vor allem die zahllosen Briefe Ekas an ihre Mutter Elfriede und die Schwester Louise Müller, die Eka offensichtlich nach deren Tod an sich genommen hatte. Auch ihre journalistische und schriftstellerische Arbeit, die sie selbst dokumentiert hatte, fiel zu großen Teilen der Vernichtung anheim, zumal sie von ihr selbst ziemlich ungeordnet hinterlassen worden war.

Das erste Anliegen der archivarischen Arbeit war es, das Leben und Werk des Malers HHM zu dokumentieren. Sein Nachlass macht etwa 2/3 des Gesamtnachlasses aus. Er erstreckt sich mit dem Schrift- und Bildgut über den Zeitraum von 1858 bis 1992.

Die elterliche Familie von HHM ist nur mit einigen älteren Fotografien, wenigen Briefen der Mutter Alice Gräfin von Merveldt geb. von Beck und einigen Personalpapieren des Vaters Reinhard Graf von Merveldt vertreten. Möglicherweise lassen sich zu den Eltern des Malers noch einige Zeugnisse bei seinen Geschwistern bzw. deren Familien auf Haus Schlichthorst und Haus Füchteln/Oldenburg finden. Doch ist die Wahrscheinlichkeit dafür nicht besonders hoch, da sich Eka Gräfin von Merveldt insbesondere nach dem Tode ihres Mannes nicht nur um die Erfassung seines malerischen Werks, sondern auch um Zeugnisse aller Art, die Auskunft über ihn geben könnten, intensiv bemüht hat.

Eka Gräfin von Merveldt hat in ihren letzten Lebensjahren wahrscheinlich nicht mehr die Kraft gehabt, die zuletzt von ihr oder anderen genutzten Papiere und Dokumentationen in der gewohnten Ordnung zusammen zu halten.

Biographische Daten zu HHM:

Hanns Hubertus Graf von Merveldt wurde am 24. März 1901 als Sohn der Eheleute Reinhard Reichsgraf von Merveldt und Alice geb. Freiin von Beck in Coesfeld geboren.

1907 -1920 Schulbesuch in Münster und Potsdam

Besuch der Kadettenanstalt in Berlin Lichterfelde

1920 Reifeprüfung in Berlin; anschließend Anstreicherlehre in Münster

1921 -1923 Studium an der Akademie der Bildenden Künstler in Karlsruhe; Meisterschüler

von Prof. August Babberger (1885-1936)

1924 -1926 HHM als freischaffender Künstler, Ausstellungen bei Alfred Flechtheim (1878-

1937) und Bruno und Paul Cassirer

1926 Erste Reise nach Rom und Neapel, anschließend nach Südfrankreich und Paris

1927 Reise nach Florenz und in die Toskana. Beteiligung an Ausstellungen des Berliner

Kunstvereins (KV), der Preußischen Akademie der Wissenschaften, der

Kunsthalle Mannheim und des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte

in Münster

1928 Aufenthalt in Paris für nahezu vier Jahre. Reisen in Frankreich. Bekanntschaften

mit zahlreichen Malerkollegen und Kunsthistorikern

1930 Beteiligung an der Ausstellung der Berliner Sezession

1931 Beteiligung an der großen Westfälischen Kunstausstellung in Münster.

Westfälischer Kunstpreis. Mitglied der Berliner Sezession bis zu ihrer Auflösung

durch die Nationalsozialisten. Vorübergehender Aufenthalt im Atelier Rudolf

Levi in Berlin

1932 Beteiligung an der Ausstellung Junge deutsche Künstler bei Alfred Flechtheim

Freundschaft mit Carl Hofer und Werner Haftmann (1912-1999), Bekanntschaft

mit dem Sammler und Kunstschriftsteller Wilhelm Uhde (1874-1947).

Vorstandsmitglied der Berliner Sezession.

Franz Hartmann (1886-1955), Sekretär der Berliner Sezession, wurde

Auftraggeber und Förderer von HHM.

Verleihung des Rompreises an HHM, vergeben von der Preußischen Akademie

der Künste mit anschließendem Aufenthalt in der Villa Massimo.

Beteiligung an der International Exhibition of Contemparary Painting im

Carnegie Institute in Pittsburgh (mehr oder weniger regelmäßig bis 1950).

1933 Beteiligung an der Ausstellung Lebendige Deutsche Kunst in der Galerie

Cassirer, Berlin; an Ausstellungen des Berliner KV und KV Hannover

Aufenthalt in der Schweiz und Jugoslawien

1935 Preis des Westfälischen KV

1936 Beteiligung an der Biennale in Venedig und der Ausstellung Junge Künstler in

Berlin.

1937 Beteiligungen an Ausstellungen in München, Berlin, Essen und Stettin. Die

damals ausgestellten Bilder gelten fast alle als verschollen.

Ausstellungsverbot für HHM

1939 Aufenthalt auf der Insel Hiddensee

1941 -1945 Militärdienst im Stab der Luftflotte I (Russland, Waffenstillstandskommission

Marokko, in Holland, zuletzt beim Luftkommando IV in Münster)

1944 Januar 30. Das Atelier HHM in Berlin, Geisbergstr. 29, fällt den Bomben zum Opfer

1945 -1949 Aufenthalt auf Haus Göttendorf in Rinkerode

1945 Erste Ausstellung nach dem Krieg beim WKV in Münster, ferner in Bielefeld

und Herne

1946 Beteiligung an der Ausstellung Westfälische Sezession im Karl-Ernst-Osthaus-

Museum in Hagen.

Berufung an die Kunstschule des Nordens in Berlin-Weißensee; nicht angetreten

1947 Beteiligung an den Kunstausstellungen der Münchener Sezession (regelmäßig

bis 1962), an den Ausstellungen der Galerie Jugend (Dr. Gottfried Sello, * 1913,

+ 1994) in Hamburg

Ehrenmitglied der Münchener Sezession

Freundschaft mit dem späteren Chefredakteur der ZEIT, Josef Müller-Marein

(* 1907, + 1981)

1948 Aufenthalt im Atelier von Alfred Mahlau in der Landeskunstschule am

Lerchenfeld (Kunstakademie), Hamburg

Bekanntschaften mit Kunstsammlern, u. a. Gerd Bucerius (1906-1995), Ernst

Gadermann (1913-1973)

1949 Beteiligungen an Ausstellungen in Hagen und Düsseldorf

Eheschließung mit Erika (Eka) Müller (* 1911)

1950 Reisen nach Italien, Spanien und Frankreich

Beteiligung an der Ausstellung Westfälische Kunst der letzten 50 Jahre sowie an

der Ersten Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Berlin

1952 Seereise mit dem Frachter Lystum durch das Mittelmeer bis zur Türkei

Beteiligung an der Ausstellung Das Bild der Welt. Deutsche Malerei der

Gegenwart 2 in Mannheim.

1954 Bekanntschaft mit Alexander Calder (1898-1976); Beteiligung an der

Ausstellung Ehemalige Schüler - 100 Jahre Akademie der bildenden Künste

Karlsruhe im Badischen KV.

1955 Seereise in den Norden (Lulea, Bottnischer Meerbusen) im Auftrag des

Kunstkreises zur Förderung der Bildenden Künste in Hameln.

1956 Wandfresko für eine Turnhalle in Hamburg-Harburg

1958 Beteiligung an der Ausstellung der Freien Künstlergemeinschaft Schanze

Arbeiten aus vier Jahrzehnten in Münster

1960 Aufenthalt in der Cinque terre der ligurischen Küste

Beteiligungen an Ausstellungen in Mannheim und Düsseldorf

1962 Begegnung mit dem russischen Dichter Jewgenij Jewtuschenko (* 1932)

1963 Bekanntschaft mit dem Architekten Richard Neutra (1892-1970)

1964 Beteiligung an der Ausstellung Hamburger Künstler

1966 Glasfenster für eine Volks- und Realschule in Schwalbach/Taunus.

Verschlechterung seines Gesundheitszustandes. HHM stellt seine Reisen mehr

oder weniger ein

1967 HHM vollendet sein letztes Ölgemälde nach einem Aufenthalt an der Riviera

(Bordighera) in seinem Hamburger Atelier

1969 Oktober 4. HHM stirbt in einem Hamburger Krankenhaus

Literatur zu HHM:

H. H. Merveldt. Gouachen, Aquarelle, Zeichnungen. Hrsg. im Auftrag des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Westfälisches Museumsamt von Bernard Korzus. Münster 1981.

Hanns Hubertus Graf von Merveldt (1901 Coesfeld - 1969 Hamburg). Dokumentation zum 80. Geburtstag anlässlich einer Ausstellung der Galerie von Abercron. München 1981.

Hanns Hubertus Graf von Merveldt 1901-1969. Gouachen und Aquarelle. Ausstellung der Arbeiten vom 12. 10. bis 8. 12. 1991 in der Galerie Frye & Sohn. Mit einem Vorwort von Gottfried Sello. Münster 1991.

Der bedeutendste und mit einem Werkverzeichnis versehene Katalog ist:

Hanns Hubertus Graf von Merveldt 1901 - 1969. Monographie und Werkverzeichnis. Hrsg. von Helmut Knierim und Mario-Andreas von Lüttichau. Köln: Wienand-Verlag 1991.

Biographica zu Eka Gräfin von Merveldt:

Eka Gräfin von Merveldt wurde am 20. Mai 1911 in Kowanowko, Posen (heute Polen) als Erika Müller geboren.

Ihr Vater starb bereits 1915.

1922 musste die Familie Müller: die Mutter Elfriede, ihre Schwester Louise (* 1901, + 10. März 1995) und der Bruder Anton Bruder Arthur Müller (* 6. 9. 1905, gefallen April 1945) Polen verlassen. Anderthalb Jahre blieb Eka ohne Schulausbildung, die sie dann in Heidemühl/Ostpreußen fortsetzen und 1932 mit der Reifeprüfung auf dem Oberlyzeum in Marienburg, Westpreußen abschließen konnte.

1934 nahm sie einen viermonatigen Aufenthalt auf Island.

1. Juni 1935 trat sie beim Verlag Scherl als Stenotypistin ein.

1936-1938 war sie dort als Redaktionssekretärin tätig.

1937 unternahm sie ihre erste Englandreise

1939 trat sie als erste weibliche Volontärin beim Scherl-Verlag in Berlin ein und arbeitete, dort nach eigenen Angaben auch ab 1. April 1939 bis 1942 als Redakteurin der Berliner Tageszeitung, Berliner Lokalanzeiger; dann in der Abteilung "Berliner Illustrierte".

1945, als die Stadt schon unter dem Beschuss der russischen Artillerie stand, gelang ihr die Flucht aus Berlin in die Lüneburger Heide.

1946 von Karl Silex für die in Vorbereitung befindliche "Hamburger Allgemeine Zeitung" eingestellt.

Bei Gründung der Zeitung DIE ZEIT wurde sie von Josef Müller-Marein in die Redaktion geholt, wo sie zunächst Filmkritiken schrieb, dann Umbruch- und Bildredakteurin wurde.

Ihre Festanstellung bei der ZEIT erfolgte am 20. 3. 1946 und endete am 31. 12. 1972.

14. Dezember 1949 Eheschließung mit HHM.

In der ZEIT entwickelte sie die Ressorts "Modernes Leben" und "Reise und Verkehr" und reiste vielfach als Reisekorrespondentin, gleichzeitig leitete sie das Ressort Reise und Verkehr.

1968 erhielt sie den Theodor-Wolff-Preis für ihre Reportage "Los Angeles oder die Lust am Wohnen".

1972 schied sie aus der Redaktion aus.

In Florenz traf sie Werner Haftmann, einen Freund des Hanns Hubertus aus den 1930er Jahren wieder, den sie selbst auch als Redeakteurin in der Zeit kennen gelernt und betreut hatte. Er führte sie auch in die Renaissance und die Geschichte der Stadt Florenz ein.

Daraus entstand nach zehnjähriger Recherche 1982 das Buch "4 x mal Florenz", für das sie in Florenz mit dem "Premio Pontevecchio" ausgezeichnet wurde.

Eka Gräfin von Merveldt starb am 24. Februar 1997.

Werke von Eka Gräfin von Merveldt:

Merveldt, Eka von: Weltreisen für Anfänger Mit Illustrationen von Paul Flora

Diogenes Verlag 1963. 69 S. (Monographie).

Dieselbe: Im Land der tausend Gesichter. Reise-Notizen aus Israel. Tribüne, 4 (1965), S. 1698 - 1705. ISSN: 0041-2716 (Aufsatz).

Dieselbe: Reisen zu neuen Weltwundern. Stuttgart: Goverts 1968, 258 S.

Dieselbe: Prag: Melancholie, Beklommenheit und Poesie. In: 2 (zwei) Tage in Europäische Städte laden ein, hrsg. von Ferdinand Ranft. München: Piper 1971, S. 183-198.

Dieselbe: Merian - Münster und das Münsterland. Hamburg: Hoffmann u. Campe 1974: 167 S. : Ill., Kt. - Merian 27. 1974, 10 (Monographie).

Dieselbe: Burma. In 2 (zwei) Wochen in Fernost, hrsg. von Ferdinand Ranft. München: Piper 1977, S. 76-90.

Dieselbe: Viermal Florenz |4mal Florenz|. München: Piper: 1982: 348 S. mit zahlr. Abb. (Monographie). - Zweite überarbeitete Aufl. München: Piper: 1988: 383 S. 3. Aufl. Zürich: Piper: 1990: 383 S., 20 Ill.

Dieselbe (Hrsg.): Reise-Textbuch Florenz - ein literarischer Begleiter auf den Wegen durch die Stadt Florenz. München: Dt. Taschenbuch-Verlag 1989: 332 S.



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