Vereinigte Westfälische Adelsarchive e.V.
Vel Velmede (AD)
Vel.Ak - Haus Velmede, Akten
Vel.Ak - Haus Velmede, Akten
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Signatur : Vel.Ak - Haus Velmede, Akten

Name : Haus Velmede, Akten

Beschreibung :

Einleitung :

Der Ortsname Velmede im Kirchspiel Methler, heute zu Bergkamen gehörig, erscheint erstmals 1153 in einer Urkunde Papst Eugens III., der dem Stift Cappenberg einen Oberhof (curtis) dieses Namens bestätigt, den späteren Hof Schulte zu Velmede (WUB 5, 35 n. 97; cf. Petry, Die ältesten Urkunden von Cappenberg, II, 94f. und Schöne, Beiträge zur Geschichte Cappenbergs, S. 149). Ein Hermann de Velmede bezeugt in einer undatierten Urkunde Abt Hermanns von Cappenberg (1183-1203) den Verzicht Wicbolds von Welver auf seine Ansprüche an diesem Oberhof (Erhard, Cod. Dipl., S. 181f. Urk. 457). In einer weiteren undatierten Urkunde Graf Adolphs von Altena überlassen 1193-1205 Ludolph von Velmede und seine Brüder Arnold und Egezen dem Stift den Zehnten vom Oberhof (WUB 3, S. 6f. Nr. 8). Seit etwa 1200 ist also die Familie von Velmede auf dem gleichnamigen Haus nachgewiesen. Ihre Mitglieder erscheinen öfter als Zeugen im Gefolge der Grafen von Altena und von der Mark. 1256/57 ist erstmals der Titel "Ritter" für Lambert von Velmede belegt (WUB 3, S. 320 Nr. 604). Bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts blieb Velemede im Besitz der Familie von Velmede.

Dadurch dass der Knappe Richard von Boenen (1344, 1359 belegt) die Erbtochter Deidar von Velmede heiratete (Gen. Smlg. Spießen, Bd. 6 Bl. 36), kam das Haus dann an die von Boenen (cf. Steinen, Westf. Gesch 2, S. 941f.). Anfang des 16. Jahrhunderts heiratete Hermann von der Hegge Fresendorp von Boenen, Erbin von Velmede (Gen. Smlg. Spießen Bd. 6 Bl. 36; Bd. 19 Bl. 88). Durch die Vermählung von Ernst Metta von der Hegge (†1643), Erbin von Velmede, Tochter von Bernd von der Hegge und Metta von Münchhausen zu Arzen, im Mai 1600 mit dem lippischen Landdrosten Mauritz von Oeynhausen (1565-6.12.1624), kam Velmede Ende des 16. Jahrhunderts für eine Generation an die von Oeynhausen zu Grevenburg (v. Oeynhausen, Gesch. d. Geschlechts v. Oeynh., 3, S. 386f.). Mauritz starb 1624, der älteste Sohn Rab Arndt (12.6.1601-6.6.1634), schwedischer Obristwachtmeister, wurde 1634 von Jobst von Schwansbell im Streit um die Fischereirechte in Velmede erschossen (von Oeynhausen, Gesch. d. Geschlechts v. Oeynh., 3, 395-397; vgl. Akte Nr. 64), und der zweite Sohn, Bernd Moritz (1602-11.1632), kaiserlicher Oberst der Kavallerie, starb 1632 in Leipzig (ebd., S. 399-402), sodass die Tochter Anna Felicitas (†26.6.1669) Velmede erbte.

Sie heiratete 1636 in erster Ehe Reiner von Bodelschwingh, Sohn von Jobst Wilhelm von Bodelschwingh zu Ickern, Brockhausen und Loburg, und nach dessen Tod den Rittmeister Jobst von der Brüggen (ebd. S. 388f.). Während die zweite Ehe kinderlos blieb, ging aus der ersten Reinhard Dietrich von Bodelschwingh hervor, der 1675 Margarete Catharina von Plettenberg zu Schwarzenberg ehelichte. Ihr Sohn Christoph Giesbert Dietrich (†19.9.1744) heiratete Anna Elisabeth Henriette von Bodelschwingh zu Bodelschwingh (†22.12.1745). Der Erbe Christoph Giesbert schloss 1753 die Ehe mit Christine Sophie Eleonore Quadt von Landscron zu Ickern. Erbe wurde ihr Sohn Franz Christoph Giesbert Friedrich Wilhelm (1754-1827), der 1785 Friderieke Freiin von Plettenberg, Erbin zu Heide, Bynkhof, Bögge und Nordhoff, heiratete und 1786 das nahe gelegene Gut Töddinghausen erwarb (Bockhorst, Adelsarchive in Westfalen³, S. 397). Ihr ältester Sohn, Ludwig Carl Christian Giesberg Friedrich (1800-1873), Oberpäsident der Provinz Westfalen und preußischer Finanzminister, begründete die Linie Bodelschwingh zu Heide, der zweite Sohn, Ernst Albert Carl Wilhelm Ludwig (1794-1854), Landrat zu Tecklenburg, Oberpräsident der Rheinprovinz und preußischer Finanz- und Innenminister, Herr zu Velmede und Töddinghausen, heiratete Charlotte von Diest. Der Ehe entstammten sieben Kinder, darunter als 5. Sohn der spätere Pastor und Begründer der von Bodelschwinghschen Anstalten Friedrich von Bodelschwingh (1831-1910) (Gen. Smlg. Spießen, Bd. 6, S. 5-7). Nachfolger auf Velmede wurde Franz von Bodeslchwingh (1827-1890) (Nr. 35), der allerdings selten dort lebte. Nach einer Forstausbildung arbeitete er ab 1860 am Forstamt Krofdorf, Kr. Wetzlar. Nach einem Jahr als Landrat in Hamm ging er 1866 zur Forstinspektion nach Trier und 1869 als Forstmeister zur Finanzdirektion nach Hannover, bevor er 1872 kaiserlicher Oberforstmeister der Forstdirektion der Reichslande Elsass-Lothringen in Kolmar wurde. 1881 ging er schließlich in den Ruhestand nach Bückeburg (Nr. 24). Er hatte 1855 Clara von Hymmen geheiratet, die ihm insgesamt 13 Kinder gebahr (Nr. 25; Nl. Ernst von Bodelschwingh Nr. 30, S. 2f.). Velmede fiel an den 3. Sohn Franz von Bodelschwingh (1862-1933), der 1896 das Gut Schwarzenhasel bei Rotenburg a.d. Fulda kaufte, wo er sich bevorzugt aufhielt (Nr. 36; Nl. Ernst von Bodelschwingh, Nr. 30, S. 7). Er setzte zum Erben seinen Neffen und Adoptivsohn Ernst von Bodelschwingh (1906-1993) ein, leiblicher Sohn des Pastors Wilhelm von Bodelschwingh (1869-1923) und der Luise von Ledebur (1868-1956) (Nr. 37). Ernst von Bodelschwingh war mit Gerda von Laer verheiratet. Die Familie nahm wieder Velmede zum Wohnsitz und baute die Gutsverwaltung wieder auf. Ihnen folgte auf Velmede ihr Sohn Friedrich-Wilhelm von Bodelschwingh (*1935), seit 1962 verheiratet mit Hildegard Freiin von Richthofen. Das Gut Töddinghausen wurde 1951 an den zweiten Sohn Gisbert (*1937) übertragen (Nr. 39).

Der Archivbestand enthält zur Familie von Bodelschwingh neben verstreuten Nachrichten zu verschiedenen Famienmitgliedern Nachlasssplitter von Ernst (1794-1854), dem Oberforstmeister Franz (1827-1890) und seinem Sohn Franz (1862-1933) von Bodeslchwingh; besonders hervorgehoben zu werden verdienen Abschriften von ca. 100 Briefen König Friedrich Wilhelms IV. an den damaligen Innenminister Ernst von Bodelschwingh (Nr. 13), herausgegeben von Hans-Joachim Schoeps (Nr. 22). Drei Akten betreffen die Verwaltung des Amtes Unna im 18. Jahrhundert (v. Nr. 32f., 117). Den Schwerpunkt bildet die Gutsverwaltung von Velmede im 19. Jahrhundert. Der älteste Vorgang ist der Streit um die Fischerei bei Hilsings Mühle zischen den von Oeynhausen zu Velemde und den von Schwansbell zu Aden und Oberfelde (Nr. 64, vgl. Uk. 5). Durch die Heirat zwischen Franz Christoph Giesbert Friedrich Wilhelm von Bodelschwingh (1754-1827) und Friderieke Freiin von Plettenberg, Erbin zu Heide, Bynkhof, Bögge und Nordhoff, 1785 kamen auch einige Haus Bögge betreffenden Urkunden in das Archiv (Urk. 2-4). Franz von Bodelschwingh hat 1911, um für sich und seine Familie den Freiherrntitel zu reklamieren, den Akten alle Schriftstücke, auf denen er einen solchen Titel erwähnt fand, zu einem eigenen Konvolut zusammengestellt (Nr. 28). Soweit sich darunter Schriftstücke befanden, die sich eindeutig anderen Akten zuordnen ließen oder einen inhaltlichen Eigenwert aufweisen, wurden sie entnommen; sie sind an der blauen Unterschreichung des Wortes "Freiherr" leicht zu erkennen. Der überwiegende Teil der Dokumente ist in der Akte belassen worden.

Weitere Überlieferung zu Haus Velmede befindet sich im Bestand Haus Heide im Stadtarchiv Kamen und im Bestand Bodelschwingh-Velmede des Depositums Landsberg-Velen im Landesarchiv NRW, Abt. Westfalen, in Münster (Findbuch A 450 Bod). Der Nachlass von Ernst von Bodelschwingh MdB (1906-1993) bildet einen eigenen Bestand.

Der Bestand ist zu zitieren: LWL-Archivamt für Westfalen, Dep. Haus Velmede, Akten Nr.

Literatur:

Wolfgang Bockhorst, Adelsarchive in Westfalen. Die Bestände der Mitgliedsarchive der Vereinigten Westfälischen Adelsarchvie e.V. sowie die in staatlichen, kommunalen und sonstigen Archiven Westfalens verwahrten Adeslarchive - Kurzübersicht (Vereinigte Westfälische Adelsarchive e.V., Veröff. Nr. 9), 3. aktualisierte Aufl., Münster 2012

Julius Graf von Oeynhausen, Geschichte des Geschlechts von Oeynhausen, 4 Teile, 3. und 4. Teil hrsg. von Dr. Grotefend, Frankfurt a.M. 1870-1889

Manfred Petry, Die ältesten Urkunden und die frühe Geschichte des Prämonstratenserstiftes Cappenberg in Westfalen (1112-1200), phil. Diss Köln 1972, in: Archiv für Diplomatik 18 (1972), S. 143-289, 19 (1973), S.29-150.

Franz Schöne, Beiträge zur Geschichte des Prämonstratenserklosters Cappenberg, in: Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde 71 (1913), S. 107-218.

Landesarchiv NRW, Abt. Westfalen (Münster), Sammlung von Spiessen (Kopie im LWL-Archivamt für Westfalen, Münster)

Johann Diederich von Steinen, Westphälische Geschichte, 2. Theil, 1755, ND Münster 1963, Das XII. Stück: Historie der Kirchspiele im Amt Unna, S. 675-1064

Münster, April 2013

Gunnar Teske

Umfang : 1



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