Vereinigte Westfälische Adelsarchive e.V.
Tat Tatenhausen (AD)
Tat.Ste - Steinhausen
Tat.Ste - Archiv Tatenhausen, Steinhausen
Permalink des Findbuchs


Signatur : Tat.Ste - Steinhausen

Name : Steinhausen

Beschreibung :

Einleitung :

Geschichte des Gutes Steinhausen

Das in der Grafschaft Ravensberg zwischen Halle, Hörste und Steinhagen gelegene Rittergut Steinhausen war ursprünglich der Stammsitz eines ravensbergischen Adelsgeschlechts gleichen Namens, das sich seit der Mitte des 14. Jahrhunderts in der Gegend um Halle/Westfalen nachweisen lässt.

Nach dem Aussterben der männlichen Linie der Familie Steinhaus im Jahre 1610 gelangte das Gut durch Heirat in den Besitz der Familie von Hatzfeld, die das Gutsgebäude baulich umgestalten und erweitern ließ. Nach dem Tode des Gutsherrn Heinrich Ludwig von Hatzfeld im Dreißigjährigen Krieg scheint es mehrere kurzfristige Besitzwechsel auf Steinhausen gegeben zu haben, bis schließlich 1635 der kaiserliche Hauptmann Johann von Dumbsdorf das Gut übernahm. Unter seiner Verwaltung, so vermerkt der anonyme Gutschronist des 18. Jahrhunderts (Bestellnr. Ste 2), "ist das Guth sehr herunter gekommen" und büßte einen Teil seiner Ländereien und Eigenhörigen ein.

Erst unter Johanns Sohn, dem kurkölnischen Drost zu Gronau Johann Wilhelm von Dumbsdorf, erholte es sich wieder, was Johann Wilhelm jedoch nicht davon abhielt, Steinhausen am 28. März 1714 für einen Preis von 26.996 Reichstalern und zehn Groschen sowie eine jährliche Leibrente von 500 Reichstalern an die Witwe Henriette Maria von Ledebur, geb. von Ittersum, zu verkaufen. Die Gutsherrin erweiterte den Besitz Steinhausens erheblich, überlebte ihren einzigen Sohn und Erben, Heinrich Adolph von Ledebur, um einige Jahre und vermachte das Gut schließlich im Jahre 1729 Heinrich Adolphs Witwe, Magdalena Dorothea Maria von Ledebur, geb. von Nagel zu Wallenbrück.

Auf Maria von Ledebur folgte 1745 ihre älteste Tochter, Henrietta Dorothea Johanna. Diese hatte sich bereits 1733 mit Johann Friedrich von dem Bussche-Hünnefeld vermählt, dessen Sohn Clamor Adolph Theodor 1755 als Haupterbe seiner Eltern Steinhausen übernahm. Als dieser 1818 starb, hinterließ er keine direkten Nachkommen.

Durch einen Teilungsrezess vom 06. Februar 1819 wurde Steinhausen einem seiner Neffen, dem Domkapitular Clamor August Friedrich Wilhelm von dem Bussche, zugesprochen, der das Gut bis zu seinem Tode 1822 verwaltete. Danach wechselte Steinhausen innerhalb der Familie von dem Bussche-Streithorst mehrfach den Besitzer, um schließlich 1842 im Zuge einer amtlichen Versteigerung (Subhastation) veräußert zu werden. Neuer Besitzer wurde der Graf Clemens von Korff-Schmising zu Tatenhausen, dessen Familie das Gut bis 1949 verwaltete.

Die Abfolge der Besitzverhältnisse von Steinhausen stellt sich somit wie folgt dar:

Steinhausen (~1350 - 1610)

von Hatzfeld (1610 - 1635)

von Dumbsdorf (1635 - 1714)

von Ledebur (1714 - 1755)

von dem Bussche (1755 - 1842)

von Korff-Schmising (1842 - 1949)

1949 verkaufte die Familie Korff-Schmising Steinhausen an die Firma Condetta, eine Tochter der Süßwarenfirma Storck. In der Frage der weiteren Nutzung des inzwischen stark renovierungsbedürftigen Hauses einigte sich Storck mit dem Westfälischen Amt für Denkmalpflege darauf, das mittelalterliche Hauptgebäude sowie die späteren Anbauten abzureißen. Einzig der Treppenturm sollte erhalten bleiben und restauriert werden. Dazu kam es allerdings nach dem Abriss des Hauptgebäudes im Jahre 1954 nicht. Der frei stehende Turm verfiel in der Folgezeit und musste nach einem Unwetterschaden im Frühjahr 1956 ebenfalls abgerissen werden.

Bestandsgeschichte und -struktur

Der vorliegende Bestand Steinhausen ist Teil der Überlieferung des Gutsarchivs Tatenhausen (bei Halle/Westfalen), das zuletzt von den Eigentümern des Gutes, der Familie Korff-Schmising, zusammengestellt wurde. Im Bestand Steinhausen befinden sich außer den Verwaltungsunterlagen aus Korff-Schmisingscher Zeit (seit 1842) auch zahlreiche Akten der verschiedenen Vorbesitzer des Gutes, die dessen Verwaltung vom Anfang des 17. Jahrhunderts an dokumentieren. Der Schwerpunkt der Überlieferung liegt allerdings auf dem 18. und 19. Jahrhundert. Als Fremdprovenienzen finden sich in dem Bestand zudem zwei Einnahmeverzeichnisse aus dem Magdeburger Raum (Bestellnr.: Ste 7 und Ste 8), die offenbar versehentlich als Teil der Güterverwaltung der Familie von Dumbsdorf in den Bestand Steinhausen geraten sind.

Ein Teil der Unterlagen wurde in den 1920er und 30er Jahren durch den "Wanderarchivar" Max Geyr von Schweppenburg geordnet. Spuren seiner Arbeit finden sich in Form der blauen Beschriftungen auf den Umschlägen um viele Verzeichnungseinheiten. Die Ordnung war jedoch weder vollständig noch detailliert genug, um heutigen Anforderungen zu genügen, so dass eine grundlegende Neuverzeichnung notwendig wurde.

Im Jahre 1995 gab der jetzige Eigentümer, Benedikt Freiherr Teuffel von Birkensee, das Archiv Tatenhausen als Depositum in das LWL-Archivamt für Westfalen. Der Bestand Steinhausen umfasst nach einer der Neuverzeichnung 2004 rund 320 Verzeichnungseinheiten.

Inhaltliche Schwerpunkte bilden, wie es für Gutsarchive typisch ist, die Verwaltung von Grundstücken, Abgaben und Vermögen sowie die Bewirtschaftung und Rechteverwaltung. Einen großen Anteil an den Akten machen also Unterlagen zum Erwerb und Verkauf des Gesamtgutes, Heberegister, Geschäftsbücher und Kolonatsakten aus. Letztere enthalten meist Erbangelegenheiten, Verträge, Ablösungsurkunden, Inventare etc.

Im Zuge der Neuverzeichnung wurden Doubletten sowie ein Teil der Rechnungsunterlagen aus der Zeit nach 1850 nachträglich kassiert; die Rechnungsbücher aus diesen Jahren liegen deshalb nur in Fünfjahresschritten vor.

Ergänzungsüberlieferungen

Ergänzende Informationen zur Geschichte Steinhausens finden sich vor allem in den Unterlagen des Gutes Tatenhausen, die sich ebenfalls als Depositum im WAA befinden; Steinhausen betreffende Akten, die offensichtlich Teil der Tatenhauser Zentralverwaltung waren, wurden bei der vorliegenden Neuverzeichnung dort belassen.

Zur Geschichte der Familien auf Steinhausen sei zudem auf folgende Archivbestände verwiesen:

- Das Archiv der Familie von Ledebur im Staatsarchiv Münster (Findbuch A 435 I-IV)

- Die Gutsakten der Familie Hatzfeldt in Trachenberg im Staatsarchiv Breslau (Bestands-Nr. 665)

Der Bestand wird wie folgt bestellt und zitiert:

Archiv Tatenhausen, Bestand Steinhausen, Ste.[Nr. XX].

Die Bestandssignatur lautet: Tat.Ste.[Nr. XX].

Ragna Boden und Christoph Schmidt, im Dezember 2004

Umfang : 4,50

Verweise :

von der Horst, Karl Adolf Freiherr: Die Rittersitze der Grafschaft Ravensberg und des Fürstentums Minden, Berlin 1894, S. 78-79



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